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Das Diesel-Fahrverbot in Deutschland: Was steckt eigentlich dahinter?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 25. August 2021

Das Fahrverbot für einige Dieselfahrzeuge soll die Luftqualität verbessern

Das Diesel-Fahrverbot soll der Belastung durch Stickstoff­dioxid (NO2) entgegenwirken.
Das Diesel-Fahrverbot soll der Belastung durch Stickstoff­dioxid (NO2) entgegenwirken.

Für viele Kraftfahrer war das Diesel-Fahrverbot der Aufreger 2018. Nicht nur der Abgas-Skandal aus dem Jahr 2015 führte zu viel Kritik an Dieselmotoren: Im Laufe des Jahres 2018 stellte sich außerdem heraus, dass der europaweite Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter jährlich an Stickstoffdioxid (NO2) in der Vergangenheit immer wieder überschritten worden war. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der bei der Verbrennung in einem Dieselmotor produziert wird.

Um der Belastung mit NO2 entgegenzuwirken und endlich für geringere Werte zu sorgen, wurden mit der Zeit in immer mehr Städten Diesel-Fahrverbote eingeführt. Doch um welche Fahrzeuge geht es dabei genau? Und wie regeln die einzelnen Städte die Verbote für Dieselfahrzeuge? Antworten sowie weitere nützliche Infos finden Sie in diesem Ratgeber.

FAQ: Diesel-Fahrverbot

Warum wurde ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge eingeführt?

Zur Einführung von einem Fahrverbot für Dieselautos kam es unter anderem, weil der europaweite Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter jährlich an Stickstoffdioxid (NO2) in der Vergangenheit immer wieder überschritten worden war. NO2 entsteht bei der Verbrennung in einem Dieselmotor, wobei vor allem größere Städte mit hohem Verkehrsaufkommen von der Belastung durch Stickstoffdioxid betroffen sind.

Wo gilt mittlerweile ein Fahrverbot für Diesel in Deutschland?

Mittlerweile gibt es ein Diesel-Fahrverbot in vier Städten in Deutschland: In Berlin (seit November 2019), in Darmstadt (seit Juni 2019), in Hamburg (seit Juni 2018) sowie in Stuttgart (seit Januar 2019 für auswärtige Fahrer, seit April 2019 für Anwohner). Weitere Verbote für Dieselfahrzeuge sind zwar geplant, die Umsetzung ist allerdings bislang noch offen (Stand: Mai 2021). An dieser Stelle finden Sie Informationen zu Diesel-Fahrverboten in anderen Städten.

Sind bestimmte Dieselfahrzeuge vom Fahrverbot ausgenommen?

Das Diesel-Fahrverbot gilt ohnehin nur für einzelne Straßenabschnitte und erstreckt sich nicht auf gesamte Städte. Darüber hinaus kann jede Stadt selbst entscheiden, welche Ausnahmeregelungen sie schafft. Unter anderem können Anwohner, Handwerker, Gewerbetreibende oder Rettungskräfte von dem Verbot ausgenommen sein. Weitere Infos dazu finden Sie in unserem Ratgeber zu den Ausnahmen vom Diesel-Fahrverbot.

Spezifische Informationen zum Dieselfahrverbot:

So kam es zur Einführung vom Diesel-Fahrverbot

Sogar für Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 und 4 soll das Diesel-Fahrverbot gelten.
Sogar für Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 und 4 soll das Diesel-Fahrverbot gelten.

Die Luft in vielen deutschen Städten ist schlecht. Diesbezüglich hat allen voran wohl Stuttgart den übelsten Ruf. Von Januar bis April 2017 wurden die Feinstaubwerte am Neckartor, einem Verkehrsknotenpunkt der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, 35 Mal überschritten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es sogar drei Feinstaubalarme mehr. Das Problem scheint sich also zu verschärfen.

