Bußgelder auf dem Oktoberfest – So teuer sind die Wiesn

Strafen bei Ordnungswidrigkeiten zur Wiesn-Zeit

Wildpinkelnin München durchschnittlich 100 Euro
Öffentlicher Sex (Erregung öffentlichen Ärgernisses): Abhängig vom Einkommen der Beteiligten; Strafen um die 1000 Euro sind der Normalfall, auch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr kann verhängt werden
Trunkenheitsfahrt:Je nach Promille und Fahrweise
Verstoß gegen das Rauchverbot Bayern:Kein Bußgeld. Bedienungsunterlassung und Rausschmiss, denn es gilt ein Rauchverbot in Gaststätten in Bayern
Klauen eines Maßkrugs:Kosten variieren
Erbrechen oder Einnässen im Taxi:Je nach Schaden bis zu 1500 Euro für die Taxi-Reinigung
Schwarzfahren:40 Euro

Am 17. September ist es soweit

Oktoberfestbesucher trinken auf dem Oktoberfest aus Maßkrügen

Oktoberfestbesucher trinken auf dem Oktoberfest aus Maßkrügen

Das 183. Münchner Oktoberfest beginnt nach dem traditionellen Fassanstich durch den Oberbürgermeister Münchens Dieter Reiter. Auch dieses Jahr werden über 6 Millionen Gäste aus allen Ländern auf dem Oktoberfest 2017 in München erwartet. Neben bunten Bildern bietet das Volksfest aber auch skurrile Anblicke, die die bierselige Stimmung mit sich bringt: Ob Wildpinkeln hinter dem Zelt, öffentliche Liebesspiele von ausgelassenen Paaren (die als Erregung öffentlichen Ärgernisses gelten müssen) oder Erbrechen im Taxi – diese Szenen sind keineswegs schön anzusehen, und auch wenn auf dem Oktoberfest eine ausgelassene Stimmung herrscht, ist dort nicht alles erlaubt. Wir bieten Ihnen im folgenden einen Überblick über die verschiedenen Verwarnungs- und Bußgelder, die Ihnen im Rahmen des Oktoberfests begegnen können, und beantworten häufig auftretende Fragen, z.B. nach dem Oktoberfest-Rauchverbot oder nach dem Bußgeld „Urinieren in der Öffentlichkeit“. Außerdem haben wir Rettungskräfte, Taxifahrer und Polizisten nach ihren Erlebnissen auf dem Oktoberfest in München gefragt.

Die bunte Menge erfordert viel Organisation

Wenn über 6 Millionen mehr oder weniger angetrunkene Menschen 16 Tage lang auf 31 Hektar Festgelände umsorgt werden müssen, dann sind Einsatzkräfte aller Art gefordert. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart beeindruckende Zahlen:

  • Sanitäter auf dem Oktoberfest: Dieses Jahr leisten über 100 Rotkreuz-Helfer mit voraussichtlich 2.000 Einsatzkräfte- und circa 175 Ärzte-Schichten Hilfe. Dies findet größtenteils ehrenamtlich statt!
  • Bier auf dem Oktoberfest: Zu viel Alkohol? Nicht für die Nutznießer. Im Schnitt laufen über 7 Millionen Liter flüssiges Gold über die Theken, die auch dem Umsatz der Stadt München zugutekommen. In den Kassen der Festzeltbetreiber, aber auch der Hotels und Taxifahrer fließt nämlich in diesen Tagen eine Summe im Milliardenbereich.
  • Polizisten: Insgesamt sind laut Auskunft der bayerischen Polizei  auf dem Oktoberfest 300 Beamte ständig auf der Wiesn im Einsatz, dazu kommen noch 200 weitere Polizeibeamte, die im Umfeld der Theresienwiese für Verkehrssicherheit und allgemeine Sicherheit sorgen. Sie sind im Schichtdienst tätig, damit zu jeder Tages- und Nachtzeit die Sicherheit der Wiesnbesucher gewährleistet werden kann.
  • Weitere Einsatzkräfte: Etwa 12.000 Personen sind insgesamt im Dienst. Davon sind 1.600 Kellner.

