B196-Führerschein: Voraussetzungen, Kosten, Beantragung

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 11. November 2020

Was ist der Führerschein mit B196-Erweiterung?

Mit der B196-Erweiterung Motorrad fahren: Was ist zu beachten?
Mit der B196-Erweiterung Motorrad fahren: Was ist zu beachten?

Wenn Sie einen Führerschein der Klasse B besitzen, dürfen Sie nicht nur Pkw fahren, sondern z. B. auch Anhänger bis maximal 750 kg. Da Sie mit der Klasse B außerdem automatisch auch die Führerscheinklassen AM und L besitzen, sind z. B. auch viele Kleinkrafträder und landwirtschaftliche Zugmaschinen bis 40 km/h erlaubt.

Das Führen von Motorrädern war für Besitzer des B-Führerscheins hingegen lange Zeit untersagt, sofern sie nicht gleichzeitig auch einen Motorradführerschein besaßen. Seit Anfang 2020 besteht jedoch die Möglichkeit, die Klasse B um die Schlüsselzahl 196 erweitern zu lassen. Diese berechtigt Sie zum Führen von leichten Motorrädern, ohne dass Sie dafür einen Motorradführerschein erwerben müssen. Somit stellt B196 keine neue Fahrerlaubnisklasse dar, sondern ist eine Erweiterung der bereits existierenden Klasse B. Aber was ist dafür nötig? Wie funktioniert die Eintragung der Schlüsselzahl in den Führerschein? Und mit welchen Kosten müssen Sie hier rechnen? Diese und weitere Fragen rund um den B196-Führerschein beantworten wir in diesem Ratgeber.

Keine Lust zu Lesen? Dieses Video erklärt die Erweiterung auf B196

Video: Wie funktioniert die B196-Eintragung?

FAQ: B196-Führerschein

Was sind die Voraussetzungen für die B196-Bescheinigung?

Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein, seit mindestens 5 Jahren eine Fahrerlaubnis der Klasse B besitzen und die gesetzlich vorgeschriebene Fahrerschulung für das Führen von Krafträdern der Klasse A1 absolviert haben. So legt es § 6b der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) fest.

Muss ich für die B196-Erweiterung eine Fahrschule besuchen?

Ja. Anlage 7b Nummer 1 FeV schreibt vor, dass Sie eine Fahrschule für die B196-Erweiterung besuchen und dort mindestens neun Unterrichtseinheiten (4 theoretische, 5 praktische) von jeweils 90 Minuten absolvieren müssen. Eine erneute Fahrprüfung ist aber nicht notwendig.

Welche Kosten verursacht die B196-Eintragung?

Zunächst müssen Sie die Kosten für die Fahrstunden berücksichtigen, die Sie für die Erweiterung auf B196 benötigen. Den Preis für diese kann jede Fahrschule selbst festlegen, in der Regel müssen Sie hier jedoch mit 700 bis 900 Euro rechnen. Um die Schlüsselzahl B196 eintragen zu lassen, fällt außerdem eine Gebühr bei der Fahrerlaubnisbehörde an (meist zwischen 23 und 29 Euro). Da Sie bei der Eintragung ein aktuelles biometrisches Passbild vorlegen müssen, fallen üblicherweise auch hierfür Kosten an.

Wird der B196-Führerschein im Ausland anerkannt?

Nein, die 196 stellt eine nationale Schlüsselzahl dar, die nur innerhalb Deutschlands gültig ist. Möchten Sie im Ausland ein entsprechendes Fahrzeug führen, benötigen Sie in der Regel die Führerscheinklasse A1. Je nach Land können hier aber auch andere Bedingungen gelten.

Führerscheinerweiterung B196 – Was darf ich damit fahren?

Widmen wir uns gleich zu Anfang einer der wichtigsten Fragen: Welche Fahrzeuge dürfen Sie mit der Schlüsselzahl B196 führen? Das Gesetz, genauer: § 6b der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), gibt darauf eine klare Antwort. Hier können Sie schon im ersten Absatz lesen, dass die Schlüsselzahl für alle Krafträder (samt Beiwagen) erteilt wird, …

B196: Wie viel PS und Hubraum die Krafträder haben dürfen, legt die FeV fest.
B196: Wie viel PS und Hubraum die Krafträder haben dürfen, legt die FeV fest.
  • deren Hubraum höchstens 125 cm³ beträgt,
  • die maximal 11 kW (15 PS) an Motorleistung erbringen und
  • bei denen das Verhältnis der Leistung zum Gewicht nicht mehr als 0,1 kW/kg beträgt.

