Unfallzeuge im Straßenverkehr - Unfall & Verkehrsrecht 2017

Unfallzeuge im Straßenverkehr – Das richtige Verhalten

Was tun, wenn’s kracht?

Nach einem Unfall ist eine Zeugenaussage vor Gericht ein wichtiges Beweismittel.

Nach einem Unfall ist eine Zeugenaussage vor Gericht ein wichtiges Beweismittel.

Ein Unfall im Straßenverkehr ist immer eine ärgerliche Angelegenheit. Ist der erste Schock überwunden, geht es zumeist erst richtig los: Was ist mit den Schäden am Auto? Wer bekommt Geld von wem? In welcher Höhe? Und wie lässt sich das Ganze im Zweifel vor Gericht beweisen? Nicht selten landen Rechtsstreitigkeiten nach Unfällen vor dem Richter. Ein Unfallzeuge kann in einer derartigen Situation einen wesentlichen Beitrag zum Ausgang des Verfahrens im Zivilprozess leisten.

In diesem Ratgeber widmen wir uns sämtlichen Fragen zum Thema „Unfallzeuge“. Was genau ist ein Unfallzeuge? Welche Rechte und Pflichten hat er? Wie verhalte ich mich korrekt, wenn ich einen Unfall beobachtet habe? Was tun, wenn es vor mir kracht? Ist es strafbar, als Unfallzeuge einen Unfallort zu verlassen, ohne Angaben zur eigenen Person gemacht zu haben? Muss ich zwingend warten, wenn ich Zeuge eines Verkehrsunfall wurde? Im Folgenden finden Sie die Antworten zu diesen Problemstellungen.

Was ist ein Unfallzeuge?

Ein Zeuge im Allgemeinen ist eine natürliche Person, die einen Sachverhalt wahrgenommen hat und entsprechend bekunden kann. Ein Unfallzeuge ist jemand, der ein Unfallgeschehen bemerkt hat und wichtige Angaben zum Ablauf machen kann.

Vor Gericht schildert ein Zeuge bzw. Unfallzeuge stets nur seine sinnlichen Wahrnehmungen. Keineswegs wird ein Zeuge in puncto Rechtsansichten, Schlussfolgerungen oder Erfahrungswissen zurate gezogen.

Auch ein Minderjähriger kann als Zeuge vor Gericht fungieren. Entscheidend ist dabei, ob er die dafür notwendige Verstandesreife besitzt.

Unfallzeuge: Rechte und Pflichten

Wer im Rahmen einer Beweisaufnahme eine gerichtliche Vorladung als Zeuge bekommt, ist dazu verpflichtet, zu erscheinen und wahrheitsgemäß sowie umfassend auszusagen. Gleiches gilt für eine Zeugenladung durch die Staatsanwaltschaft.

Wird von Ihnen also eine Zeugenaussage nach einem Verkehrsunfall verlangt, sind Sie dazu verpflichtet, dem Gericht entsprechende Schilderungen zu Ihrer persönlichen Wahrnehmung vom Unfallgeschehen zu machen.

In bestimmten Situationen besteht für Sie als Unfallzeuge aber auch die Möglichkeit, eine Zeugenaussage zum Unfall zu verweigern. Sollten Sie beispielsweise mit einer Partei im Zivilprozess verlobt, verheiratet, in gerader Linie verwandt oder verschwägert sein, müssen Sie nicht als Unfallzeuge aussagen. In einem derartigen Fall dürfen Sie trotz Beobachtung eines Unfalles die Aussage verweigern.

Muss ich als Unfallzeuge zwingend warten?

Wer als Unfallzeuge vor Gericht falsch aussagt, macht sich strafbar.

Wer als Unfallzeuge vor Gericht falsch aussagt, macht sich strafbar.

Viele Unfallbeobachter fragen sich, wie sie sich korrekt verhalten, wenn sie eine Kollision im Straßenverkehr bemerkt haben. Dabei keimt nicht selten die Frage nach einer etwaigen Strafbarkeit auf. „Mache ich mich strafbar, wenn ich einen Unfall bezeugen könnte, aber den Unfallort unverrichteter Dinge verlasse?“

Diesbezüglich gilt Folgendes: Ein Unfallzeuge ist keineswegs als „Unfallbeteiligter“ im Sinne des § 142 des Strafgesetzbuches (kurz: StGB) zu qualifizieren.

Die Vorschrift regelt den Straftatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Umgangssprachlich ist oftmals auch von Fahrerflucht oder Unfallflucht die Rede. Täter dieser Vorschrift kann indes nur sein, wer am Unfallgeschehen beteiligt war. Auf Sie als Unfallzeuge trifft dies nicht zu.

Strafbar kann sich ein Unfallzeuge jedoch vor Gericht machen, wenn er bewusst falsche Angaben zum Unfallhergang macht. In dem Fall kommt der Tatbestand der falschen uneidlichen Aussage gemäß § 153 StGB zum Tragen, der eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorsieht.

Wurde ein Unfallzeuge bei wahrheitswidriger Aussage vereidigt, ist vom sogenannten Meineid im Sinne des § 154 Absatz 1 StGB die Rede. Der Strafrahmen sieht hierbei eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor.

Das Delikt des Meineides ist somit als Verbrechen ausgestaltet.Um ein Verbrechen handelt es sich, wenn der Mindeststrafrahmen eines Tatbestandes eine Freiheitsstrafe von einem Jahr vorsieht. Liegt der Strafrahmen unterhalb dessen, ist von einem Vergehen die Rede.

Wer als Unfallzeuge ein Unfallgeschehen beobachtet hat, der muss nicht zwingend auf die Polizei warten, um sich sozusagen als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Macht er dies jedoch und wird er daraufhin gerichtlich geladen, so muss er vor dem Richter die Wahrheit sagen.

In Betracht kommt allerdings je nach den Umständen des Einzelfalles eine Strafbarkeit des Zeugen wegen unterlassener Hilfeleistung im Sinne des § 323c StGB. Danach macht sich derjenige strafbar, der in einem Notfall nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und für ihn auch zumutbar gewesen wäre.

Hier droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Bei einem bloßen Auffahrunfall ohne Personenschaden ist dies jedoch nicht einschlägig.

Das richtige Verhalten als Unfallzeuge

Ein Unfallzeuge sollte bei Personenschäden Erste Hilfe leisten.

Ein Unfallzeuge sollte bei Personenschäden Erste Hilfe leisten.

Sollten Sie Zeuge eines Verkehrsunfalles sein, empfiehlt es sich dennoch, sich als solcher auch zur Verfügung zu stellen. Für die Beteiligten ist der Unfallzeuge oftmals ein wichtiges Beweismittel im Gerichtsprozess. Seine Aussage kann im Zweifel darüber entscheiden, wer von wem Schadensersatz einfordern kann und in welcher Höhe.

Da die Angaben eines Zeugen vor Gericht nicht selten schwammig sind und die Geschehnisse oft einige Monate zurückliegen, kann es von Vorteil sein, sich als Unfallzeuge Notizen zum Geschehen zu machen. So laufen Sie nicht Gefahr, Dinge zu verwechseln oder durcheinander zu bringen.

Sofern bei dem Unfall Personen verletzt wurden, sollten zudem auch Unfallzeugen Erste Hilfe leisten. So können im Zweifel wichtige lebensrettende Maßnahmen getroffen werden.

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