Nach Unfall Angst vorm Autofahren? So kann Ihnen geholfen werden!

Von Mathias Voigt

Letzte Aktualisierung am: 21. September 2026

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

FAQ: Nach Unfall Angst vorm Autofahren

Ist es normal, nach einem Unfall Angst vor dem Autofahren zu haben?

Ja, es ist durchaus üblich, wenn sich nach einem Unfall Verunsicherung am Steuer einstellt. Bei manchen Betroffenen verfliegt dieses ungute Gefühl im Laufe der Zeit wieder von alleine.

Lässt sich Fahrangst nach einem Unfall eigenständig überwinden?

In manchen Fällen ja. Nach dem Gewöhnen an das stehende Fahrzeug können erste kurze Fahrübungen mit einer vertrauten Person auf ruhigen Plätzen durchgeführt und langsam gesteigert werden. Genauere Tipps finden Sie hier.

Wann sollten Sie bei Angst vorm Autofahren eine professionelle Therapie aufsuchen?

Tritt die Belastung zusammen mit Panikattacken oder Wiedererleben des Unfallgeschehens (Flashbacks) auf, empfiehlt sich eine psychotherapeutische Begleitung. Nach Aufarbeitung des Traumas können Sie zusätzlich ein praktisches Fahrtraining in einer Fahrschule absolvieren. 

Fahrangst nach einem Unfall ist durchaus normal

Viele Betroffene haben nach einem Unfall Angst vorm Autofahren.
Viele Betroffene haben nach einem Unfall Angst vorm Autofahren.

Kennen Sie das? Sie sollen eine Erledigung mit dem Auto machen und plötzlich suchen Sie fieberhaft nach einer Ausrede, sich nicht hinters Steuer setzen zu müssen. Oder Sie steigen tatsächlich ins Auto ein, drehen den Zündschlüssel und plötzlich verkrampft sich alles in Ihnen. Wenn Ihnen diese Situationen bekannt vorkommen, können wir Sie erst einmal beruhigen: Sie sind damit nicht allein. Die Angst vorm Autofahren, auch bekannt als Amaxophobia, ist weiter verbreitet, als Sie vielleicht annehmen. Und es gibt Möglichkeiten, sie zu überwinden.

Besonders nach einem Unfall ist Angst vorm Autofahren keine Seltenheit. Das kann selbst dann der Fall sein, wenn es sich dabei nur um einen Parkrempler handelte. Viele Betroffene befürchten, erneut in eine gefährliche Situation zu geraten oder in einen schlimmeren Unfall verwickelt zu werden. Oft ist es auch gar nicht das Autofahren an sich, das die Angst hervorruft, sondern nur eine bestimmte Fahrsituation (z. B. das Überholen auf der Landstraße oder das Einscheren auf die Autobahn). Dieses Gefühl ist vor allem nach einem Unfall grundsätzlich normal und verschwindet bei einigen Betroffenen mit der Zeit sogar von selbst.

Sollte Ihre Nervosität aber auch nach längerer Zeit bestehen, sollten Sie handeln. Wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Anzeichen bemerken, hat sich Ihre Angst vorm Autofahren nach dem Unfall zu einer echten Einschränkung entwickelt:

  • Sie können Ihren Beruf nicht mehr ausüben, weil Sie dafür Auto fahren müssten.
  • Sie vermeiden es, sich mit Familie und Freunden zu treffen, weil der Treffpunkt nur mit dem Auto erreichbar ist.
  • Sie verzichten auf Hobbys und Freizeitaktivitäten, weil Sie dafür selbst Auto fahren müssten.
  • Sie können sich nicht auf Ihren Traumberuf bewerben, weil dieser regelmäßiges Autofahren voraussetzt.
  • Sie schieben wichtige Termine, wie z. B. Arztbesuche auf, weil niemand Sie hinfahren kann.
  • Sie sind für alltägliche Wege darauf angewiesen, von Familienmitgliedern oder Freunden gefahren zu werden, was zu ständigen Schuldgefühlen oder Streitereien führt. 
  • Sie nehmen massive Umwege, Verspätungen oder Kosten in Kauf, um bestimmte Fahrsituationen oder das Autofahren an sich zu meiden.
  • Schon Tage oder Stunden vor einer eventuellen Fahrt leiden Sie unter Schlafstörungen, Magenproblemen oder Unruhe, weil sich die Gedanken nur um das Autofahren drehen.
  • Selbst das Mitfahren bei vertrauten Personen löst bei Ihnen extremes Klammern, Mitbremsen oder Panikattacken aus. 

Fahrangst nach Unfall selbst überwinden: Schritt für Schritt

Wenn Sie nach einem Unfall Angst vorm Autofahren verspüren, können Sie diese unter Umständen in Selbsthilfe überwinden. Diese Schritte können dabei helfen:

  1. Setzen Sie sich ins stehende Auto. Spüren Sie das Lenkrad, den Sitz und die Pedale unter Ihren Füßen.
  2. Machen Sie sich (wieder) mit allen Handgriffen, die vor dem Fahrtantritt nötig sind, vertraut: Spiegel einstellen, Sitzhöhe einstellen, Anschnallgurt anlegen, Klimaanlage justieren, Radiosender auswählen etc.
  3. Starten Sie den Motor, ohne loszufahren. Spüren Sie die Vibrationen des Fahrzeugs.
  4. Fahren Sie ein paar Meter aus der Parklücke und wieder zurück. Kriegen Sie wieder ein Gefühl für die Pedale und die Lenkung.
  5. Machen Sie erste Fahrten auf leeren Parkplätzen oder ruhigen Nebenstraßen bei Tageslicht und wenig Verkehr. Lassen Sie sich von einem Beifahrer begleiten, der Ruhe ausstrahlt und Ihnen Sicherheit gibt.
  6. Bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund mit eigenem Auto, mit Ihnen bestimmte Situationen auf dem Parkplatz zu üben, wie z. B. das voreinander Abbiegen oder das Überholen.
  7. Verlängern Sie die Übungsfahrten nach und nach und trauen Sie sich in belebteren Verkehr, sobald Sie Sicherheit gewonnen haben.