Als eine Ursache für die dicke Luft wurden Dieselfahrzeuge ausgemacht. Ein Fahrverbot scheint daher kurzfristig eine Lösung des Problems bieten zu können.

In Deutschland gibt es mehr als 40 Städte, die unter Handlungsdruck standen, etwas gegen die schlechten Messwerte bei Feinstaub und Stickstoffoxid zu unternehmen.

Nahezu regelmäßig werden die EU-Grenzwerte überschritten. Es drohen daher hohe Strafzahlungen.

Außerdem klagen Vereine wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen Städte und Bundesländer auf Einhaltung des europäischen Abkommens zur Reduzierung von Feinstaub und Stickstoffoxid.

Fahrverbot für Diesel: Der Streit um die Blaue Plakette in Deutschland

Das Umweltministerium um Barbara Hendricks (SPD) hatte als Vorschlag zur Entschärfung der Situation die Einführung der Blauen Plakette eingebracht. Diese würde das System um die Umweltzonen erweitern und bestimmte Strecken mittels Diesel-Fahrverbot sperren. Die Euro-6-Schadstoffklasse wäre die einzige Ausnahme.

Alle anderen Dieselfahrzeuge müssten den Bereich umfahren. Nach langem Hin und Her wurde die blaue Plakette aber vom Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gestoppt.

Keine einheitliche Regelung beim Diesel-Fahrverbot: Städte entscheiden selbst

Seit Februar 2018 ist durch ein Urteil vom Bundesverwaltungsgericht der Weg für ein Diesel-Fahrverbot offen. Grund dafür war die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen dutzende deutsche Städte. Da bereits im Jahr 2017 in etwa 70 deutschen Städten der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wurde, fürchteten viele Autofahrer, vom Diesel-Fahrverbot seien ebenfalls 70 Städte betroffen.

Soweit kam es jedoch nicht. Zu Beginn des Jahres 2019 standen bereits einige Städte fest, in denen ein Diesel-Fahrverbot in der Innenstadt eingeführt werden sollte. Dafür gibt es allerdings keine einheitliche Regelung; regionale Unterschiede sind demzufolge keine Ausnahme beim Fahrverbot für Diesel. Welche Städte von der Einführung eines solchen Verbots betroffen sind und wo Dieselverbote zumindest geplant sind, können Sie der folgenden Übersicht entnehmen:

Das Fahrverbot für Diesel ist die Konsequenz der Überschreitung europäischer Abgasnormen.
Das Fahrverbot für Diesel ist die Konsequenz der Überschreitung europäischer Abgasnormen.
  • Berlin: In der Hauptstadt gibt es seit November 2019 ein Diesel-Fahrverbot. Fahrzeugen mit der Diesel-Abgasnorm Euro 1 bis 5 ist die Fahrt auf acht Teilabschnitten auf den Straßen in der Stadt verboten.
  • Bonn: Diesel mit der Abgasnorm Euro 1 bis 4 sowie Benziner der Klassen Euro 1 und 2 sollen künftig zwei vielbefahrene Straßen in Bonn nicht mehr befahren dürfen. Ab wann genau Bonn Teil der Städte mit Diesel-Fahrverbot wird, ist allerdings noch offen.
  • Darmstadt: Auf zwei Straßen gilt seit dem 1. Juni 2019 ein Diesel-Fahrverbot. Dort dürfen nur noch Euro-6-Diesel fahren.
  • Essen: In Essen war ursprünglich eine stufenweise Einführung vom Diesel-Fahrverbot geplant, wobei zunächst einmal Diesel mit der Abgasnorm 4 oder niedriger auf ausgewählten Straßen verboten werden sollten. Später sollte dann auch Euro-5-Dieseln die Nutzung untersagt werden. Auch hier wurde das Ganze jedoch noch nicht umgesetzt.
  • Hamburg: Zwei Straßenabschnitte dürfen seit dem 1. Juni 2018 nur noch von Dieselfahrzeugen befahren werden, welche die Abgasnorm Euro 6 aufweisen. Somit war Hamburg die erste der Städte, die ein Fahrverbot für Diesel einführten.
  • Stuttgart: Seit dem 1. Januar 2019 gibt es in der Umweltzone ein Fahrverbot in der Innenstadt für Diesel mit der Norm Euro 4 und niedriger. Dieses galt zunächst einmal nur für auswärtige Fahrer, wurde jedoch zum 1. April 2019 auf die Anwohner Stuttgarts ausgeweitet.

