Alles zum Fernlicht – So geht Autofahrern ein Licht auf

Was zu beachten ist, wenn Sie am Auto das Fernlicht einschalten

Das Fernlicht am Auto sorgt nachts für Weitsicht.

Das Fernlicht am Auto sorgt nachts für Weitsicht.

Jeder Autofahrer, der schon einmal im Dunkeln mit dem Auto unterwegs war, weiß, wie wichtig die richtige Kfz-Beleuchtung ist. Sie erlaubt es ihm, andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu sehen und selbst von ihnen gesehen zu werden.

Wer ganz allein auf der nächtlichen Landstraße unterwegs ist, lernt vor allem das Fernlicht schätzen. Denn dieses erhellt auf über 100 Meter hinweg nach vorne die Straße, macht jede Kurve und jede Senke sichtbar und bewahrt den Autofahrer vor unliebsamen Überraschungen. Doch kaum kommt ihm ein Fahrzeug entgegen, heißt es Fernlicht ausschalten, denn die Scheinwerfer bieten wahrhaft „blendende Aussichten“.

Alles rund ums Thema Fernlicht – zum Unterschied von Fernlicht und Abblendlicht, zu den verschiedenen Fernlicht-Scheinwerfern, zum Fernlicht im Verkehrsrecht etc. – finden Sie in diesem Ratgeber.

Bußgeldtabelle für Verstöße zum Fernlicht

Der Bußgeldkatalog regelt die Bußgelder, die bei falscher Nutzung des Fernlichts verhängt werden. Ein Fahrverbot oder Punkte in Flensburg drohen bei Verstößen zum Fernlicht nicht.

VerstoßStrafe / Bußgeld
Keine Nutzung des Fernlichts, obwohl es die Sichtverhältnisse erforderten20 Euro
Keine Nutzung des Fernlichts, obwohl es die Sichtverhältnisse erforderten + Gefährdung Anderer25 Euro
Keine Nutzung des Fernlichts, obwohl es die Sichtverhältnisse erforderten + Verursachung eines Unfalls35 Euro
Frontscheinwerfer sind verdeckt oder verschmutzt20 Euro
Frontscheinwerfer sind verdeckt oder verschmutzt + Gefährdung Anderer25 Euro
Frontscheinwerfer sind verdeckt oder verschmutzt + Verursachung eines Unfalls35 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz entgegenkommender Fahrzeuge20 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz entgegenkommender Fahrzeuge + Gefährdung Anderer25 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz entgegenkommender Fahrzeuge + Verursachung eines Unfalls35 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz vorausfahrender Fahrzeuge mit geringem Abstand20 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz vorausfahrender Fahrzeuge mit geringem Abstand + Gefährdung Anderer25 Euro
Fernlicht nicht rechtzeitig abgeblendet, trotz vorausfahrender Fahrzeuge mit geringem Abstand + Verursachung eines Unfalls35 Euro
Fahren mit Fernlicht, obwohl die Straße durchgehend ausgeleuchtet ist10 Euro
Fahren mit Fernlicht, obwohl die Straße durchgehend ausgeleuchtet ist + Gefährdung Anderer15 Euro
Fahren mit Fernlicht, obwohl die Straße durchgehend ausgeleuchtet ist + Verursachung eines Unfalls 35 Euro
Missbräuchlicher Einsatz der Lichthupe10 Euro

Standlicht, Abblendlicht, Fernlicht, Nebelscheinwerfer – Was ist was?

Dass man die Beleuchtung einschaltet, wenn die Sicht auf den Straßen schlecht ist, ist selbstverständlich. Das gilt für Fahrten in der Nacht, in der Dämmerung oder im Tunnel ebenso wie für schlechte Wetterbedingungen wie Nebel, Regen oder Schnee. Doch das ist gar nicht so simpel, wie es sich anhört.

Denn Kraftfahrzeuge verfügen über mehrere Beleuchtungssysteme, die verschiedene Funktionen erfüllen. Darum ist es wichtig zu wissen, wo sich die Relais für Fernlicht, Abblendlicht und Co. befinden und wann sie zum Einsatz kommen.

Das Fernlicht lässt sich nicht mit dem gleichen Schalter bedienen wie die restliche Beleuchtung.

Das Fernlicht lässt sich nicht mit dem gleichen Schalter bedienen wie die restliche Beleuchtung.

Wo werden das Fernlicht und die übrigen Lichter im Auto eingeschaltet?

