E-Scooter im Straßenverkehr – Mobilität der Zukunft?

Von Nicole, letzte Aktualisierung am: 15. Juli 2019

Seit dem 15. Juni 2019 dürfen Elektro-Tretroller offiziell gefahren werden

Seit Mitte Juni 2019 sind E-Scooter in Deutschland erlaubt.

Seit Mitte Juni 2019 sind E-Scooter in Deutschland erlaubt.

Vielen Bewohnern deutscher Großstädte stinkt es im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig: Da immer mehr Fahrzeuge unterwegs sind, steigt auch die Luftverschmutzung an. Des Weiteren sorgt die große Zahl von Kfz dafür, dass die Straßen immer öfter verstopft sind – gerade zur Rush Hour sind lange Staus keine Seltenheit.

Nicht zuletzt schädigen die Abgase von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Aus diesen und weiteren Gründen soll in Deutschland die sogenannte Verkehrswende vollzogen werden. Ziel derer ist es unter anderem, dass der Verkehr in Zukunft auf nachhaltige Energieträger setzen soll.

Ein neues Gefährt soll in diesem Zusammenhang für einen Wandel des Individualverkehrs sorgen: der E-Scooter. Um was es sich dabei genau handelt, wer ihn fahren darf und was dabei beachtet werden muss, erklärt der folgende Ratgeber.

Wodurch zeichnen sich E-Scooter aus?

E-Scooter benötigen eine Zulassung.

E-Scooter benötigen eine Zulassung.

E-Scooter sind elektrisch angetriebene Tretroller. Offiziell werden sie als Elektrokleinstfahrzeug mit Lenk- oder Haltestange bezeichnet. Ohne Aufwendung von Muskelkraft können sich Fahrer damit bequem von A nach B bewegen.

Besonders im städtischen Bereich bietet sich der Einsatz der Modelle an. Sie sind klein, leicht und wendig. Zusammengeklappt können die Roller einfach in Bussen oder Straßenbahnen mitgenommen werden.

Sie sollen vor allem genutzt werden, um die sogenannte „Letzte Meile“ hinter sich zu bringen. Das wäre beispielsweise der Weg von der Bus- oder Straßenbahnhaltestelle zum eigentlichen Ziel.

Wichtig: E-Scooter benötigen eine Betriebserlaubnis

Seit dem 15. Juni 2019 dürfen E-Scooter laut Gesetz in Deutschland im Straßenverkehr genutzt werden. Dabei sind jedoch einige Regeln zu beachten. Unter anderem müssen die Elektro-Roller über eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) verfügen.

Damit E-Scooter eine Zulassung erhalten, müssen sie unter anderem die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h (E-Scooter, die 25 km/h oder mehr fahren können, dürfen nicht zugelassen werden)
  • ordnungsgemäße Beleuchtung
  • den Vorschriften entsprechende Bremsen
  • Leistung von maximal 500 Watt
  • Vorhandensein einer Glocke/Klingel
Möchten Sie sich selbst einen solchen Roller zulegen, sollten Sie nicht unbedacht zum erstbesten Modell greifen. Achten Sie genau darauf, dass der E-Scooter über eine ABE verfügt. Ansonsten dürfen Sie ihn nicht im öffentlichen Straßenverkehr nutzen. Roller, welche die oben genannten Standards nicht erfüllen, können jedoch nachgerüstet werden. Das ist oft jedoch teuer, außerdem muss danach eine Abnahme durch eine Prüfgesellschaft erfolgen und eine Einzelbetriebserlaubnis ausgestellt werden.

Nicht vergessen: E-Scooter müssen versichert sein

Für einen E-Scooter muss eine Versicherung abgeschlossen werden.

Für einen E-Scooter muss eine Versicherung abgeschlossen werden.

Eine weitere Besonderheit, die Elektro-Roller von einem Fahrrad unterscheidet: Für einen E-Scooter muss eine Versicherung abgeschlossen werden. Ohne entsprechenden Versicherungsschutz darf das Fahrzeug nicht auf öffentlichen Straßen genutzt werden.

