Kohle und Kohlekraftwerk: Wie klimaschädlich das wirklich ist

Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 29. August 2019

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Vor- und Nachteile der Kohlekraftwerke in Deutschland

Fossile Energieträger erzeugen Strom

Fossile Energieträger erzeugen Strom

Im Jahr 2014 erzeugten Kohlekraftwerke in Deutschland etwa 43 Prozent des gesamten Bruttostroms für die Bevölkerung. Zusammen mit Erdgas und Mineralölprodukten ergibt die Summe sogar 54 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Fossile Energieträger sind also derzeit die wichtigste Energiequelle für deutsche Haushalte sowie Industrie und Wirtschaft.

Im Zuge der Energiewende soll das Kohlekraftwerk in Deutschland zukünftig keine große Rolle mehr spielen. Dabei legt der Bund besonderen Wert auf erneuerbare Energien. Da die Kosten dieser Anlagen jedoch vergleichsweise teuer sind, greift die Bundesregierung auf das Kohlekraftwerk zurück.

Dieses hat eine lange Tradition. Bereits zu Zeiten der Industrialisierung waren fossile Energieträger sehr beliebt. Da sie jedoch einen hohen CO2-Ausstoß besitzen, sind sie schädlich für die Umwelt.

Das neu erbaute Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg soll jedoch die Wende in puncto Kohlekraft sein. Der Betreiber Vattenfall verspricht, dass diese Anlage eines der umweltfreundlichsten Kohlekraftwerke weltweit sein soll.

Was sind fossile Brennstoffe und Energieträger?

Fossile Energieträger bestehen aus abgestorbenen Tieren und Pflanzen und sind vor Millionen von Jahren entstanden. Mithilfe von chemischen Prozessen bildeten sich mit Kohlenstoff zahlreiche fossile Energieträger.

Dieser Kohlenstoff ist in den abgestorbenen Tieren und Pflanzen enthalten und ist in folgenden Formen auf der Welt vorhanden:

  • Kohle: Braunkohle, Steinkohle, Torf
  • Gas: Erdgas
  • Öl: Erdöl

Kohlenstoff enthält fossile Energie, weshalb Kohle, Gas und Öl als fossile Energieträger bezeichnet werden. Entsprechende Verbrennungsanlagen setzen fossile Energien frei. Dabei entstehen neben Sauerstoff auch Kohlendioxid und Kohlenstoffdioxid.

Diese Gase sind wiederum schlecht für das Klima und begünstigen den Treibhauseffekt. Aus diesem Grund setzt die deutsche Regierung zahlreiche Gesetze wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz um. Diese Verordnungen sollen die nachhaltige Stromerzeugung durch Windkrafträder etc. fördern.

Kohlekraftwerke und erneuerbare Energien erzeugen den Großteil des Stromverbrauchs in Deutschland

Kohlekraftwerke und erneuerbare Energien erzeugen den Großteil des Stromverbrauchs in Deutschland

Fossile Energieträger sind vor etwa 500 Millionen Jahren entstanden. Im Gegensatz dazu bildete sich in der Neuzeit der Begriff der Bioenergie. Hierbei wird auch Biomasse verbrannt, um Energie zu erzeugen. Diese Stoffe enthalten jedoch neuartigen Biomüll oder Pflanzen, die in der heutigen Zeit zur Stromerzeugung kultiviert wurden.

Im Gegensatz zur Biomasse können sich fossile Energieträger für ein Kohlekraftwerk nicht wieder reproduzieren. Mineralöl ist dabei eine Ausnahme. Die Erde produziert langsam neues Öl. Diese Geschwindigkeit reicht aber nicht aus, um den jährlichen weltweiten Bedarf an Strom und Wärme zu decken.

Aus diesem Grund ist die treffendste Antwort auf die Frage „Was sind fossile Energieträger und Brennstoffe“ wohl: keine nachhaltigen Energien. Denn die Anzahl an Kohle, Gas etc. ist begrenzt, weshalb sich der Gesetzgeber und die Bevölkerung um neue Energien bemühen müssen.

