Vom Azubi aufgestellter Blitzer = Messwerte ungültig?

Azubi stellt Blitzer mit auf: Sind die Messungen trotzdem gültig?

News vom 11.04.2018 um 14:41 Uhr

Stellt ein Azubi einen Blitzer auf, könnten die Messwerte ungültig sein.

Stellt ein Azubi einen Blitzer auf, könnten die Messwerte ungültig sein.


Bonn – 18.000 Bußgeldbescheide könnten ungültig sein, weil eine Azubi den Blitzer, der die Temposünder erfasst hat, mit aufgestellt hat! In einer Verhandlung vor dem Kölner Amtsgericht kam heraus, dass der Auszubildende mit anderen Beamten zusammen im Juni 2017 einen Blitzer an der B9 aufgestellt hat. Ob der Kläger Recht bekommt, steht bis dato noch aus.

Warum ein Azubi keine Blitzer aufstellen darf

Ein Berufskraftfahrer wurde auf der B9 geblitzt. Das entsprechende Messgerät war im Juni 2017 aufgebaut und in Betrieb genommen worden. Daran beteiligt war auch ein Azubi, der den Blitzer mit erfahreneren Kollegen zusammen aufgestellt hat.

Dieser Umstand kam heraus, weil der Berufskraftfahrer beim Amtsgericht Köln Klage gegen den Bußgeldbescheid eingereicht hat, der aufgrund der Messungen ebenjenes Blitzers angefertigt worden war.

Die Beteiligung des Azubis war für den Anwalt des Klägers ein klares Indiz dafür, dass die Messungen nicht verwertbar sind. Das Aufstellen und Bedienen von Geschwindigkeitsmessgeräten darf nämlich nur von speziell dazu geschulten Beamten durchgeführt werden. Gibt das Gericht dem Kläger Recht, könnten bis zu 18.000 Bußgeldbescheide, deren Grundlage die Messungen des besagten Blitzers waren, ungültig sein. Ein Urteil steht derzeit noch aus.

Übrigens: Die Messungen mit dem vom Azubi aufgestellten Blitzer wurden nur bis zum Juli 2017 durchgeführt. Danach wurde das Gerät ordnungsgemäß versetzt.

Messungen von Blitzern sind fehleranfällig

Nicht nur ein Azubi, der Blitzer aufstellt, obwohl er gemäß seines Ausbildungsstandes noch nicht dazu befähigt ist, kann ein Grund sein, die Messwerte einer Radarfalle anzuzweifeln. Folgende Fehlerquellen lassen sich bei Blitzern zudem häufig ausmachen:

  • Das Gerät wurde nicht fristgemäß einer Eichung unterzogen.
  • Falsche Messwerte wurden verwendet bzw. der Messbereich wurde falsch definiert.
  • Mehrere Fahrzeuge wurden gleichzeitig geblitzt, sodass die Messung nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Methoden der Geschwindigkeitsmessung, einzelnen Blitzern und möglichen Fehlerquellen, die einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid begründen können, sind in unseren weiterführenden Ratgebern zusammengefasst:

Verkehrs­radaranlagenMultanova 6F Digital, TRAFFIPAX Speedophot, TRAFFIPAX Micro-Speed 09, M5 Radar, Radarfallen
Lichtschranken­messgeräteESO µP80, ESO ES 1.0, ESO ES 3.0
Videonach­fahrsystemeProvida Vidista, CG P50e (Videostoppuhr), VKS 3.0,
Police-Pilot, VIDIT VKS 3.01
Geschwindigkeits­messgeräte mit Induktions­schleifenTruvelo M4², TRAFFIPAX TraffiPhot S, TRAFFIPAX TraffiStar S 330, VDS M5 Speed, Traffipax TraffiStar S 540
Section Control
LaserLaser Patrol, LAVEG, LTI 20.20 TS/KM, LR90-235/P, Riegl FG21-P, TraffiPatrol, Leivtec XV2, Leictec XV3, PoliScan Speed
Ampel­blitzerMultanova Multastar C
Abstands­messungVSTP, VAMA, Brückenabstandsmessung
AllgemeinMobile Blitzer, Stationäre Blitzer, Schwarzlichtblitzer
Zweifeln Sie den Messwert eines Blitzers an, empfiehlt es sich, einen Anwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren. Dieser kann Sie beraten und ggf. Akteneinsicht beantragen. Auf diese Weise kam auch heraus, dass der Azubi einen Blitzer mit aufgestellt hat, obwohl er die Ausbildung zum Messbeamten noch nicht abgeschlossen hatte.

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