Reimport: Schnäppchen oder Falle? - Autokauf 2018

Reimport-Fahrzeuge kaufen – Neuwagen zum kleinen Preis

Reimport-Autos: Vor- und Nachteile der EU-Fahrzeuge

Günstiges Auto kaufen: Ein Reimport aus dem europäischen Ausland kann ein echtes Schnäppchen sein.

Günstiges Auto kaufen: Ein Reimport aus dem europäischen Ausland kann ein echtes Schnäppchen sein.

Ein Neuwagen ist der Traum vieler Autofans. Die Pluspunkte liegen auf der Hand: Seine Ausstattung lässt sich konfigurieren und so an die Bedürfnisse des Käufers anpassen, er wurde von keiner anderen Person gefahren, verfügt über modernste Technik und Sie profitieren von der Neuwagen-Garantie.

Für den Luxus müssen Käufer allerdings auch tief in die Tasche greifen. Einen fabrikneuen Audi A4 erhalten Sie beispielsweise ab 31.650 Euro, einen VW Tiguan ab 26.575 Euro und eine Mercedes-Benz C-Klasse ab 31.868 Euro. Auch wenn es mittlerweile viele Möglichkeiten der Kfz-Finanzierung gibt, mit denen eine solche Summe in Raten abgestottert werden kann, handelt es sich nichtsdestotrotz um eine große Investition.

Bei der Suche nach Optionen, um beim Autokauf zu sparen, stolpern viele Interessierte über Angebote für Reimport-Fahrzeuge. Was bedeutet dieser Begriff jedoch genau? Im folgenden Ratgeber erklären wir, welche Vor- und Nachteile reimportierte Autos haben, was beim Kauf zu beachten ist und wie viel Geld Sie sparen können.

Spezifische Ratgeber rund um das Thema „Reimport-Fahrzeuge“

Was ist ein Reimport-Pkw?

Über ein Reimport-Fahrzeug freut sich nicht nur das Sparschwein.

Über ein Reimport-Fahrzeug freut sich nicht nur das Sparschwein.


Bei einem Reimport-Kfz handelt es sich um ein Fahrzeug, welches in Deutschland hergestellt wurde. Ursprünglich war es für den Verkauf im Ausland bestimmt und wurde aus diesem Grund dorthin überführt. Dann wird der Wagen jedoch zurück nach Deutschland gebracht – aus diesem Grund wird der Vorgang Auto-Reimport genannt.

Als Käufer haben Sie zum einen die Möglichkeit, selbst ins Ausland zu fahren, dort das gewünschte Reimport-Auto zu kaufen und es anschließend nach Deutschland zu überführen. Dieser Vorgang ist jedoch mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden, auf welchen wir später noch näher eingehen werden.

Zum anderen gibt es in Deutschland viele Händler, die sich darauf spezialisiert haben, solche Fahrzeuge zu verkaufen und auch Angebote für deren Finanzierung machen. Wenn Sie einen Reimport-Wagen im Autohaus oder über einen Vermittler kaufen, entfällt der große Verwaltungsaufwand für Sie – der Händler kümmert sich um alle Formalitäten, erwartet dafür aber natürlich auch eine Bezahlung. Sie sollten sich im Vorhinein über verschiedene Händler informieren und sich mit ihnen Kontakt setzen, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.

Warum können Sie beim Kfz-Reimport so viel sparen?

Der wohl größte Vorteil, von dem Sie beim Kfz-Reimport profitieren, liegt darin, dass teilweise satte Rabatte für Neuwagen locken. In der Regel können Sie etwa 25 bis 30 Prozent sparen, manchmal sind – je nach Hersteller und Modell – sogar bis zu 40 Prozent drin. Doch wie kommt dieser große Preisunterschied zustande?

Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass sich der günstigere Preis für Reimporte nicht durch eine minderwertige Qualität der Fahrzeuge begründen lässt. Die betreffenden Kfz, beispielsweise ein Reimport-SUV oder -Transporter, werden mit der gleichen Sorgfalt und in den gleichen Fabriken hergestellt wie ihre Pendants, die von Anfang an für den Verkauf in Deutschland bestimmt waren.

