Was ist ein Knallzeuge und welche Gefahren birgt er?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 20. September 2019

Wann kann die Aussage eines Knallzeugen gefährlich werden?

Was ist bei einem Autounfall ein Knallzeuge?
Was ist bei einem Autounfall ein Knallzeuge?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge kamen im Februar 2018 179 Menschen bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen ums Leben.

Im Vergleich zum Vorjahresmonats ist die Zahl der Verkehrstoten gleichgeblieben, die Zahl der Verletzten stieg dagegen um 36 auf 22.568.

Hat sich ein Unfall ereignet, ist manchmal nicht ersichtlich, wer diesen verursacht hat.

Neben den Augenzeugen gibt es noch die sogenannten Knallzeugen, die ihre Aussagen zum Unfallhergang abgeben wollen.

Was ist ein Knallzeuge? Was ist der sogenannte Knallzeugen-Effekt?

FAQ: Knallzeuge

Was ist ein Knallzeuge?

Als Knallzeuge wird eine Person bezeichnet, die nur den Knall des Unfalls gehört hat und daraus subjektive Rückschlüsse auf den Unfallhergang zieht, ohne diesen tatsächlich beobachtet zu haben.

Warum sind Knallzeugen ein Problem?

Weil Knallzeugen den Unfallhergang, so wie er sich ihrer Meinung nach zugetragen hat, oft als Tatsache wiedergeben. In vielen Fällen sind sie sich dessen nicht einmal bewusst, sondern sind fest überzeugt, den Unfall tatsächlich so beobachtet zu haben.

Wie erkennt die Polizei einen Knallzeugen?

Meistens werden Knallzeugen bei einer eingehenden Vernehmung entlarvt, indem die Polizeibeamten absichtlich falsche Informationen zum Unfallhergang einstreuen, die der Knallzeuge dann in seine Aussage mit aufnimmt.

Was sind Knallzeugen?

Im juristischen Sinne ist ein Knallzeuge ein Unfallzeuge, der angibt, einen Unfallhergang vollständig gesehen zu haben, obwohl er tatsächlich nur den Knall des Unfalls gehört hat und daraufhin erst auf den Unfall aufmerksam geworden ist und infolgedessen seine Rückschlüsse zieht.

Trotzdem behaupten Knallzeugen oft, dass sie den Unfallhergang genau beschreiben zu können. Ein Knallzeuge ist meistens auch selbst überzeugt von den eigenen Aussagen.

Wie ein Knallzeuge den Unfallhergang schildert, hängt viel von seinem subjektiven Empfinden ab. Der Knallzeugen-Effekt kann anhand des nachfolgenden Beispiels erklärt werden: Es ereignet sich ein Autounfall an einer Kreuzung. Der Knallzeuge hat zwar den Autounfall nicht gesehen, aber das Kollisionsgeräusch, das ihn auf den Unfall aufmerksam macht. Als er die Endposition der beteiligten Verkehrsteilnehmer sieht, kommt er zu seiner Schlussfolgerung. Gilt beispielsweise an der Kreuzung die Regelung „rechts vor links“, wird er annehmen, dass der von recht gekommene Wagen Vorfahrt hatte und der andere ihm die Vorfahrt genommen hat. Wenn es zu einer Zeugenaussage kommt, wird er sagen, dass der Fahrer des von links gekommenen Wagens Schuld hat und dass er den Unfall von Anfang an beobachtet hat.

Wie ist ein Knallzeuge und seine Aussage zu bewerten?

Der Knallzeugen-Effekt ist auch bei Augenzeugen einer Gewalt zu beobachten.
Der Knallzeugen-Effekt ist auch bei Augenzeugen einer Gewalt zu beobachten.

Der Knallzeugen-Effekt ist nicht nur ein Verhalten, das bei Zeugen eines Verkehrsunfalls beobachtet werden kann, sondern auch bei Augenzeugen einer Gewalttat.

Ein Knallzeuge bekommt oft den Beginn der Auseinandersetzung nicht mit, in welcher die Rollen zwischen Täter und Opfer verteilt werden. Er sieht nur das Ergebnis des Unfalls oder des Kampfes.

Folglich wird der, der verletzt am Boden liegt, als Opfer und dementsprechend den anderen als Täter dargestellt. Hier vertauscht der Knallzeuge die Rollen des Opfers und des Täters.

Da gegen die Aussage eines Knallzeugen Glaubwürdigkeitsbedenken bestehen, sollten diese bei der richterlichen Beweiswürdigung beachtet werden. Diesbezüglich gelten Bestimmungen in den Paragraphen § 286 der Zivilprozessordnung und § 261 der Strafprozessordnung.

§ 286 Freie Beweisführung (Zivilprozessordnung):

(1) Das Gericht hat unter Berücksichtigung des gesamten Inhalts der Verhandlungen und des Ergebnisses einer etwaigen Beweisaufnahme nach freier Überzeugung zu entscheiden, ob eine tatsächliche Behauptung für wahr oder für nicht wahr zu erachten sei. In dem Urteil sind die Gründe anzugeben, die für die richterliche Überzeugung leitend gewesen sind.
(2) An gesetzliche Beweisregeln ist das Gericht nur in den durch dieses Gesetz bezeichneten Fällen gebunden.

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