Was passiert bei Verstößen gegen das Diesel-Fahrverbot?

Je nachdem, in welcher Stadt Sie das Diesel-Fahrverbot ignorieren und die betroffenen Straßenabschnitte dennoch befahren, können unterschiedliche Sanktionen auf Sie zukommen. Schließlich entscheidet nicht nur jede Stadt selbst über ein Fahrverbot für Diesel: Betroffene Städte haben ebenfalls das Recht, die dazugehörigen Bußgelder selbst zu bestimmen. Wie teuer ein Verstoß gegen das Diesel-Fahrverbot in welcher Stadt sein kann, zeigt Ihnen die folgende Übersicht:

  • Berlin: Autofahrer müssen ein Verwarnungsgeld von 20 Euro entrichten, bei Kfz mit angekoppeltem Anhänger oder Bussen werden 25 Euro fällig. Verstoßen Sie hingegen mit einem Lkw gegen das Fahrverbot in der Innenstadt, müssen Sie ein Bußgeld von 75 Euro zahlen.
  • Darmstadt: Ein Bußgeld inklusive Verwaltungsgebühr in Höhe von insgesamt 108,50 Euro erwartet Sie hier.
  • Hamburg: Wer sich in Hamburg nicht an das Fahrverbot für Diesel in der Stadt hält, muss als Fahrer von einem Pkw 25 Euro bezahlen. Lkw-Fahrer werden mit 75 Euro zur Kasse gebeten.
  • Stuttgart: Wie in Darmstadt kommen auch in Stuttgart insgesamt 108,50 Euro auf Sie zu, wenn Sie trotz Verbot mit Ihrem Diesel unterwegs sind. Auch hier setzt sich der Betrag aus einem Bußgeld sowie den anfallenden Verwaltungsgebühren zusammen.

Umrüstung der Dieselautos: Kann das Fahrverbot verhindert werden?

Unter Umständen kann durch ein Umrüsten das Fahrverbot für Diesel umgangen werden.
Unter Umständen kann durch ein Umrüsten das Fahrverbot für Diesel umgangen werden.

Es verwundert nicht, dass das Diesel-Fahrverbot äußerst schlechte Beliebtheitswerte hat. Weder Autobauer noch Kraftfahrer sind darüber sonderlich erfreut. Eine Lösung des Problems stellen jedoch spezielle Hardware-Nachrüstungen dar, durch die betroffene Fahrer das Diesel-Fahrverbot umgehen können. Ende Juli 2019 erteilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erstmalig seine Genehmigung für solche Nachrüstungen bei Diesel-Fahrzeugen.

Dabei wird ein sogenanntes „SCR-System“ eingebaut, welches die Stickoxid-Emissionen (NOx) verringern soll, sodass die Kfz anschließend den Vorgaben der Bundesregierung entsprechen.

Diese hat festgelegt, dass Euro-4-Diesel trotz Fahrverbot die jeweiligen Städte dennoch befahren dürfen, sofern sie weniger als 270 Milligramm pro Kilometer Stickoxid ausstoßen. Dasselbe gilt für Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5. Im „Konzept für saubere Luft und die Sicherung nachhaltiger Mobilität in unseren Städten“ heißt es zudem:

Will ein betroffener Fahrzeughalter die Hardware-Nachrüstung seines Euro 5-Diesel-Fahrzeugs mit einem SCR-System […] und ist dieses verfügbar und geeignet, den Stickoxidausstoß auf weniger als 270 Milligramm pro Kilometer zu reduzieren, erwartet der Bund vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt. […]“

