Hund wird überfahren: Wie verhalten sich Autofahrer korrekt?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 23. Mai 2020

Wenn sich Hunde von der Leine losreißen und vors Auto laufen

Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Hund überfahren habe?
Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Hund überfahren habe?

Hunde gelten gemeinhin als bester Freund des Menschen und sind häufig ein richtiges Mitglied der Familie. Daher ist auch der Schock, wenn ein Hund versehentlich überfahren wird, der ohne Leine unterwegs war oder sich von dieser losreißen könnte, für alle Beteiligten groß. Ebenso quälend ist aber auch die Ungewissheit, wenn der geliebte Vierbeiner nach einem (ungewollten) Alleingang nicht mehr nach Hause kommt.

Doch was besagt das Verkehrsrecht, wenn ein Hund angefahren wird? Wer ist Schuld und muss zum Beispiel für Reparaturen am Fahrzeug aufkommen? Existieren gesetzlich definierte Verhaltensregeln, für den Fall, dass Autofahrer einen Hund überfahren? Und besteht vielleicht sogar eine Meldepflicht bei einer solchen Kollision? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Hund überfahren

Was muss ich bei einem Unfall mit einem Hund beachten?

Die wichtigsten Verhaltensregeln haben wir hier zusammengefasst.

Müssen Autofahrer, die versehentlich einen Hund anfahren, mit einer Strafe rechnen?

Leidet das Tier nach dem Unfall unnötig, zum Beispiel weil der Fahrzeugführer diesen nicht meldet, kann ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegen. Für Tierquälerei droht in einem solchen Fall ggf. eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Können Halter, deren Hund überfahren wurde, Schadensersatz verlangen?

Nein, ein Anspruch auf Schadensersatz hat der Halter der Regel nicht. Allerdings haften Hundebesitzer für die Schäden am Auto.

Was tun, wenn ein Hund bei einem Unfall zu Schaden kommt?

Hund angefahren: Innere Verletzungen und Knochenbrüche sind nicht selten die Folge eines Autounfalls.
Hund angefahren: Innere Verletzungen und Knochenbrüche sind nicht selten die Folge eines Autounfalls.

Autofahrer sollten nach der Kollision mit einem Hund oder einen anderen Haustier unbedingt Ruhe bewahren und sich wie folgt verhalten:

Alle Beteiligten an einem Verkehrsunfall sind gemäß § 34 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) dazu verpflichtet, sich nach dem Zusammenstoß über die Unfallfolgen zu vergewissern. Somit dürfen Sie eigentlich nicht weiterfahren, wenn ein Hund angefahren wurde. Ob Fahrerflucht in einem solchen Fall vorliegt, ist hingegen bei Juristen umstritten.

Zwar besteht keine generelle Meldepflicht, denn sollten Sie, wird bei einem Autounfall ein Hund angefahren, immer die Polizei verständigen. Denn lassen Sie ein verletztes Tier zurück, kann dies gemäß Tierschutzgesetz als Tierquälerei gewertet. Wie hoch für einen Autofahrer, der einen Hund überfahren hat, die Strafe ausfällt, hängt dabei von den individuellen Umständen ab. Der Gesetzgeber sieht grundsätzlich eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.

Hund von Auto angefahren: Wer haftet bzw. zahlt die Tierarztkosten?

Wird ein Hund angefahren, ist die Rechtslage etwas verzwickt. Denn grundsätzlich ist jeder Hundehalter dazu verpflichtet auf sein Tier aufzupassen und muss bei einer entsprechenden Pflichtverletzung für mögliche Schäden aufkommen. in § 833 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) heißt es dazu:

Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.

Hund angefahren: Eine Versicherung für Hundehalter kann in diesem Fall vor hohen Schadensersatzforderungen schützen.
Hund angefahren: Eine Versicherung für Hundehalter kann in diesem Fall vor hohen Schadensersatzforderungen schützen.

Die daraus resultierenden Ansprüche können mitunter zu einer Verschuldung des Hundehalters führen. Verhindern lässt sich dies meist nur, wenn die Besitzer, deren Hund angefahren wurde, eine Haftpflicht für den Vierbeiner abgeschlossen haben. Vorgeschrieben ist Hundehalter-Haftpflichtversicherung bislang aber bislang nicht in allen Bundesländern.

Allerdings lässt sich bei einem Unfall die Schuldfrage nicht immer eindeutig klären, sodass nicht selten auch der Autofahrer eine Teilschuld trägt. Dies kann insbesondere bei einem Verstoß gegen das Tempolimit oder die allgemeine Sorgfaltspflicht beim Führen von Kraftfahrzeugen der Fall sein. Daher muss, wenn ein Hund überfahren wurde, dessen Versicherung mitunter einen Teil der Kosten übernehmen.

Gerichtsurteile zum Unfall mit Hund

Wie die Haftung aussehen kann, wenn Autofahrer einen Hund überfahren, veranschaulichen nachfolgende Gerichtsurteile exemplarisch:

  • Ein Hund riss sich los und wurde von einem zu schnell fahrenden Auto (100 km/h statt der erlaubten 50 km/h) abgefahren. Das Gericht gab beiden Parteien eine Mitschuld, wobei das Verschulden des Pkw-Fahrers bei 75 Prozent und des Hundehalters bei 25 Prozent lag. (OLG Hamm, Az. 6 U 202/99)
  • Ein Hundehalter forderte aufgrund einer Geschwindigkeitsübertretung in einer verkehrsberuhigten Straße die Erstattung der Tierarztkosten, nachdem sein Hund angefahren wurde. Da ein entsprechender Tempoverstoß nicht nachzuweisen war, wurde die Klage gegen die Autofahrer abgewiesen. (AG Bad Kreuznach, Az. 23 C 428/13)
  • Rennt ein nicht angeleinter Hund von einem offenen Grundstück auf die Straße und verursacht dadurch einen Auffahrunfall, muss der Tierhalter in diesem Fall 25 Prozent des Schadens erstatten. (LG Coburg Az. 32 S35/03)

Anhand dieser Beispiele zeigt sich, dass die Richter die Ansprüche immer abwägen, wenn ein Hund überfahren wird. Wer zahlt, hängt somit von den individuellen Umständen der Kollision und dem Unfallhergang ab.

Quellen und weiterführende Links

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