Müdigkeitserkennung im Auto: Warnung vor gefährlichem Sekundenschlaf

Von Nicole, letzte Aktualisierung am: 20. November 2019

Moderne Fahrerassistenzsysteme sollen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen

Die Müdigkeitserkennung weist Sie darauf hin, wann Sie besser eine Pause einlegen sollten.
Die Müdigkeitserkennung weist Sie darauf hin, wann Sie besser eine Pause einlegen sollten.

Als erstes Automobil gilt der dreirädrige Benz-Motorwagen mit der Bezeichnung Typ 1. Dieser soll im Juli 1886 zum ersten Mal öffentlich ausgefahren worden sein. Seit der Geburtsstunde des Automobils hat die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge immer mehr zugenommen, was auch dazu führte, dass der Straßenverkehr immer unübersichtlicher und gefährlicher wurde.

Um für mehr Sicherheit zu sorgen, wurde im Laufe der Jahre eine stets wachsende Anzahl sogenannter Fahrerassistenzsysteme entwickelt. Im Jahr 1978 gab es das erste Antiblockiersystem (ABS), 1995 folgte das erste Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) und seit 1998 können Fahrzeuge mit einem Abstandsassistenten ausgestattet werden.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist die sogenannte Müdigkeitserkennung – auch als Müdigkeitswarner oder -sensor bekannt. Welchen Zweck dieser Assistent während der Fahrt erfüllt und warum er eine bedeutende Rolle spielt, verrät der folgende Ratgeber.

FAQ: Müdigkeitswarner

Was macht der Müdigkeitswarner?

Er bemerkt aufgrund des Fahrverhaltens, ob der Fahrer unaufmerksam wird und kann diesen dann durch akustische Signale waren. Auf diese Weise lassen sich ggf. Unfälle vermeiden.

Woran erkennt der Müdigkeitswarner, dass ich müde bin?

Zu Beginn macht sich dieses Fahrerassistenzsystem ein Bild vom regulären Fahrverhalten. Weicht der Fahrer später davon ab, kann der Assistent anhand von z. B. Lenkbewegungen eine Unaufmerksamkeit feststellen.

Ist der Müdigkeitswarner Pflicht?

Nein. Ein neu gekauftes Kfz muss nicht zwingend über den Müdigkeitsassistenten verfügen.

Müdigkeit am Steuer: Die unterschätzte Gefahr

Wie funktioniert die Müdigkeitserkennung? Hauptsächlich wird Ihr Fahrverhalten analysiert.
Wie funktioniert die Müdigkeitserkennung? Hauptsächlich wird Ihr Fahrverhalten analysiert.

Alkohol am Steuer, überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand: Bei der Frage nach den häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr kommen den meisten Lesern wohl die genannten Auslöser in den Sinn. Oftmals unterschätzt wird jedoch ein weiterer Faktor, nämlich Müdigkeit am Steuer, die zu einem gefährlichen Sekundenschlaf – also das kurze Einschlafen am Steuer – führen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) geht beispielsweise davon aus, dass rund 42 Prozent aller Unfälle, die nachts geschehen, dadurch verursacht werden, dass ein Fahrer stark ermüdet ist.

Des Weiteren vermutet die DGSM, dass mehr als doppelt so viele Menschen im Straßenverkehr nach einem Unfall wegen Sekundenschlaf sterben, als es bei Unfällen unter Alkoholeinfluss der Fall ist.

Belegen lassen sich diese Zahlen jedoch nur schwerlich, denn im Gegensatz zu Alkohol im Blut lässt sich eine vorherige Müdigkeit nicht zweifelsfrei feststellen. Des Weiteren geben Unfallverursacher meist nicht zu, dass sie übermüdet am Steuer saßen. Eine im Auto verbaute Müdigkeitserkennung kann Unfälle im Straßenverkehr verhindern. Dieser Pkw-Assistent erkennt, wenn der Fahrer übermüdet ist und er besser eine Pause machen sollte.

Der Sekundenschlaf führt zu einem Blindflug

Die Müdigkeitserkennung trägt einen wichtigen Beitrag dazu bei, um den Straßenverkehr sicherer zu machen. Fahrer sollten sich Folgendes vor Augen führen: Müdigkeit führt zu nachlassender Reaktion und Reaktionsfähigkeit. Und schläft der Fahrer dann tatsächlich ein, führt dies zu einem äußerst gefährlichen Blindflug, was die folgenden Beispiele verdeutlichen sollen:

  • Ist ein Fahrer mit 100 km/h unterwegs und nickt nur für eine Sekunde ein, legt er in dieser Zeit 28 Meter zurück.
  • Bei Tempo 130 fährt er in einer Sekunde 36 Meter weit.
  • Verlängert sich der kurze Schlaf bei dieser Geschwindigkeit nur auf fünf Sekunden, so legt der Fahrer blind 181 Meter zurück. Bei zehn Sekunden verlängert sich der Blindflug auf 361 Meter.