Die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung reguliert Schäden, die der Fahrer anderen Verkehrsteilnehmern zufügt. Je nach Alter des Fahrers sowie Anbieter ist mit Kosten ab etwa 30 Euro pro Jahr zu rechnen. Um nachzuweisen, dass Sie für Ihren E-Scooter eine Versicherung abgeschlossen haben, müssen Sie eine Versicherungsplakette an diesen anbringen. Dieser Aufkleber wird Ihnen von der zuständigen Versicherung ausgehändigt.

Möchten Sie auch sich selbst sowie Ihren Roller schützen lassen, müssen Sie zusätzlich eine Unfall- bzw. Kaskoversicherung abschließen.

Benötigen Sie für den E-Scooter eine Fahrerlaubnis?

Wer darf denn nun eigentlich mit einem solchen Roller auf den Straßen unterwegs sein? Sie dürfen einen E-Scooter ohne Führerschein fahren. Es wird auch keine Prüfbescheinigung fürs Mofa benötigt. Eine Voraussetzung müssen Fahrer aber erfüllen: Sie müssen mindestens 14 Jahre alt sein.

Auch wenn Sie keinen Führerschein benötigen oder eine entsprechende Ausbildung absolviert haben müssen: Bevor Sie das erste Mal mit einem E-Scooter auf der Straße fahren, sollten Sie zunächst in einem sicheren Bereich etwas üben. Testen Sie unter anderem, wie Sie richtig abbiegen können, wie das Fahrgefühl ist und wie Sie richtig bremsen. Sind Sie sicher mit dem Roller unterwegs, können Sie sich dann auf die Straße wagen.

E-Scooter fahren: Diese Regeln müssen Sie im Straßenverkehr beachten

Wie für alle anderen Fahrzeuge auch, so gelten für E-Scooter gewisse Regeln, die bei der Teilnahme am Straßenverkehr beachtet werden müssen. Das hier sind die wichtigsten Grundsätze:

  • Es gilt das Rechtsfahrgebot.
  • E-Scooter dürfen nicht auf dem Gehweg fahren. Stattdessen müssen Radwege genutzt werden. Sind diese nicht vorhanden, müssen Fahrer auf die Straße ausweichen. Die Fahrzeuge dürfen außerdem in speziell ausgezeichneten Fahrradstraßen genutzt werden.
  • Sind Fahrradampeln vorhanden, müssen diese beachtet werden. Ansonsten gelten die Regelungen der herkömmlichen Ampeln.
  • Möchten Sie abbiegen, müssen Sie darauf mit einem Handzeichen hinweisen.
  • Mehrere E-Roller müssen hintereinander fahren. Das Nebeneinanderfahren ist nicht erlaubt.

Das folgende Video fasst die wichtigsten Informationen zum E-Scooter kurz und knapp zusammen und erklärt auch, welche Probleme nun auftreten können:

 

Wie auch für das Fahrrad so gilt für E-Scooter keine Helmpflicht. Wie wir bereits erwähnt haben, dürfen E-Scooter in Deutschland laut Zulassung nämlich maximal 20 km/h schnell sein. Die Helmpflicht gilt laut § 21a Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) nämlich erst für Fahrer von Kafträdern bzw. offenen mehrrädrigen Kfz (z. B. Trikes und Quads), die über eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h verfügen. Aus Sicherheitsgründen ist es jedoch empfehlenswert, trotz fehlender Pflicht einen Helm beim Fahren eines Elektro-Scooters zu tragen.

Wie komme ich an einen Elektro-Roller?


E-Scooter, die 45 km/h schnell sind, dürfen in Deutschland nicht genutzt werden.

E-Scooter, die 45 km/h schnell sind, dürfen in Deutschland nicht genutzt werden.