Die meisten Scheinwerfer der Autobeleuchtung lassen sich über ein gemeinsames Relais bedienen, das sich in der Regel in der Nähe des Lenkrads befindet, sodass es der Autofahrer auch während der Fahrt benutzen kann. Meistens besteht dieses Bedienelement aus einem Drehschalter, der auf verschiedene Symbole eingestellt werden kann: die „Aus“-Position bzw. das Tagfahrlicht, das Standlicht, das Abblendlicht und bei einigen Fahrzeugmodellen auch auf den Nebelscheinwerfer.

Das Fernlicht wiederum wird nicht über diesen Drehschalter bedient, sondern über einen separaten Hebel. Dieser befindet sich häufig am Lenkrad. In vielen Autos wird das Fernlicht auch über den Blinkerhebel eingeschaltet, indem dieser nach vorne gezogen oder nach hinten geschoben wird. Ob das Fernlicht eingeschaltet ist, erkennen Fahrzeugführer an der Kontrollleuchte.

Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ein Schalter nun das Fernlicht, den Nebelscheinwerfer oder ein anderes Beleuchtungssystem einschaltet, können Sie dies leicht überprüfen. Bedienen Sie dazu in Ihrem geparkten Auto immer jeweils einen Hebel bzw. eine Schalterposition für die Beleuchtung. Eine zweite Person kann dann vorne am Auto sehen, welcher Scheinwerfer eingeschaltet wird, und Ihnen dies mitteilen.

Wenn Sie keinen Helfer zur Verfügung haben, parken Sie das Auto so, dass die Scheinwerfer eine Wand anstrahlen. Anhand der Lichtintensität können Sie dann bestimmen, ob Sie das Abblendlicht oder das Fernlicht aktiviert haben.

Wann werden Abblendlicht, Fernlicht und Nebelscheinwerfer eingesetzt?

Abblendlicht: Das Abblendlicht ist die „normale“ Fahrzeugbeleuchtung. Beim Abblendlicht wird das Licht nach vorne und zur Seite ausgestrahlt und gewährleistet die optimale Ausleuchtung der Fahrbahn auf eine Distanz von 50 bis 60 Metern, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Deswegen sollte es auf vielbefahrenen Straßen und im Stadtverkehr eingesetzt werden.

Fernlicht: Das Fernlicht wiederum dient dazu (wie der Name vermuten lässt), die Straße auf eine größere Entfernung auszuleuchten – je nach Art der Fernlicht-Lampe bis zu 200 Meter. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor, dass eine Straße nur so schnell befahren werden darf, dass der Autofahrer innerhalb des sichtbaren Streckenabschnitts gefahrlos stoppen kann. Da das Fernlicht mit größerer Reichweite leuchtet als das Abblendlicht, ermöglicht es somit, dass ein Auto bei Dunkelheit schneller fahren darf.

Der Nachteil dessen ist aber, dass das Fernlicht aufgrund seiner Intensität in der Regel andere Verkehrsteilnehmer blendet und ihre Sicht einschränkt, wodurch wiederum die Sicherheit im Straßenverkehr gefährdet wird. Deswegen darf das Fernlicht nur bei absoluter Dunkelheit eingesetzt werden und auch nur dann, wenn keine anderen Fahrer geblendet werden können. Heißt im Klartext: Sobald ein Autofahrer entgegenkommende oder vorausfahrende Autolichter wahrnimmt, muss er auf das Abblendlicht umschalten.

Das Fernlicht ist als Bestandteil des Frontscheinwerfers gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt auch für das Fernlicht am Motorrad.

Nebelscheinwerfer: Nebelscheinwerfer strahlen kräftiger als das Abblendlicht, aber nicht so weit wie das Fernlicht. Sie dienen dazu, die gesamte Breite der Fahrbahn auszuleuchten, um den Rand der Fahrbahn gut sichtbar zu machen. Anders als der Name vermuten lässt, sollten Nebelscheinwerfer nicht nur bei Nebel, sondern auch bei anderen Sichtbehinderungen wie Regen, Schnee oder Staub benutzt werden. Sowohl beim Auto als auch beim Motorrad darf das Fernlicht nicht gleichzeitig mit dem Nebelscheinwerfer brennen.

Warum kann das Fernlicht nicht die Funktion der Nebelscheinwerfer übernehmen?

