Kleinkraftrad fahren: Vorschriften, Verkehrsregeln und mögliche Sanktionen

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 16. November 2020

Motorfahrräder und -roller als Autoersatz

Was muss ich beachten, wenn ich mit einem Kleinkraftrad fahren möchte?
Was muss ich beachten, wenn ich mit einem Kleinkraftrad fahren möchte?

Gerade in den Städten ist der (kostenlose) Parkraum stark umkämpft. Daher sind nicht wenige auf der Suche nach einer Alternative zum Auto. Wer nicht auf ein motorisiertes Gefährt verzichten kann oder will, könnte sich ggf. mit einem Kleinkraftrad anfreunden. Ein wichtiges Kaufargument kann dabei auch der verhältnismäßig geringe Verbrauch an Kraftstoff sein.

Doch worauf gilt es zu achten, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ein Kleinkraftrad zuzulegen? Lassen sich verschiedene Ausführungen unterscheiden? Welche gesetzlichen Voraussetzungen gelten? Dürfen Sie ein Kleinkraftrad mit einem Autoführerschein fahren? Schreibt der Gesetzgeber besondere Verkehrsregeln vor? Und welche Sanktionen können bei einem Verstoß gegen die Vorgaben drohen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Kleinkraftrad

Wann ist von einem Kleinkraftrad die Rede?

Die Definition des Begriffs gemäß Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) finden Sie hier.

Gibt es einen speziellen Führerschein fürs Kleinkraftrad?

Ob Sie für das Kleinkraftrad einen Führerschein der Klasse AM benötigen oder ob eine Mofa-Prüfbescheinigung ausreicht, hängt in erster Linie von der Leistung des Kfz ab.

Ist eine Zulassung beim Kleinkraftrad notwendig?

Kleinkrafträder gehören grundsätzlich zu den zulassungsfreien Fahrzeugen. Nichtsdestotrotz muss für das Gefährt eine Betriebserlaubnis vorliegen und der Gesetzgeber schreibt die Anbringung eines Versicherungskennzeichens vor.

Bußgeldkatalog für Kleinkrafträder

VerstoßBuß­geldWeitere Sank­tionen
Uner­laubte Personen­beför­derung auf dem Klein­kraft­rad5 Euro
Verstoß gegen die Helm­pflicht15 Euro
Kind ohne Helm auf einem Klein­kraft­rad befördert60 Euro1 Punkt
Mehrere Kinder ohne Helm auf einem Klein­kraft­rad befördert70 Euro1 Punkt
Uner­laubte Nutz­ung des Geh­wegs10 Euro
… mit Behin­derung15 Euro
… mit Gefähr­dung20 Euro
… mit Unfall­folge25 Euro
Uner­laubtes Parken auf dem Geh­weg20 Euro
… länger als 1 Stun­de30 Euro
… mit Behin­derung30 Euro
… länger als 1 Stun­de mit Behin­derung35 Euro
Fehlen­des Ver­sicherungs­kenn­zeichen40 Euro
Verstoß gegen da Pflicht­versicherungs­gesetzGeldstrafe oder Freiheitsstrafe
Fahren ohne Prüf­beschei­nigung20 Euro
Prüf­beschei­nigung nicht mit­geführt10 Euro
Fahren ohne Fahr­erlaubnisGeldstrafe oder Freiheitsstrafe

Merkmale der Kleinkrafträder: Was zeichnet diese aus?

Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit für ein Kleinkraftrad liegt bei 45 km/h.
Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit für ein Kleinkraftrad liegt bei 45 km/h.

Bei der Bezeichnung „Kleinkraftrad“ handelt es sich um einen Sammelbegriff für verschiedene zwei- und dreirädrige Kraftfahrzeuge. Gemäß § 2 Nr. 11 FZV zeichnen sich diese insbesondere durch eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h aus. Abhängig von der Antriebsart gelten darüber hinaus noch folgende Beschränkungen:

  • zweirädrige Kleinkrafträder
    • Verbrennungsmotor: maximaler Hubraum von 50 cm3
    • Elektromotor: maximale Nenndauerleitung von 4 kW
  • dreirädrige Kleinkrafträder
    • Fremdzündungsmotor: maximaler Hubraum von 50 cm3
    • anderem Verbrennungsmotor: maximale Nutzleitung von 4 kW
    • Elektromotor: maximale Nenndauerleitung von 4 kW

Aufgrund dieser Merkmale kann es sich bei einem Kleinkraftrad unter anderem um ein Mofa, ein Moped, ein Mokick oder einen Motorroller handeln. Eine Gegenüberstellung der technischen Merkmale der verschiedenen Modelle bietet die nachfolgende Tabelle:

 MofaMoped, Mokick und Motorroller
Höchstgeschwindigkeit 25 km/h45 km/h
Hubraumkeine Vorgaben50 cm3
Leistungkeine Vorgaben4 kW

Gelten fürs Kleinkraftrad besondere Vorschriften?

Darf ich mit meinem Kleinkraftrad einen Anhänger ziehen? Beim TÜV können die Gutachter alle Optionen prüfen.
Darf ich mit meinem Kleinkraftrad einen Anhänger ziehen? Beim TÜV können die Gutachter alle Optionen prüfen.

