Gewährleistung fürs Auto – Was Käufer unbedingt wissen sollten

Was bedeutet „Gewährleistung“ beim Autokauf?

Schaden am gerade erworbenen Auto: Die Gewährleistung vom Händler sichert Käufer ab.

Schaden am gerade erworbenen Auto: Die Gewährleistung vom Händler sichert Käufer ab.

Der Kauf eines neuen Autos ist spannend, bedeutet jedoch oft auch viel Aufwand. Gerade beim Gebrauchtwagen ist eine gute Vorbereitung von großer Bedeutung – eine Checkliste für den Autokauf kann hier gute Dienste leisten. Wer im Vorhinein Preise recherchiert, Mängel- und Zuverlässigkeitsberichte studiert und bei der Begutachtung und Probefahrt des Fahrzeugs aufmerksam ist, steht in der Regel auf der sicheren Seite.

Trotzdem kann es vorkommen, dass kurze Zeit nach dem Autokauf Mängel am Fahrzeug auftreten. Manchmal werden Fahrer durch ungewöhnliche Geräusche auf diese aufmerksam, im schlimmsten Falle bleibt das Auto einfach liegen. Gerade, wenn ein Schaden am Motor vorliegt, sind kostspielige Reparaturen unvermeidbar.

In solchen Situationen taucht dann schnell der Begriff der Gewährleistung für das Auto auf. Haben Sie das Recht, einen Mangel vom Verkäufer beheben zu lassen? Was heißt „Gewährleistung“ beim Autokauf überhaupt? Kann ein Kfz-Händler die Gewährleistung ausschließen? Und wie sieht es beim Kauf von privat aus?

Diese und weitere Fragen werden im folgenden Ratgeber beantwortet, damit Sie im Fall der Fälle von Ihrem Recht Gebrauch machen können.

Autokauf beim Händler – Wichtiges zur Gewährleistung

Privatleute, die ihr Auto verkaufen, können die Gewährleistung im Gegensatz zum Händler ausschließen.

Privatleute, die ihr Auto verkaufen, können die Gewährleistung im Gegensatz zum Händler ausschließen.

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens haben Sie zwei Optionen: Sie können das Fahrzeug entweder von einem Privatmann oder einem Händler erwerben. Der Kauf von privat ist zwar meist die günstigere Alternative, trotzdem verlassen sich viele Verbraucher lieber auf einen gewerblichen Verkäufer. Trotz des höheren Preises hat nämlich der Autokauf beim Händler Vorteile: die Gewährleistung ist einer davon.

Was ist nun aber genau die Gewährleistung für ein Auto? Grundlegende gesetzliche Regelungen rund um den Kauf von Produkten sind im Bürgerlichen Gesetzbuch – kurz BGB genannt – vermerkt. Dort ist schriftlich festgelegt, dass Verkäufer für Mängel, welche bereits bei der Übergabe des Autos vorlagen und dem Käufer unbekannt waren, haften. Laut § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB verjähren die Mängelansprüche nach zwei Jahren. Innerhalb dieses Zeitraums gilt also die Gewährleistungspflicht für den Autohändler.

Der Verkäufer ist dazu verpflichtet, dem Käufer einen Gebrauchtwagen zur Verfügung zu stellen, der frei von sogenannten Sachmängeln ist. Dies wird in § 434 Abs. 1 BGB näher definiert:

Die Sache ist frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat. Soweit die Beschaffenheit nicht vereinbart ist, ist die Sache frei von Sachmängeln,

  1. wenn sie sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet, sonst
  2. wenn sie sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.

Nach dem Autokauf kann der Käufer die Gewährleistung vom Händler also eingefordern, wenn ein Mangel besteht oder das Fahrzeug in seinen Eigenschaften nicht dem entspricht, was im Kaufvertrag festgehalten wurde. Ist dort beispielsweise angegeben, dass der Gebrauchtwagen über eine Klimaanlage verfügt, eine solche jedoch fehlt, so muss der Verkäufer diesen Mangel beheben.

Die Frage „Muss ein Autohändler Gewährleistung geben?“ kann ganz klar bejaht werden. Anders gestaltet sich dies jedoch, wenn Sie einen Gebrauchtwagen von einer Privatperson erwerben. Diese kann die Sachmängelhaftung ausschließen und muss demnach nicht für einen Mangel haften, der zum Zeitpunkt des Kaufs vorlag. Dies muss jedoch explizit im Kaufvertrag festgehalten werden.

