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Winterreifenpflicht in Deutschland: Das steckt wirklich dahinter

Fahrzeuge gegen den Schnee rüsten: Eine Pflicht für alle Kfz-Führer?

In Deutschland ist die Winterreifenpflicht situativ, das heißt, die Fahrbahnbeschaffenheit entscheidet.

In Deutschland ist die Winterreifenpflicht situativ, das heißt, die Fahrbahnbeschaffenheit entscheidet.

Der Wintereinbruch ist für viele Menschen in Deutschland ein schönes Ereignis. Zwar werden die Tage immer kürzer und die Temperaturen sinken kontinuierlich, dafür steigt die Chance auf Schnee und damit auf wunderschöne Landschafts- und Stadtbilder. Verkehrsteilnehmer sind darüber aber seltener wirklich erfreut.

So berichtet das Statistik-Portal Statista zwar, dass die Verkehrsunfälle mit Personenschaden durch Schnee und Glatteis von 9537 an der Zahl im Jahr 2013 auf 3499 im Jahr 2014 abgesunken sind – das lag aber vor allem an der milden Witterung in diesem Jahr. Schon im Winter 2015 gab es wieder 4974 solcher Straßenverkehrsunfälle. Kalte Temperaturen sorgen immer für gefährliche Witterungsverhältnisse und folglich für eine hohe Unfallgefahr, weshalb viele Verkehrsteilnehmer rechtzeitig auf Winterreifen umrüsten.

Doch gelten Winterreifen als absolute Pflicht in Deutschland? Ab wann müssen bzw. sollten diese verwendet werden? Welche Winterreifen sind überhaupt akzeptabel und sicher? So stehen aktuell vor allem M+S-Reifen stark in der Kritik. In diesem Ratgeber wird allen wichtigen Fragen zur Winterreifenpflicht auf den Grund gegangen. Hier erfahren Sie nicht nur, wie Winterreifen in Bezug auf die einzelnen Fahrzeugtypen geregelt sind (LKW, Motorräder, Anhänger usw.).

Es wird auch darüber gesprochen, welche Rolle eine mögliche Winterreifenpflicht in Bezug auf die Versicherung und Mithaftung bei Unfällen spielt. Weiterhin wird aufgeführt, ob im nahen Ausland solche Pflichten vorkommen, wann Bußgelder drohen und welchen Einfluss eine Reifenpanne haben kann.

Die Winterreifenpflicht in der StVO (Straßenverkehrsordnung)

Seit 2010 hält die StVO präzisere Informationen zur Winterreifenpflicht in Deutschland bereit. Das Gesetz schreibt vor: Winterreifen, oder auch Reifen die der Richtlinie 92/23/EWG entsprechen, müssen genutzt werden, wenn „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ vorherrscht (§ 2 Absatz 3a StVO). Explizit wird sogar die Bezeichnung M+S-Reifen erwähnt.

Reifen dieser Art besitzen laut oben genannter europäischer Richtlinie sowohl ein besonderes Laufflächenprofil als auch eine charakteristische Struktur. Dadurch sind M+S-Reifen beispielsweise besonders gut für das Fahren auf Matsch und frischem Schnee geeignet. Die Bezeichnung M+S findet sich dabei nicht nur auf Winterreifen wieder; auch Ganzjahresreifen besitzen diese Markierung. Bei letzteren gilt es jedoch zu beachten, dass diese niemals ganz an die Fahreigenschaften der speziell für den Winter konzipierten Reifen herankommen können.

Mit Bezug auf die Winterreifenpflicht gab es zum Thema Mindestprofiltiefe lange Zeit viele Diskussionen. Fordert der Gesetzgeber auch bei Winterreifen eine Reifenprofiltiefe von 1,6 Millimetern, so geben sich Automobilclubs wie der ADAC erst ab einer Tiefe von vier Millimetern zufrieden. Das Hauptargument dabei: Unter dieser Profiltiefe lassen die Wintereigenschaften der Bereifung stark nach. Der Gesetzgeber hat sich aber gegen eine Verschärfung der Gesetze entschieden, auch da die meisten Verkehrsteilnehmer selbst verantwortungsvoll mit abnehmender Profiltiefe umgehen.