Die Funktionsweise vom Kohlekraftwerk

Derzeit gibt es etwa 130 Kraftwerke für Kohle in Deutschland. Der Großteil davon sind Braunkohleanlagen. In den nächsten Jahren soll sich die Anzahl der Kohlekraftwerke erhöhen, wobei jedoch mehr Steinkohlekraftwerke gebaut werden. Das Braunkohlekraftwerk ist nicht effizient genug.

Steinkohle besitzt mehr fossile Energie und damit einen dreifach so hohen Energieanteil wie Braunkohle. So muss also mehr Braunkohle als Steinkohle im Kohlekraftwerk verbrannt werden, um die gleiche Menge an Strom zu erzeugen. Zudem ist der >CO2-Ausstoß bei Steinkohle etwas geringer.

Ein Kohlekraftwerk in Deutschland erzeugt Strom durch eine Dampfturbine. Zuerst wird der fossile Energieträger Kohle zu Staub gemahlen und danach verfeuert. Die Wärme erhitzt einen Wasserkessel. Dieser Dampf wiederum treibt eine Turbine an, die die Bewegungsenergie als Strom weitergibt.

Um den giftigen >CO2-Ausstoß und weitere gefährliche Emissionen zu verhindern bzw. einzudämmen, muss ein neues Kohlekraftwerk den Anspruch „CCS-ready“ erfüllen. Das bedeutet, dass das Kraftwerk alle Voraussetzungen dafür erfüllen muss, um einen sogenannten >CO2-Abscheider nachträglich zu installieren. Dieser fungiert als Filtersystem.

Kohlekraftwerk Moorburg: Zukunft oder Lüge?
Die Statistiken über das Kohlekraftwerk Moorburg zeigen, dass es trotz moderner Anlagen klimaschädlich ist

Die Statistiken über das Kohlekraftwerk Moorburg zeigen, dass es trotz moderner Anlagen klimaschädlich ist

Am 28. Februar 2015 schloss das Stromversorgungsunternehmen Vattenfall sein neues Kohlekraftwerk an das öffentliche Netz an. Das Moorburg-Kraftwerk in Hamburg wurde mehr als ein Jahr lang getestet. Die Probeläufe des ersten Blocks erreichten dabei Spitzenwerte von bis zu 827 Megawatt.

Nach eigenen Aussagen soll das Kohlekraftwerk Moorburg jährlich insgesamt rund elf Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt benötigt etwa 3.000 KWh im Jahr. So ergibt es sich, dass das Moorburg-Kraftwerk etwa 3,7 Millionen Haushalte mit Strom versorgen kann. Das Kohlekraftwerk kann also jährlich zweimal die Stadt Hamburg versorgen oder ganz Berlin.

Das gelingt jedoch nur mit dem Einsatz vom zweiten Block vom Kohlekraftwerk Moorburg. Dieser soll im Sommer 2015 an das Netz gehen. Vattenfall nennt das Kraftwerk „eines der modernsten und umweltfreundlichsten Steinkohlekraftwerke weltweit“ (Quelle: vattenfall.de).

Umweltschützer haben da jedoch ihre Bedenken. Nach Aussagen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) setze das Moorburg-Kraftwerk etwa acht bis neun Millionen Tonnen klimaschädliches >CO2 im Jahr frei. Vattenfall argumentiert dagegen und erklärt, dass das Kohlekraftwerk Moorburg 2,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich im Vergleich zu anderen Kohlekraftwerken einspare.

Fakt ist, dass 67 Prozent der deutschen Bürger für ein Auslaufen der Kohlekraft sind. 19 Prozent möchten sogar sofort auf fossile Energieträger verzichten und sind für die zügige Abschaltung der Kohlekraftwerke in Deutschland. Lediglich 21 Prozent sind von der Kohlekraft sowie der Meinung überzeugt, dass das Kohlekraftwerk auch zukünftig für eine sichere Stromversorgung benötigt werde. (Quelle: YouGov im Auftrag von WWF).