Damit dürfen Sie exakt die gleichen Kraftfahrzeuge führen wie mit der Fahrerlaubnisklasse A1, dem sogenannten „kleinen Motorradführerschein”. Beachten Sie aber, dass die beiden Klassen nicht gleichgestellt sind und trotzdem Unterschiede aufweisen. Mehr dazu erfahren Sie im Abschnitt „Welche Vor- bzw. Nachteile hat B196 gegenüber A1?”

Die Voraussetzungen für die B196-Erweiterung

Damit Sie Ihren Führerschein um die Schlüsselzahl B196 erweitern lassen können, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Auch diese lassen sich § 6b FeV entnehmen:

  1. Sie müssen seit mindestens fünf Jahren im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse B sein.
  2. Sie müssen das Mindestalter von 25 Jahren erreicht haben.
  3. Sie müssen eine entsprechende Fahrerschulung in einer Fahrschule absolvieren, eine theoretische oder praktische Fahrprüfung ist jedoch nicht erforderlich.
  4. Zwischen dem Abschluss der Fahrerschulung und der Eintragung der Schlüsselzahl B196 darf höchstens ein Jahr vergehen.

Gut zu wissen: Da Sie mit dem B-Führerschein bereits eine Fahrerlaubnis erworben haben, sind für die Erweiterung auf B196 weder ein Sehtest noch ein Erste-Hilfe-Kurs erforderlich, denn diese sollten Sie zu diesem Zeitpunkt naturgemäß bereits absolviert haben.

So funktioniert die Schulung für B196

§ 6b Abs. 2 FeV und Anlage 7b FeV schreiben vor, dass Sie eine spezielle Fahrerschulung absolvieren müssen, wenn Sie die B196-Erweiterung erhalten möchten. Eine solche Schulung darf nur von Fahrschulen angeboten werden, deren Inhaber die Fahrerlaubnisklasse A besitzt. So legt es § 17 des Fahrlehrergesetzes (FahrlG) fest.

Sie können die Schulung für B196 im Schnellkurs absolvieren.
Sie können die Schulung für B196 im Schnellkurs absolvieren.

Haben Sie eine geeignete Fahrschule gefunden, können Sie sich dort für die B196-Schulung anmelden. Diese besteht per Gesetz aus 4 theoretischen und 5 praktischen Unterrichtseinheiten von jeweils 90 Minuten. Bietet die Fahrschule nur Unterrichtseinheiten von 45 Minuten an, müssen Sie dementsprechend 18 Einheiten absolvieren. In der Regel stellt die Fahrschule Ihnen frei, ob Sie die Fahrstunden mit einem eigenen Leichtkraftrad absolvieren oder lieber eines der fahrschuleigenen Fahrzeuge benutzen möchten.

Haben Sie alle vorgeschriebenen Theorie- und Praxisstunden hinter sich gebracht, müssen Sie keine Prüfung ablegen. Sie erhalten direkt eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme, mit der Sie die Eintragung der Schlüsselzahl beantragen können.

Die Kosten für die gesamte Schulung hängt von den individuellen Preisen der Fahrschule ab. Üblicherweise müssen Sie hier mit 700 bis 900 Euro rechnen.

Hinweis: Sie können die B196-Schulung bereits mit 24 Jahren absolvieren. Lediglich für die anschließende Eintragung der Schlüsselzahl in Ihren Führerschein ist ein Mindestalter von 25 vorgeschrieben.

So können Sie die Erweiterung auf B196 beantragen

Mit der Teilnahmebescheinigung in der Tasche können Sie einen Termin bei der Führerscheinstelle Ihres Wohnortes ausmachen, um die B196-Eintragung vornehmen zu lassen. Dafür sollten Sie sich aber nicht zu viel Zeit lassen, denn zwischen dem Abschluss Ihrer Fahrerschulung und der Eintragung der Schlüsselzahl in Ihren Führerschein darf maximal ein Jahr vergehen.

Es ist wohlgemerkt nicht möglich, die Eintragung in einer anderen Stadt vornehmen zu lassen. Sie müssen sich zwangsläufig an die Behörde des Ortes wenden, an dem Sie gemeldet sind.

