Motorradfahren bei Hitze: 7 Dos and Don’ts
Veröffentlichungsdatum: 2. Juli 2026
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Das Sommerwetter lockt zu Ausflügen. Für Motorradfahrer können die Temperaturen jedoch schnell zum schweißtreibenden Härtetest werden. Wer hier nicht aufpasst, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit, sondern fängt sich möglicherweise auch einen Bußgeldbescheid ein. Unsere 7 praktischen Do’s und Don’ts zeigen Ihnen, wie Motorradfahren bei Hitze eine entspannte und sichere Angelegenheit bleibt.
Unsere 7 Don’ts: Vermeiden Sie Schäden und Bußgelder!

- Verzichten Sie nicht auf Schutzkleidung! Die Verlockung ist groß, in T-Shirt und kurzer Hose zum Bäcker zu fahren. Aber der Asphalt ist im Sommer genauso unbarmherzig wie im Winter. Neben den Verletzungen bei einem Sturz drohen Ihnen auch rechtliche Konsequenzen: Versicherungen sprechen bei Motorradunfällen ohne Schutzkleidung oft eine Mitschuld zu und kürzen das Schmerzensgeld.
- Stürzen Sie keine eiskalten Getränke runter! Das signalisiert dem Körper „Schockfrost“, woraufhin er die innere Heizung erst recht anwirft. Sie schwitzen dadurch noch mehr und der Magen rebelliert. Lauwarme Getränke sind die bessere Wahl.
- Fahren Sie nicht mit komplett offenem Visier! Es fühlt sich erfrischend an, sorgt aber dafür, dass die Augen durch den heißen Wind extrem schnell austrocknen. Zudem reicht mitunter eine einzige Wespe bei Tempo 100 im Helm, um einen Unfall zu verursachen.
- Nutzen Sie nicht aus Verzweiflung die Rettungsgasse! Wenn Sie bei 35 °C in der prallen Sonne auf der Autobahn im Stau stehen, ist die Versuchung groß, einfach durch die Mitte zu rollen. Verständlich, aber extrem teuer: Das unberechtigte Befahren der Rettungsgasse kann erhebliche Konsequenzen haben.
Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot Sie benutzten mit Ihrem Fahrzeug auf einer Autobahn oder Außerortsstraße unberechtigt eine freie Gasse für die Durchfahrt von Polizei oder Hilfsfahrzeugen. 240 Euro 2 1 Monat … mit Behinderung 280 Euro 2 1 Monat … mit Gefährdung 300 Euro 2 1 Monat … mit Unfallfolge 320 Euro 2 1 Monat - Missbrauchen Sie den Seitenstreifen nicht als Abkürzung! Wenn Sie im Stau stehen und die Ausfahrt bereits in Sichtweite ist, mag es verlockend sein, einfach den Standstreifen zu benutzen, um schneller voranzukommen. Aber auch für Motorradfahrer ist das verboten. Sie riskieren mindestens 75 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg.
- Tanken Sie nicht randvoll! Benzin dehnt sich bei Hitze aus. Wer den Tank bis zum Stehkragen füllt und das Bike dann in die Sonne stellt, riskiert, dass Kraftstoff über den Überlauf auf den heißen Motor oder den Hinterreifen schwappt.
- Ignorieren Sie keine Warnzeichen für Hitzeerschöpfung! Kopfschmerzen, Tunnelblick oder unsauber angefahrene Kurven sind keine „normale Müdigkeit“, sondern akute Warnsignale des Körpers. Wer jetzt nicht sofort in den Schatten fährt und Pause macht, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit, sondern im schlimmsten Fall auch eine Anzeige wegen Gefährdung des Straßenverkehrs aufgrund körperlicher Mängel.
Unsere 7 Dos: Mit diesen Tipps bleiben Sie kühl und sicher!