Vor- und Nachteile eines Kohlekraftwerkes

Kohlekraft hat sein Für und Wider. Für Deutschland ist ein Kohlekraftwerk das „Rückgrat“ der Energieversorgung. Der Abbau der fossilen Energieträger für ein Braunkohlekraftwerk ist sehr kostengünstig. Steinkohle ist wiederum immer dann günstiger, wenn Deutschland dieses auf dem Weltmarkt bezieht.

Zudem ist Kohlekraft eine der billigsten Stromarten und ist konstant verfügbar. Während erneuerbare Energieträger wie beispielsweise Windkraftanlagen ohne Wind keinen Strom erzeugen können, ist die Produktion vom Kohlekraftwerk anhaltend gesichert.

Fossile Energieträger wie Kohle, die weltweit verfügbar sind, reichen noch etwa, um 200 Jahre lang die Welt mit Strom zu versorgen. Moderne Kohlekraftwerke sind zusätzlich in der Lage, die schädlichen Emissionen einzudämmen. Jedoch sind sie dann immer noch klimaschädlicher als alle anderen Energieträger. Sogar Atomkraftwerke stoßen weniger Kohlendioxid aus.

Um den Abbau von Kohle zu gewährleisten, müssen ganze Dörfer und Gemeinde umgesiedelt werden. Zudem ist der Eingriff in die Natur erheblich, sodass ganze Landschaften zerstört werden.

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6 Kommentare

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  1. markus sagt:

    wie hoch ist der kohleverbrauch pro Jahr?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Markus,

      stellen Sie doch bitte Ihre Frage etwas konkreter. Meinen Sie den Kohleverbrauch pro Bundes- oder Erdenbürger, den Kohleverbrauch weltweit, in Deutschland oder Europa?

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. EE-Interessierter sagt:

    Hallo bussgeldkatalog.org,

    ich hätte ein paar fragen und hoffe sie könnten mir diese bestenfalls mit Quelle darlegen.

    – Wie viele Biomassekraftwerke gibt es sowohl national als auch international mit einer Leistung von 3MW bis 50MW?
    – Wie viele mittelgroße Kohlekraftwerke (Stein/Braunkohle) gibt es sowohl national als auch international mit einer Leistung von um die 50MW?
    – Wie viele Terrawattstunden werden aktuell in Dtl produziert und wie ist die Verteilung je Energieträger?
    – Wie viele Terrawattstunden werden aktuell in weltweit produziert und wie ist die Verteilung je Energieträger?
    – Wie ist die Verteilung je Energieträger je Land in % ?
    – Wie ist der Trend von Kohle hin zu Erneuerbaren Energien?`

    Viele Grüße
    EE-Interessierter

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo EE-Interessierter,

      über das Umweltbundesamt müsste alle nötigen Informationen zu erhalten sein.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  3. Manfred sagt:

    67% der Bürger sollen also der Meinung sein, daß man alle Kohlekraftwerke abschalten muß? Wen verwundert das, bei der täglichen Manipulation über das ach so gefährliche CO2! Unsere 130 Anlagen führen also zum Untergang der Welt?

    Wissen diese 67% der Klimaretter, daß allein in China 1200 Kohlekraftwerke arbeiten und daß allein in China alle 3 Tage ein weiteres Werk ans Netz geht? In Indien laufen 600 Werke. Man will in Indien auf Solarenergie umstellen – wie das funktionieren soll, muß mir bei der Armut in Indien mal jemand vorrechnen.

    Merkels EEG wird uns bis 2050 2,5 Billionen Euro kosten. Ab 2050 dann jährlich viele hundert Milliarden, Experten sprechen von 500-1000 Milliarden jährlich!

    Mit dem Dual Fluid Reaktor DFR, einer neuen Erfindung eines Teams um Dr. Huke aus Berlin, könnten wir ganz Deutschland für 3 Milliarden Euro jährlich mit Strom versorgen – also umsont! Und das für 2000 Jahre nur mit den Brennresten aus unseren alten AKW´s. Und ganz nebenbei: diese Reste strahlen anschließend nicht mehr. Unsere alten AKW´s nutzen die Kernenergie nur zu 1% aus – der DFR nutzt sie völlig aus! Wie ihm das gelingt? Die alten Druckwasserreaktoren arbeiten mit Wasserkühlung, sie müssen also gedrosselt werden. Der DFR arbeitet mit Bleikühlung bei 1000 Grad. Das bedeutet eine Steigerung der Energieausbeute von Faktor 75 bei dem Druckwaserreaktor auf Faktor 2000 beim DFR!