Bußgelder auf dem Münchner Oktoberfest

Rund die Hälfte aller Besucher des Oktoberfests nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel für die Anfahrt. Kein Wunder, dass diese während des Oktoberfests oft überfüllt sind. Gästen wird aus diesem Grund geraten, nicht mit der U-Bahn (U4 oder U5) über die Station „Theresienwiese“ anzureisen, sondern mit Bus, S-Bahn oder Tram den Weg zum Volksfest anzutreten. So kommen Sie entspannt ans Ziel und nach dem Besuch im Biergarten oder schwindelerregenden Fahrgeschäften auch problemlos wieder nach Hause.

Da die Polizei in der Oktoberfestzeit verstärkt Verkehrskontrollen im Umfeld der Theresienwiese durchführt, um alkoholisierte Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen, wird sichergestellt, dass Alkohol am Steuer entdeckt und bestraft wird. Carsten Neubert, Pressesprecher der Münchner Polizei, erklärt uns:

Bei einem Fest, auf dem viel Alkohol konsumiert wird, ist es natürlich klar, dass die Polizei versucht, mögliche Trunkenheitsfahrten zu verhindern, um die Unfallzahlen zu senken. Es kommt leider oft vor, dass Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen, weil manche Personen betrunken oder alkoholisiert Auto fahren.

Auch Fahrradfahrer werden bei Verkehrskontrollen nach dem Oktoberfest kontrolliert

Auch Fahrradfahrer werden bei Verkehrskontrollen nach dem Oktoberfest kontrolliert

Alkoholisierte Fußgänger kontrolliert die Polizei kaum – aber bei Radfahrern sei man wachsam, stellt Carsten Neubert heraus:

Wenn bei einem Fahrradfahrer mehr als 1,6 Promille festgestellt werden, liegt eine Trunkenheitsfahrt vor. Wenn jemand allerdings auffällig wird, reichen auch bereits 1,2 Promille. Wir wollen natürlich ausschließen, dass die Radfahrer sich selbst und andere gefährden – deswegen werden auch Fahrradfahrer kontrolliert.

Hier finden Sie weitere Informationen über die Konsequenzen einer Trunkenheitsfahrt auf dem Fahrrad.

Schwarzfahren: Bußgeld von 40 Euro fällt an

Um gar nicht erst in die Bredouille zu geraten, übermüdet oder sogar noch alkoholisiert Autofahren zu müssen, bietet sich die Nutzung des öffentlichen Nachverkehrs für die Oktoberfest-Anreise an. Nur an eine Sache müssen Sie denken: Sie benötigen ein gültiges Fahrticket!

  • Wer ohne gültigen Fahrausweis unterwegs ist, muss in München mit einem Bußgeld von 40 Euro für Schwarz fahren rechnen.
  • Dagegen kostet eine Tageskarte für das Gesamtnetz 11,70 Euro.


Damit kostet eine Tageskarte für die MVV nur geringfügig mehr als eine Maß Bier, die einen Preis zwischen 9,70 und 10,10 Euro hat. Wer es nüchtern mag und sich mit Wasser begnügt, der muss im Schnitt mit fast 8 Euro pro Liter rechnen. Auch die zünftige Brotzeit geht ins Geld: Hendl, Spätzle, Brezn oder Schweinsbraten kosten je nach Menü zwischen 10 und 24 Euro. Auch die Hotelzimmerpreise steigen entsprechend der erhöhten Nachfrage und des begrenzten Angebots während des Münchner Oktoberfests. Frühbucherrabatte können für eine willkommene Entlastung des Geldbeutels sorgen; wenn Sie also frühzeitig Ihren Besuch auf dem Oktoberfest planen, nehmen Sie auch gleich die Buchung für das Hotelzimmer vor.