Für wen und ab wann sind Winterreifen Pflicht

Die Frage, ab wann die Winterreifenpflicht gilt, wurde mit den oben genannten Fakten im Grunde schon beantwortet. Zwar hält sich im Volksmund die O-bis-O-Regel fest (also von Oktober bis Ostern); es gibt jedoch für die Winterreifenpflicht keinen offiziellen Zeitraum, der vom Gesetzgeber genannt wird. Denn diese ist von den Witterungsbedingungen abhängig, nicht von der Jahreszeit.

Beeinflusst wird die Winterreifenpflicht durch die StVO. Darin sind die genauen Wetterbedingungen gelistet, die Winterreifen erfordern.

Beeinflusst wird die Winterreifenpflicht durch die StVO. Darin sind die genauen Wetterbedingungen gelistet, die Winterreifen erfordern.

Auch sollten zum Thema Winterreifen die folgenden Aspekte jedem Verkehrsteilnehmer bekannt sein:

  • Kommt es zu einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung, weil bei winterlicher Witterung die falsche Bereifung genutzt wird, wird der Fahrer zur Rechenschaft gezogen – nicht der Halter.
  • Es muss zwischen Winterreifen mit der Bezeichnung M+S und diesen mit einem Alpine-Symbol unterschieden werden. Nur im Fall letzterer Markierung haben die jeweiligen Reifen spezielle Wintertests absolviert.
  • Die Lebensdauer dieser speziellen Bereifung ist begrenzt. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen nicht länger als 6 Jahre zu verwenden. Durch die Materialermüdung büßen diese zu viele ihrer Stärken ein.
Tipp: Es kann sich lohnen, schon im Sommer neue Winterreifen zu kaufen. Denn zu dieser Zeit des Jahres sind die Reifen meist etwas günstiger als im Herbst. Doch im Sommer ist bei manch einem Autofahrer, durch den Sommerurlaub, womöglich bereits ein mehr oder weniger großes Loch in der Haushaltskasse – und ein neuer Satz Winterreifen ist in der Regel eine kostspielige Investition. Was nun? Wer trotzdem von den günstigeren Reifenpreisen im Sommer profitieren möchte, kann sich z. B. von Freunden Geld leihen oder einen Privatkredit aufnehmen. Wer diese Verpflichtungen allerdings nicht eingehen möchte, dem bleibt keine andere Wahl als zu warten, bis sich das Loch der Haushaltskasse nach und nach wieder füllt.

Die Reifendebatte: M+S-Kennzeichnung gegen Alpine-Symbol

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es in Bezug auf die Winterreifenpflicht und den Vorgaben in der StVO in naher Zukunft Änderungen geben wird. Denn die gesetzlich vorgeschriebenen M+S-Reifen (M und S steht für Matsch und Schnee) sehen sich starker Kritik ausgesetzt. Das liegt daran, dass diese Art der Bereifung keine anerkannte Qualitätssicherung durchmacht und die Bezeichnung deshalb auch nicht einem entsprechenden Siegel gleichkommt. Auch rechtlich ist die Bezeichnung nicht geschützt.

Ohne Überprüfung könnte das Zeichen so theoretisch auch auf einem Sommerreifen angebracht werden. Anders sieht es beim Alpine-Symbol aus, welches im Aussehen einer Schneeflocke innerhalb einer bergähnlichen Spitze ähnelt. Damit gekennzeichnete Bereifung hat einen ausführlichen Test auf Schnee hinter sich, der in Bezug auf Referenzreifen vollzogen wurde.

Der Bundesrat hatte vor einiger Zeit die Bundesregierung darum gebeten, die Wirksamkeit der aktuellen Gesetzesvorgaben genau zu überprüfen und falls notwendig anzupassen. Hatten die Verantwortlichen bisher versäumt, die Regelungen zu präzisieren, scheint nun eine Lösung in Reichweite: Die Anpassung der Straßenverkehrsordnung und der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Ab 2018 sollen Verkehrsteilnehmer dann nur noch bei Winterwetter unterwegs sein dürfen, wenn ihre Winterreifen das markante Bergpiktogramm aufweisen.

