Fahrerassistenzsysteme und ihre Bedeutung für den Alltag im Straßenverkehr
Machen Fahrerassistenzsysteme autonomes Fahren bald überall möglich?
Es bedarf für Fahrerassistenzsysteme keiner umfassenden Definition. Der Begriff ist selbsterklärend: Es geht um Systeme, die dem Fahrer assistieren, d. h. das Fahren erleichtern und sogar verbessern sollen.
Vom Antiblockiersystem (ABS) bis hin zum selbstfahrenden Pkw hat die Technik der letzten Jahre in Sachen Fahrerassistenzsysteme eine gewaltige Entwicklung zu verzeichnen. Einige gestalten den Alltag im Straßenverkehr bequemer als zuvor (z. B. Einparkhilfen). Andere und vor allem neue Fahrerassistenzsysteme der Zukunft erhöhen die Sicherheit (z. B. der Notbremsassistent).
Können Fahrerassistenzsysteme wirklich dazu beitragen, dass der Straßenverkehr sicherer wird? Welche Kfz-Systeme gibt es und wie funktionieren sie? Mit diesen Fragen befasst sich der vorliegende Ratgeber. Zudem liefern wir eine Übersicht der derzeit gängigen Fahrerassistenzsysteme.
Inhaltsverzeichnis:
FAQ: Fahrerassistenzsysteme
Was sind Fahrerassistenzsysteme und wozu dienen sie?
Es handelt sich dabei um technische Hilfsmittel oder Softwareprogramme, die dem Fahrer die Fahrt erleichtern (z. B. Geschwindigkeitsbegrenzer).
Welche Fahrerassistenzsysteme gibt es?
Vom ABS bis zum Spurhalteassistenten ist die Liste inzwischen sehr lang. Wir haben eine Übersicht für Sie zusammengestellt, die Sie einsehen können, wenn Sie hier klicken.
Wie funktionieren Fahrerassistenzsysteme?
Durch Sensoren, Programme oder Kameras können sie Hindernisse oder Fahrsituationen erkennen und den Fahrer warnen oder sogar selbst eingreifen, um einen Unfall zu vermeiden.
Mehr im Video: Fahrassistenzsysteme
Alles Wichtige zu Fahrassistenzsystemen erfahren Sie im Video.
Übersicht der Fahrerassistenzsysteme im Auto
Fahrerassistenzsysteme im Auto: Die Grafik zeigt, wo und wie die Systeme am Auto funktionieren (Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrößern).
Verpflichtende Fahrerassistenzsysteme in jedem Fahrzeug
Es gibt auch verpflichtende Fahrerassistenzsysteme für Nutzfahrzeuge, darunter Stabilitätsprogramme die ein Schleudern verhindern.
Im Frühjahr 2019 einigte sich die EU-Kommission darauf, den Einbau bestimmter Fahrerassistenzsysteme für Pkw, Lkw und sogar leichte Nutzfahrzeuge ab 2022 vorzuschreiben. Diese Fahrzeugtypen und Busse müssen künftig über folgende Fahrerassistenzsysteme verfügen:
Geschwindigkeitsassistent (Intelligent Speed Assistance, auch „Tempobremse“)
Rückfahrkamera oder -sensor
Black-Box zur Unfalldatenaufzeichnung
Leichte Nutzfahrzeuge und Pkw benötigen darüber hinaus …
ein Spurhalteassistenzsystem,
einen Notbremsassistenten sowie
Sicherheitsgurte, die einem Crashtest standgehalten haben.
Schließlich einigte sich die Kommission noch darauf, Vorgaben für neue Assistenzsysteme zu machen, die die Sicht von Lkw- und Busfahrern verbessern und dabei helfen sollen, Personen und Hindernisse im toten Winkel zu erkennen.
Der EU-Gesetzgeber erhofft sich durch diese neue Regelung, die Sicherheit im Straßenverkehr erheblich zu verbessern. Laut Pressemitteilung sollen bis 2038 mehr als 25 000 Menschen vor tödlichen Unfällen geschützt und etwa 140 000 vor schweren Verletzungen bewahrt werden.
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Lassen sich Assistenzsysteme im Auto nachrüsten?
Fahrerassistenzsysteme für Lkw: Manche sind Pflicht! Bspw. der Abbiegeassistent (ab 2022), der Kfz und Personen im toten Winkel erkennt.
Es gibt Fahrerassistenzsysteme zum Nachrüsten. Allerdings wird grundsätzlich davon abgeraten, komplexe Systeme nachzurüsten, die beispielsweise in die Lenkung eingreifen, die Geschwindigkeit regulieren oder mit den Bremsen in einem Zusammenhang stehen. Auf keinen Fall sollten Sie diese Systeme auch noch selbst ins Fahrzeug einbauen. Wie bei vielen anderen unzulässigen oder nicht eingetragenen Veränderungen am Kfz riskieren Sie damit das Erlöschen der Betriebserlaubnis.
Allerdings gibt es auch Fahrerassistenzsysteme, die sich einstellen lassen, ohne in die Software oder das Fahrwerk einzugreifen. Dazu gehören beispielsweise (legale) Einparkhilfen zum Nachrüsten. Beachten Sie dabei unbedingt, dass auch hier ggf. umfassendere Kenntnisse über das Fahrzeuginnenleben vorhanden sein müssen. Im Zweifelsfall sollte eine Werkstatt den Einbau übernehmen.