Arbeitsplatz Oktoberfest: Ein Taxifahrer erzählt

Taxifahrer auf dem Oktoberfest

Taxifahrer auf dem Oktoberfest

Eine Alternative zum ÖPNV ist das Taxi. Gerade nach einem feucht-fröhlichem Abend im Bierzelt scheint die Fahrt mit dem Auto bis vor die eigene Haustür verlockend. Für Taxifahrer entpuppt sich das Bierfest zwar als willkommene Umsatzsteigerung, allerdings wird ihre Arbeit durch „schwierige Fahrgäste und schwierige Verkehrssituationen wegen betrunkener Personen auf der Fahrbahn“ erschwert, berichtet Thomas Kroker von der Taxi München eG. Ob es sich bei dem Fahrgast um einen alteingesessen Bayern oder einen Touristen handelt, das tue nichts zur Sache – unter starkem Alkoholeinfluss werden die Kunden jeder Nation zum Problem. Verliert ein alkoholisierter Fahrgast die Kontrolle über seine Körperfunktionen – erbricht er sich also im Taxi, oder nässt sich ein, so ist dies eine „Form der Sachbeschädigung“, erklärt Thomas Kroker. „Das Taxi ist dann nicht mehr einsatzfähig.“ Es können Schadensersatzforderungen erhoben werden, um die Ausfallzeiten des Fahrzeugs auszugleichen. Manche Reparaturmaßnahmen sind schnell zu bewerkstelligen und vergleichsweise günstig. Eine Fußmatte wechseln oder den Einstieg reinigen kostet bis zu 100 Euro; „aber Erbrechen in den Lüftungsschlitz oder auf die Armaturen mit Ausbau, Reinigung und Desinfektion – da kommen schnell mal 1000 bis 1500 Euro zusammen“, weiß Thomas Kroker. Immerhin fallen strafrechtliche Konsequenzen im Normalfall nur an, wenn der Fahrgast versucht, ohne Begleichung der Kosten für die Taxi-Reinigung zu verschwinden, oder wenn beispielsweise auch noch die Ordnungswidrigkeit Wildpinkeln begangen wurde.

Ersatzforderungen: bei maßlosem Alkoholkonsum kommt die Versicherung nicht für den Schaden auf

Doch zurück zu den schönen Seiten des größten Volksfests der Welt: der Abend im Bierzelt verspricht gemütliches Beisammensein und süffiges Bier. Die meisten Besucher vom Oktoberfest 2017 in München kommen sicherlich nicht, um möglichst viel Alkohol zu sich zu nehmen. Sie erwarten fröhliches Beisammensein und hoffen auf eine gute Zeit mit ihren Freunden. Doch alkoholisierte Gäste sind auf dem Oktoberfest keine Ausnahme. Alkohol enthemmt, und zu viel Alkohol kann für den einen oder anderen peinlichen Moment sorgen. Wer sich tanzend auf einer Bank wieder findet, die dann zusammenbricht, oder versehentlich einen Maßkrug zerbricht, muss unter Umständen mit hohen Schadensersatz-Forderungen rechnen. Inwieweit der Betroffene hier selbst für die Kosten aufkommen muss, hängt von den Festzeltbetreibern und den genauen Umständen ab. Grundsätzlich gilt:

  • Bei Beschädigungen stehen den Betreibern Ersatzansprüche zu. Der Schaden kann hierbei mehrere hundert Euro betragen! Unter Umständen kommt die private Haftpflichtversicherung für den Schaden auf. Die Versicherung zahlt jedoch nicht, wenn die Schäden aufgrund von maßlosem Alkoholkonsum entstanden.

„Wildpinkeln“ nahm in den vergangenen Jahren auf dem Oktoberfest überhand

Polizisten bei Verkehrskontrolle im Umfeld vom Oktoberfest München

Polizisten bei Verkehrskontrolle im Umfeld vom Oktoberfest München

Die Liste der durch Alkoholkonsum möglichen Peinlichkeiten lässt sich aber noch weiterführen. Gerade Männer geraten leicht in Versuchung, sich nicht in die Schlange zur Toilette einzureihen, sondern ins nächste Gebüsch zu verschwinden. In der Öffentlichkeit pinkeln ist jedoch nicht die „feine englische Art“ und führt zu einer Strafe für Wildpinkeln.

  • Urinieren in der Öffentlichkeit Bußgeld: Wer beim Pinkeln erwischt wird, muss  mit einem „Wildpinkeln Bußgeld“ bis zu 100 Euro rechnen. Neben dieser Windpinkeln-Strafe können eventuelle Schadensersatzansprüche dazukommen.