Sie möchten selbst mit einem solchen Gefährt unterwegs sein? Mittlerweile können Sie in vielen Städten einen E-Scooter mieten. Das Prinzip gleicht dem des Carsharings. In der Regel müssen Sie eine vom Anbieter erstellte App herunterladen. Diese zeigt den Kunden an, wo der nächste Elektro-Roller zu finden ist.

Bevor die Person losfahren kann, muss sie einen am Scooter angebrachten QR-Code scannen. Das Ausleihen endet, wenn das Ziel erreicht und der Roller abgestellt sowie über die App abgemeldet wurde. Doch wie teuer ist der Fahrspaß? Zunächst wird eine bestimmte Grundgebühr fällig. Zusätzlich müssen Sie für jede gefahrene Minute zahlen. Informieren Sie sich am besten im Vorhinein über die Kosten, damit Sie später nicht überrascht werden.

Möchten Sie öfter auf einen E-Scooter zurückgreifen, kann sich der Kauf eines solchen Gefährts lohnen. Im Fachhandel finden Sie mittlerweile einige E-Scooter mit nötiger Straßenzulassung. Günstige Modelle sind ab etwa 350 Euro zu haben, teurere schlagen mit bis zu 2.000 Euro zu Buche.

Achten Sie beim Kauf unter anderem auf die Reichweite, die Verarbeitung des Materials, den Bremsweg sowie Gewicht und Maße. Die letzten zwei Punkte sind besonders wichtig, wenn Sie den E-Scooter regelmäßig in Bus oder Bahn mitnehmen möchten.

Verstöße mit dem E-Scooter: Droht eine Strafe?

Auch Fahrer mit einem E-Scooter müssen die StVO und ihre Regelungen beachten. Nur so kann die Sicherheit sämtlicher Teilnehmer am Straßenverkehr gewährleistet werden. Missachtet ein Fahrer mit seinem Roller diese Regeln, muss er, wie ein Auto- oder Radfahrer auch, mit entsprechenden Sanktionen rechnen.

Wer etwa mit dem E-Roller verbotenerweise auf dem Gehweg fährt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 15 Euro rechnen. Kommt es dabei zu einer Sachbeschädigung, steigt der Betrag auf 30 Euro. Ein Verstoß gegen die Vorschriften bezüglich der Beleuchtung schlägt mit 20 Euro zu Buche. Fehlt die vorgeschriebene Klingel, werden 15 Euro fällig.

Beim Fahren ohne Versicherung mit dem E-Scooter droht ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro. Verfügt das Gefährt über keine Allgemeine Betriebserlaubnis, so steigt die Geldbuße auf 70 Euro. Die folgende Tabelle zeigt genau, bei welchen Verstößen mit welchen Sanktionen zu rechnen ist:


VerstoßBußgeld
Die vorgeschriebene Glocke fehlt oder funktioniert nicht15 €
Die vorgeschriebene Beleuchtung fehlt oder funktioniert nicht20 €
Fahren auf dem Gehweg oder an anderen Stellen, wo dies verboten ist15 €
... mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer20 €
... mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer25 €
... mit Sachbeschädigung30 €
Nebeneinanderfahren15 €
... mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer20 €
... mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer25 €
... mit Sachbeschädigung30 €
Fahren ohne Versicherungsschutz40 €
Teilnahme am Straßenverkehr, obwohl der E-Scooter über keine ABE verfügt70 €

Was gilt beim Thema Alkohol?

Wer alkoholisiert mit einem Elektro-Tretroller unterwegs ist, kann seinen Führerschein verlieren.

Wer alkoholisiert mit einem Elektro-Tretroller unterwegs ist, kann seinen Führerschein verlieren.

Alkohol kann schon in geringen Mengen dazu führen, dass sich die Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit einer Person verringern. Des Weiteren nimmt nach dem Konsum von alkoholischen Getränken die Reaktionsschnelligkeit ab, ebenso erhöht sich die Risikobereitschaft.