Ein Autofahrer ist nachts bei dichtem Nebel auf der Landstraße unterwegs. Weit und breit ist kein anderes Fahrzeug zu sehen. Ist es dann nicht besser, gleich das Fernlicht einzuschalten, damit er auch gut in die Ferne schauen kann?

Nein, ist es nicht. Denn Nebel, Schnee sowie starker Regen reflektieren das Fernlicht und werfen es in Richtung des Fahrers zurück. Er blendet sich damit selbst.

Die StVO zum Fernlicht am Auto

Fernlicht auf der Autobahn ist erlaubt, solange kein Verkehrsteilnehmer geblendet wird.

Fernlicht auf der Autobahn ist erlaubt, solange kein Verkehrsteilnehmer geblendet wird.

Die rechtliche Regelung zum Fernlicht findet sich im § 17 „Beleuchtung“ der StVO. Neben den Vorschriften zum Abblenden des Fernlichts legt sie Folgendes fest:

  • Das Fernlicht darf nicht innerorts eingeschaltet werden bzw. auf Straßen mit durchgehender ausreichender Beleuchtung. Wer sein Fernlicht innerhalb geschlossener Ortschaften mit ausreichender Beleuchtung benutzt, hat mit einem Bußgeld von 10 Euro zu rechnen.
  • Autofahrer dürfen mit Fernlicht auf der Autobahn fahren, sofern die übrigen Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden. Ist der Mittelstreifen zwischen den Fahrtrichtungen nicht ausreichend lichtdicht, sollte jedoch generell darauf verzichtet werden, um die entgegenkommenden Fahrer nicht zu beeinträchtigen.

Sind Zusatzscheinwerfer für Fernlicht am Auto erlaubt?

Wer die Lichtstärke seines Fahrzeugs erhöhen und sein Fernlicht durch Zusatzscheinwerfer verstärken möchte, sollte einen Blick in die sog. ECE-Regelung 48 werfen. Diese ist kein Bestandteil der StVO, sondern ein Übereinkommen der europäischen Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen, dass die technischen Vorschriften für Fahrzeuge und deren Zubehör festlegt.

Die Regelung besagt, dass ein Kraftfahrzeug über maximal 4 Fernlicht-Scheinwerfer, einschließlich Zusatzscheinwerfern, verfügen darf. Ausnahme sind Fahrzeuge der Klasse N3, also Lkws mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 12 Tonnen. An diesen dürfen bis zu 6 Scheinwerfer für Fernlicht montiert sein.

Diese müssen gleichzeitig oder paarweise schaltbar sein und beim Abblenden alle gleichzeitig erlöschen. Bei den N3-Lkws dürfen nicht mehr als 2 Paar Scheinwerfer gleichzeitig eingeschaltet sein. Die gesamte Anlage für Fernlicht darf eine Lichtstärke von 300.000 Candela nicht überschreiten. Des Weiteren ist das Vorhandensein einer Kontrollleuchte für das Fernlicht vorgeschrieben.

Die Lichthupe – Wann darf das Fernlicht als Signal eingesetzt werden?

Es ist möglich, mit dem Fernlicht anderen Verkehrsteilnehmern Zeichen zu geben, indem der Autofahrer das Fernlicht nur kurz aufblitzen lässt. Der kurze und starke Lichtstrahl hat eine starke Signalwirkung und ist im allgemeinen Sprachgebrauch als Lichthupe bekannt.

Der Gebrauch der Lichthupe ist in Deutschland in folgenden Situationen erlaubt:

  • Wenn außerorts ein Autofahrer dem vorausfahrenden Fahrzeug ankündigen möchte, dass er zum Überholen ansetzt.
  • Wenn ein Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam gemacht werden soll, dass er sich oder andere gefährdet, z. B. weil er vergessen hat, sein eigenes Fernlicht auszuschalten.
Dagegen ist es untersagt, mit der Lichthupe entgegenkommende Autofahrer zu grüßen oder vor einer nahenden Geschwindigkeitskontrolle zu warnen – auch wenn beide Fälle in der Praxis häufig vorkommen.

Eine unsachgemäße Nutzung der Lichthupe wird mit 10 Euro Bußgeld belangt.

Halogen, Xenon, LED – Welcher Fernlicht-Scheinwerfer kann was?

Es ist nicht zulässig, gedimmte Fernlicht-Scheinwerfer als Tagfahrlicht zu benutzen.