Carsten Neubert von der bayerischen Polizei erklärt das Vorgehen der Polizei, wenn ein Fall des „Wildpinkelns“ entdeckt wird:

Das Auge zudrücken ist leicht gesagt. Man muss sich aber in die Lage der Anwohner versetzen. Dort sind 200 000 Personen auf der Wiesn, die irgendwo auf die Toilette müsse. Es gibt leider viele, die sich dann in Hausfluren entledigen, oder an Bäume pinkeln. Wenn man da immer ein Auge zudrücken würde, wird man der Sache nicht mehr Herr. Seit Jahren wird deswegen diese Ordnungswidrigkeit verwarnt und geahndet.

Öffentliches Urinieren: Strafe ist ein Bußgeld

Früher gab es schlichtweg nicht so viele Fälle des öffentlichen Urinierens, weswegen die Polizeibeamten oft von einer weiteren Verfolgung und einem „Bußgeld Wildpinkeln“ absahen; dieses Vorgehen ist aufgrund des hohen Vorkommens dieser Unart heute nicht mehr möglich:

Es kommen regelmäßig Beschwerden, dass die Anwohner sich nicht mehr von diesem „Amokgeruch“ retten können. Es ist auch nicht schön, wenn Leute zur U-Bahn gehen oder auf dem Weg zur Wiesn sind und dort steht jeder an der Ecke und pieselt an die Hausmauer. Das ist kein schönes Bild“, klagt Carsten Neubert.

Heutzutage wird bei öffentlichen Urinieren eine Anzeige aufgrund einer Ordnungswidrigkeit gestellt: die Personalien des Delinquenten werden sofort durch die Polizeibeamten aufgenommen, und dann wird von der zuständigen Behörde ein Bußgeldbescheid verschickt. Ausländische Besucher müssen das Ordnungswidrigkeit-Bußgeld sofort bezahlen. In München beträgt das Bußgeld für öffentliches Urinieren um die 100 Euro.

Seit 2010 gibt es in Bayern in allen Gaststätten ein Rauchverbot; Oktoberfest-Bierzelte zählen auch als Gaststätten, womit auf dem Oktoberfest rauchen nicht gestattet ist. Allerdings muss der Raucher im Zelt mit keiner Geldstrafe rechnen. Die Festzeltbetreiber entscheiden selbst, ob sie den Gast mit einer Bedienungsverweigerung bestrafen oder ihn rausschmeißen.

Erregung öffentlichen Ärgernisses: Teure Strafen können anfallen

Wo große Mengen von Menschen Alkohol konsumieren, ist die Stimmung gelassener. Beim Münchner Oktoberfest ist der Anblick von Pärchen und öffentliche Liebesbezeugungen nicht ungewöhnlich. Doch ab und an bleibt es nicht beim Flirten oder Küssen. Kommt es tatsächlich zum öffentlichen Liebesakt, erwartet die Verliebten folgendes:

  • Erregung öffentlichen Ärgernisses Bußgeld: Inwieweit die Öffentlichkeit tatsächlich belästigt wird, ist hier unerheblich. Öffentlicher Sex zählt als Erregung öffentlichen Ärgernisses. In der Regel wird öffentlicher Geschlechtsverkehr daher mit einem Bußgeld von um die 1000 Euro geahndet. Natürlich müssen dieses Bußgeld alle Beteiligten zahlen! Auch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr ist bei diesem Tatbestand möglich. Carsten Neubert von der bayerischen Polizei bestätigt dieses Vorgehen: die Polizeibeamten nehmen bei der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ die Personalien der Delinquenten auf und leiten diese an die Staatsanwaltschaft weiter.

