Feinstaub-Grenzwerte: Warum Diesel-Fahrverbote allein nicht helfen können

Von Jana, letzte Aktualisierung am: 11. April 2019

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Das Monstrum Feinstaub: Kann ein Grenzwert wirklich helfen?

Was sagen Feinstaub-Grenzwerte aus?

Was sagen Feinstaub-Grenzwerte aus?

Die Zeiten der Kohlekraftwerke enden zusehends, die Furcht vor Staublungen aber bleibt und wurde zuletzt durch den Diesel-Skandal neuerlich gefördert. Die Feinstaubbelastung betrifft schließlich jeden atmenden Menschen. Tatsache ist – ob am Arbeitsplatz, im städtischen Straßenverkehr, in Wäldern oder auf weiter Flur: Wir alle sind Feinstaub ausgesetzt, der in höheren Konzentrationen erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen kann.

Der Ursprung von Feinstaub ist dabei nicht allein auf den Menschen zurückzuführen, doch begünstigt dieser den Ausstoß durch Industrie, den Gebrauch von Motoren und die Verbrennung fossiler Brennstoffe in nicht unerheblichem Maße. Die Einführung der Feinstaub-Grenzwerte diente dereinst dem Schutz des Menschen – weltweit.

Doch was sagen Feinstaubwerte eigentlich tatsächlich aus? Welche Folgen können die Schwebeteilchen wirklich mit sich bringen? Wie sinnvoll sind die derzeitigen Grenzwerte beim Feinstaub in EU, Deutschland und weltweit? Und wie groß ist der Einfluss von Dieselmotoren auf die Feinstaubwerte in Deutschland?

Was fällt eigentlich unter den Begriff „Feinstaub“?

Feinstaubwerte: Fossile Brennstoffe fördern die Feinstaubbelastung weltweit.

Feinstaubwerte: Fossile Brennstoffe fördern die Feinstaubbelastung weltweit.

Nicht erst der Abgas-Skandal hat die Feinstaub-Grenzwerte in den Fokus der gesellschaftlichen Mitte geholt. Schon seit Jahrzehnten entbrennen regelmäßig Diskussionen zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Ärzten, Umweltschützern und der Industrie, welche Konzentrationen von Feinstaub für den Menschen und die Umwelt tatsächlich schädlich sind. Was jedoch unter den Begriff des Feinstaubs fällt, ist vielen Laien häufig nicht ganz klar.

Im Allgemeinen ist die Luft, die alle Lebewesen auf dieser Welt atmen, nicht absolut rein, sondern von unterschiedlichsten kleinen Partikeln (Teilchen) durchsetzt. Die meisten dieser Bestandteile sind zu groß, als dass sie die Barriere zur Lunge durchbrechen könnten. Sie scheitern an den natürlichen Schranken des Körpers (Schleimhäute, Nasenhaare u. a.).

Je kleiner aber der Durchmesser dieser Partikel ist, desto weiter können diese in Richtung Lunge von Menschen und anderen Tieren vordringen. Neben Krankheitserregern können das auch verschiedenste Abrieb- oder Verbrennungsstoffe (Staub) sein. Eine besonders hohe Staubkonzentration kann – auch abhängig von dem Staub – gesundheitliche Schäden an den Atemorganen begünstigen (z. B. asthmatische Erkrankungen, Lungenfibrose oder sogar Lungenkrebs). Unterschieden wird beim Feinstaub aktuell zwischen PM10 und PM2,5, Bezeichnungen, die sich auf die Maße der Partikel beziehen:

  • PM10 (Grobstaub): Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser von 10 µm (Mikrometer)
  • PM2,5 (Feinstaub): Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser bis 2,5 µm; lungengängig, d. h. diese Partikel können bis in die Lungenbläschen (Alveolen) vordringen
  • Ultrafeinstaub: Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser bis 0,1 µm
Im Übrigen: Neben den Feinstaubwerten gibt es in Europa und Deutschland auch Grenzwerte für Stickoxide (NOx). Bei diesen handelt es sich um gasförmige Verbindungen von Stickstoff mit Sauerstoff, die in höherer Konzentration ebenfalls gesundheitliche Schäden an den Atemorganen verursachen können. Sie begünstigen zudem die Bildung von Ozon und saurem Regen.
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Feinstaub: Die Messwerte können auch durch natürliche Ursachen wie Vulkanausbrüche schwanken.