Sollte es zu den geplanten Änderungen kommen, können jedoch auch Fahrer beruhigt sein, die erst kürzlich einen Satz M+S-Reifen erstanden haben. Auch diese werden die Winterreifenpflicht so schnell nicht verletzen. Bis 2024 soll laut dem Auto Club Europa (ACE) eine Übergangsfrist laufen.

Vorschriften für die einzelnen Fahrzeugvarianten

Wie bereits erwähnt, ist die Winterreifenpflicht immer geltendes Gesetz, wenn die Witterungsbedingungen den in der StVO genannten Umständen entsprechen – das gilt so für alle Kraftfahrzeuge, aber auch ähnliche Konstruktionen. Dazu zählen unter anderem:

  • PKW
  • LKW
  • Motorräder
  • Anhänger

Für einige dieser Fahrzeugarten werden im Folgenden die Besonderheiten in Bezug auf die Winterreifenpflicht aufgeführt.

Winterreifen als Pflicht: PKW, LKW und andere Kraftfahrzeugarten sind davon betroffen.

Winterreifen als Pflicht: PKW, LKW und andere Kraftfahrzeugarten sind davon betroffen.

Unter oder über 3,5 Tonnen? Das gilt für LKW

Für alle LKW, die im Gesamtgewicht unter 3,5 Tonnen liegen, gestaltet sich die Winterreifenpflicht identisch zu jener, der auch PKW unterliegen. Alle Achsen müssen in diesem Fall mit für LKW geeigneten Winterreifen ausgestattet werden. Anders sieht es aus, wenn das Schwergewicht von einem Kraftfahrzeug mit seinem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen liegt. Hier gilt die Winterreifenpflicht ausschließlich für die Antriebsachse und muss so auch eingehalten werden.

Was die Profiltiefe betrifft, ähneln die Lastkraftwagen wieder sehr den Personenkraftwagen. Der Gesetzgeber gibt sich auch hier mit 1,6 Millimetern zufrieden. Automobilexperten empfehlen jedoch durchaus eine Tiefe von sechs bis acht Millimetern. Ein tieferes Profil sorgt auch hier für mehr Haftung und bessere Fahreigenschaften auf winterlichen Straßen.

In Bezug auf die Winterreifenpflicht sollten LKW-Fahrer auch beim Thema Reifendruck etwas genauer hinsehen. Winterbereifung benötigt in der Regel einen höheren Luftdruck. Auch sollten diese nicht zu stark abgenutzt sein oder ungleichmäßigen Verschleiß aufweisen. Nicht zuletzt muss darauf geachtet werden, dass montierte Reifen gleichartig sind (gleiche Größe, Bauweise usw.).

Regelungen für Motorräder

Das Gesetz der Winterreifenpflicht macht auch vor Motorrädern nicht halt. Zeigt sich der Winter von seiner kalten und auch nassen Seite, dürfen Motorradfahrer prinzipiell nicht mehr mit Sommerreifen durch die Gegend düsen. Etwas komplizierter gestaltet es sich bei dieser Fahrzeugart doch, unter anderem aus den folgenden Gründen:

  • Für motorisierte Zweiräder werden vergleichsweise wenig Winterräder (aktuell vor allem noch mit der M+S-Kennzeichnung) angeboten, nicht zuletzt wegen geringer Nachfrage.
  • Eine Matsch-und-Schnee-Kennzeichnung ist in der Theorie nicht notwendig, solange eine Bereifung die geforderten Eigenschaften mitbringt. So kann ein Reifensatz mit grobstolligem Profil schon als Winterreifen angesehen werden.
  • Nahezu jedes Enduro-Rad dürfte diesen Ansprüchen genügen und sollte auch bei winterlichen Fahrbahnbedingungen keine verkehrsrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen – so die Aussage des ADAC.

Motorradfahrer müssen sich in jedem Fall des deutlich erhöhten Risikos bewusst sein, dem sie mit einem Zweirad entgegensehen. Solche sogenannten Einspurfahrzeuge sind auf einen bestimmten Reibungswert angewiesen, schon aus fahrdynamischen Gründen. Herrschen winterliche Witterungsverhältnisse wird die notwendige Mindestreibung schnell unterschritten und die Unfallgefahr steigt drastisch – vor allem bei schweren Maschinen mit Sommerreifen.

