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Reifendruckkontrollsystem: Funktion, Arten und Kosten

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 16. Juni 2021

Für optimalen Luftdruck in den Autoreifen

Reifendruckkontrollsystem: Ab wann diese Pflicht sind und welche Vorgaben gelten, klärt dieser Ratgeber.
Reifendruckkontrollsystem: Ab wann diese Pflicht sind und welche Vorgaben gelten, klärt dieser Ratgeber.

Der richtige Reifendruck hilft dabei Sprit zu sparen und wirkt sich positiv auf die Verkehrssicherheit aus. Denn entspricht dieser nicht den Vorgaben, besteht die Gefahr, dass sich der Bremsweg verlängert, sich die Kurvenlage verschlechtert und die Reifen sich erhitzen. Darüber hinaus ist meist auch ein unnötiger Reifenverschleiß die Folge. Trotz dieser negativen Auswirkungen kontrollieren nicht alle Fahrzeughalter regelmäßig den Reifendruck, weshalb für Neuwagen innerhalb der EU seit 2014 ein automatisches Reifendruckkontrollsystem (RDKS) vorgeschrieben ist.

Doch wie funktioniert ein solches Fahrerassistenzsystem? Welche Reifendruckkontrollsysteme lassen sich unterscheiden? Welche Vor- und Nachteile haben diese? Was gilt es bei einem Reifendruckkontrollsystem beim Reifenwechsel zu beachten? Und können Sanktionen drohen, wenn Sie die automatische Überprüfung des Reifendrucks abschalten? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Reifendruckkontrollsystem

Was ist das Reifendruckkontrollsystem?

Beim Reifendruckkontrollsystem handelt es sich um ein Fahrerassistenzsystem, welches ständig den Luftdruck in den Reifen überprüft.

Ist ein Reifendruckkontrollsystem in Deutschland Pflicht?

Ja, seit 2014 ist bei Pkw und Wohnmobilen das RDKS Pflicht. Ergänzend dazu können Sie freiwillig ein Reifendruckkontrollsystem beim Anhänger, Fahrrad oder Motorrad nachrüsten.

Was ist zu tun, wenn das Reifendruckkontrollsystem leuchtet?

Gibt das RDKS ein optisches oder akustisches Signal, sollten Sie so schnell wie möglich den Luftdruck der Reifen kontrollieren und diesen, wenn nötig korrigieren.

Lässt sich ein RDKS nachrüsten?

Bei zahlreichen Felgenherstellern können Sie mittlerweile ein Reifendruckkontrollsystem zum Nachrüsten erwerben. Worauf es beim Einbau zu achten gilt und welche Kosten Sie dafür einplanen müssen, lesen Sie hier.

Was muss ich beachten beim Reifenwechsel mit Reifendruckkontrollsystem?

Das Reifendruckkontrollsystem muss nach dem Reifenwechsel kontrolliert bzw. neu justiert werden.  Worauf es dabei im Einzelnen beim Wechsel der Bereifung zu achten gilt, beleuchten wir hier.

Wie funktioniert das Reifendruckkontrollsystem?

Funktion vom Reifendruckkontrollsystem: Unterschiede zeigen sich bei den Modellen.
Funktion vom Reifendruck­kontrollsystem: Unterschiede zeigen sich bei den Modellen.

Seit 2014 müssen alle Pkw und Wohnmobile mit Erstzulassung in der Europäischen Union laut der Vorschrift ECE-R 64 über ein aktives Reifendruckkontrollsystem verfügen, welches automatisch und ständig den Luftdruck in den Reifen überwacht. Dabei müssen die Reifendruckkontrollsysteme laut EU-Recht unter anderem folgende Anforderungen erfüllen:

  • Warnsignal beim Druckverlust eines einzelnen Reifens um 20 % bei 1,5 bar innerhalb von 10 Minuten
  • Warnsignal beim plötzlichen oder schleichenden Druckverlust aller vier Reifen um 20 % bei 1,5 bar

Sinkt der Reifendruck entsprechend dieser Vorgaben, erhält der Fahrer ein optisches und/oder akustisches Signal. So hat dieser die Möglichkeit, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um den Mangel zu beheben und bis zum Erreichen einer Werkstatt seinen Fahrstil anzupassen.

Allerdings kontrollieren nicht alle Assistenzsysteme den Luftdruck der Reifen auf die gleiche Art und Weise. Daher unterscheiden Experten die Modelle darin, ob ein Reifendruckkontrollsystem direkt oder indirekt misst.

Bei einem direkt messenden Reifendruckkontrollsystem befinden sich Sensoren für Luftdruck und Temperatur an allen vier Reifen des Fahrzeugs, welche die relevanten Daten an das zentrale Steuergerät übermitteln. Der Fahrer erhält dadurch über den Bordcomputer konkrete Informationen für jede einzelne Reifenposition. Zudem ermöglicht dieses RDKS eine frühzeitige Erkennung möglicher Mängel, denn bereits geringe Schwankung werden angezeigt. Die Stromversorgung der Sensoren erfolgt dabei Batterien, die alle 4 bis 10 Jahres auszutauschen sind.

Im Gegensatz dazu lässt sich bei einem indirekten Reifendruckkontrollsystem nicht sagen, welche Reifen konkret vom Druckverlust betroffen sind. Denn in diesem Fall wird eine Veränderung des Reifendrucks mithilfe der Drehzahlsensoren von einer Abweichung beim Abrollverhalten der Reifen abgeleitet. Autofahrer müssen somit alle Reifen auf einen möglichen Druckverlust überprüfen. Zudem ist aufgrund des Verfahrens die Reaktion in der Regel weniger genau und auch langsamer als bei einem direkten Reifendruckkontrollsystem.