Vielmehr sind es andere Faktoren, welche günstige Reimporte möglich machen. Hierzu gehören die folgenden Punkte:

  1. Das Preisniveau im betreffenden Land
  2. Die dortige Mehrwertsteuer
  3. Mögliche Zusatzsteuern

In Deutschland herrscht im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern ein recht hohes Lohnniveau. Da die Menschen mehr Geld übrig haben, können die Hersteller die Preise für Autos dementsprechend anziehen. In Ländern, in denen die Menschen im Durchschnitt niedrigere Löhne erhalten – beispielsweise in Polenwerden die Preise hingegen etwas gesenkt. So stellen die Hersteller sicher, dass sich ihre Fahrzeuge auch in diesem Ländern verkaufen lassen. Wären Neuwagen zu teuer, würden ihre Umsätze einbrechen.

Ein Reimport aus Dänemark oder anderen EU-Staaten ist wegen der Unterschiede bei der Mehrwertsteuer so günstig.

Ein Reimport aus Dänemark oder anderen EU-Staaten ist wegen der Unterschiede bei der Mehrwertsteuer so günstig.

Ein weiterer Grund, weshalb Sie bei einem Pkw-Reimport sparen können, liegt in der Mehrwertsteuer begründet. In Deutschland liegt diese bei 19 Prozent. In vielen EU-Staaten liegt diese jedoch höher, wie die folgende Liste einiger ausgewählter Länder zeigt:

  • Dänemark: 25 Prozent
  • Finnland: 24 Prozent
  • Italien: 22 Prozent
  • Niederlande: 21 Prozent
  • Polen: 23 Prozent
  • Schweden: 25 Prozent

Warum ist dies aber ein Vorteil für deutsche Käufer? Beim Fahrzeug-Reimport zahlt der Käufer nicht etwa die Mehrwertsteuer des Landes, aus welchem das Auto importiert wird, sondern die des Staates, in welchem das Auto zugelassen wird. Kaufen Sie also zum Beispiel ein reimportiertes Kfz aus Schweden, zahlen Sie nicht die dort fällige Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent, sondern den deutschen Satz von 19 Prozent – eine Ersparnis von sechs Prozent. Bei einem Kaufpreis von 32.000 Euro könnten Sie also knapp über 1.900 Euro sparen – eine beträchtliche Summe.

In Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark ist hinsichtlich der Besteuerung jedoch noch ein weiterer Punkt zu beachten. Dort wird nicht nur die Mehrwertsteuer erhoben. Es fallen noch weitere Zusatzabgaben an. In Dänemark wird beispielsweise eine spezielle Zulassungssteuer beim Kauf eines Neuwagens angesetzt. Diese beträgt bis zu 180 Prozent und belastet die Autokäufer stark. Damit die Fahrzeuge dort trotzdem bezahlbar bleiben und die Hersteller ihre Autos an den Mann oder die Frau bringen können, liegen die Nettopreise meist deutlich unter dem deutschen Niveau.

Ein weiterer Spartipp: Kaufen Sie ein Reimport-Auto aus Dänemark, können Sie meist damit rechnen, dass das Fahrzeug schon in der Grundausstattung über viele Extras verfügt. Wie lässt sich das erklären? Sonderausstattungen werden in der Regel besonders hoch besteuert. Um trotzdem für die Kunden attraktiv zu bleiben, statten die Hersteller die Fahrzeuge für den dänischen Markt in der Regel schon in der Basisversion außerordentlich gut aus. So entfällt die zusätzliche Besteuerung.

Autokauf: Verwaltungsaufwand beim Reimport

Sie sollten nicht vergessen, dass Sie nach dem Kfz-Reimport zeitnah zum Finanzamt müssen.

Sie sollten nicht vergessen, dass Sie nach dem Kfz-Reimport zeitnah zum Finanzamt müssen.

Zwar spricht vor allem das große Sparpotenzial dafür, ein Auto als Reimport zu kaufen, jedoch sollten Sie nicht vergessen, dass der Erwerb eines solchen Fahrzeugs immer einen gewissen Verwaltungsaufwand mit sich bringt. Kaufen Sie das Kfz im Ausland und kümmern sich selbst um die Formalitäten, kommt viel Arbeit auf Sie zu.