Winterreifen als Pflicht nach StVO – Auch für Anhänger?

Die Winterreifenpflicht gilt so nicht für Anhänger – so lautete auch die Mitteilung im offiziellen Schreiben der DEKRA (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein) vom 29. November 2010. Auch anhand der Straßenverkehrsordnung lässt sich diese Schlussfolgerung ziehen.

Dort ist bezüglich der Winterreifenpflicht von Kraftfahrzeugen die Rede – Anhänger fallen nicht in diese Kategorie und bilden eine eigene Fahrzeugklasse. Je nach Art des Anhängers können Verkehrsteilnehmer also selbst entscheiden, welche Reifenart sie für richtig halten.

Ein ungebremster, einachsiger Hänger läuft sehr wahrscheinlich auch mit Sommerreifen auf Schnee wie erwünscht hinterher, wenn eine umsichtige Fahrweise an den Tag gelegt wird. Anders sieht es bei gebremsten Anhängern aus. Diese sind nicht nur den Seitenführungskräften (die in Kurven entstehen) ausgesetzt, sie müssen auch in der Lage sein, zu bremsen ohne zu blockieren. Bei dieser Anhängervariante und vor allem auch bei schweren Hängern, die viel im Winter bewegt werden sollen (beispielsweise Pferdeanhänger), können Winterreifen durchaus Sinn machen, auch wenn keine Winterreifenpflicht besteht.

Der Sonderfall Mietwagen

Auch im europäischen Ausland herrscht oft eine situative Winterreifenpflicht (mehr dazu im entsprechenden Abschnitt weiter unten im Ratgeber). Gerade für Winterurlauber, die sich einen Mietwagen leisten, ist das ein wichtiges Thema. Und es stellt sich die Frage: Werden Winterreifen von den Leihfirmen immer gestellt oder ist das unterschiedlich geregelt?

Viele Autovermieter in Deutschland und Europa statten ihre Fahrzeuge tatsächlich mit der nötigen Bereifung aus. Gesetzlich sind diese aber häufig nicht dazu verpflichtet – hier unterliegt der Fahrer der Winterreifenpflicht, welcher er nachkommen muss. Sollten Sie also ohne Winterreifen im Mietwagen erwischt werden, wird Ihnen auch die Verantwortung für das Bußgeld auferlegt. Es folgen einige wertvolle Tipps:

Das Gesetz schreibt Winterreifen vor, wenn Glatteis oder Schnee die Fahrbahn unsicher macht.

Das Gesetz schreibt Winterreifen vor, wenn Glatteis oder Schnee die Fahrbahn unsicher macht.

  • Um später nicht einen unnötigen Rechtsstreit ausfechten oder hohe Geldbußgen bezahlen zu müssen, sollten Sie schon früh den Kontakt zum Vermieter suchen und klären, ob er Winterreifen bereitstellt.
  • Rechnen Sie mit einem eventuellen, zusätzlichen Entgelt. Dieses wird in Bezug auf Mietwagen und Winterreifen oft berechnet (auf eine kostenfreie Bereitstellung kann durch die Vertragsfreiheit nicht bestanden werden)
  • Erhalten Sie von vornerein, ohne vorherige Bestellung bzw. Absprache darüber, einen Mietwagen, der komplett mit Winterreifen ausgestattet ist, dürfen keine zusätzlichen Kosten berechnet werden.
  • Grundsätzlich sollten Sie die Mietverträge immer genau lesen, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.
  • Gibt es einen Aufpreis zur Winterbereifung, wird dieser oft an der Dauer des Mietverhältnisses festgemacht.

