[Kommentar] E-Autos: Die vorschnelle Forderung ist alles andere als nachhaltig

News vom 22.08.2017 um 16:16 Uhr

E-Autos: Das Verkehrsmodell der Zukunft?

E-Autos: Das Verkehrsmodell der Zukunft?


Der VW-Abgas-Skandal war in jüngster Vergangenheit Auslöser dafür, dass die Diskussionen um die Förderung der elektronischen Mobilität neu entbrannten. Die Politik auf der einen Seite, die Automobillobby auf der anderen und die Bürger irgendwo dazwischen: Alle verfolgen innerhalb dieses Diskurses eigene Interessen. Sie fürchten kurzfristige Nachteile insbesondere bezüglich finanzieller Aspekte beziehungsweise in Bezug auf Wählerstimmen. Allerdings ist es sinnvoll, sich realistisch mit den Vor- und Nachteilen der abrupten Kehrtwende auseinanderzusetzen.

Die E-Auto-Quote: Bloße Wahlkampftaktik?

Vor kurzem hat das Bundesumweltministerium bekanntgegeben, es solle sich noch in diesem Jahr auf E-Auto-Quote geeinigt werden. So ist das Thema „Elektroautos“ oder „E-Autos“ kurz vor der Bundestagswahl zu einem der wenigen, strittigen Wahlkampfthemen geworden. Die Kurzfristigkeit, mit der dies geschah, lässt aber eher Wahlkampftaktik und bloße Reaktion auf den Diesel-Skandal vermuten, als ein wirkliches Streben nach langfristigem Umweltschutz seitens der Politik.

Dass nachhaltiges, ökologisches Verhalten aber nicht durch bloße Vorschriften zu erreichen ist, sondern ein gesellschaftliches Umweltbewusstsein voraussetzt, ist bei vielen Befürwortern einer Quote für E-Autos noch nicht angekommen. Die Diskussion beschränkt sich zurzeit fast ausschließlich auf private E-Autos, nicht auf Flottenfahrzeuge. Diese aber sollten in Zukunft einen großen Teil der Gesamtzahl an Kfz ausmachen und einen Vorreiter darstellen.

Die Politik und ihre Vorbildfunktion

Eine unzureichende Ausstattung mit Ladestationen für E-Autos ist nur eins der Probleme.

Eine unzureichende Ausstattung mit Ladestationen für E-Autos ist nur eins der Probleme.

Momentan liegt der Anteil der Elektroautos am Gesamt-PKW-Bestand lediglich bei ca. 0,07 Prozent. Das liegt vor allem an einer mangelnden Informationslage sowie nicht ausreichenden Begleitumständen, um die Abkehr von Benziner und Diesel flächendeckend attraktiver zu gestalten. Die meisten Verbraucher sind verunsichert, welche Kosten langfristig auf sie zukommen. Bleiben Anschaffungskosten für E-Autos so hoch, wie sie sind und wird deren Erwerb nicht mit Vorteilen privilegiert, bleibt es schwer, Autofahrer von einer Umstellung zu überzeugen.

Hinzu kommt, dass es bei weitem nicht genug Ladestationen für die E-Autos gibt und die Hersteller sich bisher nicht gezwungen sehen, die Weiterentwicklung dieser Fahrzeuge, beispielsweise was ihre Ausdauer betrifft, als erste Prämisse zu betrachten.

Des Weiteren sind die Herstellung und Entsorgung der Batterien mit einem enormen Energieaufwand verbunden und das gesamte Stromnetz müsste ausgebaut werden. Beides widerspricht wiederum der Forderung nach umfassenderem Umweltschutz.

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahlen im September wirkt die vorschnelle Forderung nach einer Quote für E-Autos wie eine Scheindebatte. Vor allem, wenn Politiker selbst meist in Dienst- aber auch Privatwagen reisen, die weit entfernt von Elektromobilität sind. Um den Bürgern die Idee schmackhaft zu machen, sollten gerade sie als Vorbilder fungieren und wirklich langfristige Lösungen für wahrgenommene Nachteile entwickeln. Der Fokus sollte, bevor eine gesamtgesellschaftliche Quote eingeführt wird, auf der Ausgestaltung liegen. Warum sollten sich die Bürger E-Autos zulegen, während der Großteil des staatlichen Fuhrparks noch auf Verbrennungsmotoren setzt?

Mehr zum Thema erfahren Sie im folgenden Videobeitrag:

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