Zunächst müssen Sie sich natürlich um die Überführung des Autos kümmern. Ein deutsches Kurzzeitkennzeichen wird im Ausland nicht anerkannt. Vielmehr müssen Sie ein Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des Kauflandes besorgen. Ohne ein solches haben Sie nur die Möglichkeit, das Fahrzeug auf einem Trailer zu überführen. Nur die wenigsten Personen besitzen einen solchen Anhänger und für die Anmietung können hohe Kosten anfallen.

Damit die Zulassung des Reimport-Fahrzeugs erfolgen kann, müssen Sie sich zeitnah um die Versicherung kümmern. Ohne die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) kann Ihr Wagen nämlich nicht zugelassen werden. Der Zulassungsstelle müssen Sie unter anderem den Kaufbeleg im Original vorlegen, außerdem sind die COC-Papiere unverzichtbar.

Nachdem Sie das Fahrzeug überführt haben, müssen Sie sich außerdem an das zuständige Finanzamt wenden. Innerhalb von zehn Tagen, nachdem das Auto in Deutschland angekommen ist, müssen Sie die fällige Mehrwertsteuer für Reimporte entrichten. Hierzu müssen Sie die Rechnung im Original vorlegen.

Wie Sie sehen, ist beim Kauf eines Reimport-Fahrzeugs sehr viel zu beachten. Es ist ratsam, einen Profi mit den Formalitäten zu beauftragen. Dieser kennt sich mit den Vorgängen aus und weiß genau, wann welche Papiere benötigt werden.

Vermittler oder Händler: Bei wem sollten Sie ein reimportiertes Auto kaufen?

Möchten Sie den Kauf des Reimport-Autos nicht selbst über die Bühne bringen, können Sie sich an einen Fachmann wenden. Hierbei handelt es sich entweder um Händler oder Vermittler. Welche Unterschiede bestehen in diesem Zusammenhang zwischen den beiden Gruppen?

Veräußert ein deutscher Händler ein reimportiertes Fahrzeug im eigenen Namen, gilt für den Käufer das deutsche Recht rund um den Kauf. Fällt also beispielsweise ein Mangel auf, der schon vor dem Kauf bestand, können Sie von der deutschen Sachmängelhaftung, die für Neuwagen zwei Jahre lang gültig ist, profitieren. Der Verkäufer muss den Schaden dann auf eigene Kosten im Rahmen der Gewährleistung beheben.

Handelt es sich jedoch lediglich um einen Vermittler, schließen Sie den Kaufvertrag mit dem ausländischen Vertragshändler ab. In einem solchen Fall ist dann das ausländische Recht gültig. Außerdem ist zu beachten, dass Sie Ihre Ansprüche im entsprechenden Land geltend machen müssen. Dementsprechend müssen Sie unter Umständen lange Wege auf sich nehmen. Sprechen Sie die Sprache nicht, kann es zu Verständigungsschwierigkeiten kommen. Außerdem sehen Sie sich mit einem anderen Rechtssystem konfrontiert. Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, sollten Sie also darauf achten, dass der Händler nicht als Vermittler auftritt, sondern Sie mit ihm den Kaufvertrag abschließen.

Von dem Kauf eines Reimport-Autos aus dem Nicht-EU-Ausland sollten Laien absehen. In diesem Fall werden alle Ansprüche – etwa im Zusammenhang mit der Gewährleistung – nach dem dort geltenden Recht behandelt, was zu großen Problemen führen kann.

Gibt es für Reimport-Pkw eine Garantie?

Kleinwagen, Limousine, SUV, Transporter: Reimport-Fahrzeuge gibt es in allen Klassen.

Kleinwagen, Limousine, SUV, Transporter: Reimport-Fahrzeuge gibt es in allen Klassen.

Ein wichtiges Thema rund um den Reimport von Pkw ist die Garantie. Haben Sie das Fahrzeug in einem EU-Land erworben, profitieren Sie von den gleichen Garantieregelungen wie beim Kauf in Deutschland. Sie können Ihre Ansprüche bei jeder deutschen Vertragswerkwerkstatt geltend machen.

