Antiblockiersystem (ABS): Vor- und Nachteile dieser Technik

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 1. Juli 2020

Ist ein ABS Pflicht beim Motorrad oder Auto?

Ein ABS ist in Deutschland bei jedem Neuwagen seit 2004 Pflicht.
Ein ABS ist in Deutschland bei jedem Neuwagen seit 2004 Pflicht.

Das Kürzel ABS steht für Antiblockiersystem, eine technische Feinheit, die es seit 2004 in jedem neu zugelassenen Fahrzeug geben muss. Wirklich in jedem? Nicht ganz. Zwar muss seit 2017 auch jedes neu zugelassene Motorrad über ein ABS verfügen, allerdings gilt dies nur ab einem bestimmten Hubraum.

Eigentlich gibt es das ABS sogar schon seit den 80er Jahren und erspart Autofahrern seither die sog. Stotterbremse – ein Vorgang, bei dem der Fahrer abwechselnd stark bremst (bis die Reifen blockieren) und den Fuß vom Bremspedal nimmt. Dadurch verkürzt sich der Bremsweg.

Was ist ein modernes ABS? Eine Definition finden Sie in diesem Ratgeber. Außerdem klären wir, welche Motorräder mit einem ABS ausgestattet sein müssen, welche Vorteile das Antiblockiersystem bietet und ob es sich nachrüsten lässt.

FAQ: Antiblockiersystem (ABS)

Ist ein Antiblockiersystem (ABS) in Deutschland Pflicht beim Auto und Motorrad?

Seit 2004 ist das ABS in Neuwagen Pflicht. Für Motorräder gilt diese Pflicht erst seit 2017 und auch längst nicht für alle, sondern nur für solche mit mehr als 125ccm Hubraum (Typzulassung ab 2016).

Welche Vorteile bietet ein Antiblockiersystem?

Das ABS verhindert, dass die Reifen bei einer Vollbremsung blockieren. Außerdem bleibt das Fahrzeug während des Bremsvorgangs lenkbar. Klicken Sie hier, um weitere Vorteile zu erfahren.

Kann ich mein Auto mit einem ABS nachrüsten?

Theoretisch ist dies bei jedem Auto möglich, aber nicht immer lohnenswert, da der Einbau zeit- und kostenintensiv ist. Mehr zur Nachrüstung des ABS erfahren Sie hier.

Wie funktioniert das Antiblockiersystem im Auto? Erklärung in vier Schritten

Erfüllt das Antiblockiersystem seine Funktion korrekt, blockieren Räder und Lenkung nicht. Sie können also noch ausweichen.
Erfüllt das Antiblockiersystem seine Funktion korrekt, blockieren Räder und Lenkung nicht. Sie können also noch ausweichen.

Wie müssen Sie sich das Antiblockiersystem vorstellen? Der Aufbau ist oberflächlich betrachtet sehr einfach, da das ABS nur aus wenigen Teilen besteht:

  1. Am Rad befindet sich ein Sensor, der die Anzahl der Umdrehungen misst und registriert, ob und wie stark Sie bremsen. Blockiert das Rad während des Bremsvorgangs, meldet der Sensor dies an das Steuergerät.
  2. Das Steuergerät verwertet die Signale, die der Sensor schickt. Es ermittelt sozusagen, ob Bremsdruck aufgebaut, gehalten oder gelöst werden muss. Eines der Signale geht dann an die Hydraulik- und Elektronikeinheit.
  3. Die Hydraulikeinheit besteht wiederum aus drei Teilen: Pumpe, Niedrigdruckspeicher und elektronisches Steuergerät. Durch das Öffnen und Schließen der Ventile wird der Bremsdruck reguliert. Es wird sozusagen das simuliert, was der Fahrer früher manuell machen musste – das ruckartige Treten und Lösen der Bremse.
  4. Die Radbremse führt letztlich nur den Befehl aus, den das Steuergerät über die Hydraulik weitergegeben hat.

Wie zu Beginn erwähnt, musste der Fahrer früher noch selbst die Stotterbremsung durchführen, die auch einiges an Übung verlangte. Heute genügt es, die Bremse zu betätigen. Den Rest macht das ABS.

Inzwischen gibt es verschiedene Arten des ABS. Manche können jeweils die Vor- und Hinterräder oder sogar jedes Rad einzeln ansteuern.

