Polizisten angefurzt: Wiener Student soll 500 Euro Strafe zahlen

News von bussgeldkatalog.org, veröffentlicht am: 17. Juni 2020

Darmwinde verboten: Student soll 500 Euro zahlen, weil er einen Polizisten angefurzt habe.
Darmwinde verboten: Student soll 500 Euro zahlen, weil er einen Polizisten angefurzt habe.

“Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.” Dass es Selbstvertrauen braucht, um sich Luft machen und Erleichterung verschaffen zu können, war schon Martin Luther klar. Einem 22-jährigen Studenten könnte sein vermeintlicher (Über-)Mut bei einem nächtlichen Umtrunk in einem Wiener Park nun jedoch teuer zu stehen kommen: Bei einer Polizeikontrolle habe er absichtlich einen der Polizisten angefurzt. Die angemahnte Strafe: 500 Euro. War es Absicht oder doch einfach nur heiße Luft?

Was war passiert?

In der Nacht zum 5. Juni saß der junge Mann nach eigener Aussage mit Freunden biertrinkend in einem Park im Wiener Stadtbezirk Josefstadt. Bei einer Polizeikontrolle sei ihm dann “unabsichtlich” der Pupser in Richtung des “drei, vier Meter entfernt” stehenden Polizisten entwichen. Selbst dieser habe ob der Situation lachen müssen.

“Das war der burgenländische Bohnensterz meiner Oma. Es kann doch 2020 kein Problem sein, einen Schas zu lassen.” (Student gegenüber qe24.at)

Die Polizeidirektion jedoch bewertete den Fall anders: Der 22-Jährige habe mit “voller Absicht” den Polizisten angefurzt und damit “den öffentlichen Anstand verletzt”. Der Student habe sich während der Polizeikontrolle zudem “provokant und unkooperativ” verhalten. Deshalb erging an den Beschuldigten nun eine Strafverfügung, die eine Geldstrafe von 500 Euro – bzw. 5 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe – festsetzt. Offizieller Tatvorwurf:

“Sie haben den öffentlichen Anstand verletzt, indem Sie vor Polizeibeamten laut einen Darmwind haben entweichen lassen.”

Der Betroffene hat angekündigt, Einspruch zu erheben. Der Fall wird also auch weiterhin die Wiener Justiz beschäftigen.

Skurril, aber kein windiger Einzeltäter

Vor der Wiener Polizei – und wohl bald auch der Justiz – mussten sich auch schon andere Gerichte, selbst hierzulande, mit Fällen beschäftigen, in denen Polizisten vermeintlich absichtlich angefurzt wurden. Während in Österreich dabei jedoch zumeist der landeseigene Anstandsparagraph Anwendung findet, kommen in Deutschland ggf. Verfahren wegen Beleidigung in Frage:

Polizisten angefurzt: In Deutschland käme im Einzelfall der Straftatbestand der Beleidigung in Betracht.
Polizisten angefurzt: In Deutschland käme im Einzelfall der Straftatbestand der Beleidigung in Betracht.
  • Ende Juli 2009 hatte ein 20-jähriger Österreicher bei einem Zeltfest in Frohnleiten sich einen Pupser nicht mehr verkneifen können. Das unter den umstehenden Polizisten aufflammende Gelächter habe – wohl wegen der Ablenkung – die Sicherheit des Landes gefährdet. Der junge Mann musste wegen vermeintlicher Verletzung des öffentlichen Anstands 50 Euro Strafe zahlen – nicht also weil er einen Polizisten angefurzt hatte, sondern mit seinen Flatulenzen das Gemüt zu vieler Amtsträger erheiterte.
  • Im Februar 2016 soll ein Mann bei einer Polizeikontrolle im Bereich der Rigaer Straße in Berlin zwei Mal eine Polizistin angefurzt haben. Der Gruppenleiter sah deren Ehre verletzt und stellte Anzeige wegen Beleidigung. Der darauf ergangene Strafbefehl sah eine Geldstrafe von 900 Euro vor. Der Mann legte Widerspruch ein. Das Amtsgericht Tiergarten stellte das Verfahren im September 2017 ein.
  • Auch in Leipzig wurde ein Strafverfahren wegen Beleidigung gegen einen 38-jährigen Mann eingeleitet, der einen Polizisten angefurzt haben soll. Dieser habe nach Darstellung der Polizei in der Nacht zum 10. November 2019 zunächst aus einer Gruppe heraus mit beiden Händen den Mittelfinger in Richtung eines Polizeifahrzeugs gerichtet. Bei einer anschließenden Kontrolle habe er einen nur etwa einen Meter entfernt stehenden Polizisten angefurzt. Stinkefinger und Flatulenzen erfüllten den Tatbestand nach Auffassung der Polizei gleich in zweifacher Weise. Aktueller Stand des Verfahrens: unbekannt.

Interessant: Obwohl im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreitet, gibt es die “Beamtenbeleidigung” als gesonderten Straftatbestand in Deutschland nicht. Es macht rechtlich gesehen damit zunächst keinen Unterschied, welche Person von einer Beleidigung betroffen ist – oder ob nun Polizisten oder andere angefurzt werden. Auf Grundlage von § 185 Strafgesetzbuch können entsprechende Handlungen in Deutschland zur Anzeige gebracht werden. Wo die Grenzen der freien Meinungsfreiheit enden und die zur Beleidigung beginnen, müssen die Gerichte im Zweifel in jedem Einzelfall neu bewerten.

Was Sie eine Beleidigung in Deutschland mitunter kosten kann

Die folgende Tabelle gibt einen kleinen Eindruck basierend auf bislang ergangenen Urteilen:

BeschreibungStrafe
Die Zunge herausstrecken150 €*
"Du Mädchen!" (zu einem Polizisten)200 €*
"Bekloppter"250 €*
"Dumme Kuh"300 €*
"Leck mich doch!"300 €*
"Du blödes Schwein"475 €*
"Hast du blödes Weib nichts Besseres zu tun?!"500 €*
"Was willst du, du Vogel?!"500 €*
"Asozialer"550 €*
"Dir hat wohl die Sonne das Gehirn verbrannt!"600 €*
Einen Polizisten duzen600 €*
"Du Holzkopf!"750 €*
Einen Vogel zeigen750 €*
"Bei dir piept's wohl!"750 €*
Scheibenwischer-Geste1000 €*
Stinkefinger zeigen4000 €*
"Du Wichser"1000 €*
"Idiot"1500 €*
"Am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen!"1600 €*
"Schlampe"1900 €*
"Fieses Miststück"2500 €*
"Alte Sau"2500 €*

* Diese Strafen stammen aus diversen Gerichtsurteilen. Sie können nach individuellem Fall abweichen und richten sich u. a. auch nach dem Einkommen des Betroffenen.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweise: fotolia.com/Trueffelpix

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