Der Beifahrer: Nervensäge oder wichtiger Unterstützer?

Von Sarah, letzte Aktualisierung am: 13. Juni 2019

Rechte und Pflichten von einem Beifahrer

Beifahrer sollten den Fahrzeugführer während der Fahrt nicht ablenken.

Beifahrer sollten den Fahrzeugführer während der Fahrt nicht ablenken.

„Schatz fahr mal langsamer, hier ist nur Tempo 30 erlaubt“, „Also die Ampel war ja schon Himbeergrün“, „Du fährst heute aber auch wieder komisch“ – Ein Beifahrer der ständig solche Aussagen tätigt, kann die Autofahrt zu einer echten Nervenprobe werden lassen.

Allerdings kann ein Beifahrer, der nicht alkoholisiert ist, auch eine echte Hilfe in einigen Situationen bei der Straßennutzung sein. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Gibt es eigentlich auch eine Haftung für Beifahrer, wenn die Promillegrenze vom Fahrer überschritten wurde und der Nebenmann die Fahrt nicht unterbunden hat?

Dieser Frage geht der nachfolgende Ratgeber auf den Grund und informiert Sie umfassend, welche Pflichten einem Beifahrer zukommen. Außerdem erfahren Sie, ab wann Kinder auf dem Beifahrersitz Platz nehmen dürfen und was es dabei besonders zu beachten gilt.

Spezielle Informationen zum Beifahrer:

Was Beifahrer beachten sollten

Im Gegensatz zum Fahrenden, dürfen Beifahrer das Handy während der Fahrt nutzen.

Im Gegensatz zum Fahrenden, dürfen Beifahrer das Handy während der Fahrt nutzen.

Grundsätzlich ist der Fahrzeugführer dafür verantwortlich, das Gefährt sicher von A nach B zu lenken. Er alleine muss die Verkehrsregeln kennen und die nötige Sorgfalt im Straßenverkehr zu wahren. Der Beifahrer ist in diesem Fall rechtlich gesehen und Begleiter.

Dennoch kann es Situationen geben, in denen auch ein Beifahrer bei Verstößen gegen die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) belangt werden kann.

Nachfolgend liefern wir Ihnen einen Überblick einiger Situationen und erläutern, wie die rechtliche Lage in diesen Fällen aussieht.

Wichtig: Als Beifahrer sollten Sie den Fahrzeugführer während der Fahrt nicht ablenken. Auch der Griff ins Lenkrad ist absolut tabu und kann zu folgenschweren Unfällen führen.

Beifahrer nicht angeschnallt: Ist eine Strafe für den Fahrer möglich?

War der Beifahrer nicht angeschnallt und ein Unfall ereignet sich, kann dies nicht selten lebensbedrohliche Konsequenzen nach sich ziehen. Doch ist der Fahrzeugführer eigentlich verpflichtet, andere Fahrzeuginsassen auf die Anschnallpflicht hinzuweisen?

§ 21a Absatz 1 StVO regelt Folgendes:

Vorgeschriebene Sicherheitsgurte müssen während der Fahrt angelegt sein; dies gilt ebenfalls für vorgeschriebene Rollstuhl-Rückhaltesysteme und vorgeschriebene Rollstuhlnutzer-Rückhaltesysteme. […]

Es besteht also grundsätzlich die Pflicht, dass sich alle Fahrzeuginsassen anschnallen. Handelt es sich beim Beifahrer um eine Erwachsene Person, trägt dieser allerdings selbst die Verantwortung dafür, den Sicherheitsgurt anzulegen. Dem Fahrzeugfahrer ist demnach kein Vorwurf zu machen, wenn sich andere Fahrzeuginsassen nicht ordnungsgemäß anschnallen.

Ab wann dürfen Kinder auf dem Beifahrersitz mitfahren?

Etwas anders verhält es sich, wenn Kinder als Beifahrer im Fahrzeug sitzen. Diese können häufig selbst noch nicht die Verantwortung übernehmen, sich anzuschnallen. Daher ist bei den Sprösslingen tatsächlich der Fahrer dazu verpflichtet, diesen einen Sicherheitsgurt anzulegen oder sie dazu aufzufordern.

Grundsätzlich gibt es kein Mindestalter, ab welchem Sie Kinder als Beifahrer transportieren dürfen. Sogar Babys können in einer entsprechenden Babyschale auf dem Beifahrersitz mitgenommen werden. Allerdings muss in diesem Fall unbedingt der Airbag auf der Beifahrerseite ausgeschaltet werden.

Wichtig: Vergewissern Sie sich anhand der Gebrauchsanweisung, ob ein Kindersitz auch auf dem Platz vom Beifahrer transportiert werden darf.

Darf der Beifahrer betrunken sein?

Ist der Beifahrer betrunken, wird keine Strafe gegen ihn ausgesprochen.

Ist der Beifahrer betrunken, wird keine Strafe gegen ihn ausgesprochen.

Der Bußgeldkatalog sieht hohe Sanktionen vor, wenn Kfz-Fahrer sich unter dem Einfluss von Alkohol hinter das Steuer setzen und die geltende Promillegrenze überschreiten oder gar andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Doch bekommt ein Beifahrer (ebenfalls betrunken) auch eine Strafe, wenn der Fahrzeugführer die Promillegrenze überschreitet und im Rahmen einer Polizeikontrolle überführt wird? Grundsätzlich dürfen außer dem Fahrer sämtliche Fahrzeuginsassen betrunken sein.

