Rote Ampel übersehen? Eine Sanktion droht dennoch!

Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 24. Juni 2019

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Haben Sie eine rote Ampel übersehen? Dann werden Sie im Regelfall auch dafür sanktioniert

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Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Selbst im regulären Straßenverkehr werden Fahrer mit vielzähligen Reizen geflutet. Schon ein kurzer Augenblick Unaufmerksamkeit kann dazu führen, dass ein Gesetzesbruch begangen wird – so z. B., dass eine rote Ampel übersehen wird. Trotz des strengen Sanktionsmaßes gehören Rotlichtverstöße wohl zu den nach wie vor häufigsten Ordnungswidrigkeiten im Verkehrsrecht.

Was aber, wenn ein Fahrer eine rote Ampel wirklich übersehen hat und sich seiner Schuld nicht bewusst war? Finden solche Umstände Berücksichtigung oder nicht? Was erwartet mich, wenn ich einen Rotlichtverstoß begangen habe?

Bußgeldkatalog rote Ampel

Beschrei­bungBuß­geldPunk­teFahrverbotFVer­botLohnt ein Einspruch?
Ampel bei "Rot" über­fahren90 €1Hier prüfen
... andere gefährdet200 €21 Monat1 MHier prüfen
... Sachschaden verursacht240 €21 Monat1 MHier prüfen
Am­pel bei "Rot" über­fahren (Rot bereits seit mehr als 1 Sek­unde)200 €21 Monat & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­stra­fe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglichHier prüfen
... andere gefährdet320 €21 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerschein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, ­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglichHier prüfen
... Sach­schaden verur­sacht360 €21 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglichHier prüfen
An einer Ampel mit grünem Pfeil nach rechts abge­bogen, ohne vorher zu halten70 €1Hier prüfen
... Fuß­gänger- oder Fahr­rad­ver­kehr der frei­gege­benen Ver­kehrs­rich­tung behin­dert100 €1Hier prüfen
... andere gefährdet100 €1Hier prüfen
... Sach­schaden verur­sacht120 €1Hier prüfen

Bußgeldrechner rote Ampel

Das zieht ein Rotlichtverstoß nach sich

Haben Autofahrer nun eine rote Ampel gesehen und wurden geblitzt, dann gilt hier als erstes zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Rotlichtverstoß zu unterscheiden.

  • Von einem einfachen Rotlichtverstoß wird gesprochen, wenn die Ampel kürzer als eine Sekunde rot war. Dies ist mit einem Bußgeld von 90 Euro und einem Punkt in Flensburg belegt – gesetzt dem Fall, dass es weder zu einer Gefährdung noch zu einer Sachbeschädigung kam. Diese erhöhen die Sanktionen nicht nur, sondern ziehen auch meist ein Fahrverbot nach sich.
  • Ein qualifizierter Rotlichtverstoß liegt dementsprechend dann vor, wenn die Ampel bereits länger als eine Sekunde auf Rot stand. Hier werden zumeist zwei Punkte vergeben, die Geldbuße liegt bei 200 Euro aufwärts. Je nach Umständen und etwaigen Folgen kann ein qualifizierter Rotlichtverstoß sogar einen Fahrerlaubnisentzug begründen.

Kam es infolgedessen zu einem Unfall, dann wird der Vorfall natürlich noch strenger bewertet. Kann dem Fahrer zudem ein Vorsatz unterstellt werden, ist es ebenso denkbar, dass Versicherungsleistungen erlischen.

Sind Sie in der Probezeit und haben eine rote Ampel übersehen, dann bleibt es in der Regel nicht bei diesen Sanktionen. Denn ein Rotlichtverstoß fällt in die Kategorie der A-Verstöße, für welche zusätzliche eine Verlängerung der Probezeit und die verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar vorgeschrieben ist.

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Haben Sie eine rote Ampel nicht gesehen und erhalten einen Bußgeldbescheid, können Sie Einspruch einlegen

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Diese Frage lässt sich grundsätzlich nicht pauschal beantworten, da dies stets von dem konkreten Vorfall und auch der bearbeitenden Behörde abhängt.