Welche Vorschriften gelten für RDKS?

Schreibt der Gesetzgeber ein Reifendruckkontrollsystem bei ihrem Wohnmobil oder Pkw vor, muss dieses grundsätzlich funktionstüchtig sein. Laut Bußgeldkatalog drohen aber noch keine Sanktionen, wenn Sie das Reifendruckkontrollsystem deaktivieren oder umgehen.

Allerdings kann es durchaus negative Auswirkungen haben, wenn Sie das Reifendruckkontrollsystem unerlaubt abschalten. Denn hätte ein Verkehrsunfall durch ein korrekt funktionierendes RDKS verhindert werden können, kann sich die Manipulation des Fahrerassistenzsystems ggf. auf die Schuldfrage auswirken. Darüber hinaus ist das Reifendruckkontrollsystem beim TÜV bzw. der Hauptuntersuchung relevant. Ist dieses nicht funktionsfähig, liegt ein erheblicher Mängel vor und die Plakette bleibt verwehrt. Der Halter darf zwar bis zur Nachprüfung weiter mit dem Fahrzeug fahren, muss den Fehler aber unverzüglich beheben.

Anders sieht es hingegen aus, wenn Sie freiwillig ein Reifendruckkontrollsystem beim Motorrad, Wohnwagen oder Fahrrad installiert haben. In diesem Fall steht es Ihnen grundsätzlich frei, dieses wieder auszustellen oder abzubauen.

Kann ich Reifen mit Sensoren selbst wechseln?

Damit die Sensoren richtig arbeiten, sollten Sie das Reifenkontrollsystem richtig einstellen lassen.
Damit die Sensoren richtig arbeiten, sollten Sie das Reifenkontrollsystem richtig einstellen lassen.

Für die meisten Autobesitzer steht aufgrund der allgemein bekannten Faustregel „Von O bis O.“ um Ostern sowie im Oktober der Reifenwechsel an. Allerdings kann sich durch ein Reifendruckkontrollsystem der Radwechsel oder auch das Aufziehen von neuen Reifen komplizierter gestalten.

So ist es insbesondere bei einem direkten RDKS sinnvoll, den Reifenwechsel durch eine fachkundige Werkstatt durführen zu lassen. Dadurch stellen Sie sicher, dass Sensoren regelmäßig gewartet und auf ihre Funktionalität kontrolliert werden. Außerdem ist es bei der Montage eines neuen Reifensatzes notwendig, dass die Techniker das Reifendruckkontrollsystem anlernen. Darüber hinaus lässt sich durch einen Besuch in der Werkstatt verhindern, dass an den Sensoren durch eine unsachgemäße Handhabung versehentlich eine Beschädigung erfolgt.

Deutlich einfacher gestaltet sich die Angelegenheit bei indirekt messenden RDKS. Denn in diesem Fall müssen Sie nach dem Aufziehen der neuen Bereifung lediglich das Reifendruckkontrollsystem zurücksetzen und kalibrieren. Möglich ist dies über den Bordcomputer. Worauf Sie dabei im Einzelnen achten müssen, um das Reifendruckkontrollsystem nach dem Reifenwechsel einzustellen, können Sie der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs entnehmen.  

Wie erkennt man ein direktes oder indirektes RDKS?

Personen, die nicht so autoaffin sind, stellen sich nun mitunter die Frage: Woran kann ich das Reifendruckkontrollsystem erkennen? Beim direkten RDKS ist der Sensor im Ventil eingebaut, weshalb der äußere Teil meist aus Metall besteht und steif ist. Im Gegensatz dazu werden beim indirekten RDKS die herkömmlichen Ventile aus weichem, schwarzem Kunststoff genutzt.

Darüber hinaus kann auch die Automarke Auskunft über die verwendeten Reifendruckkontrollsysteme geben. So verwenden zum Beispiel BMW, Mercedes, Fiat und Ford ausschließlich die direkte Variante, wohingegen Seat und Skoda auf die indirekten Systeme setzt. Ganz eindeutig ist diese Methode aber nicht, denn es gibt auch Hersteller, die beide Arten der RDKS nutzen. Ein Blick in die Bedienungsanleitung oder ein Besuch in der Werkstatt kann daher zusätzliche Klarheit verschaffen.

Lässt sich ein Reifendruckkontrollsystem nachrüsten?

Reifendruckkontrollsysteme vom Hersteller kosten pro Reifensatz zwischen 120 und 500 Euro.
Reifendruckkontrollsysteme vom Hersteller kosten pro Reifensatz zwischen 120 und 500 Euro.

Bei vielen älteren Fahrzeugen besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Reifendruckkontrollsysteme unkompliziert nachzurüsten. Originale Sensoren bieten die Autohersteller allerdings in der Regel nur für Modelle an, die auch ab Werk mit einem entsprechenden System ausgestattet werden können. Dabei belaufen sich beim Reifendruckkontrollsystem die Kosten pro Radsatz auf 120 bis 500 Euro.

Um auch ältere Fahrzeuge mit einem Reifendruckkontrollsystem ausstatten zu können, bieten verschiedene Felgenhersteller mittlerweile eigene Sensoren zum Nachrüsten an. Am einfachsten sind dabei Sensoren, die sich auf die Ventilkappen aufschrauben lassen und die Daten per Bluetooth oder Funk an das Empfangsgerät im Fahrzeug übermitteln. Entsprechende Sets können Sie bereits für unter 100 Euro erwerben.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit nachträglich Innensensoren zu montieren, allerdings benötigen Sie dafür die Dienste eines Fachmanns. Dies wirkt sich zum einen auf die Kosten aus, zum anderen gestaltet sich dann zukünftig auch der Reifenwechsel durch solche Reifendruckkontrollsysteme komplizierter.

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