Nach einiger Zeit oder wenn Änderungen am Fahrzeug vorgenommen wurden (z. B. Wechsel der Frontscheibe) wird ggf. eine Kalibrierung der Fahrerassistenzsysteme nötig. Diese sollten Sie in einer Werkstatt durchführen lassen, da dafür aufwendige Messvorrichtungen und Programme erforderlich sind.
So funktionieren die Auto-Assistenzsysteme
Fahrerassistenzsysteme sollen die Sicherheit im Verkehr erhöhen und vielfach Unfälle vermeiden.
Fahrerassistenzsysteme funktionieren mit Hilfe maschineller Wahrnehmung. Sie erkennen z. B. Hindernisse oder Personen auf der Fahrbahn und können automatisch die Geschwindigkeit reduzieren oder sogar eine Notbremsung herbeiführen.
Doch nicht das äußere Umfeld, auch das Innenleben eines Fahrzeugs kann durch ein Fahrassistenzsystem besser überwacht werden. Beispielsweise verfügen die meisten Kfz inzwischen über Sensoren, die den Zustand des Motors oder des Fahrwerks „im Auge behalten“.
Darüber hinaus kommt Ultraschall zum Einsatz, um die unmittelbare Umgebung des Fahrzeugs auf Hindernisse zu überprüfen. Radar- und Lidartechnik (die Autofahrern aus Blitzern ein Begriff sein sollte) helfen bei dabei, Entfernungen und Abstände zu überwachen. Radarbasierte Fahrerassistenzsysteme unterstützen Sie beispielsweise dabei, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Das Fahrzeug gibt als Warnung ein Signal, wenn dieser zu gering ist.
Nicht zuletzt nutzen die meisten Fahrerassistenzsysteme eine Kamera, um Personen oder Hindernisse auf der Fahrbahn zu erkennen. Besonders ausgefuchste Systeme erkennen auch Verkehrszeichen und Markierungen auf der Fahrbahn.
Im Übrigen gibt es auch Fahrerassistenzsysteme für das Motorrad. Seit 2017 muss jedes Motorrad über 125 ccm, das neu zugelassen wird, über ein ABS verfügen. Dieses verhindert, dass sich der Hinterreifen von der Straße abhebt, und schützt den Fahrer so davor, sich zu überschlagen.
Übersicht: Welche Fahrerassistenzsysteme gibt es?
Heutzutage werden Fahrerassistenzsysteme in der Fahrschule thematisiert. Dennoch schreitet die Technik so rasch fort, dass die wenigsten Autofahrer wissen, welche Systeme es gibt und wie diese den Verkehrsalltag sicherer und bequemer gestalten. Deshalb haben wir nachfolgend eine Übersicht für Sie:
Fahrerassistenzsysteme
Funktion
Abstandsassistenz Adaptiv Cruise Control (ACC)
Überwacht den Abstand, kann ggf. Geschwindigkeit reduzieren und Bremsdruck aufbauen
Antiblockiersystem (ABS)
Bei Bremsvorgängen werden Räder nicht blockiert, Lenkfähigkeit bleibt erhalten
Antriebsschlupfregelung (ASR)
Hilft beim Anfahren und Beschleunigen
Automatische Notbremssysteme (AEBS)
Überwacht den Abstand zum Vordermann, bremst automatisch, um Auffahrunfall zu vermeiden
… mit Personenerkennung
Erkennt Fußgänger und Fahrradfahrer (bis ca. 30 oder 50 km/h) und leitet Bremsvorgang ein
Bremsassistent (BAS)
Regelt u. a. Bremsdruck
Bergan- oder -abfahrassistent
Nutzt automatisch die Handbremse bzw. drosselt die Geschwindigkeit bei steilen Strecken bergab
Einparkhilfe
Erkennt Hindernisse seitlich und hinten (durch Ultraschall oder Radar) und hilft durch Warnsignale beim Einparken
Elektronisches Stabilitätsprogramm (EBS)
Stabilisiert das Fahrzeug bei gefährlichen Bremsvorgängen, verhindert Schleudern
Fading-Kompensation
Unterstützt die Bremsen, falls diese aufgrund von Überhitzung nachlassen
Fernlicht-Assistent
Aktiviert und deaktiviert automatisch das Fernlicht, falls nötig
… auch für Kurven-, Abblend- und Tagfahrlicht
Automatische Leuchtregulierung
Geschwindigkeitsassistent
Erkennt Tempolimit und hilft dem Fahrer, sich an dieses zu halten
Müdigkeits- und Ablenkungswarner
Erkennt durch Video oder Lenkverhalten Müdigkeit oder Ablenkung und lässt Warnsignal ertönen
Rechtsanwalt Mathias Voigt besitzt seine Zulassung seit 2013. Zuvor studierte er an der juristischen Fakultät in Rostock und absolvierte sein Referendariat in Nordrhein-Westfalen. Als Autor für bussgeldkatalog.org informiert er Verbraucher unter anderem über deren Rechte in einem Bußgeldverfahren.
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