Es ist nicht zulässig, gedimmte Fernlicht-Scheinwerfer als Tagfahrlicht zu benutzen.

Interessant zu wissen: Fernlicht ist nicht gleich Fernlicht. Die Beleuchtungssysteme für Fahrzeuge werden permanent weiterentwickelt und es finden sich verschiedene Arten von Fernlicht-Scheinwerfern auf den Straßen wieder. Diese unterscheiden sich vor allem in ihrer Lichtfarbe und ihrer Reichweite.

Halogen-Scheinwerfer erzeugen ein gelbes Fernlicht und strahlen bis zu 140 Meter weit. Ein Fernlicht mit LED- oder Xenon-Scheinwerfer wirkt dagegen eher bläulich und erreicht eine Ausleuchtung von etwa 240 Metern. Neben der besseren Lichtleistung zeichnet sie sich außerdem durch einen geringeren Energieverbrauch und eine längere Haltbarkeit gegenüber einer Fernlicht-Halogen-Birne aus.

Der Nachteil eines Fernlicht-Scheinwerfers mit Xenon oder LED besteht im höheren Preis. Außerdem muss er über eine Scheinwerferreinigungsanlage und eine automatische Niveauregulierung verfügen, um eine Zulassung zu erhalten.

Fahren mit Fernlicht-Assistent – Wie funktioniert automatisches Fernlicht?

Neben den Fernlicht-Scheinwerfern werden auch die Fahrerassistenzsysteme stetig weiterentwickelt. Seit 2005 ist der sog. Fernlicht-Assistent auf dem deutschen Markt, durch den das Fernlicht automatisch auf- und abgeblendet wird.

Mit einem an der Vorderseite des Innenspiegels angebrachten Kamerasensor erkennt der Fernlicht-Assistent entgegenkommende und vorausfahrende Autos und schaltet das Fernlicht entsprechend an oder aus. Die Zeiten zwischen Erfassung des Fahrzeugs und dem Abblenden sind so eingestellt, dass der andere Fahrer nicht geblendet wird und gleichzeitig die Lichtverhältnisse optimal ausgenutzt werden.

Das System funktioniert auch bei Umgebungsleuchten und blendet z. B. automatisch innerhalb von Ortschaften ab. Der Fernlicht-Assistent kann im Auto jederzeit deaktiviert werden, sodass das Fernlicht auch manuell bedient werden kann.

Eine Weiterentwicklung dieser Technologie ist der adaptive Fernlicht-Assistent. Adaptives Fernlicht bedeutet, dass es sich seiner Umgebung anpasst. Eine Kamera erkennt ein herannahendes Fahrzeug schon aus 700 bis 800 Metern Entfernung und reguliert entsprechend die Leuchtweite: Das Fernlicht strahlt immer kürzer, sodass der Lichtkegel stets vor der Stoßstange des anderen Autos endet und dessen Fahrer nicht blendet.

Für den Fahrer mit Fernlicht ist diese Technik komfortabel, da seine Augen sich leichter an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen können als beim Abblenden.

Weiterhin gibt es noch blendfreies Fernlicht, die derzeit neueste Lichttechnologie. Bei dieser bleibt das Fernlicht permanent eingeschaltet und die Scheinwerfer werden über Walzen so gesteuert, dass Verkehrsteilnehmer sich immer außerhalb des Lichtkegels befinden und nicht geblendet werden.

Fahrrad-Scheinwerfer mit Fernlicht – Ist das erlaubt?

Aber nicht nur Fahrer von Kraftfahrzeugen sind im Dunkeln unterwegs. Auch Radfahrer finden sich in Situationen wieder, in denen ihre Fahrradbeleuchtungsanlage eine hohe Lichtstärke erfordert. Doch ist Fernlicht am Fahrrad in Deutschland überhaupt erlaubt?

Ja, und zwar seit dem 1. Juni 2017. An diesem Tag trat eine Gesetzes-Novelle in Kraft, die neue Bestimmungen für das Licht an Fahrrädern festlegte. Seitdem ist sowohl Tagfahr- als auch Fernlicht am Fahrrad erlaubt.

Ferner dürfen nun auch abnehmbare Leuchten zum Einsatz kommen. Wer sein Fahrrad also mit Fernlicht ausstatten möchte, braucht kein neues Lichtsystem in sein Rad einbauen, sondern kann auch eine batteriebetriebene Lampe nehmen, deren Halterung einfach am Lenker angeschraubt werden kann.

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