Bei Kleinkrafträdern handelt es sich um zulassungsfreie Fahrzeuge. Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, das Fahrzeug bei der Zulassungsstelle anzumelden. Darüber hinaus sind Mofa, Moped und Co. von der Kfz-Steuer befreit. Unabhängig davon sind Sie aber gesetzlich dazu verpflichtet, eine Versicherung für das Kleinkraftrad abzuschließen.

Um ein kleines Kraftrad bei der Haftpflichtversicherung anzumelden, müssen Sie neben persönlichen Angaben zum Halter auch Informationen zum Kfz übermitteln. Diese lassen sich der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) entnehmen, welche beim Kleinkraftrad den Fahrzeugbrief bzw. die Zulassungsbescheinigung Teil II ersetzt.

Mit dem Abschluss der Haftpflichtversicherung erhalten Sie ein sogenanntes Versicherungskennzeichen. Durch dieses spezielle Nummernschild wird beim Kleinkraftrad eine bestehende Versicherung nachgewiesen. Darüber hinaus besteht außerdem die Möglichkeit, sich mithilfe einer Kaskoversicherung zusätzlich abzusichern.

Neben den Formalien für das Kleinkraftrad muss auch der Fahrer seine Befähigung zum Führen des Kfz nachweisen. Ob dafür ein Führerschein der Klasse AM – also die Einsteigerfahrerlaubnisklasse für Motorräder – notwendig ist oder ob eine Mofa-Prüfbescheinigung ausreicht, hängt grundsätzlich von der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit ab. In der nachfolgenden Tabelle haben wir die wichtigsten Informationen zur Fahrerlaubnis zusammengefasst:

 MofaMoped, Mokick und Motorroller
FührerscheinklassePrüfbescheinigungAM
Mindestalter15 Jahre15 bzw. 16 Jahre
AusbildungTheorie und PraxisTheorie und Praxis
PrüfungTheorieTheorie und Praxis

Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h darf ein Kleinkraftrad demnach ohne Führerschein gefahren werden, stattdessen schreibt der Gesetzgeber die Mofa-Prüfbescheinigung vor. Von dieser Regelung ausgenommen sind gemäß § 76 Nr. 3 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) allerdings Personen, die vor dem 1. April 1965 geboren wurden. Diese müssen bei einer Verkehrskontrolle lediglich ihr Alter belegen.

In vielen Bundesländern wurde 2020 zudem das Mindestalter für die Fahrerlaubnisklasse AM auf 15 Jahre herabgesetzt. Dieses Vorhaben soll vor allem die Mobilität von Jugendlichen in ländlichen Regionen verbessern. Welche Bundesländer sich zur Herabsetzung entschlossen haben, können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen:

BundeslandMopedführerschein mit 15 Jahren möglich
Baden-Württembergnein
BayernAusnahmegenehmigung im Einzelfall
Berlinnein
Brandenburgja
Bremennein
Hamburgnein
Hessenja
Mecklenburg-Vorpommernja
Niedersachsennein
Nordrhein-Westfalenja
Rheinland-Pfalzja
Saarlandja
Sachsenja
Sachsen-Anhaltja
Schleswig-Holsteinja
Thüringenja

Verkehrsregeln fürs Kleinkraftrad

Wer auf dem Kleinkraftrad keinen Helm trägt, muss mit Sanktionen rechnen.
Wer auf dem Kleinkraftrad keinen Helm trägt, muss mit Sanktionen rechnen.

Wer mit einem Kleinkraftrad am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt, muss sich an die geltenden Verkehrsregeln halten. So schreibt § 21a Abs. 2 Straßenverkehrsordnung (StVO) zum Beispiel das Tragen eines geeigneten Schutzhelms vor:

Wer Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, muss während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen. Dies gilt nicht, wenn vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.

Die gesetzliche Helmpflicht gilt dabei auch, wenn Kinder auf Krafträdern transportiert werden. Darüber hinaus die Fahrer für den Nachwuchs weitere Sicherungsmaßnahmen treffen. Kommen Sie dieser Verpflichtung nicht nach, drohen gemäß Bußgeldkatalog Sanktionen. 

Dies ist auch der Fall, wenn Sie mit dem Kleinkraftrad unerlaubt den Gehweg befahren. Eigentlich ist auch das Parken auf dem Bürgersteig untersagt, allerdings drücken nicht wenige Gemeinden in diesem Fall ein Auge zu. Denn in der Regel fehlt es an ausreichenden Parkmöglichkeiten und durch platzsparendes Parken liegt meist keine Behinderung der Passanten vor. Ein gesetzlicher Anspruch aufs Gehwegparken besteht aber nicht.

Übrigens! Im Gegensatz zum Auto muss ein Kleinkraftrad nicht zum TÜV bzw. zur Hauptuntersuchung (HU). Nichtsdestotrotz sollten Halter auch für ihre eigenen Sicherheit regelmäßig überprüfen, ob noch alles richtig funktioniert und verschlissene Bauteile austauschen.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweise: fotolia.com/© antonloshchinin (Vorschaubild)

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