All dies führt dazu, dass strenge Regeln bezüglich des Konsums von Alkohol in Verbindung mit der Teilnahme am Straßenverkehr bestehen. Auto-, Motorrad- und Lkw-Fahrer müssen in der Regel ab 0,5 Promille mit Sanktionen rechnen, bei Fahrauffälligkeiten oder einem Unfall sogar schon früher. Bei Radfahrern liegt die Promillegrenze bei 1,6 Promille. Doch auch hier kann es schon bei niedrigeren Werten zu Sanktionen kommen, wenn beispielsweise andere Personen gefährdet wurden.

Wie verhält es sich nun mit einem E-Scooter? Ist dieser eine Möglichkeit, nach einem Abend in der Bar bequem nach Hause zu kommen? Nein, auch für die Elektro-Roller gelten in diesem Zusammenhang bestimmte Regeln – welche vielen Fahrern leider noch nicht bewusst sind.

Für Fahrer eines E-Scooters gelten die gleichen Regelungen wie für Autofahrer. Das bedeutet also: Ab 0,5 Promille drohen in jedem Fall Sanktionen. Beim ersten Verstoß dieser Art bedeutet dies ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro, zwei Punkte in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Ab 1,1 Promille sind Personen absolut fahruntüchtig. Bewegen sie trotzdem einen E-Scooter im Straßenverkehr, ist dies eine Straftat. Gleiches gilt bereits ab 0,3 Promille, wenn ein Fahrer Ausfallerscheinungen zeigt.

Die folgende Tabelle listet auf, welche Sanktionen drohen, wenn Sie alkoholisiert einen E-Scooter fahren:

VerstoßBuß­geld PunkteFahr­ver­bot
E-Scooter gefahren ab 0,5 Promille500 €21 Monat
... zum zweiten Mal1.000 €23 Monate
... zum dritten Mal1.500 €23 Monate
Ab 0,3 Promille: andere Verkehrs­teilnehmer gefährdet, eine Unfall verursacht oder durch Ausfall­erscheinungen auffällig geworden3Freiheits- oder Geld­strafe, es kann die Ent­ziehung der Fahr­erlaub­nis drohen
E-Scooter gefahren ab 1,1 Promille3Freiheits- oder Geld­strafe, es kann die Ent­ziehung der Fahr­erlaub­nis drohen

Achtung: Besondere Regelungen für Fahranfänger

Noch härtere Sanktionen müssen Fahranfänger sowie junge Fahrer eines E-Scooters fürchten. Für Personen, die sich in der Probezeit befinden oder jünger als 21 Jahre sind, müssen sich an die 0,0-Promillegrenze halten. Haben sie Alkohol konsumiert, dürfen sie sich also nicht mehr auf den E-Roller schwingen.

Es drohen die gleichen Sanktionen wie für Fahranfänger oder junge Fahrer, die alkoholisiert Auto fahren:

Ver­stoßBuß­geldPunkte Fahr­verbot
In der Probezeit oder mit unter 21 Jahren gegen die 0,0-Promillegrenze auf dem E-Scooter verstoßen250 €1
In der Probezeit oder mit unter 21 Jahren ab 0,5 Promille E-Scooter gefahren500 €21 Monat
... zum zweiten Mal1.000 €23 Monate
... zum dritten Mal1.500 €23 Monate
Ab 0,3 Promille: Mit dem E-Scooter andere Personen gefährdet, durch Unsicherheiten auffällig geworden, einen Unfall verursacht3Freiheits- bzw. Geldstrafe; Entziehung der Fahrerlaubnis kann drohen
E-Scooter ab 1,1 Promille gefahren3Freiheits- bzw. Geldstrafe; Entziehung der Fahrerlaubnis kann drohen

Wer in der Probezeit alkoholisiert E-Scooter fährt, begeht einen A-Verstoß. Der erste Verstoß dieser Art zieht die Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre nach sich. Des Weiteren muss der Fahranfänger an einem Aufbauseminar teilnehmen.
Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (47 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading...

Verfasse einen neuen Kommentar


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2019 vom VFR Verlag zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.