    Der DFR arbeitet zudem drucklos – da kann also nichts explodieren! Ein Kreislauf für den flüssigen Brennstoff – ein Kreislauf für die Kühlung mit dem flüssigen Blei. Narrensicher, automatisch! Und ich setze diese Reaktoren dort hin, wo Strom gebraucht wird!

    Warum wird diese Technik totgeschwiegen? Kernenergievorräte reichen für Milliarden von Jahren! Und allein unsere Brennreste reichen für die Komplettversorgung Deutschlands für 2000 Jahre! Strom umsonst! Kernenergie ist die sicherste Art der Stromerzeugung. 51 Tote in 32 Jahren! Bei der Betriebstemperatur von 1300 Grad läßt sich aus unseren Kernreaktorbrennresten auch syntetischer Treibstoff herstellen.

    Beliebtes Argument der Sonnenenergie-Anbeter ist: aber die Sonnenenergie ist doch umsonst – wir müssen sie nur einsammeln! Genau das ist der Unsinn: das Einsammeln der geringen Sonnenenergie lohnt sich nicht! Während der gesamten Laufzeit dieser Anlagen bekomme ich nur das 1,6fache der Investitionskosten an Strom heraus. Die Gewinnschwelle wäre aber das 7fache! Es bleibt für immer ein Verlustgeschäft und ist nur mit einer dauerhaften 5fachen Verteuerung des Strompreises aufrechtzuerhalten.

    Kernenergie ist auch umsonst – wir müssen sie nur aufsammeln. Dieses Aufsammeln allerdings lohnt sich, denn der Ertrag beim DFR beträgt unfassbare 2000! Er erzeugt während der 60 Jahre seiner Laufzeit 2000x mehr Strom, als seine Investitionskosten betragen haben. Gern noch einmal: Solarenergie: 1,6fach – Windenergie: 3,9fach – DFR: 2000fach!

  4. Franz sagt:

    Hallo Manfred.
    Deine Fakten erschlagen mich. Ich glaube es einfach mal, frage aber nach, ob denn die Radioaktivität wirklich ganz verschwindet? Wird das Blei und andere Elemente im Kraftwerk nicht kontaminiert? Egal. Politische Entscheidungen werden heute aufgrund von Mehrheiten/Masse getroffen (Demokratie). Den Menschen Wissen nahezubringen, wird vernachlässigt. Stattdessen werden Nachrichten auf sehr emotionale Weise vertrieben und die Menschen verblödet. Deshalb kommen auch immer wieder nicht nachzuvollziehende Entscheidungen, die dann immer wieder korrigiert oder angepasst werden. Aber Hand aufs Herz. Was soll den an Solarenergie schlecht sein? Es ist leise, hat keine mechanischen Verluste, ist langlebig, etc. Sicher, Industrieanlagen würde ich jetzt auch nicht mit Solarenergie betreiben, aber sie kann einen wichtigen Beitrag zu allen wesentlichen Punkten bieten. Egal ob Ressourcenschonung, Minderung der Umweltbelastung, Änderung des Verbraucherverhaltens. Und auf den bestehenden Dächern nimmt es auch keinen Platz weg. Nehmen wir an eine 12.000 € – Anlage würde 30 Jahre lang 120.000 kwh liefern, also Strom nach heutigem Preis für ca. 36.000 €? Wäre das die Umwelt nicht wert? Und mit Sicherheit kann man es so bauen, dass es recyclingfähig ist. Ich würde auch kaufen, wenn es nur 24.000 € wären. Der Strompreis steigt oder sinkt, die Ressourcen kann man nicht wiedergewinnen.

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