Maßkrug-Diebstahl: Anzeige wird erstattet

Für gewisse Dinge ist das Oktoberfest also nicht der geeignete Ort. Wer aber beim Nachhause gehen als Souvenir einen Maßkrug aus dem Bierzelt mitgehen lassen will, der begeht Diebstahl. Das Maßkrug-Klauen kann eine Geldbuße von bis zu 360 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr nach sich ziehen. Das gilt jedoch nur für Mehrfachtäter. Eine Anzeige wird in den meisten Fällen zwar gestellt werden, aber wegen Geringfügigkeit wird es eher nicht zu einem Verfahren kommen, zumindest solange der Betroffene außer der Bierkrug-Entwendung keine weiteren Delikte beging, wie z.B. Beleidigung. Da sich das Maßkrug-Klauen in den letzten Jahren zu einem regelrechten Volkssport entwickelt hat, achtet der Ordnungsdienst auf dem Münchner Oktoberfest verstärkt auf den Verbleib der Krüge. Alleine im Jahr 2013 wurden 145.000 Maßkrüge vom Ordnungsdienst wieder eingesammelt. Von den Tätern werden die Personalien aufgenommen, und eine Anzeige wird gestellt. Wer gerne als Andenken einen Oktoberfest-Bierkrug nach Hause nehmen möchte, kann an den Souvenirständen einen Original-Maßkrug kaufen – dieser ist mit einer bunten Plakette als ehrlich erworbener Bierkrug gekennzeichnet.

2013 gab es 1600 Straftaten auf dem Oktoberfest

Doch welche Straftaten treten außer dem Maßkrug-Mausern auf der „Wiesn“ noch auf? Carsten Neubert zitiert eine von der Münchner Polizei herausgegebene Statistik:

„Insgesamt hatten wir eine Zahl von 1600 Straftaten auf der Wiesn; es gab 80 Festnahmen. Wir hatten letztes Jahr 617 Fälle des einfachen Diebstahls, darunter waren 575 Taschendiebstähle; schwere Diebstähle gab es 83, dazu kamen 474 Körperverletzungen, davon waren 105 gefährliche Körperverletzungen, 61 davon mit Maßkrug. Wir hatten 21 Widerstandshandlungen, auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, das waren letztes Jahr 239 Verstöße.“

Letztes Jahr war der Polizeivizepräsident Robert Kopp insgesamt mit der Arbeit der Polizei auf dem Oktoberfest zufrieden, und er bilanziert

eine überwiegend entspannte Wiesn mit hoher Einsatzbelastung für die Polizei, insgesamt leicht gestiegene Deliktszahlen bei gleichzeitiger Zunahme festgenommener Straftäter, eine rückläufige Tendenz bei schweren und gefährlichen Kriminalitätsformen sowie ein hohes Diebstahlsniveau, dem mit einem qualifizierten Fahndungskonzept sehr erfolgreich begegnet werden konnte.

Mit 2031 Einsätzen der Polizei auf dem Oktoberfest hatte sich die Anzahl der Einsätze im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht vergrößert. Kopp stellt vor allem das „engagierte und reaktionsschnelle Handeln der Einsatzkräfte vor Ort“ lobend heraus.

Verletzungen auf dem Münchner Oktoberfest

Was sind die typischen Verletzungen auf der Wiesn? Wie viele Patienten werden in den 16 Tagen des Oktoberfests von den Sanitätern behandelt? Wir haben uns Auskunft bei Dr. Peter Behrbohm geholt, der beim Roten Kreuz München tätig ist:

„Im vergangenen Jahr betreute das Münchner Rote Kreuz an 16 Wiesn-Tagen insgesamt 7.324 Patienten (2012: 8.159). Von diesen bedurften 3.536 Patienten (2012: 4.123) ärztlicher Versorgung. Die Sanitäterteams rückten mit ihren gelben Fahrtragen 2.218 Mal (2012: 2.246) aus. 904 Wiesn-Besucher (2012: 1.318) mussten von den Rettungsdiensten in die umliegenden Hospitäler transportiert werden.“
Dr. Peter Behrbohm

Dr. Peter Behrbohm – Foto: © Sascha Kletzsch

Aus welchen Gründen sind diese Einsätze notwendig? Anders als oft angenommen, sind Alkoholvergiftungen nicht der häufigste Einsatzgrund auf dem Oktoberfest. Die Sanitäter haben bei weitem nicht nur mit alkoholisierten Patienten zu tun:

Das Einsatzspektrum reicht von Kopfschmerzen und anderen Unpäßlichkeiten sowie kleineren Blessuren bis hin zu lebensbedrohlichen chirurgischen, internistischen und neurologischen Notfällen“, berichtet Peter Behrbohm. „Häufiges Beschwerdebild sind chirurgische Weichteilverletzungen, wie Schnitt- Schürf- und Platzwunden“.