Jeden einzelnen dieser Schritte sollten Sie behutsam angehen. Sobald Sie an einem Punkt erneut Angst verspüren, gehen Sie einen Schritt zurück und führen diesen aus. Wenn Sie Fortschritte zu schnell erzwingen wollen, werden Sie nicht vorankommen. Setzen Sie sich nicht unter Druck und vor allem: Vergleichen Sie sich nicht mit anderen! Ihr Bekannter hat nach einem ähnlichen Unfall seine Angst vorm Autofahren schon nach einer Woche überwunden? Das sollte Ihnen völlig egal sein. Das Überwinden von Ängsten ist kein Wettbewerb. Selbst wenn es Wochen oder sogar Monate dauert, bis Sie sich wieder hinters Steuer setzen: Alles,was zählt, ist, dass Sie selbst mit Ihrem Fortschritt zufrieden sind.

Tipp: Wenn Sie im Auto plötzlich Panik bekommen, hilft bewusst verlängertes Ausatmen: Atmen Sie vier Sekunden lang durch die Nase ein und sechs Sekunden lang langsam durch den Mund wieder aus. Dieser Rhythmus signalisiert Ihrem Nervensystem sofort Entwarnung und verlangsamt Ihren Herzschlag spürbar. Wiederholen Sie diesen Zyklus drei- bis viermal, um wieder Ruhe und Kontrolle über Ihren Körper zu gewinnen.

Professionelle Hilfe zur Überwindung von Fahrangst

Bei starken Fahrangst nach einem Unfall sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.
Bei starken Fahrangst nach einem Unfall sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

Wenn Sie sich nicht zutrauen, Ihre Angst vorm Autofahren allein anzugehen, können Sie sich auch professionelle Hilfe suchen. Gerade wenn Ihre Phobie sehr schwer ist – Sie z. B. beim bloßen Anblick eines Autos in Panik geraten oder Sie während der Fahrt Flashbacks vom Unfall kriegen –, werden unsere Tipps zur Selbsthilfe vermutlich nicht genügen.

Zum Glück ist die Angst vorm Autofahren – ob nach einem Unfall oder aus anderen Gründen – ein bekanntes Phänomen und es gibt diverse Anlaufstellen, die sich mit der Überwindung von Amaxophobie befassen. Viele Fahrschulen bieten Auffrischungskurse oder spezielle Trainings mit geschulten Fahrlehrern an, die genau darauf abzielen, Fahrangst zu überwinden. In der Regel besprechen Sie in einem Vorgespräch zunächst Ihre konkreten Ängste, bevor Sie sich mit dem Fahrlehrer in den Straßenverkehr begeben. Dieser führt Sie dann behutsam an die Situationen heran, die Ihnen am meisten Unbehagen bereiten. Auf die Weise können Sie in einem geschützten Umfeld das Autofahren wieder üben, bis Sie Sicherheit gewonnen haben. 

Geht Ihre Fahrangst über reine Nervosität hinaus und wird von Panikattacken oder Flashbacks begleitet, sollten Sie vor der Fahrschule zunächst eine Psychotherapie besuchen. Dort wird Ihnen geholfen, Ihre Angst vor dem Autofahren genau zu verstehen und Ihr Trauma nach dem Unfall aufzuarbeiten. Wenn Sie hier erste Fortschritte gemacht haben, können Sie mit dem Fahrsicherheitstraining beginnen und Therapie und Praxis parallel weiterführen. Hören Sie auf die Empfehlung Ihres Therapeuten, ob Sie bereit für den nächsten Schritt sind.   

Angst vorm Autofahren: Schadenersatz vom Unfallverursacher

Wenn Sie nach einem fremdverschuldeten Unfall Angst vorm Autofahren verspüren, die Sie nachweislich erheblich in Ihrem Alltag einschränkt, kann Ihnen vom Unfallverursacher Schmerzensgeld zustehen. Denn Schadenersatz muss nicht nur für körperliche, sondern auch für seelische Verletzungen geleistet werden.

Um den Schmerzensgeldanspruch geltend zu machen, muss Ihre Fahrangst von einem Facharzt oder Psychologen offiziell diagnostiziert werden. Es muss klar belegt sein, dass Sie unter einer Angststörung oder posttraumatischen Belastungsstörung leiden und dass diese ein direktes Resultat aus dem Unfall ist. 

Haben Sie ausreichend Beweise gesichert, können Sie den Unfallverursacher (oder dessen Versicherung) auffordern, Ihnen eine konkrete Summe an Schmerzensgeld zu zahlen. Wenn Sie es schaffen, sich außergerichtlich zu einigen, sparen Sie eine Menge Zeit und Kosten. Oft ist es hilfreich, sich dabei von einem erfahrenen Anwalt unterstützen zu lassen. Geht der Unfallverursacher jedoch nicht auf Ihre Forderung ein, können Sie beim zuständigen Gericht Klage einreichen. 

Über den Autor

Mathias Voigt (Rechtsanwalt)
Mathias Voigt

Rechtsanwalt Mathias Voigt besitzt seine Zulassung seit 2013. Zuvor studierte er an der juristischen Fakultät in Rostock und absolvierte sein Referendariat in Nordrhein-Westfalen. Als Autor für bussgeldkatalog.org informiert er Verbraucher unter anderem über deren Rechte in einem Bußgeldverfahren.

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