Abgasskandal in Deutschland, EU & USA - Dieselgate 2018

Abgasskandal bei VW, Mercedes, BMW & Co. – haben sich die Autobauer verzockt?

Wie der Diesel-Mythos im Skandal ertrinkt

Müssen Diesel durch den Skandal nun bald stehen bleiben? Und welche Chance haben Verbraucher?

Müssen Diesel durch den Skandal nun bald stehen bleiben? Und welche Chance haben Verbraucher?

Der Abgasskandal verschwindet von Zeit zu Zeit wieder von den Titelblättern der Tageszeitungen, doch immer wieder flammt er erneut auf. Immer neue haarsträubende Einzelheiten gelangen an die Öffentlichkeit: Während Autobauer wie Audi trotz Abgasskandal scheinbar weiter manipulierte Diesel verkauften, kamen VW & Co. bislang in Deutschland vergleichsweise günstig davon. Der Kunde scheint hilflos.

Spätestens ab November 2018 sollen jedoch nunmehr auch in Deutschland Musterfeststellungsklagen zugelassen werden, die die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen bei zahlreichen Geschädigten erleichtern soll. Es wird erwartet, dass VW erstes großes Ziel dieser Musterklagen ist.

Doch wie genau entwickelte sich der Abgasskandal? Welche Unternehmen sind involviert? Und wie genau haben die Autobauer getrickst?

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Sauberer Diesel? Nachdem der Skandal aufgedeckt wurde, glaubt kaum noch jemand an die Zukunft des Mythos'.

Sauberer Diesel? Nachdem der Skandal aufgedeckt wurde, glaubt kaum noch jemand an die Zukunft des Mythos‘.

Der Stein des Anstoßes, der den Dieselskandal ins Rollen brachte: Im Jahr 2015 wurde bekannt, dass der Volkswagen-Konzern in den auf dem US-amerikanischen Markt veräußerten Fahrzeugen eine „Schummelsoftware“ integriert hatte. Diese sollte die Einhaltung der Grenzwerte beim Schadstoffausstoß, die in den USA zumindest für ausländische Fahrzeuge teils strenger sind als in der EU, ermöglichen. Durch Erkennen, ob sich das Fahrzeug gerade auf dem Prüfstand oder im Realbetrieb auf den Straßen befand, konnte die Software den Schadstoffausstoß regulieren. Wurden die Grenzwerte auf dem Prüfstand unterschritten, lagen der Schadstoffausstoß im Realbetrieb um ein vielfaches höher und über den rechtlichen Grenzwerten.

Nach erheblichem Druck vonseiten der US-Umweltbehörde gestand VW die Abgasmanipulation öffentlich ein – auch wenn der Vorstand selbst keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt hätte -, der Abgasskandal um die Dieselfahrzeuge nahm seinen Lauf. Das US-Justizministerium reichte Klage ein. Mittlerweile sind sogar einzelne Manager bereits verurteilt oder angeklagt (u. a. der ehemalige Vorstandschef Winterkorn).

Im Übrigen: Die meisten betroffenen Fahrzeuge, die mit dem manipulierten Motor des Typs EA-189 der ebenfalls in dem Diselskandal verwickelten Firma Bosch ausgestattet sind, wurden in Europa verkauft, die meisten (2,8 Mio. Fahrzeuge) in Deutschland.

Däumchendrehen und Abwiegeln in Deutschland

Zu hohe Abgas-Werte: Der Skandal schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Geldbeutel der Verbraucher.

Zu hohe Abgas-Werte: Der Skandal schadet nicht nur der Umwelt.

In Deutschland, dem am stärksten vom VW-Abgasskandal betroffenen Land, hingegen ging alles schleppender voran. Ein Untersuchungsausschuss sollte klären, wann die Bundesregierung von den Manipulationen erfahren hat und warum sie nicht frühzeitig einschritt.

Die zuständigen Staatsanwaltschaften an den Sitzen der deutschen Firmenniederlassungen von VW und dessen Tochtergesellschaften wie Porsche nahmen die Ermittlungen auf. Diese laufen bis heute fort, auch der ehemalige VW-Chef Winterkorn ist mittlerweile wieder Ziel der Ermittlungen.

Außerdem wurden zwei Diesel-Gipfel angesetzt, auf denen sich Vertreter der betroffenen Autobauer an einen Tisch mit der Politik setzten, um mögliche verbraucherfreundliche Lösungen zu finden.

Doch erfreuliche Ergebnisse für den Verbraucher gab es nur bedingt. Während immer mehr Städte als Reaktion auf das Dieselgate vereinzelt Dieselfahrverbote aussprechen und planen, zeigen die bisherigen Maßnahmen nur bedingt Wirkung.

Insbesondere die Software-Updates, die die Schummelsoftware aushebeln sollen, und Rückrufe von immer mehr Dieselfahrzeugen von VW, Porsche & Co., scheinen sich als Lösung für den Diesel-Abgasskandal nur bedingt zu eignen. Das Problem: Es bestehen weiterhin Zweifel an der Wirksamkeit der Updates und zudem würden Betroffene, die ihr Auto entsprechend behandeln, ggf, auch Schadensersatzansprüche verlieren. Ohne das Update aber könnte die Stilllegung der Fahrzeuge drohen.

Abgasskandal: Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Neben VW und Fahrzeugen der Tochterfirmen wie Seat, Škoda, Porsche und Audi sind vom Abgasskandal mittlerweile auch BMW, Audi und der Motorenhersteller Bosch betroffen. Ebenso hat das Kraftfahrt-Bundesamt im Rahmen der Aufarbeitung vom Abgasskandal Daimler im Blick, dessen Vorstandschef bereits mehrfach zu Gesprächen vorgeladen wurde.

Beteiligt an dem sich um Diesel-Fahrzeuge entspinnenden Skandal sind jedoch nicht nur deutsche Autobauer, sondern darüber hinaus z. B. auch Ford (USA) und Fiat (Italien).

Zudem wurde mittlerweile bekannt, dass es zwischen den deutschen Autobauern zu weiteren Absprachen bezüglich Benzinern gekommen sein soll, die die Vermeidung von Partikelfiltern zum Ziel gehabt haben sollen. Gut möglich also, dass bald nicht mehr nur Diesel von dem Skandal betroffen sind.

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