Das Antiblockiersystem bringt einige Vorteile mit sich

Vor allem in Kurven erhöht das ABS die Sicherheit, z. B. wenn Sie auf einer kurvigen, nassen Fahrbahn plötzlich bremsen müssen. Ein Kfz ohne ABS hätte hier große Probleme, da sowohl die Reifen als auch die Lenkung bei einer Vollbremsung blockieren können.

Antiblockiersystem: In der Fahrschule bzw. der Theorieprüfung werden Fragen zu den Vorteilen und der Wirkung des ABS gestellt.
Antiblockiersystem: In der Fahrschule bzw. der Theorieprüfung werden Fragen zu den Vorteilen und der Wirkung des ABS gestellt.

Das ABS sorgt dafür, dass das Auto auch bei starker Bremskraft noch lenkbar bleibt. Selbst auf geraden Straßen ist es von Vorteil, dass Sie gleichzeitig bremsen und ausweichen können, falls nötig. Bedenken Sie jedoch, dass abrupte Ausweichmanöver in der Regel nicht ratsam sind. Gerade bei Wildwechsel ist die Gefahr groß, in den Gegenverkehr oder den Straßengraben zu steuern.

Die wichtigsten Vorteile des ABS möchten wir kurz zusammenfassen:

  • Fahrzeug bleibt lenkbar
  • Bremsweg verkürzt sich
  • Reifen werden geschont
  • Individuelle Steuerung der Bremskraft

Einen Nachteil hat das ABS aber auch: Wie gut und schnell ein Auto zum Stillstand kommt, hängt nicht zuletzt auch vom Untergrund, also dem Material der Fahrbahn, ab. Bei Schotter, Gummi, Schnee oder Sand ist die Wirkung oft nicht dieselbe wie bei festem Asphalt.

Von den Vorteilen haben Sie als Fahrer jedoch nur etwas, wenn das Antiblockiersystem nicht defekt ist. Jedes Auto sollte inkl. Software regelmäßig durchgecheckt werden. Blinkt eines der Symbole neben dem Tacho, fahren Sie am besten zeitnah in die Werkstatt und warten nicht erst bis zum TÜV-Termin. Dass Ihr ABS defekt ist, erkennen Sie in der Regel an der aufblinkenden Kontrollleuchte. Achtung: Es kann durchaus sein, dass zusammen mit dem ABS weitere Assistenzsysteme ausfallen!

ABS beim Motorrad: Nicht für alle Zweiräder verpflichtend

Beim Motorrad ist das ABS noch nicht so lange Pflicht. Erst seit 2017 müssen Motorräder mit einer Typzulassung ab 2016 mit einem Antiblockiersystem ausgestattet sein. Doch selbst das gilt längst nicht für alle Krafträder, sondern nur für solche mit einem Hubraum von über 125ccm.

Sie besitzen ein Kleinkraftrad? Ab einem Hubraum von 50ccm haben Sie die Wahl zwischen …

  • … einem ABS oder
  • … einem kombinierten Bremssystem (bewirkt, dass Vorder- und Rückradbremse gleichzeitig bremsen)

Lässt sich das ABS nachrüsten, egal welches Auto ich fahre?

Ein ABS ist beim Motorrad nur Pflicht, wenn dieses über 125ccm und eine Typzulassung aus 2016 hat.
Ein ABS ist beim Motorrad nur Pflicht, wenn dieses über 125ccm und eine Typzulassung aus 2016 hat.

Theoretisch ist es möglich, Ihr Auto oder Motorrad nachträglich mit einem ABS auszustatten. Allerdings ist dies mit einem hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Hobby-Kfz-Mechanikern sollte klar sein, dass der Eingriff in die Hydraulik eine Sache für Profis ist.

Haben Sie einen alten VW-Käfer, den Sie an den Nachwuchs weitergeben wollen? Die Wenigsten sind heutzutage noch an das Fahren ohne ABS gewöhnt und werden sich mit dem guten Stück schwer tun.

Es gibt aber Firmen, die sich auf das Nachrüsten von Old- und Youngtimern spezialisiert haben, sodass Sie auch bei älteren Fahrzeugen manche Zusatzfunktion genießen können, die Ihre Verkehrssicherheit erhöht. So kann das alte Kfz mit dem ABS nachgerüstet und getrost weitervererbt werden.

Beim Motorrad gestaltet sich der nachträgliche Einbau eines ABS schon schwieriger. Nicht alle Nachrüstsätze halten auch, was sie versprechen. Außerdem rechnet sich der Einbau beim Motorrad oft nicht.

Vergessen Sie nicht, die Nachrüstung abnehmen und in die Papiere eintragen zu lassen.
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