Feinstaub: Die Messwerte können auch durch natürliche Ursachen wie Vulkanausbrüche schwanken.

Feinstaub ist dabei grundsätzlich ein natürliches Phänomen und nicht allein dem menschlichen Handeln geschuldet. Heuschnupfen-Patienten etwa leiden regelmäßig unter dem natürlichen Feinstaub, den Pflanzenpollen. Auch Vulkanausbrüche, natürliche Erosion von Gestein durch Wind und Wasser oder Waldbrände verursachen einen Großteil des natürlich vorkommenden Feinstaubs.

Und so hatten Naturkatastrophen vermutlich schon immer das Potential, die Welt zu prägen. Nach aktuellen Forschungen lässt sich z. B. das „Dunkle Zeitalter“ im Mittelalter etwa auf den Ausbruch eines Vulkans auf der Insel Lombok im 13. Jahrhundert zurückführen, der durch den Auswurf an Gestein, Gasen und Feinstaub die Welt verdunkelte und das Leben der Mensch in erheblichem Maße beeinflusste (und wohl auch den epidemischen Ausbruch der Pest in Europa begünstigte).

Gerade durch die Nutzung fossiler Brennstoffe – aber nicht nur – hat der Mensch seinen eigenen Anteil an der zusätzlichen anthropogenen (= durch den Menschen verursachten) Feinstaubbelastung geleistet. Einen anzunehmenden Höhepunkt erreichte die Feinstaubbelastung in Europa daher auch während der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrie, Kohle, der Motoren und Dampfmaschinen.

Smog war in den Industriestädten Europas kein unbekanntes Phänomen, inklusive steigender Zahlen bei den Atemwegserkrankungen. Smog kennen die meisten Europäer heute jedoch nicht mehr aus eigener Erfahrung, was den Bemühungen der letzten Jahrzehnte zu verdanken ist, für weniger stark belastete Luft zu sorgen. Die Feinstaub-Grenzwerte werden seither immer weiter heruntergesetzt, um der Gesundheit der Bevölkerung zuträglich zu sein. Die Bemühungen, die Belastungen für die Menschen zu senken, mündeten in der Schließung vieler Kohlekraftwerke, der Energiewende und der Entwicklung sauberer Motoren, dem Luftreinhalteplan. Dennoch:

Nach einer Studie vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz könne der vorzeitige Tod von bis zu 8,8 Millionen Menschen weltweit pro Jahr auf die erhöhte Luftverschmutzung (Feinstaub, Stickoxide & Co.) zurückgeführt werden. Allein in Europa könnte dies auf bis zu 800.000 Todesfälle zutreffen.

Doch wie viel Einfluss haben Diesel-Fahrzeuge dabei tatsächlich?

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Wie hoch ist der aktuelle Feinstaub-Grenzwert in Europa und Deutschland?

Innerhalb der EU sind die Grenzwerte für Feinstaub grenzübergreifend festgelegt.

Innerhalb der EU sind die Grenzwerte für Feinstaub grenzübergreifend festgelegt.

Die aktuellen Feinstaub-Grenzwerte in Deutschland verdanken sich einer EU-weit beschlossenen Richtlinie, die in deutsches Recht umgesetzt wurde.

PM10-Grenzwert (EU-Richtlinie 1999/30/EG)

Seit Januar 2005 soll im Tagesmittel bei PM10-Partikeln ein Grenzwert von 40 µg/m³ (Mikrogramm je Kubikmeter) Luft eingehalten werden. Maximal 35 Überschreitungen sind je Kalenderjahr gestattet. Im Jahresdurchschnitt soll ein Wert von 40 µg/m³ Luft nicht überschritten werden.

Im Jahresmittel können die Feinstaub-Grenzwerte in Deutschland gemeinhin eingehalten werden. Die Messungen lagen hier zwischen 20 und 35 µg/m³. Allerdings werden die Feinstaub-Grenzwerte gerade in Ballungs- und Industriegebieten immer wieder überschritten. Genau hier drohen Diesel-Fahrverbote, um die Feinstaubbelastung weiter zu senken.