Auch ohne Motor: Fahrrad fahren im Winter

Da es sich beim Fahrrad auch nicht um ein Kraftfahrzeug handelt, besteht auch hier keine Winterreifenpflicht. Fahrradliebhaber, die auch im Winter nicht auf den Drahtesel verzichten sowie schnell und sicher unterwegs sein wollen, können ihr Bike jedoch aufwerten. Dafür haben sie unterschiedliche Möglichkeiten. So empfiehlt der pressedienst-fahrrad beispielsweise gut profilierte Touren- oder auch Trekkingreifen. Diese würden für Gelegenheitsradfahrer schon ausreichen, um damit gut durch den Winter zu kommen.

Die Betonung liegt dabei grundsätzlich auf der Breite der Reifen, denn diese bietet auch im Winter eine bessere Bodenhaftung, wenn sie größer ausfällt. Für Vielfahrer können sich hier auch schon teurere Spezialreifen aus dem Fachhandel lohnen. Einige davon verfügen über Spikes aus Hartmetall (kleine Spitzen bzw. Stifte, die ins Gummi eingearbeitet wurden) und eine spezielle Gummimischung. Die Metallteilchen bohren sich sozusagen in den eisüberzogenen Untergrund und gewährleisten so eine sichere Haftung sowie eine effektive Übertragung des Antriebs.

Auch ein guter Tipp für Fahrradfahrer im Winter: Es lohnt sich, etwas Luft aus den Schläuchen zu lassen. Dadurch wird die Auflagefläche vergrößert und auch Antrieb sowie Haftung verbessert. Der Minimaldruck, welcher in der Regel auf der Reifenflanke angebracht ist, dient hier als Orientierungswert. Nicht zuletzt lohnt sich beim Thema Fahrradbereifung im Winter immer ein Gespräch mit einem Fachmann aus dem Geschäft. Es gibt grundsätzlich viele Möglichkeiten.

Weitere Ausnahmen

Sind LKW und Busse nur insofern von der Winterreifenpflicht betroffen, dass eine entsprechende Bereifung nur an den Antriebsachsen vorgeschrieben ist, so sind Nutzfahrzeuge aus dem Bereich der Landwirtschaft völlig von der Vorschrift ausgeschlossen. Der Gesetzgeber bedenkt dabei Folgendes:

Ab wann ist die Winterreifenpflicht in Deutschland gültig? Einen Zeitraum gibt es offiziell nicht, das Wetter entscheidet.

Ab wann ist die Winterreifenpflicht in Deutschland gültig? Einen Zeitraum gibt es offiziell nicht, das Wetter entscheidet.

Fahrzeuge dieser Art weisen zwar für gewöhnlich keine Winterbereifung auf, die vorhandenen Reifen besitzen jedoch einen so grobstolligen Reifenaufbau (auch im Hinblick auf das Profil), dass sie als geeignet für winterlichen Betrieb angesehen werden. Jedoch muss hier unterschieden werden: Dieses besondere Privileg wird nicht auf Geländewagen oder Quads mit grobstolligen Sommerreifen übertragen. Wollen Sie also beispielsweise im Winterurlaub ein Quad mieten, achten Sie auf die Wetterlage und besprechen Sie rechtzeitig das Thema Winterbereifung mit dem Vermieter.

Probleme mit der Versicherung und der Winterreifenpflicht

Generell sollten Verkehrsteilnehmer im Winter immer auf dem Laufenden bleiben, was die aktuelle Wetterlage betrifft. Denn diese bestimmt alleinig darüber, ob die Winterreifenpflicht gilt oder nicht. Und die Einhaltung dieser Pflicht beeinflusst auch direkt, ob die Kfz-Versicherung die vollen Leistungen bereitstellt.

Kommt es bei winterlicher Witterung zu einem Unfall mit Sommerreifen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Versicherung den Fall mit Verdacht auf grobe Fahrlässigkeit untersucht. Kann die Verdächtigung nicht abgewendet werden, stehen dem Betroffenen Kürzungen oder ein kompletter Wegfall der Versicherungsleistungen bevor. Das gilt auch für Teil- und Vollkaskoversicherungen mit Bezug auf Schäden am eigenen Fahrzeug. Der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt aus diesem Grund:

  • Im Fall von Kaskoversicherungen sollten nur Tarife abgeschlossen werden, die Kürzungen in Bezug auf grobe Fahrlässigkeit ausschließen.
  • Bei Schäden an einem anderen Fahrzeug können auf diese Weise Versicherungsprämien gespart und sogar bereits gezahlte Leistungen zurückgefordert werden.
  • Im Zweifelsfall kann sich auch ein Wechsel der Versicherung lohnen. Gut zu wissen: Eine Autoversicherung kann in der Regel bis zum 30. November des jeweiligen Jahres fristgerecht gekündigt werden.

