Fingierter Unfall - Unfall & Verkehrsrecht 2018

Fingierter Unfall: So reagiert die Versicherung auf manipulierte Unfälle

Immer mehr fingierte Unfälle auf deutschen Straßen

Ein fingierter Unfall wird künstlich herbeigeführt. In manchen Fällen kommt es auch zu keinem Unfall.

Ein fingierter Unfall wird künstlich herbeigeführt. In manchen Fällen kommt es auch zu keinem Unfall.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelte, dass jeder zehnte Verkehrsunfall fingiert ist.

Einzelpersonen und ganze Banden versuchen auf diese Weise, die Versicherungsunternehmen um ihr Geld zu betrügen. Nicht immer haben beide Beteiligten bei dem Betrug die Hände im Spiel, in manchen Fällen werden auch Ahnungslose ausgenutzt.

Beschränkte sich in den letzten Jahrzehnten diese Masche auf das Stadtgebiet und einhergehenden Blechschäden, ist seit einigen Jahren zu beobachten, dass auch Unfälle auf Autobahnen provoziert werden – Personenschäden werden damit in Kauf genommen.

Wir erklären in diesem Text, zwischen welchen Arten unterschieden werden muss, wie die Versicherungen auf einen solchen gestellten Unfall reagiert und wie Sie sich helfen können, wenn Ihnen ein provozierter Unfall zur Last gelegt wird, Sie Ihn aber nicht begangen haben.

Manipulierte Verkehrsunfälle: Fünf Fallgruppen

In der juristischen Literatur wird zwischen fünf verschiedenen Fallgruppen unterschieden, welche einen manipulierten Unfall im Detail ausmachen:

  • Gestellter Unfall: Der Unfall wurde selbst herbeigeführt. Ein Sachverständigengutachten wird eingefordert, um den Schaden geltend machen zu können, dieser wird allerdings nur notdürftig ausgebessert. Darüber hinaus werden Mietwagenkosten angeführt.
  • Ausgenutzter Unfall: Es kam tatsächlich zu einem Verkehrsunfall, in Folge dessen werden aber nicht nur die neuen Schäden, sondern auch weitere Positionen angeführt.
  • Provozierter Unfall: In diesem Fall ist ein unbeteiligter Dritter beteiligt, dessen Unaufmerksamkeit ausgenutzt wird.
  • “Berliner Modell“: Zuerst wird ein hochwertiges Fahrzeug abgestellt. Mit einem geklauten Auto wird dann an dem hochwertigeren ein Schaden verursacht. Die Täter flüchten anschließend.
  • Fingierter Unfall: Bei dieser Fallgruppe kam es zu keinem tatsächlichen Schaden oder dieser wurde selbst herbeigeführt.

So reagiert der Versicherer auf einen Versicherungsbetrug

Wird ein Unfall provoziert oder fingiert und der Versicherer deckt dies auf, ist von „Versicherungsbetrug“ die Rede. Der Versicherer wird den Schaden nicht regulieren, eventuell auch den Vertrag beenden. Darüber hinaus haben sich die Betrüger laut Strafrecht strafbar gemacht.

Wurde ein Fahrzeug darüber hinaus mit Absicht beschädigt, ist zusätzlich der Tatbestand des Versicherungsmissbrauchs nach § 265 StGB (Strafgesetzbuch) erfüllt. Wird ein fingierter Verkehrsunfall gemeldet, kann darüber hinaus der Tatbestand des Vortäuschens einer Straftat (§ 145d Abs. 1 StGB) erfüllt sein.

Wird ein fingierter Unfall dem Versicherer gemeldet, gilt dies als Betrug. Darüber hinaus ist eventuell auch der Straftatbestand des Versicherungsmissbrauchs erfüllt. Jedenfalls liegt eine Straftat vor, welche mit einer Freiheitsstrafe von bis fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft wird.

Wenn Ihnen fälschlicherweise ein Betrug vorgeworfen wird

Ereignet sich ein fingierter Unfall, inspizieren Sie alle Fahrzeuge und rufen Sie die Polizei.

Ereignet sich ein fingierter Unfall, inspizieren Sie alle Fahrzeuge und rufen Sie die Polizei.

Unter Umständen nutzten Betrüger Ihre Unaufmerksamkeit aus und verwickeln Sie in einen gestellten Unfall. Doch nicht sofort ist zu erkennen, dass es sich um einen Versicherungsbetrug handelt.

Werden Betroffene also in einen Verkehrsunfall verwickelt, sollten diese die Unfallstelle immer genau unter die Lupe nehmen. Liegt ein fingierter Unfall vor, tauchen zumeist unvermittelt Zeugen auf oder die Autokennzeichen werden geschickt verdeckt. In jedem Fall sollte die Polizei gerufen und ein Protokoll des Unfalls erstellt werden.

Nehmen Sie auch den Wagen des Unfallgegners unter die Lupe, handelt es sich beispielsweise um einen gepflegten alten Wagen oder sind mehrere Schäden zu erkennen? Diese Informationen können wertvoll sein, wenn es darum geht zu beweisen, dass kein fingierter Unfall vorliegt bzw. Sie an diesem nicht beteiligt waren.

Rufen Sie nach einem Verkehrsunfall die Polizei und fertigen Sie eine Unfallskizze an. Prägen Sie sich das Unfallgeschehen ein und inspizieren Sie nicht nur Ihren Wagen, sondern auch das Fahrzeug des Verursachers. Wird Ihnen dennoch ein fingierter Unfall vorgeworfen, sollten Sie unbedingt einen Verkehrsanwalt aufsuchen, welcher Sie weiter beraten kann. Tragen Sie diesem alle Indizien vor.

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