Die EU-Kommision hat sich zuletzt jedoch für Anhebung der Feinstaub-Grenzwerte von 40 auf 50 µg/m³ im Jahresmittel ausgesprochen. Die weitere Entwicklung bleibt hier abzuwarten.

PM2,5-Grenzwert (EU-Richtlinie 2008/50/EG)

Für Kleinstpartikel gilt seit 2010 ein Zielwert von 25 µg/m³. Seit 2015 ist dieser als Grenzwert bei der PM2,5-Belastung verbindlich. Ab dem Jahre 2020 sollen die Feinstaub-Grenzwerte für Feinstpartikel auf 20 µg/m³ verringert werden.

Immer wieder steht die Idee im Raum, die Feinstaub-Grenzwerte wieder auf 50 µg anzuheben oder gar ganz abzuschaffen. Umweltschutzorganisation hingegen fordern teils einschneidendere Maßnahmen bis hin zur Halbierung der Feinstaub-Grenzwerte. Den Stickoxid-Grenzwert durfte Deutschland zuletzt sogar auf 50 µg/m³ anheben, um in einigen Städten vielleicht sogar Diesel-Fahrverbote zu verhindern.

Erhebliche Differenzen bei Innen- und Außenluft

Am Arbeitsplatz ist derzeit ein Stickoxid-Grenzwert von 950 µg/m³ (Schichtmittelwert) an Produktionsstätten und 60 µg/m³ (Wochenmittelwert) in Büros vorgegeben. Die Feinstaub-Grenzwerte in Betrieben liegen aktuell bei

  • E-Staub (einatembar): 10.000 µg/m³
  • A-Staub (lungengängig): 1.250 µg/m³
Auf Büros und Wohnräume sind diese Grenzwerte jedoch nicht anwendbar. Hier gibt es hingegen keine gesonderten Feinstaub-Grenzwerte, sondern lediglich einen Leitwert aus dem Jahre 2008: Hiernach sollte die PM2,5-Konzentration in Büro- und Privaträumen im Tagesmittel 25 µg/m³ nicht überschreiten.
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Die WHO empfiehlt folgende Grenzwerte

Die Weltgesundheitsorganisation gibt weit drastischere Feinstaub-Grenzwerte vor, die dem Schutz der Gesundheit der Menschen dienstbar wären:

  1. PM10-Grenzwert
    • Jahresmittel = 20 µg/m³
    • Tagesmittel = 50 µg/m³
  2. PM2,5-Grenzwert
    • Jahresmittel = 10 µg/m³
    • Tagesmittel = 25 µg/m³
Die aktuellen Feinstaubmesswerte in Deutschland sowie Überschreitungen können Sie über eine Abfrage beim Umweltbundesamt (Kartendarstellung) in Erfahrung bringen.

Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte: Dämonisierung des Diesels gerechtfertigt?

Feinstaub-Werte: Den größten Anteil trägt die Industrie.

Feinstaub-Werte: Den größten Anteil trägt die Industrie.

Aktuelle Statistiken darüber, welche Bereiche im alltäglichen Leben den größten Anteil am durch Menschenhand verursachten Feinstaub-Ausstoß haben, gibt es nicht. Werte aus dem Jahre 2001 zeigen jedoch, dass Diesel-Fahrzeuge zwar einen großen Anteil daran haben, nicht jedoch den größten.

Laut Bundesumweltministerium produzierten im Straßenverkehr eingesetzte Diesel-Motoren etwa 29.000 Tonnen der jährlichen Feinstaubbelastung – von 42.000 Tonnen insgesamt, die auf den Straßenverkehr entfielen. Dabei ist die größte Belastung vermutlich durch den Transport durch Lastkraftwagen und weniger durch Privat-Pkw entstanden. Zur Relativierung eignen sich vielleicht folgende Zahlen aus dem Jahre 2001:

  • 74.000 Tonnen Feinstaub jährlich erzielte nach Schätzungen die Wirtschaft, den Löwenanteil mit zirka 60.000 Tonnen die Industrie.
  • 33.000 Tonnen des jährlich produzierten Feinstaubs wurden durch Privathaushalte produziert (insbesondere durch den Einsatz von Heizungen, aber auch durch Räucherwerk, Kerzen und Feuerwerk).
  • 19.000 Tonnen jährlich trugen vermeintlich Elektrizitäts- und Heizkraftwerke zur Feinstaubbelastung bei.
  • 16.000 Tonnen trugen Luft- und Schiffsverkehr zur jährlichen Feinstaubbelastung bei.
  • 13.000 Tonnen des entstandenen Feinstaubs im Straßenverkehr ließen sich rechnerisch auf den Abrieb von Reifen und Bremsen zurückführen.
  • 30 Prozent des Feinstaubes wird im Jahresmittel vermutlich durch den Straßenverkehr verursacht, in Ballungsgebieten.
  • Von den 205.000 Tonnen des jährlich berechneten Feinstaubausstoßes lägen Diesel-Fahrzeuge mit 29.000 Tonnen bei weniger als 10 Prozent.
  • Nicht berücksichtigt wurden bei der Berechnung der Ausstoß von Feinstaub durch Tage- und Bergbau.
Größte Feinstaubbelastung des Jahres zu Silvester: Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass zu Silvester durch die Verwendung von Feuerwerk die Feinstaubbelastung örtlich schlagartig von 22 auf über 1.000 µg/m³ Luft ansteigen kann. Die Gefahr gesundheitlicher Schäden ist bei dieser außerordentlichen Belastung besonders hoch. Auf das gesamte Jahr betrachtet trägt Feuerwerk mit etwa 4.500 Tonnen seinen Anteil auf die Ausreizung der Feinstaub-Grenzwerte bei.
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Die Feinstaub-Grenzwerte im Lichte der Aufklärung: Diesel nur ein Schritt von vielen!

Dämonisierter Diesel: Die Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte scheitert nicht nur an ihm.

Dämonisierter Diesel: Die Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte scheitert nicht nur an ihm.

In der aktuellen Diskussion wird der Diesel-Motor als DAS Übel der modernen Welt dargestellt, doch: Die Abkehr vom Diesel-Fahrzeug kann nur ein Schritt von vielen sein, um die menschgemachten Probleme zu kompensieren.

Diesel-Motoren haben zwar insbesondere in Ballungsgebieten einen großen Anteil an der Feinstaubbelastung. Mit etwas Abstand jedoch sind sie nur eine Facette des Problems im Dunstkreis der Feinstaub-Grenzwerte. Heizungsanlagen und vor allem die Industrie stellen eine weit größere Herausforderung für Luftreinhaltepläne dar.

Die eigentliche Krux am Diesel-Skandal: Es wurde nachweislich betrogen. Schummelsoftware, die die Einhaltung der (eventuell) überzogenen Ansprüche der Politik untergruben, haben den Kunden getäuscht und fallen nun auf ihn zurück. Statt der Industrie soll der Kunde die Quittung erhalten. Und nicht nur das: Während in den USA umfangreiche Entschädigungen geleistet wurden, bleibt der deutsche Endverbraucher gefühlt auf dem Schaden sitzen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich die Musterfeststellungsklagen gegen VW & Co. sein werden.

Die Politik verteidigt unterdessen die Industrie, nicht zuletzt um nach eigener Aussage vor allem Arbeitsplätze zu sichern. Und so ist die Diskussion um die Feinstaub-Grenzwerte nunmehr zu einer gesellschaftlichen geworden. Wer muss für Schäden aufkommen? Und wer ist in die Verantwortung zu nehmen: allein der Verbraucher oder doch auch die Industrie?

Im Übrigen: Auch die Wetterlage hat einen erheblichen Einfluss auf die örtliche Feinstaubbelastung. Die Grenzwerte können so etwa insbesondere innerhalb der Wintermonate überschritten werden, wenn Hochdruckwetterlagen und die geringe Kraft der Sonne den Luftaustausch zwischen niederen und höheren Lagen einschränken. Außerdem sorgt der verstärkte Einsatz von Heizungen in den Wintermonaten für zusätzlichen Feinstaub.
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