- Setzen Sie auf Sommerbekleidung für Motorradfahrer! Verzichten Sie auf die schwere Lederkombi und besorgen Sie sich Motorradkleidung für den Sommer. Textiljacken mit Netzeinsätzen (Mesh) lassen den Fahrtwind komplett durch und bieten dank Protektoren trotzdem vollen Schutz.
- Trinken Sie Elektrolyte statt pures Wasser! Durch den Fahrtwind verdunstet Schweiß sofort und Sie merken vermutlich gar nicht, wie viel Flüssigkeit Sie beim Motorradfahren bei Hitze verlieren. Trinken Sie nur Wasser, schwemmen Sie wichtige Mineralien aus. Nehmen Sie stattdessen isotonische Getränke oder eine Prise Salz im Wasser zu sich. So verhindern Sie Muskelkrämpfe und das berüchtigte „Hitze-Flittern“ im Kopf.
- Schützen Sie Ihren Nacken vor der Sonne! Ihr Helm schützt den Kopf und Ihre Jacke den Körper. Dazwischen aber bleibt oft ein Streifen Haut im Nacken frei, der im perfekten Winkel zur Sonne steht. Ein leichtes, helles Halstuch oder Sonnencreme verhindert Verbrennungen.
- Kühlen Sie sich ab mit der “Kühlschrank-Taktik!” Ein genialer Trick fürs Motorradfahren bei Hitze: Tauchen Sie ein Funktionsshirt kurz ins Wasser und ziehen Sie es nass unter Ihre Jacke an. Der Fahrtwind sorgt für Verdunstungskälte, die den Oberkörper effektiv runterkühlt.
- Tragen Sie lange Funktionsunterwäsche! Klingt paradox, aber lange Funktionsunterwäsche transportiert den Schweiß ab und sorgt dafür, dass Ihre Haut nicht am Futter der Schutzbekleidung klebt. Wenn Sie schon mal versucht haben, verschwitzt aus einer engen Motorradkombi zu kommen, verstehen Sie sicher, warum.
- Packen Sie eine Unterlage für den Seitenständer ein! Auf aufgeheiztem Asphalt (z. B. auf Rastplätzen) sinkt der schmale Seitenständer ruckzuck ein und das Bike kippt um. Ein kleines Kunststoffplättchen oder eine flach getretene Coladose unter dem Ständer rettet den Lack.
- Achten Sie beim Fahren auf Bitumen! Bei Hitze schmilzt der Asphalt auf den Straßen. Besonders die schwarzen Teerflicken (Bitumen) weichen auf und werden schmierig wie Seife. In Kurven herrscht hier akute Sturzgefahr!
Gut zu wissen: Kommt es aufgrund der schlechten Beschaffenheit der Straße zu einem Sturz, können Sie möglicherweise Schadensersatz von der zuständigen Kommune einklagen. Die Gerichte entscheiden in solchen Fällen aber nicht automatisch zugunsten der Motorradfahrer. Hierbei spielt es eine große Rolle, ob die schadhafte Stelle deutlich sichtbar war, ob es Warnhinweise gab und wie schnell Sie gefahren sind. Es wird stets nach Einzelfall entschieden.
Keine Sonderregelungen bei Hitze – außer im Notfall

Fürs Motorradfahren im Sommer gelten grundsätzlich die gleichen Vorschriften wie sonst auch. Hohe Temperaturen entbinden Sie weder von der Helmpflicht noch erlauben Sie Ihnen, die Rettungsgasse oder den Seitenstreifen zu befahren.
Eine Ausnahme bilden Notsituationen, allerdings hebelt Motorradfahren bei Hitze allein noch nicht die StVO aus. Wenn Sie aber Kreislaufbeschwerden verspüren und Ihnen schwarz vor Augen wird, dürfen – oder besser gesagt: müssen – Sie auf den Standstreifen fahren und dort anhalten. Gleiches gilt, wenn Sie eine technische Panne haben, weil z. B. Ihr Motor überhitzt.
Wichtig hierbei ist, dass Sie in beiden Fällen nur die Erlaubnis haben, auf dem Standstreifen anzuhalten. Das Befahren ist weiterhin tabu. Warten Sie also auf dem Streifen, bis Sie die Fahrt von selbst fortführen können, oder rufen Sie Hilfe (Notarzt bzw. Pannendienst).

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