Daher können Sie Ihr Fahrzeug in der Regel kostenfrei nachrüsten lassen. Sollte sich der Hersteller weigern, die Kosten dafür zu tragen, empfiehlt sich der Gang zum Anwalt. Nach der Nachrüstung wird diese in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (ehemaliger Fahrzeugschein) vermerkt, sodass Sie bei einer Verkehrskontrolle nachweisen können, dass Sie vom Diesel-Fahrverbot ausgenommen sind. Nach aktuellem Stand ist eine Nachrüstung der Hardware bei den folgenden Diesel-Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 5 möglich:

  • Audi Q3, Q5, Q7 (2.0 und 3.0 TDI mit EA 189- oder EA 897-Motor)
  • Mercedes C-Klasse, E-Klasse, GLK (2.2 und 3.0 CDI mit OM 651- oder OM 642-Motor)
  • VW Passat (2.0 TDI, EA 189-Motor)

Besitzen Sie eines der genannten Fahrzeugmodelle, können Sie das Diesel-Fahrverbot demzufolge durch eine Hardware-Nachrüstung umgehen.

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78 Kommentare

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  1. Theodoridis sagt:

    Wen ich höre von Dieselverbot ab euro 4 bis 5 , dann kann ich sagen die es wollen haben keine Ahnung,wie Frücher die Diesel Autos waren oder LKWS,die haben anscheinent wo anders gelebt,ich habe als Kleine junge aber das erlebt,Schwarzen wolken von ausbuff,viel langsamer als die heutigen TDIS,diese Technologie sollte die Brücke Bleiben für weitere Strecken,und nicht zu Verboten kommen,vielleicht kann ich meinen Audi a 4 TDI mit Euro 4 ein Hibrit machen wen die auto industrie was bietet,mir gefällt meine Audi A4 limusine,und des soll auch so Bleiben,Bitte denkt eure Bürger die gerne ihre Autos so viele jahre weiter fahren wollen um zu zeigen das diese Technologien wo so weit gekommen sind viele Menschen arbeit geben sei es ersatzteile seies Ulteimer,Natürlich darf die Technologien nicht stehen Bleiben,aber soll auch paralell noch ab euro 4 weiter genutzt werden,um zu vergleichen mit der Neuen Tecnologien,wen sie den Neuen Terminator sehen,werden verstechen was ich meine,manchmall sind alte Technologien immer noch gut wen auch veraltet sind aber noch Funktionieren,viel Elektronik ist anfälliger mit der Jahre wie mechanische Teile.

    • Ewald sagt:

      Wer legt eigentlich die Werte Fest? auf der Arbeit darf man 950 Mikrogram ausgesetzt werden und auf der Straße nur 40 Mikrogram. Das heißt z. B. das ein Busfahrer und die Fahrgäste im Bus einer Höheren Belastung aus gesetzt werden als im Freien mit nur 40 Mikrogram. Da stimmt doch was nicht! Hier sollen wohl der Bürgen und die Unternehmen wieder mal die Rechnung zahlen obwohl der Staat uns doch die Dieselfahrzeuge als Umweltfreundlich so nah gelegt hat. Hier sollte man sich noch doch mal Gedanken über die Werte machen ob dies so Reallistig sind und ob man diese nicht neu bewerten muss, im eitern muss man sich hier auch schon Fragen ob und wie die “Umweltzone” in den Städten was geholfen haben? da spricht hier keiner mehr von (Stillschweigen). Desweiteren finde ich gibt es andere Möglichkeiten Stickoxide zu reduzieren, z. B. Genehmigungen für Umgehungstraßen erteilen, aber hier sind ja die sogenannten Umweltschützer auch dagegen. mit dem Dieselfahrverboten wird doch nur dem Bürger noch die Mobilität genommen.

    • Backstein sagt:

      Hybrid*

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