Diese Arten der Verletzungen seien insbesondere typisch für Frauen. „Ungeeignetes Schuhwerk“ ist hier meist der Grund:

Oft tragen junge Frauen zum Dirndl nur Stoffschuhe, wie z.B. Ballerinas. Diese bieten keinen Schutz gegen herumliegende Glasscherben.

Männer hingegen demonstrieren gerne ihre Kraft durch festes Anstoßen der schweren Maßkrüge, was Verletzungen nach sich ziehen kann: aufgrund „zersplitternden Maßkrüge nach zu kräftigem Anstoßen“ suchen oftmals Männer mit Gesicht- und Handverletzungen die Sanitäter auf, die übrigens nicht in Zelten ihre Arbeit verrichten, sondern:

die Wiesn-Sanitätsstation ist zusammen mit der Polizei, der Berufsfeuerwehr und dem Kreisverwaltungsreferat im Servicezentrum Theresienwiese untergebracht“, erläutert Dr. Peter Behrbohm.

Die Patientenaufnahme läuft dort ab wie die „in der Notfallambulanz eines Krankenhauses.“ Es gibt aber noch weitere Sanitätsstationen, die das Rote Kreuz auf dem Oktoberfest betreibt. So ist bei einem Notfall Hilfe nicht weit entfernt.

Alkoholvergiftungen auf dem Oktoberfest: Seltener als angenommen

An Alkoholvergiftungen leiden Männer auf dem Oktoberfest deutlich häufiger als Frauen: 2/3 der alkoholisierten Patienten sind männlich. Insgesamt ist die Anzahl der Intoxikationen aufgrund von Alkohol aber erfreulich niedrig anzusetzen:

629 Personen mussten 2013 in der BRK-Sanitätsstation wegen Intoxikation – das sind hauptsächlich Alkohol-, aber auch Mischvergiftungen – medizinisch überwacht werden. Die Patienten sind überwiegend im Alter von 18 – 30 Jahren“, erklärt Dr. Peter Behrbohm.

Im Jahr 2012 waren es noch 739 Patienten, die unter ärztlicher Aufsicht ausnüchterten und dabei von den Helfern des Roten Kreuzes betreut wurden.

Die bayerische Polizei verfügt ebenso über Ausnüchterungszellen; ob ein Betrunkener dort seinen Rausch ausschlafen soll, entscheiden die Polizisten anhand der Gefährdung, die der Alkoholisierte für sich selbst und andere darstellt. Carsten Neubert begründet dies:

Manche Personen sind so betrunken, dass man nicht weiß ob sie sich dadurch selbst gefährden könnten (ob sie z. B. an ihrem Erbrochenen ersticken oder andere gefährden würden). Sie können sogar so aggressiv sein, dass Polizisten auch mit Straftaten der Person rechnen müssen. Dann sage ich als Polizeibeamter auch, „jetzt kommst du mit, bleibst die Nacht über da, kannst deinen Rausch ausschlafen, bist unter Kontrolle.“ In der Ausnüchterungszelle wird die alkoholisierte Person dann regelmäßig beobachtet, damit sie nicht an ihrem Trunkenheitszustand zu Schaden kommt oder eben am Erbrochenen erstickt.

Für den Aufenthalt in der Ausnüchterungszelle kommen auf den Betroffenen Kosten von 50 Euro plus eine individuell berechnete Reinigungsgebühr je nach Grad der Verschmutzung zu.

Hinter den Kulissen

Sanitäter auf dem Oktoberfest

Sanitäter auf dem Oktoberfest

Das Oktoberfest bedarf viel an Organisation. Das größte Volksfest der Welt beschäftigt 12000 Helfer, die den reibungslosen Ablauf des Oktoberfests gewährleisten sollen. Dr. Peter Behrbohm äußert sich wie folgt zum Einsatz der Helfer vom Roten Kreuz auf dem Oktoberfest:

Unser Einsatz auf der Wiesn erfolgt ganz überwiegend auf ehrenamtlicher Basis. So engagieren sich unsere Rotkreuz-Helfer dieses Jahr in voraussichtlich 2.000 Einsatzkräfteschichten ehrenamtlich und – außer einer kleinen Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten – unentgeltlich.