Haben Sie eine rote Ampel schlichtweg übersehen, weil Sie unaufmerksam waren, abgelenkt oder die Gegend einfach nicht kannten, dann sinken die Erfolgschancen auf Null. Denn die StVO formuliert zuvorderst zu den Pflichten eines Verkehrsteilnehmers in § 1 Abs. 1 und 2 ganz eindeutig:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Sie sind also als Verkehrsteilnehmer andauernd dazu angehalten, auf Ihre Umgebung zu achten. Würden Begründungen à la „Ich habe kurz nicht aufgepasst“ wirklich anerkannt werden, könnten sich viele um entsprechende Sanktionen einfach drum herum mogeln. Auch wenn Sie eine rote Ampel wirklich übersehen haben, ohne vorsätzlich einen Verstoß begehen zu wollen, dann ist die eigene Unzulänglichkeit kein guter Ausgangspunkt.

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Ein anderes, denkbares Szenario wäre, dass Sie die Ampel nicht gesehen haben, weil diese verdeckt wurde. Hier müssten Sie besonders gute Argumente hervorbringen können, warum die Ampelanlage trotz eines umsichtigen Fahrens nicht bemerkt werden konnte. Mögliche Gründe hierfür wären etwa, dass unbeschnittene Baumäste oder ähnliches derart weit in die Fahrbahn ragten, dass die Anlage nicht zu sehen war.

Weiterhin ist es möglich, dass Sie eine rote Ampel zwar übersehen haben und entsprechend geblitzt wurden, es sich jedoch um einen sogenannten „Umgehungsfall“ handelt. Dies ist dann der Fall, wenn eine rote Ampel durch ein Befahren eines anliegenden Grundstückes (wie einer Tankstelle) umgangen wird.

Haben Sie die rote Ampel zwar übersehen, konnten aber noch vor dem Bereich der Kreuzung anhalten, dann könnte dies ebenso ein Einspruch rechtfertigen. Hierfür ist es wichtig, dass der eigentliche Schutzbereich wirklich nicht befahren wurde und Sie dies auch entsprechend belegen können.

Weiterhin ist natürlich entscheidend, wie die Messung zustande kam. Wurde Sie nicht von einem Ampelblitzer erfasst, sondern hat ein Beamter Sie beobachtet, dann kann die Genauigkeit der Messung natürlich angezweifelt werden – schließlich können bei der Ahndung eines Rotlichtverstoßes Sekundenbruchteile entscheidend sein.
Haben Fahrer eine rote Ampel übersehen und werden geblitzt, sollte ein Einspruch sehr gut begründet werden.

Haben Fahrer eine rote Ampel übersehen und werden geblitzt, sollte ein Einspruch sehr gut begründet werden.

Abgesehen davon besteht die Möglichkeit, dass Sie die rote Ampel nicht übersehen haben, sondern dass die Blitzeranlage schlichtweg falsch arbeitet und z. B. schon viel früher auslöst. Nicht selten bemerkt ein Autofahrer nach dem Passieren der Ampel einen Blitz, gleichwohl diese noch nicht auf Rot stand. Hier gilt: Ein Passieren einer gelben Ampel zieht in der Regel lediglich ein geringes Verwarngeld von höchstens fünfzehn Euro nach sich. Haben Sie sich jedoch nichts zu Schulden kommen lassen und ist dies auf dem Blitzerfoto ersichtlich, dann sollten Sie nichts weiter von der Sache hören.

Wie kann ich einen Einspruch erwirken?

Haben Sie eine rote Ampel übersehen und möchten gegen eine drohende Ahndung vorgehen, dann haben Sie zum einen die Möglichkeit, die Sache in dem vorher zugestellten Anhörungsbogen klarzustellen. Es besteht grundsätzlich keine Pflicht, überhaupt auf ein solches Schreiben zu antworten – niemand muss sich selbst belasten. Wollen Sie hingegen eine Stellungnahme verfassen, dann beachten Sie, dass der Anhörungsbogen im Regelfall innerhalb einer bestimmten Frist zurückgesendet werden muss.

Haben Sie diese verpasst oder erhalten Sie umgehend den Bußgeldbescheid, dann können Sie in der Regel innerhalb von vierzehn Tagen einen schriftlichen Einspruch einlegen. Dabei handelt es sich um ein formloses Schreiben an die jeweilige Stelle, in welchem Sie begründen, weshalb Ihre Sanktion ungerechtfertigt ist. Übrigens können Sie auch gegen einzelne Maßnahmen Einspruch erheben, es muss also nicht dem gesamten Strafmaß widersprochen werden. Bedenken Sie, dass ein erfolgloser Einspruch im Regelfall auch mehr Kosten für Sie bedeutet!

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