Das folgende Video verdeutlicht noch einmal die Gefahren des Sekundenschlafs am Steuer:

Müdigkeitserkennung: Wie funktioniert das System?

Wie funktioniert ein Müdigkeitswarner? Diese Frage mögen sich nun viele Leser stellen. Es wird eine Software verbaut, welche das Fahrverhalten untersucht. Diese Art der Fahrerassistenzsysteme macht sich einen wichtigen Grundsatz zunutze: Ist ein Fahrer müde oder schläft sogar am Steuer ein, führt dies meist unweigerlich dazu, dass er Lenkfehler macht. Kommt die Konzentration kurzfristig zurück, korrigiert er diese Fehler meist sehr abrupt.

Am Anfang einer Fahrt erstellt die verbaute Software ein Profil über Lenk- und Fahrverhalten ab einer gewissen Geschwindigkeit. Bei VW sind das beispielsweise 65 km/h, bei Mercedes 80 km/h. Kommt es zu Abweichungen vom zuvor erstellten Profil, führt dies dazu, dass die Müdigkeitserkennung reagiert und den Fahrer etwa durch eine Anzeige im Cockpit, durch das Vibrieren des Lenkrads und bzw. oder ein akustisches Signal daran erinnert, eine Pause einzulegen.

Es können bei der Müdigkeitserkennung je nach Funktionsweise auch noch andere Parameter, wie etwa die Tageszeit, die Dauer der Fahrt, die Pedalbenutzung oder das Verhalten beim Blinken berücksichtigt werden. Zusätzlich kann ein Spurhalteassistent Informationen für den Müdigkeitswarner liefern. Dieser Assistent erkennt es, wenn der Fahrer die Fahrbahnmarkierungen unvorhergesehen überfährt.

Bei manchen Systemen überprüft die Müdigkeitserkennung auch die Augen des Fahrers. In diesem Fall ist eine Kamera im Cockpit angebracht. Diese filmt den Fahrer und das System kann etwa den Gesichtsausdruck, die Haltung des Kopfes sowie das Blickverhalten analysieren. Mit den daraus gewonnenen Daten kann der Müdigkeitswarner erkennen, ob ein Fahrer nicht mehr fahrtüchtig ist und eine Pause machen sollte.

Achtung! Alle Fahrerassistenzsysteme haben eins gemeinsam: Sie haben lediglich, wie auch die Müdigkeitserkennung, eine unterstützende Funktion. Auf keinen Fall nehmen sie es dem Fahrer ab, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Auch wenn ein Müdigkeitswarner in Ihrem Auto verbaut ist, sollten Sie also alles Nötige tun, um sich nicht übermüdet ans Steuer zu setzen.

Welches neue Auto hat eine Müdigkeitserkennung?

Sie können Ihr Fahrzeug mit einem Müdigkeitswarner nachrüsten lassen.
Sie können Ihr Fahrzeug mit einem Müdigkeitswarner nachrüsten lassen.

Ein Müdigkeitssensor im Auto kann also einen großen Nutzen haben. Doch während andere Fahrerassistenzsysteme, wie ABS und ESP, mittlerweile vorgeschrieben sind, muss nicht jedes Auto zwingend damit ausgestattet werden.

Viele Personen, die einen Neuwagen kaufen möchten, fragen sich deshalb, welche Autos mit einer Müdigkeitserkennung ausgestattet sind. Eine pauschale Antwort darauf lässt sich leider nicht geben. Bei manchen Modellen gehört der Assistent bereits zur Basisausstattung, bei vielen anderen muss er jedoch speziell hinzugebucht werden – etwa in einem speziellen Sicherheitsausstattungspaket. Erkundigen Sie sich deshalb genau bei Ihrem Autohändler, wenn es Ihnen wichtig ist, dass Ihr Auto über eine Müdigkeitserkennung verfügt.

Lässt sich eine Müdigkeitserkennung beim Auto nachrüsten?

Sie besitzen bereits ein Auto und möchten dies auch noch einige Jahre lang fahren? In diesem Fall stellen sich viele Autobesitzer die Frage, ob sie einen Müdigkeitswarner nachrüsten können. Mittlerweile gibt es auf dem Markt einige Systeme, die nachträglich in ein Fahrzeug eingebaut werden können.

Dabei können verschiedene Funktionsweisen voneinander unterschieden werden. Manches System der Müdigkeitserkennung nutzt Kameras, welche auf die Fahrbahn gerichtet sind und davor warnen, wenn der Fahrer die Spur verlässt. Wiederum andere nachrüstbaren Müdigkeitswarner analysieren Kameraaufnahmen des Fahrers und erkennen es, wenn er in den Sekundenschlaf fällt.

Möchten Sie eine Müdigkeitserkennung nachrüsten lassen, sollten Sie sich hierzu zunächst im Fachhandel beraten lassen und den Einbau von einem Fachmann vornehmen lassen.
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