Auch auf die Haftpflichtversicherung kann die Winterreifenpflicht große Auswirkung haben. Kommt es bei Winterwetter zu einem Unfall mit Sommerreifen, kann auch derjenige zur Mithaftung verpflichtet werden, der den Unfall nicht primär zu verschulden hat. Durch Fahrlässigkeit wird hierbei nämlich auch die Betriebsgefahr beim Führen eines Kraftfahrzeugs erhöht.

So kommt es in solchen Fällen nach einer Entscheidung des Amtsgerichts (AG) Trier durchaus zu einer Mithaftung von 20 Prozent. Schon der klare Verstoß gegen § 2 Absatz 3a StVO führt zu einer Verschuldensvermutung seitens der Rechtsprechung.

Solch ein Fall ist jedoch besonders komplex: Selbst ein Fahrer, der wie oben beschrieben gegen die Winterreifenpflicht der Straßenverkehrsordnung verstößt und in einen Unfall verwickelt wird, muss nicht in jedem Fall zur Mithaftung verurteilt werden. Denn es gilt auch festzustellen, ob die Gefahrensituation (in diesem Fall vor allem auf die winterliche Witterung bezogen) für den Fahrer erkennbar war. War die Situation nicht abzusehen oder hätte der Unfall auch ohne Sommerreifen nicht vermieden werden können, kommt es für gewöhnlich nicht zur Mithaftung nach geltender Rechtsprechung.
Die Winterreifenpflicht ist nicht Deutschland allein vorbehalten: Auch andere Länder besitzen solche Vorgaben. Die Schweiz gehört jedoch nicht dazu.

Die Winterreifenpflicht ist nicht Deutschland allein vorbehalten: Auch andere Länder besitzen solche Vorgaben. Die Schweiz gehört jedoch nicht dazu.

Sanktionen nach dem aktuellen Bußgeldkatalog

Als Fahrer eines Kraftfahrzeugs sollten Sie die Wetterlage mit Blick auf die Winterreifenpflicht auch dann im Blick haben, wenn Sie beispielsweise mit dem Auto eines Freundes unterwegs sind. Denn wie bereits erwähnt, wird bei einem Verstoß gegen die Reifenregelung nicht der Halter des Fahrzeugs belangt, sondern stets der aktuelle Fahrzeugführer. Werden Sie bei Schnee oder Glatteis ohne vorgeschriebene Gummimischung erwischt, kommt es in jedem Fall zu einem Bußgeld von 60 Euro. Auch geht ein Punkt auf das Punktekonto in Flensburg ein.

Kommt es bei diesem Verstoß gegen die StVO zu einer Behinderung, erhöht sich die Geldbuße auf 80 Euro. Im Falle einer Gefährdung sind es sogar 100 Euro. Das höchste Bußgeld folgt auf einen Unfall. Ganze 120 Euro beträgt in diesem Fall die Sanktion. Nur die Punkte verändern sich nicht. In jedem Fall erhält der Täter einen Flensburger Punkt.

Die Verantwortlichen müssen nicht nur darauf achten, der Winterreifenpflicht mit entsprechender Bereifung nachzukommen. Die genutzten Winterreifen dürfen auch nicht zu alt oder zu abgefahren sein. Da die Wintereigenschaften dann stark abnehmen, sieht der aktuelle Bußgeldkatalog auch dafür Bußgelder und Punkte vor. Die Besonderheit bei abgefahrenen Reifen: Sowohl Halter als auch Fahrer erhalten Sanktionen.

