Kann bei einem Wildunfall Fahrerflucht begangen werden?

Damit müssen Sie rechnen, wenn Sie einen Wildunfall nicht gemeldet haben

Wildunfall: Besteht eine Meldepflicht?

Wildunfall: Besteht eine Meldepflicht?

Aufgrund von zu hohen Geschwindigkeiten, schlechten Sichtverhältnissen oder vermehrt auftretendem Wildwechsel kommt es vor allem in der kalten Jahreszeit häufiger zu einem Zusammenstoß von Fahrzeug und wildem Tier. Dem Deutschen Jagdverband (DJV) zufolge ereignet sich alle 2,5 Minuten ein Wildunfall auf unseren Straßen.

Obwohl dies beweist, dass Wildunfälle in Deutschland durchaus keine Seltenheit sind, wissen viele Autofahrer trotzdem nicht, wie sie sich nach dem Zusammenstoß mit einem Reh oder einem Wildschwein verhalten sollten.

Einige stehen sogar derart unter Schock, dass sie nicht weiter darüber nachdenken und sich so schnell wie möglich mit dem Auto aus dem Staub machen.

Doch begehen diese Fahrer nach einem Wildunfall wirklich Fahrerflucht, wenn sie einfach weiterfahren? Besteht nach dem Zusammenprall mit einem wilden Tier überhaupt eine Meldepflicht? Und welche Strafe droht bei einer womöglich begangenen Fahrerflucht nach einem Wildunfall? Im folgenden Ratgeber beantworten wir alle offenen Fragen zu diesem Thema.

Nach einem Wildunfall: Zieht eine Fahrerflucht eine Strafe nach sich?

Wie hoch die Strafe für eine Fahrerflucht bzw. das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ausfällt, ist im Strafgesetzbuch (StGB) festgehalten.
In § 142 heißt es dazu:

Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat […]

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Da von Unfallbeteiligten und Geschädigten die Rede ist, kann bei einem Wildunfall die Fahrerflucht entsprechend ausgeschlossen werden. Grundsätzlich gelten Tiere nämlich vor dem Gesetz als Sache. Um eine Sachbeschädigung mit anschließender Fahrerflucht kann es sich jedoch ebenfalls nicht handeln, da Wildtiere nicht über einen Besitzer verfügen.
Nach einem Wildunfall liegt keine Fahrerflucht vor.

Nach einem Wildunfall liegt keine Fahrerflucht vor.

Also liegt nach einem Wildunfall zumindest keine Fahrerflucht vor. Fahren Sie jedoch nach einem Zusammenprall mit einem wilden Tier einfach weiter, verstoßen Sie gegen das Tierschutzgesetz.

Ist das Wild beispielsweise verletzt, wird ein solches Verhalten als Tierquälerei eingestuft und kann mit bis zu 50.000 Euro sanktioniert werden.

Sie sollten daher nach einem Wildunfall zunächst anhalten, die Unfallstelle absichern und im Anschluss die Polizei informieren.

Diese kümmert sich in der Regel darum, den zuständigen Förster oder Jagdpächter zu kontaktieren.

Ist es möglich, einen Wildunfall nachträglich zu melden?

Die Möglichkeit, einen Unfall mit einem wilden Tier (wie z. B. einem Reh) im Nachhinein bei der Polizei zu melden, besteht tatsächlich. Da es sich bei einem Wildunfall nicht um Fahrerflucht handelt, wenn Sie mit dem Auto einfach weiterfahren, dürften normalerweise keine rechtlichen Konsequenzen drohen, wenn Sie den Unfall erst später melden. Eine Meldepflicht existiert ohnehin nicht. Entscheiden Sie sich dazu, den Wildunfall nicht zu melden, müssen Sie allerdings die Reparaturkosten für Ihr Fahrzeug allein tragen und können sich nicht auf Ihre Versicherung verlassen.

Nach einer Meldung bei der Polizei bzw. dem Jagdpächter oder Förster wird Ihnen nämlich eine sogenannte Unfallbescheinigung ausgestellt, die den Unfall mit dem Wild belegt. Ohne diese Bescheinigung werden Sie wohl oder übel Probleme bei der Schadensregulierung durch Ihre Versicherung bekommen. Auch wenn bei einem Wildunfall eine Fahrerflucht ausgeschlossen werden kann, gibt es gewisse Vorschriften, an die Sie sich dennoch halten sollten.

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