Doch muss ein Beifahrer einen alkoholisierten Fahrer eigentlich davon abhalten, das Fahrzeug in Betrieb zu nehmen? In einem Urteil vom 10. Februar 1998 (AZ: VI ZR 235/97) hat der Bundesgerichtshof deutlich gemacht, dass es zur Sorgfaltspflicht eines Beifahrers gehört, zu erfragen, inwiefern der Fahrer überhaupt fahrtüchtig ist.

Stellt sich beispielsweise raus, dass der Betroffene stark alkoholisiert ist, kann dem Beifahrer eine Mitschuld angelastet werden, wenn dieser die Fahrt nicht verhindert hat. Allerdings müssen Entscheidungen darüber stets im Einzelfall getroffen werden.

Übrigens: Auch für den Beifahrer kann ein Drogentest angeordnet werden, wenn der Verdacht besteht, dass dieser berauschende Substanzen zu sich genommen hat.

Gibt es eine Strafe als Beifahrer, wenn der Fahrer keinen Führerschein hat?

Fahren ohne Fahrerlaubnis stellt in Deutschland eine Straftat dar, welche mit einer Freiheits- oder Geldstrafe sanktioniert wird. Aber macht sich auch der Beifahrer schuldig, wenn er wusste, dass der Betroffene keinen (gültigen) Führerschein besitzt?

Dabei müssen grundsätzlich zwei Fälle unterschieden werden: Wird der Beifahrer lediglich im Fahrzeug mitgenommen, ist dieser nicht verpflichtet, vorab zu überprüfen, ob der Fahrzeugführer über eine Fahrerlaubnis verfügt.

Stellen Sie allerdings einem Freund oder Bekannten das eigene Kfz zur Verfügung, weil Sie als Beifahrer mitfahren möchten, sollten Sie in Erfahrung bringen, ob eine Fahrerlaubnis vorliegt.

Besondere Regeln für Beifahrer beim Begleiteten Fahren mit 17

Der Beifahrer ist selbst dafür verantwortlich, sich anzuschnallen.

Der Beifahrer ist selbst dafür verantwortlich, sich anzuschnallen.

Seit dem 17. Juni 2010 ist das Modell „Begleitetes Fahren mit 17“ in Deutschland ins Dauerrecht übergegangen, nachdem dieses vorab nur befristet galt. Fahrschüler dürfen somit schon mit 17 Jahren den Führerschein machen und am Straßenverkehr teilnehmen.

Allerdings muss dazu eine Begleitperson im Fahrzeug mitfahren. Entgegen eines weit verbreiteten Irrtums muss diese allerdings nicht Beifahrer auf dem Sitz direkt neben dem Fahrzeugführer sein. Die Begleitperson darf jeden Platz im Kfz einnehmen.

Grundsätzlich ist die Anzahl der Begleitpersonen nicht begrenzt. Um als solche eingetragen zu werden, müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Mindestalter von 30 Jahren
  • Fünf oder mehr Jahre im Besitz der Fahrerlaubnis
  • Nicht mehr als ein Punkt in Flensburg

Tritt die Begleitperson als Beifahrer auf, sind einige Regeln zu beachten. So darf diese nicht in das Lenkrad greifen oder andere Elemente des Fahrzeugs, welche für den Fahrer bestimmt sind, bedienen. Zudem muss die begleitende Person den Führerschein stets mitführen.

Achtung: Auch als Begleitperson für einen Führerscheinneuling mit 17 Jahren dürfen Sie nicht die Promillegrenze überschreiten!

Wie sollten Sie sich als Beifahrer verhalten?

Abschließend möchten wir Ihnen ein paar Tipps mit an die Hand geben, wie Sie sich als Beifahrer verhalten sollten und was dringend zu unterlassen ist, um den Fahrer nicht zusätzlich abzulenken oder gar unter Druck zu setzen.

Richtiges Verhalten als Beifahrer

  • Helfen Sie dem Fahrer, wenn dieser darum bittet. Dabei kann es sich beispielsweise um Einstellungen am Radio, der Klimaanlage oder dem Navigationsgerät.
  • Achten Sie auf den Verkehr. Natürlich liegt die Verantwortung dafür hauptsächlich beim Fahrzeugführer, dennoch kann ein zweites Paar Augen nicht schaden.
  • Weisen Sie den Fahrer ruhig auf eventuelle Verkehrsverstöße, welche dieser begeht, hin.

Falsches Verhalten als Beifahrer

  • Unnötige Kritik sollten Sie sich unbedingt verkneifen, das kann den Fahrer ablenken.
  • Genauso sollten Sie respektieren, wenn sich der Fahrzeugführer auf den Verkehrs konzentrieren und daher nicht an Gesprächen teilnehmen möchte.
  • Die oberste Regel für den Beifahrer: Fassen Sie dem Fahrenden niemals ins Lenkrad!
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3 Kommentare

  1. Grigull sagt:

    Interessanter Artikel und einiges Neues..
    Rechtschreibfehler bitte rausnehmen beim Beifahererverhalten: ein paar/Paar Augen und bei: weißen/weisen Sie den Fahrer…

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Grigull,

      danke für den Hinweis. Die Textstellen wurden entsprechend korrigiert.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Jürgen L. sagt:

    Ich danke für die umfangreichen Informationen die, soweit sie mich betrafen, sehr hilfreich waren. Besonders die Informationen zum Fahren im Sommer. Vielen Dank!

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