Die Pflicht im europäischen Ausland

Nicht nur Deutschland besitzt eine gesetzlich geregelte, situative Winterreifenpflicht. Auch Österreich verpflichtet seine Verkehrsteilnehmer dazu, bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen zumindest M+S-Reifen durchgängig am Fahrzeug anzubringen. Hier gilt sogar offiziell ein Zeitraum: Vom 1. November bis zum 15. April müssen Fahrer die Wetterlage genau verfolgen und falls nötig, entsprechend umrüsten.

Anders sieht es unter anderem in der Schweiz aus. Auch situativ unterliegen Verkehrsteilnehmer hier nicht einer Winterreifenpflicht. Es wird ausschließlich eine generelle Empfehlung für winterliche Bereifung ausgesprochen. Fehlt diese Ausstattung und es kommt währenddessen zu einem Unfall oder einer anderen Form der Verkehrsbehinderung, können Geldbußen erteilt und auch Betroffene zur Mithaftung verpflichtet werden. Entsprechend müssen alle Teilnehmer des öffentlichen Verkehrs eigenverantwortlich handeln.

In Deutschland eher unüblich, in angrenzenden Ländern oft als Erweiterung vorgegeben: Schneeketten. Diese werden häufig in der Nähe von Bergen und Abhängen vorgeschrieben, bei denen sich Schnee sehr hoch stapeln kann. Hier stoßen selbst Reifen mit Alpine-Symbol an ihre Grenzen. Mit Schneeketten ist das Risiko, dass ein Wagen in einer geschlossenen Schneedecke hängen bleibt, sehr viel niedriger. Sobald ein entsprechendes Schild auftaucht, müssen solche Ketten in jedem Fall angelegt werden – sonst droht eine Geldbuße.

Es zeigt sich: Die Winterreifenpflicht ist nicht nur für Deutschland gültig. Das Gesetz existiert so oder in abgewandelter Form auch in anderen Ländern. Damit Sie eine noch bessere Übersicht erhalten, folgt eine Tabelle, die kompakt die Regelungen einiger Nachbarländer aufzeigt.

NationWinterreifenpflichtSchneeketten als Ergänzung
BelgienGesetzlich nicht vorgeschriebenErlaubt, wenn die Fahrbahn mit Schnee oder Eis bedeckt ist
DänemarkGesetzlich nicht vorgeschriebenErlaubt
FrankreichGesetzlich nicht vorgeschrieben, Verkehrsschilder können die Verwendung von M+S-Autoreifen jedoch vorschreibenErlaubt, wird teilweise auch durch Verkehrsschilder verordnet, Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h
GroßbritannienGesetzlich nicht vorgeschriebenErlaubt, wenn der Fahrbahnbelag nicht zu Schaden kommt
ItalienAuf bestimmten Abschnitten kann eine Winterbereifung vom 15. November bis 31. März situative Pflicht sein (durch Verkehrsschilder angezeigt) - einige Abschnitte verpflichten vom 15. Oktober bis 15. April auch wetterunabhängig dazu Erlaubt, teilweise auch durch Verkehrsschilder angeordnet, Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h
NorwegenGesetzlich nicht vorgeschrieben, Winterbereifung wird bei Schnee und Eis jedoch empfohlen, so auch Schneeketten an den AntriebsrädernErlaubt, für Fahrzeuge über 3,5 t Gesamtgewicht ist der Besitz sogar vorgeschrieben (die Einreise kann ohne unterbunden werden)
PolenGesetzlich nicht vorgeschriebenErlaubt, wenn die Fahrbahn mit Schnee oder Eis bedeckt ist
TschechienGesetzlich wie in Deutschland vorgeschrieben, kann auch durch Verkehrsschilder vorgeschrieben seinErlaubt, wenn die Fahrbahn mit Schnee oder Eis bedeckt ist
Die Winterreifenpflicht in Deutschland schließt Schneeketten nicht mit ein. Diese kommen vor allem nahe Bergen und Abhängen zum Einsatz.

Die Winterreifenpflicht in Deutschland schließt Schneeketten nicht mit ein. Diese kommen vor allem nahe Bergen und Abhängen zum Einsatz.