Ausnahmen hierfür bestehen allerdings, wenn der private Verkäufer von Mängeln wusste, diese aber bewusst – also arglistig – verschwieg bzw. absichtlich falsche Angaben gemacht hat. In einem solchen Fall greift auch beim Kauf von privat die Gewährleistung fürs Auto. Oftmals kann es sich jedoch als äußerst schwierig erweisen, dem Verkäufer Arglist nachzuweisen.

Wurde kein Ausschluss der Sachmängelhaftung im Kaufvertrag festgelegt, gelten für den Privatverkäufer übrigens die gleichen Regeln wie für einen gewerblichen Autohändler bezüglich der Gewährleistung.

Mängel oder Verschleiß? Die Gewährleistung beim Pkw-Händler

Die Gewährleistung gilt bei einem Autokauf nur dann, wenn es sich um einen Mangel handelt.

Die Gewährleistung gilt bei einem Autokauf nur dann, wenn es sich um einen Mangel handelt.

Großer Streitpunkt zwischen Verkäufer und Käufer bezüglich der Gewährleistung fürs Auto ist meist die Unterscheidung zwischen Mangel und Verschleiß. Liegt letzteres vor, ist der Händler nämlich nicht dazu verpflichtet, Nachbesserungen zu leisten.

Von Verschleiß beim Gebrauchtwagen wird in der Regel gesprochen, wenn ein Bauteil durch den Gebrauch abgenutzt wird und aus diesem Grund in regelmäßigen Abständen erneuert werden muss. Bei Fahrzeugen ist dies beispielsweise bei folgenden Teilen der Fall:

  • Reifen
  • Zahn- und Keilriemen
  • Brembeläge und -scheiben
  • Autobatterie

Allerdings müssen in den meisten Fällen für eine klare Abgrenzung zwischen Verschleiß und Mangel die jeweils individuellen Umstände betrachtet werden – allem voran das Alter und die Laufleistung des Autos. Was bei einem Neuwagen häufig als Sachmangel bewertet und damit unter die Gewährleistung für Kfz fällt, wird bei einem Gebrauchtwagen mit hoher Laufleistung oft eher als Verschleiß eingeordnet.

Kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Verkäufer und Käufer um diese Unterscheidung sowie um die damit zusammenhängende Kfz-Gewährleistung, ist ein Verfahren vor Gericht meist nicht zu umgehen. Ein Sachverständiger wird dann mit der Beurteilung des Schadens beauftragt. Dessen Kfz-Gutachten beeinflusst maßgeblich, ob der Händler die Gewährleistung für das Auto übernehmen muss.

Kfz-Kauf und Gewährleistung – Bei wem liegt die Beweispflicht?

Für die Beantwortung der Frage, ob der Händler die Gewährleistung für das Auto und den bestehenden Mangel übernehmen muss, ist von Bedeutung, ob der Schaden schon zum Übergabezeitpunkt bestand. Wer muss dies jedoch beweisen?

Gibt es Streitigkeiten über die Gewährleistung für das Auto, kann ein Gutachten helfen.

Gibt es Streitigkeiten über die Gewährleistung für das Auto, kann ein Gutachten helfen.

Laut § 476 BGB gilt in diesem Zusammenhang Folgendes:

Zeigt sich innerhalb von sechs Monaten seit Gefahrübergang ein Sachmangel, so wird vermutet, dass die Sache bereits bei Gefahrübergang mangelhaft war, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art der Sache oder des Mangels unvereinbar.

Beim Gebrauchtwagenkauf handelt es sich beim Gefahrübergang in der Regel um die Übergabe des Fahrzeugs. Fällt ein Mangel also bis zu sechs Monate nach dem Kauf auf, so wird angenommen, dass der Schaden schon zum Zeitpunkt der Übergabe vorlag. In diesem ersten halben Jahr liegt es am Händler, das Gegenteil zu beweisen. Ist ihm das nicht möglich, muss er die Gewährleistung für das Kfz übernehmen und die Mängel beheben.

Nach diesen ersten sechs Monaten kehrt sich die Beweislast jedoch um. Nun liegt es am Käufer, zu beweisen, dass der Mangel schon beim Gefahrübergang vorlag. In vielen Fällen kann sich dies als sehr schwierig erweisen. Möchten Sie die Gewährleistung vom Autohändler einfordern, ist es in hilfreich, ein Gutachten von einem Sachverständigen anfertigen zu lassen.