Wichtig ist jedoch, dass Sie im Besitz der Garantieurkunde sein müssen. Außerdem müssen gewisse Eintragungen im Serviceheft vorhanden sein. Hierzu gehören das Auslieferungs- bzw. Übergabedatum und die Fahrgestellnummer. Außerdem muss das Heft vom ausländischen Vertragshändler abgestempelt sein.

Wie lange die Garantie läuft und welche Leistungen inbegriffen sind, können Sie den Garantiebedingungen entnehmen. Hierfür gibt es keine pauschale Regelungen, weshalb Sie die Bedingungen gründlich studieren sollten. Überprüfen Sie außerdem, ab welchem Zeitpunkt die Garantie läuft. In manchen Fällen beginnt diese bereits, wenn das Fahrzeug zum Händler gebracht, in anderen jedoch erst, wenn das Reimport-Auto an Sie ausgeliefert wird.

Neues Auto: Hat ein Reimport auch Nachteile?

Neben dem bereits erwähnten hohen Verwaltungsaufwand sind beim Pkw-Reimport noch weitere Nachteile zu beachten. Sie sollten sich unter anderem darüber im Klaren sein, dass sich die Grundausstattungen von den gleichen Modellen in verschiedenen Ländern stark voneinander unterscheiden können. Während in skandinavischen Ländern meist eine Winterausstattung zum Standard gehört, ist in südeuropäischen Ländern eine Klimaanlage unverzichtbar.

Da sich die Sicherheitsbestimmungen in vielen Ländern von den deutschen Bestimmungen unterscheiden, kann es außerdem dazu kommen, dass bei uns gängige Sicherheitsmaßmerkmale nicht verbaut sind. Auch gehört eine elektronische Wegfahrsperre nicht in jedem Land zur Grundausstattung. In Deutschland wird diese jedoch von den meisten Versicherungen gefordert.

Ein weiterer Nachteil, wenn Sie etwa bei einem Autohaus einen Reimport-Wagen erstehen, liegt darin, dass Ihnen der Verkäufer in der Regel bei Kulanzfällen nach Ablauf der Garantie nicht entgegenkommen wird.

Reimport oder Jahreswagen: Wofür sollten Sie sich entscheiden?

Reimportierte Autos sind oft besonders gut ausgestattet.

Reimportierte Autos sind oft besonders gut ausgestattet.

Eine weitere günstige Möglichkeit beim Autokauf ist der Erwerb eines sogenannten Jahreswagens. Hierbei handelt es sich um einen jungen Gebrauchtwagen, dessen Erstzulassung weniger als 12 Monate zurückliegt. Außerdem darf auch seit seiner Herstellung nicht mehr als ein Jahr vergangen sein.

Häufig handelt es sich um Leasingrückläufer – also um Fahrzeuge, die für eine gewisse Zeit gegen eine Gebühr gefahren und dann wieder an den Verkäufer zurückgegeben wurden. In vielen Fällen sind es Dienstfahrzeuge, die regelmäßig gewechselt werden. Da gerade im ersten Jahr nach der Zulassung der Wertverlust eines Autos besonders hoch ist, werden diese noch relativ jungen und meist wenig genutzten Fahrzeuge zu günstigen Preisen angeboten.

Allerdings handelt es sich trotzdem um einen Gebrauchtwagen – der Käufer wird also nicht als Erstbesitzer in den Papieren geführt. Außerdem können Sie nicht mehr von der vollständigen Neuwagengarantie profitieren, wenn Sie einen Jahreswagen kaufen. Ein Reimport-Fahrzeug hingegen ist oftmals noch günstiger, hat keine Kilometer auf dem Tacho und Sie sind der erste Besitzer.

Legen Sie aber keinen Wert darauf, ein fabrikneues Fahrzeug zu erwerben, kann ein Jahreswagen eine gute und günstige Alternative sein – zumal die aufwändigen Formalitäten, die mit der Überführung und Zulassung eines Reimport-Autos einhergehen, wegfallen.

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