Vorsicht Wildwechsel! So sollten Sie sich verhalten

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 4. Mai 2020

Gibt es Möglichkeiten, einen Wildunfall zu vermeiden?

Wildwechsel: Das entsprechende Verkehrsschild zu missachten, kann schwerwiegende Folgen haben.
Wildwechsel: Das entsprechende Verkehrsschild zu missachten, kann schwerwiegende Folgen haben.

Ca. 2.800 Personen ziehen sich laut Angaben des ADAC jedes Jahr Verletzungen bei einem Wildunfall zu. Gerade in der dunkleren und kälteren Jahreszeit sind mehr Wildtiere unterwegs und suchen nach Futter. Kommen außerdem schlechte Sichtverhältnisse durch Nebel oder starken Regen sowie hohe Geschwindigkeiten hinzu, ist ein Zusammenprall von Wild und Kraftfahrzeug kaum vermeidbar.

40 Prozent der Unfälle mit Wildtieren ereignen sich auf Waldstrecken, wobei Straßen, die an Feldern entlanglaufen, mit einem Risiko von 33 Prozent belastet sind. Es existieren jedoch durchaus Möglichkeiten, einem Wildunfall entgegenzuwirken. Dazu gehört beispielsweise, sich mit dem Wild und seinen Gewohnheiten zu beschäftigen.

Wieso überqueren die Tiere eigentlich die Fahrbahn und bleiben nicht im sicheren Wald? Gibt es gewisse „Stoßzeiten“, in denen sich vermehrt Tiere auf der Straße befinden? Welches Verhalten ist bei einem Wildwechsel angebracht, um Unfälle zu verhindern?

Antworten auf diese Fragen erhalten Sie im folgenden Ratgeber. Außerdem finden Sie hier Informationen zur richtigen Verhaltensweise, wenn es aufgrund eines vermehrten Wildwechsels zu einem Unfall im Straßenverkehr kam.

FAQ: Wildwechsel

Wann ist die Wahrscheinlichkeit eines Wildwechsels am höchsten?

Zur Brunftszeit (z. B. im Juli und August bei Rehen) und während der Dämmerung sollten Sie vor allem in der Nähe von Wäldern besonders aufmerksam fahren.

Wie lässt sich ein Wildunfall verhindern?

Meist wird dazu geraten, das Fernlicht auszuschalten und die Hupe zu betätigen. Weitere Möglichkeiten finden Sie hier in unserer Übersicht.

Wen muss ich bei einem Wildunfall informieren?

Setzen Sie die Polizei in Kenntnis, diese kann dann den Förster oder Jagdpächter informieren.

Wieso und wann kommt es vermehrt zum Wildwechsel?

Es gibt tatsächlich gewisse Zeiten, in denen ein Wildwechsel häufiger auftritt. Als Gefahrenstellen gelten dabei vor allem Straßen, die sich in unmittelbarer Nähe zu Feldern oder dem Wald befinden. Können die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr genug Nahrung auftreiben, begeben sie sich vom Forst auf die Felder und suchen im Anschluss wieder Schutz im Dickicht.

Doch nicht nur die sogenannte „Äsung“ von Wildtieren ist ein Grund für vermehrten Wildwechsel. Gewisse Strecken sehen die Tiere trotz relativ hohem Verkehrsaufkommen als einen Teil ihres natürlichen Lebensraumes an. An solchen Abschnitten warnen jedoch meist Verkehrszeichen vor Wildwechsel.

Grundsätzlich sind wilde Tiere in den dunklen Jahreszeiten, wie Herbst und Winter, morgens später und abends früher aktiv. Daher sollten Sie besonders in der Morgen- und Abenddämmerung die Augen offen halten. Zwischen vier und sieben Uhr morgens und 17 bis 23 Uhr abends kreuzen besonders viele Wildtiere die Fahrbahn.

Achtung Wildwechsel! Dieses Schild weist auf ein vermehrtes Aufkommen von Wildtieren hin.
Achtung Wildwechsel! Dieses Schild weist auf ein vermehrtes Aufkommen von Wildtieren hin.