Auch die Münchner Polizei verzeichnet während des Oktoberfests einen erheblichen Mehraufwand für die Beamten, die im Schichtdienst während der Wiesn viele Überstunden anhäufen, so Carsten Neubert. Durch die ständige Präsenz versuchen die Beamten, die Sicherheit für alle Besucher zu gewährleisten:

Wir verstecken uns nicht, sondern sind mit Riesengruppen vor Ort und versuchen mit Gesprächen und Anwesenheit schon viele Straftaten zu verhindern“, erklärt Carsten Neubert. „Wir möchten eine friedliche Wiesn. Das hört sich vielleicht etwas abgedroschen an, aber es ist wirklich so.

Dem Polizisten ist es bewusst, dass bei einer so großen Menge an Besuchern Auseinandersetzungen kaum vermeidbar sind. Trotzdem ist das Ideal der Polizei, schon im Vorfeld einen Großteil der Straftaten durch Aufklärung und Präsenz zu verhindern. Hierfür ist ein engagierter und intensiver Einsatz des Polizeipersonals notwendig:

Wir von der Polizei freuen uns immer auf die Wiesn, es ist ein Highlight, aber für den einzelnen ist es natürlich Stress“, fasst Carsten Neubert zusammen.

Zusammenfassung: Bußgelder auf dem Oktoberfest

Diesem Einsatz ist es aber zu verdanken, dass das Oktoberfest insgesamt sehr friedlich abläuft und einige Millionen Gäste gerne einen Besuch auf dem Oktoberfest 2017 München einplanen. Während vor einigen Jahren die Ordnungswidrigkeit „Wildpinkeln“ noch nicht weiter geahndet wurde, sind die Polizisten heutzutage bei diesem Vergehen nicht mehr bereit, kulant zu sein, da derartige Vergehen überhand nahmen. Auch achten die Ordnungskräfte verstärkt auf die Maßkrüge und erstellen Anzeige bei Diebstahl. So wird das Oktoberfest für alle angenehmer, da mehr Sicherheit besteht. Das Rauchverbot in Bayern gilt seit 2010. Dass nicht mehr in Bierzelten geraucht werden darf, motiviert sicherlich auch den einen oder anderen Besucher, München & Oktoberfest zu besuchen.

Was entspannt und locker nach außen wirkt, benötigt viel Einsatz und Kraft von unterschiedlichen Einsatzkräften. Unzählige Helfer geben ihr Bestes, um den Besuchern vom Oktoberfest München 2017 ein ansprechendes Erlebnis zu bieten. Die medizinische Versorgung wird größtenteils unentgeltlich vorgenommen. Als Besucher sollte man sich an die unterschiedlichen Vorschriften halten, um weder Bußgelder noch strafrechtliche Verfolgung zu riskieren und allen Involvierten ein schönes Erlebnis auf dem Oktoberfest München 2017 zu ermöglichen.

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6 Kommentare

  1. Pink_fashion sagt:

    Manche Leute sind ja echt eklig, war mit meiner Freundin am Wochenende auf dem Oktoberfest, und man würde es nicht für möglich halten, aber ich glaube ich habe fast alle der oben erwähnten Taten LIVe miterleben müssen, *kotz*

  2. Pink_fashion sagt:

    Der Artikel ist aber sehr spannend 😉

  3. Franz sagt:

    Wenn die Personalien für eine Ordnungswidrigkeit aufgenommen werden, muss ich dann mit auf die Wache kommen oder geht das Vor Ort? Ich frage allgemein und habe nicht vor „Wild zu pinkeln“

  4. Klara sagt:

    Was passiert wenn einer im Zelt erbricht?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Klara,

      gegebenenfalls kann ebenfalls eine Schadensersatzforderung anfallen, da auch hier eine Reinigung stattfinden muss. Diese ist aber wohl nicht so kostenintensiv wie die eines Taxis.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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