Diese Rechte können Sie bezüglich der Gewährleistung fürs Auto einfordern

Haben Sie Mängel am Fahrzeug festgestellt, die bereits zum Zeitpunkt der Übergabe vorlagen, haben Sie das Recht, die Gewährleistung für das Auto einzufordern. Hierzu müssen Betroffene den Händler zeitnah über die Mängel informieren und ihm zunächst die Möglichkeit geben, den Schaden zu beheben.

Sie dürfen nicht die Reparatur in einer anderen Werkstatt anordnen, ohne den Händler darüber zu informieren. In einem solchen Fall ist dieser nicht dazu verpflichtet, die entstandenen Kosten zu tragen.

Erst wenn der zweite Versuch der Nachbesserung fehlgeschlagen ist oder sich der Verkäufer weigert, Reparaturen durchführen zu lassen, können Sie Ihr Recht auf weitere Entschädigungen bezüglich der Gewährleistung für den Pkw geltend machen. Diese sind in § 437 BGB festgelegt und umfassen die folgenden Leistungen:

  • Rücktritt vom Kaufvertrag
  • Minderung des Kaufpreises
  • Schadensersatz
  • Ersatz vergeblicher Aufwendungen

Verkürzung der Gewährleistung beim Autokauf vom Händler – Urteil des Bundesgerichtshofes

In der Vergangenheit wurde beim Autokauf die Gewährleistung vom Händler häufig von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt, wenn es sich um einen Gebrauchtwagen handelte. In einem vor dem Bundesgerichthof verhandelten Fall wurde diese Reduzierung der Dauer in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (kurz AGB genannt), die dem Kaufvertrag zu Grunde lagen, festgehalten. Diese entsprachen der „Unverbindlichen Empfehlung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V.“.

Das Urteil des BGH vom 29. April 2015 (Az.: VIII ZR 104/14) legte jedoch fest, dass die Klauseln der AGB für juristisch nicht vorgebildete Verbraucher unverständlich seien. Dies widerspräche dem im BGB festgelegten Transparenzgebot und führe zu Nachteilen für den Käufer. Aus diesem Grund entschied das Gericht, dass die Verkürzung der Verjährungsfrist bezüglich der Gewährleistung für ein Auto nicht wirksam sei.

Garantie und Gewährleistung beim Auto – Die Unterschiede

Garantie und Gewährleistung für das Auto: Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Konzepte.

Garantie und Gewährleistung für das Auto: Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Konzepte.

Die Gewährleistung, die der Kfz-Händler einräumt, ist gesetzlich verpflichtend und kann nicht ausgeschlossen werden. Bei der Garantie hingegen handelt es sich um eine freiwillige Leistung, die gegen einen Aufpreis erworben werden kann und dem Käufer explizit zugesichert werden muss.

Welche Leistungen die Garantie umfasst, ist je nach Einzelfall unterschiedlich. Alle Details sind in den Bedingungen festgehalten, weshalb Sie sich diese vor dem Abschluss der Garantie gut durchlesen sollten. Je nach Alter, Laufleistung und Zustand des Fahrzeugs sowie des Umfangs der Garantie sollten Sie im Vorhinein abwägen, ob sich diese für Sie wirklich lohnt. Beachten Sie außerdem, dass für ältere Fahrzeuge ab etwa zehn Jahren keine Gebrauchtwagengarantie mehr angeboten wird.

Dafür profitieren Sie bei der Garantie im Gegensatz zur Gewährleistung für das Auto davon, dass Sie nicht nachweisen müssen, wann der Mangel auftrat. Solange dieser während der Garantiezeit entstand und von den Bedingungen eingeschlossen ist, sind Sie abgesichert.

Bei Neuwagen oder jungen Gebrauchten lohnt sich eine gesonderte Garantie häufig nicht, da diese Fahrzeuge oftmals noch von der Neuwagengarantie profitieren. Die meisten deutschen Hersteller stehen zwei Jahre für bestimmte Mängel gerade und reparieren diese kostenlos. Viele asiatische Hersteller sind in diesem Zusammenhang großzügiger und geben bis zu sieben Jahre Garantie. Doch auch hier sind Verschleißteile in der Regel ausgeschlossen und werden nicht ersetzt.

