Bremsen vom Auto quietschen: Was tun?

Von Sascha Münch

Letzte Aktualisierung am: 30. Oktober 2026

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

FAQ: Bremsen quietschen

Bedeutet ein Quietschen der Bremsen immer einen technischen Defekt?

Nein, ein quietschendes Geräusch weist nicht zwingend auf einen Schaden hin. Oft geraten die Bauteile lediglich durch Schmutz, leichten Flugrost oder Schwingungen in Resonanz, ohne dass die Sicherheit Ihres Autos beeinträchtigt ist.

Warum quietschen neue Bremsbeläge nach dem Wechsel?

Frisch eingebaute Komponenten müssen sich zunächst aneinander anpassen. Nach einer Fahrstrecke von ungefähr 200 bis 300 Kilometern haben sich die Beläge meist eingeschliffen, sodass das Geräusch wieder verschwindet[.

Wann ist eine Kontrolle der Bremsanlage in der Werkstatt nötig?

Ein Besuch in der Werkstatt ist vorgesehen, wenn die Belagstärke unter drei Millimeter sinkt, das Bremspedal vibriert oder das Auto einseitig zieht. Auch anhaltendes metallisches Schleifen deutet auf einen dringenden Kontrollbedarf hin.

Warum quietschen Ihre Bremsen am Auto?

Was können Sie tun, wenn Ihre Bremsen quietschen?
Was können Sie tun, wenn Ihre Bremsen quietschen?

Quietschende Bremsen sind nicht automatisch ein Defekt. Das Geräusch entsteht üblicherweise, wenn Bremsbelag und Bremsscheibe in Schwingung geraten. Dafür kann es viele Gründe geben, manche sind komplett harmlos, während andere durchaus relevant für die Fahrzeugsicherheit sind. 

Das sind die häufigsten Gründe, warum Bremse quietschen können:

  • verschlissene Beläge: Viele Beläge haben einen Verschleißanzeiger aus Metall. Sind sie fast abgefahren, schleift er an der Scheibe und erzeugt bewusst ein hohes Quietschen als Warnsignal.
  • verglaste Beläge: Wenn Sie häufig nur sanft bremsen oder die Bremse stark überhitzt, bekommen Sie glatte, harte Beläge. Diese greifen schlechter und neigen zum Quietschen.
  • Schmutz und Fremdkörper: Bremsstaub, Rost oder kleine Steinchen zwischen Belag und Scheibe können quietschende Geräusche verursachen.
  • schlechter Zustand der Bremsscheibe: Riefen, Rostränder oder ungleichmäßiger Abrieb auf der Bremsscheibe können den Belag schwingen lassen.
  • trockene oder festgerostete Bauteile: Fehlen Schmierung oder Dämpfungsbleche an Führungen oder den Belägen, können Teile klemmen oder vibrieren.
  • billige oder falsche Beläge: Sehr harte Beläge, vor allem günstige Modelle mit hohem Metallanteil, quietschen häufiger.

Auch neue Beläge können zunächst Geräusche machen, bis sie sich eingeschliffen haben. Es ist also nicht unüblich, dass neue Bremsen eine Weile quietschen. Nach 200 bis 300 gefahrenen Kilometern sollten alle Bauteile eingeschliffen sein und das Geräusch verschwinden. Hält es weiterhin an, hat das Quietschen vermutlich einen anderen Grund.

Bremsen quietschen: Werkstatt oder selbst reparieren?

Zuerst müssen Sie herausfinden, ob das Geräusch harmlos ist. Quietschen Ihre Bremsen nur gelegentlich oder in den ersten Minuten der Fahrt, kann das an Feuchtigkeit oder leichtem Schmutz liegen. Hält das Geräusch länger an, sollten Sie die Bremsen prüfen. Bei vielen Autos ist die Dicke der Beläge durch die Felgenspeichen sichtbar. Als Faustregel gilt: Spätestens bei etwa drei Millimetern Restdicke sollten Sie die Beläge wechseln lassen.