Auch die Brunft- und Paarungszeiten der verschiedenen Wildtiere spielen eine Rolle. Wildschweine sind beispielsweise aus diesem Grund von November bis Februar öfter auf den Straßen anzutreffen. Hirsche sind im September und Oktober häufiger in Bewegung, Rehe eher im Juli und im August.

Übrigens: Zwar kommt es zu bestimmten Zeiten häufiger zum Wildwechsel auf den Straßen, ein Wildunfall kann sich jedoch das ganze Jahr über ereignen. Es empfiehlt sich daher, stets aufmerksam und vorausschauend zu fahren und nicht in Panik zu geraten, wenn plötzlich ein Wildtier vor Ihrem Fahrzeug auftaucht.

Verhaltensregeln bei einem Wildwechsel

Es steht außer Frage, dass Wildunfälle in gewissen Situationen nun mal nicht zu vermeiden sind. Oft reicht die Zeit einfach nicht aus, um noch reagieren zu können, wenn ein Tier die Fahrbahn kreuzt.

Ein vermehrter Wildwechsel fordert nicht nur menschliche Opfer.
Ein vermehrter Wildwechsel fordert nicht nur menschliche Opfer.

Trotzdem haben Sie als Kraftfahrer die Möglichkeit, gerade in der Zeit, in der es häufiger zum Wildwechsel kommt, das Risiko eines Unfalls zu verringern:

  • Oft wird der Wildwechsel durch ein Schild angekündigt. Dies bedeutet für Sie als Kraftfahrer: Geschwindigkeit drosseln und besonders aufmerksam fahren. Ein zu hohes Tempo kann in einer solchen Situation fatal sein.
  • Halten Sie einen angemessenen Abstand zur rechten Fahrbahnseite, falls ein Wildtier plötzlich aus dem Dickicht rennt.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass es sich im Regelfall nicht nur um ein Tier handelt, sondern weitere folgen könnten.
  • Schalten Sie das Fernlicht aus. Wildtiere neigen dazu, gebannt ins Licht zu starren und bewegen sich so in keinem Fall von der Fahrbahn. Dies könnten Sie eher erreichen, indem Sie die Hupe betätigen.
  • Ist der Bremsweg selbst für eine Vollbremsung zu kurz, sollten Sie nicht versuchen, dem Tier auszuweichen. Viele Autofahrer tun dies reflexartig, weil sie das Tier nicht verletzen möchten. Stattdessen mit einem anderen Fahrzeug im Gegenverkehr oder einem Baum zusammenzustoßen, würde jedoch einen weitaus größeren Schaden hinterlassen.
  • Eine Vollbremsung sollten Sie sowieso nur in Betracht ziehen, wenn die Fahrbahn hinter Ihnen frei ist und Sie einen Auffahrunfall ausschließen können.
Missachten Sie ein Verkehrsschild, das einen Wildwechsel ankündigt, und fahren mit einer nicht angepassten Geschwindigkeit weiter, müssen Sie mit schwerwiegenden Folgen rechnen. Bereits 50 km/h führen dazu, dass das 25-fache Gewicht eines Wildtiers bei einem Aufprall auf Ihr Fahrzeug einwirkt. Bei einem Reh wären dies 625 kg, bei einem Wildschwein sogar drei Tonnen. Je höher die gefahrene Geschwindigkeit, desto stärker der Aufprall.

Wildwechsel: Was tun, wenn es gekracht hat?

Unabhängig davon, ob Sie ein Schild, welches einen Wildwechsel ankündigt, übersehen haben oder schlichtweg bei schlechten Sichtverhältnissen von einem Wildtier überrascht wurden – nach einem Zusammenstoß sollten Sie keinesfalls in Panik verfallen und von der Unfallstelle flüchten. Damit begehen Sie zwar keine Fahrerflucht, verstoßen allerdings gegen das Tierschutzgesetz, wenn das Tier noch am Leben sein sollte.