Die besondere Situation der Reifenpanne

Winterreifen in Deutschland: Ab wann diese zur Pflicht werden, wissen Sie jetzt. Doch wie sieht es aus, wenn es unterwegs zu einer Reifenpanne kommt? Muss der Ersatzreifen auch winterfit sein? In diesem Fall zeigt sich der Gesetzgeber tolerant. Beim Reifenwechsel nach einer Panne dürfen durchaus auch Sommerreifen als Ersatzreifen herhalten.

Wer nach dem Wechsel mit dem Auto oder ähnlichem fährt, muss daher auch keine Sanktionen befürchten. Jedoch wird die Verwendung eines solchen Ersatzreifens als reine Notlösung angesehen.

Nicht nur gilt die Vorgabe, damit nur vorsichtig die Fahrt fortzusetzen; sobald die Gelegenheit sich eröffnet, ist der Fahrzeugführer dazu verpflichtet, einen weiteren Winterreifen als Ersatz zu montieren.

Schon gewusst? In einigen Ländern werden vor allem in den Wintermonaten auch alternativ sogenannte Spikes verwendet (beispielsweise in Dänemark vom 1. November bis 15. April). Wie bei äquivalenten Fahrradreifen handelt es sich dabei um Autoreifen, in denen Metallstifte eingearbeitet worden sind. In Deutschland sind diese Spezialreifen jedoch weitestgehend verboten, mit Ausnahme einer begrenzen Zone nahe der Grenze zu Österreich.

Sind Sommerreifen grundsätzlich verboten?

Schnell entsteht der Eindruck, dass Sommerreifen im Winter grundsätzlich unter Strafe stehen. Hierbei muss jedoch genau differenziert werden. Jeder, der es vermeidet, bei winterlicher Witterung zu fahren, kann auch im tiefen Winter mit Sommerreifen unterwegs sein, ohne Bußgelder und Punkte befürchten zu müssen.

Gerade in Regionen, in denen das Winterwetter oft lau ausfällt, profitieren Autofahrer von dieser Regelung. Lassen Sie Ihr Auto im Winter dauerhaft stehen, oder besitzen beispielsweise einen Oldtimer, können Sie unter Umständen komplett auf Winterbereifung verzichten. Kommt es in einem lauen Winter dann doch zum plötzlichen Schneesturm, kann notfalls auch immer auch temporär auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen werden.

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3 Kommentare

  1. Norbert f. sagt:

    Sehr informationsreich und klärend.

  2. Reinhold S. sagt:

    Es ist auch in punto Winterreifen ein Wirrwarr der besonderen Sorte.Es ist wie eine Religion,man muß dran glauben!!
    In meinen Augen wieder mal ein für die Reifenindustrie sorgendes Verkaufsargument.
    Seit 1957 fahre ich durchgehend bis heute.Davon bis 1995 in Wuppertal,im Beruf(Hausgerätetechniker-mehrere Jahre auch Taxe)was in seiner bergischen Struktur schon alpinen Straßen (bis 23% Steigung)charakter aufweist.
    Winterreifen?Für was?Es liegt in der Regel an der Fahrweise der Fahrer!!Auch Winterreifen,wie heute empfohlen,schicken dich bei Eis/Eisregen auch in der Fläche bei schlechter Fahrweise in den Graben hier in Ostfriesland oder in den Vorgarten z.B.in Wuppertal und anderswo.Da gab es mal Anfang 1973-75 Winterreifen mit Speiks,mit denen man bei trockenem Winterwetter bei einer „Vollbremsung“wie auf Nagelschuhen in sein Verderben fuhr.Ist mir mit meiner Taxe wirklich passiert.
    Auch da waren 1000 Meinungen unterwegs.Ohne Erfolg!
    Damals war ein Reifen mit gutem und tiefem Profil nicht nur ausreichend,die Fahrweise und Routine täglicher Fahrerrei ist da die Sicherheit an sich.Selbst in Ländern mit wirklichen Winterverhältnissen gibt es keine Pflicht.In den alpinen Ländern sind Schneeketten in gewissen Regionen Pflicht und das ist optional.

  3. Manni W. F. sagt:

    Klasse.
    Wer nach diesen Ausführungen noch Fragen hat, sollte auch im Sommer kein Auto fahren…*lächel*
    Es bleiben keine Fragen offen.

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