Wollen Sie selbst Hand anlegen, können Sie die Bremsanlage mit speziellem Bremsenreiniger säubern. Die Rückseite der Beläge und die Führungen lassen sich mit Kupferpaste oder einer Antiquietschpaste behandeln. Achten Sie dabei darauf, keine Paste auf die Reibflächen von Belag und Scheibe zu bringen. Das würde die Bremswirkung drastisch verschlechtern. Wenn Sie unsicher sind und nicht über das nötige Fachwissen verfügen, sollten Sie die Arbeiten besser einer Werkstatt überlassen, selbst wenn es sich nur um eine Reinigung handelt. 

Die Bremse ist eines der wichtigsten Bauteile in Ihrem Auto. Sie nicht fachmännisch zu warten bzw. zu reparieren, kann Ihre Sicherheit enorm gefährden!

Haben Sie neue Bremsbeläge, sollten Sie diese einbremsen: Fahren Sie in den ersten hundert Kilometern vorsichtig und bremsen Sie mehrfach sanft, ohne die Bremse stark zu überlasten. Beläge und Scheiben sollten außerdem immer als zusammenpassendes Set gewechselt werden, damit sie sich gut aufeinander einschleifen. Wie schon erwähnt ist es normal, wenn die neuen Bremsen am Anfang quietschen.

Sofort in die Werkstatt sollten Sie bei diesen Anzeichen:

  • ein metallisches Schleifen oder Kratzen, das mit der Bremsung stärker wird
  • ein Lenkrad oder Bremspedal, das beim Bremsen vibriert
  • ein Auto, das beim Bremsen zu einer Seite zieht
  • ein längerer Bremsweg 
  • ein weiches Bremspedal

Bremsen quietschen bei Kälte oder Nässe

Bei Nässe sind quietschende Bremsen ganz normal.
Bei Nässe sind quietschende Bremsen ganz normal.

Das Wetter beeinflusst Bremsgeräusche stärker, als viele vermuten. Bei Nässe und hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf den Bremsscheiben innerhalb weniger Stunden eine dünne Rostschicht. Beim ersten Bremsen nach einer Standzeit schleift diese ab und verursacht oft ein Quietschen. Nach ein paar Bremsungen ist die Scheibe wieder blank und die Geräusche verschwinden. Das ist normal und kein Defekt. Anhaltende Geräusche sollten Sie dennoch abklären lassen.

Im Winter kommen außerdem Streusalz, Matsch und Schmutz hinzu. Sie gelangen leicht in die Bremsanlage, greifen Metallteile an und lassen Führungen schwergängig werden. Bei Kälte werden manche Belagmischungen zudem härter und neigen dadurch eher zum Quietschen, bis sie sich durch das Bremsen erwärmt haben. Wenn Sie im Winter viel auf salzigen Straßen unterwegs sind, sollten Sie Ihre Bremsen im Frühjahr gründlich reinigen.

Auch Hitze kann ein Faktor sein. Wer im Sommer bergab stark bremst oder einen Anhänger zieht, überhitzt die Beläge unter Umständen, sodass sie verglasen. Das führt dazu, dass die Bremsen quietschen und schlechter bremsen. Wechseln Sie bei langen Gefällestrecken öfter in einen niedrigeren Gang und nutzen Sie die Motorbremse, um die Bremsen zu schonen.

Über den Autor

Sascha Münch (Rechtsanwalt)
Sascha Münch

Nachdem Sascha Münch sein Jura-Studium in Bremen abgeschlossen hatte, absolvierte er sein Referendariat am OLG Celle. 2013 erhielt er die Zulassung zum Rechtsanwalt und 2019 wurde er zum Notar bestellt (seit 2021 Notar a. D.). Als Autor für bussgelkatalog.org verfasst er u. a. Ratgeber zum Bußgeldverfahren.

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