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12 Kommentare

  1. Pronk C. sagt:

    Was kann ich tun wenn einige ernste Mägel gleich nach der Fahrzeugübernahme festgehalten wurden, der Händler aber auf keine der emails reagiert?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Pronk,

      vermutlich sollten Sie sich dann an einen Anwalt wenden, der Sie über das weitere Vorgehen beraten kann.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. R. Oliver sagt:

    Hallo an alle, unsere Frage:
    Wir haben einen gebrauchten Mini-Cooper gekauft, mit 73000 km und 10 Jahre alt bei der Probefahrt sind Mängel aufgetreten die behoben wurden, jetzt fahren wir das Auto ca. 2 Monate und es tritt ein anderes Problem auf. Wenn man im 4. Gang ca. 50 km/h fährt und den Fuß vom Gas nimmt, die Drehzahl runtergeht und man wieder Gas gibt, stottert der Wagen und nimmt das Gas nicht richtig an. Jetzt wollten wir wissen ob das unter Gewährleistung fällt ?
    Vielen dank im voraus
    O. & B. Riewe

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo R. Oliver,

      das kommt auf die Begleitumstände und technische Details an. Wenden Sie sich an einen Anwalt.

      Die Redaktion von Bussgeldkatalog.org

  3. Fernandez sagt:

    Hallo, Ich habe ein Fahrzeug bei einen Händler erworben. der hatte mir das Fahrzeug Mängelfrei übergeben laut seiner Aussage.

    ein Später sind mir einige Mängel aufgefallen. unteranderen war die Ventildeckeldichtung defekkt. die wurde Reparriert. dann ging die Sitzheizung nicht. in diesen fall wollen sie mir ein 50 eur anbieten. bei der Übergabe waren beide Schlüssel (Gehäuse) defekt. ´die bekommen das Natürlich nicht hin. es müssen halt welche vom Hersteller sein. der Tempomat gehzt nicht und die hatten angegeben das dass Fahrzeug von erster Hand ist. tatsächlich ist er von 2 hand. ich würde gerne wissen welche optionen ich habe. und wie ich vorgehen soll?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Fernandez,

      grundsätzlich muss ein Fahrzeug die im Kaufvertrag festgehaltenen Voraussetzungen erfüllen. Weist es Mängel auf, die bereits vor der Übergabe vorlagen, müssen Sie als Käufer dem Händler in der Regel zunächst ausreichend Zeit lassen, um diese zu beheben. Schlägt dies fehl oder weigert er sich, ist unter anderem ein Rücktritt vom Kaufvertrag möglich. Ist das Fahrzeug aus zweiter Hand, obwohl im Kaufvertrag steht, dass es aus erster Hand ist, sollte ein schwerwiegender Mangel vorliegen. Ein Anwalt für Verkehrsrecht kann Sie zum weiteren Vorgehen beraten.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  4. kurt s. sagt:

    habe im Dezember 2017 einen gebrauchten PKW beim Händler gekauft Bj.2005
    nach kurzer Zeit wahr der erste Mangel da Gelbe Kontroll Leuchte leuchtet ständig,
    Die Reperatur beim Händlerwar erfolgreich! aber nach weiteren 3 wochen trat der gleiche Fehler
    wieder auf und dann ein drittes mahl immerwieder konnte der Hänler de Schaden erfolgreich reparieren.
    Jezt nach drei Monaten tritt der Gleiche Fehler wieder auf. da ich behindert binn und meinen Rollstuhl immer brauche
    mochte ich das Auto zurück geben.
    Kann mir jemand helfen!!

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo kurt s.,

      bitte wenden Sie sich an einen Anwalt, wenn der Händler das Fahrzeug nicht zurücknehmen will.

      Die Redaktion von Bussgeldkatalog.org

  5. Lucas sagt:

    Was ist in der Gewährleistung alles inbegriffen (z.B.: Motor, Getriebe, …)?

  6. M. sagt:

    Wie verhält es sich wenn ein Schaden entsteht, der die in der Garantie vereinbarte Summe (bei Gebrauchtwagen je Schadensfall 1.500€ brutto) übersteigt? Wer muss die zusätzlichen Kosten übernehmen? Der Händler oder der Käufer?

    Und: Ist der Händler immer dazu verpflichtet den Schaden zu beheben oder kann theoretisch der Käufer die Summe von der Garantie Versicherung erhalten?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo M.,

      das ist vom Schaden, der Ursache, der Garantie und weiteren Faktoren abhängig und daher ein Fall für den Anwalt. Auch Ihre Kfz-Versicherung kann ggf. Rechtsberatung erteilen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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