Bei dem Termin wird Ihnen der Antrag auf Eintragung der Schlüsselzahl B196 vorgelegt, den Sie einfach nur ausfüllen müssen. Dabei geht es in erster Linie um Informationen zu Ihrer Person (Name, Geburtsdatum, Kontaktdaten etc.) und zur Ihrer Fahrerlaubnis (Klasse, Erteilungsdatum, Führerscheinnummer, Beschränkungen etc.). Außerdem müssen Sie auf einem Kontrollblatt Ihre Unterschrift abgeben, die dann später auf Ihrem neuen Führerschein abgedruckt ist.

Um die Eintragung der B196-Schlüsselzahl zu beantragen, sind folgende Unterlagen mitzubringen:

  • die Bescheinigung der Fahrschule über Ihre Teilnahme an der B196-Schulung
  • eine Kopie Ihres gültigen Personalausweises oder alternativ eine Kopie eines gültigen Reisepasses mit aktueller Meldebescheinigung (nicht älter als drei Monate)
  • eine Kopie Ihres Führerscheins
  • ein aktuelles biometrisches Passbild

Für die Beantragung der B186-Eintragung fällt eine Gebühr an, die in der Regel zwischen 23 und 29 Euro beträgt. Je nach Behörde kann sie aber auch höher ausfallen.

Achtung! Es ist nicht erlaubt, Kleinkrafträder nur allein mit der B196-Bescheinigung zu fahren, also ohne Eintragung in Ihren Führerschein. Tun Sie das doch, machen Sie sich des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig. Erst wenn die Schlüsselzahl wirklich in Ihrem Führerschein steht, ist diese auch gültig.

Welche Vor- bzw. Nachteile hat B196 gegenüber A1?

Der größte Vorteil der B196-Erweiterung ist die schnelle und kostengünstige Ausbildung: In vielen Fahrschulen lässt sich die erforderliche Schulung für B196 in einem Intensivkurs absolvieren, sodass Sie schon nach wenigen Tagen die erforderliche Bescheinigung in den Händen halten können. Doch selbst wenn Sie die B196-Schulung etwas langsamer angehen lassen, ist sie in der Regel noch deutlich schneller absolviert als die Ausbildung für die Klasse A1 – wodurch weniger Kosten für die Fahrstunden anfallen. Außerdem ist für B196 keine theoretische oder praktische Fahrprüfung erforderlich, für A1 hingegen schon. Auch hier sparen Sie somit Zeit und Geld (und obendrein Nerven).

Der B196-Führerschein wird nur in Deutschland anerkannt.
Der B196-Führerschein wird nur in Deutschland anerkannt.

B196 hat aber auch Nachteile gegenüber A1. Zum einen sind die Voraussetzungen strenger und das Mindestalter höher (25 Jahre für B196, 16 Jahre für A1). Zum anderen stellt die Erweiterung der B-Klasse eben keinen Motorradführerschein da, was bedeutet, dass Sie B196 nicht auf A2 oder gar auf A erweitern können. Entscheiden Sie sich also später, dass Sie auch schwerere Krafträder fahren möchten, stecken Sie mit dem B196-Führerschein in einer Sackgasse. Sie kommen dann nicht drum herum, doch noch die gesamte Motorradausbildung zu durchlaufen. In diesem Fall stellt die Erweiterung auf B196 tatsächlich eine Zeit- und Geldverschwendung dar.

Sollten Sie also wissen, dass Sie über kurz oder lang auch „richtige” Motorräder fahren möchten, empfiehlt es sich, auf die Schlüsselzahl B196 zu verzichten und gleich die Motorradausbildung anzugehen. Mit 24 Jahren dürfen Sie außerdem den Direkteinstieg zur Fahrerlaubnisklasse A vollziehen und müssen sich nicht erst über die Klassen A1 und A2 „hocharbeiten”.

Keine Anerkennung von B196 im Ausland!

Ein weiterer Nachteil von B196 ist die Tatsache, dass es sich hierbei nur um eine nationale Schlüsselzahl handelt, was bedeutet, dass sie nur in Deutschland anerkannt wird. In anderen Ländern dürfen Sie damit keine Leichtkrafträder führen. Hier wird dann in der Regel die A1-Klasse benötigt, je nach Land kann aber auch eine andere Fahrerlaubnis-Klasse erforderlich sein.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweise: Fotolia.com/blende11.photo (Header), istockphoto.com/mikdam (Vorschaubild), istockphoto.com/mikdam, Fotolia.com/marima-design, depositphotos.com/aa-w, istockphoto.com/mjbs

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