Folgende Punkte sollten Sie nach einem Unfall aufgrund eines Wildwechsels nach der Reihe abarbeiten:

  • Sichern Sie die Unfallstelle ab (Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen).
  • Leisten Sie ggf. Erste Hilfe, falls jemand verletzt wurde.
  • Informieren Sie den Notarzt (bei Personenschaden) und die Polizei. Im Anschluss kontaktiert diese den zuständigen Jagdpächter oder Förster, der sich ebenfalls zur Unfallstelle begeben muss, um das Tier zu versorgen oder abzutransportieren.
  • Ist das verletzte Tier in den Wald geflüchtet, macht sich der Förster bzw. Jagdpächter in der Regel auf die Suche nach ihm, um die Verletzungen zu versorgen.
  • Versuchen Sie nicht, dem Tier selbst zu helfen! Wildtiere sind nicht an Menschen gewöhnt und können auf eine unvorhersehbare Art und Weise reagieren, wenn sie verängstigt und verletzt sind. Im schlimmsten Fall könnten sie versuchen, sich zu verteidigen und greifen an.
  • Sie haben außerdem nicht das Recht dazu, das verletzte Tier nach dem Unfall einfach in Ihren Kofferraum zu laden und mitzunehmen. Dies wird als Wilderei angesehen und entsprechend bestraft. Sobald Polizei und Jagdpächter am Unfallort eingetroffen sind, wird alles weitere in die Wege geleitet.
Passen Sie Ihr Verhalten den jeweiligen Sichtverhältnissen sowie dem vermehrt vorkommenden Wildwechsel an, so senken Sie das Risiko eines Wildunfalls zumindest teilweise. Da Wildtiere nicht in der Lage sind, die Situation vernünftig einzuschätzen, sollten Sie es sich als Kraftfahrer schuldig sein, diese Aufgabe zu übernehmen. Dies dient nicht nur dem Schutz des Tiers, sondern auch dem des Menschen.
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1 Kommentar

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  1. Gudi sagt:

    Januar 2020: Habe gerade meine erste “Wildbegegnung” hinter mir auf einer Wald-/ Bergstrecke im Taunus, die ich schon tausendmal gefahren bin. Mein Auto – ein hochbetagter, aber gelände-erprobter Smart – ist zwar noch “fahrbereit”, aber nicht mehr “verkehrssicher”. Fazit: Totalschaden. – Zwei ausgewachsene Rehe querten von der Talwiese den Hang hinauf im zeitlichen Versatz. Das erste Reh war kein Problem – ich stand ja. Das zweite Reh kam mit Verzögerung, als ich gerade wieder angefahren war. Es rumpelte gegen die Fahrertür, zertrümmerte die bereits angeschlagene Frontschürze (Plastik) und stürmte dann ihrer “Kumpeline” hinterher. Ich habe das Tier nicht mehr gesehen und weiß nicht, ob es den Zusammenprall überlebt hat, hoffe es aber sehr!
    Jedenfalls fühlte ich mich noch nie so mies und hilflos wie in dem Moment: Ich war weder zu schnell, noch ignorant oder unaufmerksam gewesen. Ich hatte aber keine Chance auszuweichen und den Zusammenprall zu vermeiden! – Doch der “Himmel” hatte ein Einsehen mit mir: Er schickte mir den Jagdpächter. Dieser – auf dem Weg zur Arbeit – hatte den letzten Teil der Story mitbekommen, hielt an und half mir den Schock zu überwinden und die richtigen Schritte zu unternehmen: Einmal Schütteln, tief Durchatmen, nächste Polizei-Dienststelle anrufen und Wildunfall melden – der Jagdpächter war ja bereits informiert und konnte so die Suche nach dem vermutlich verletzten Tier zügig in die Wege leiten. An dieser Stelle deshalb noch einmal: Danke für die Hilfestellung und mögen wir uns nie wieder (aus ähnlichem Grund) begegnen. – Mein Auto ist trotzdem kaputt. Schade!

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