EU-Reimport: Ein Auto kaufen zum Schnäppchenpreis?

Kleinwagen, Kombi oder SUV: Ist ein EU-Reimport die richtige Wahl?

Auto aus einem Land der EU: Beim Neuwagen-Reimport ist einiges zu beachten.

Auto aus einem Land der EU: Beim Neuwagen-Reimport ist einiges zu beachten.

Im Jahr 2016 hat ein durchschnittlicher Neuwagen laut Angaben des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen rund 31.400 Euro gekostet. Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit liegt demgegenüber das deutsche Durchschnittsgehalt für Vollzeitbeschäftigte bei etwa 3.000 Euro.

Fast ein Jahr lang muss der Durchschnittsdeutsche demnach allein für einen Neuwagen arbeiten gehen. Auch wenn Möglichkeiten der Autofinanzierung es vielen Autokäufern mittlerweile möglich machen, den Traumwagen in Raten abzubezahlen, suchen doch viele noch nach besonderen Optionen, um beim Erwerb eines neuen Autos zu sparen.

Bei der Suche nach günstigen Neuwagen stolpern viele Autofans über Fahrzeuge, die als EU-Reimport gekennzeichnet sind. Was zeichnet diese Autos aus? Warum ist ein Neuwagen als EU-Reimport oft so viel günstiger? Hat das vermeintliche Schnäppchen auch einen oder mehrere Haken? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Ratgeber.

Was ist ein EU-Reimport eigentlich?

Eigentlich ist es ganz einfach: EU-Reimport-Fahrzeuge werden in Deutschland hergestellt, sind aber für den Export ins europäische Ausland vorgesehen. Sie werden nach der Fertigstellung ins Ausland gebracht. Erwirbt ein deutscher Käufer das Auto und wird es zurück nach Deutschland gebracht, handelt es sich um einen Reimport.

Neben einem EU-Reimport gibt es auch Import-Autos. Diese wurden nicht in Deutschland, sondern im Ausland für den jeweiligen Markt hergestellt. Werden diese Autos dann nach Deutschland verkauft, handelt es sich um Import-Fahrzeuge.

Warum ist ein Auto als EU-Reimport günstiger?

Reimport aus der EU kaufen: Ein Neuwagen kann 30 bis 40 Prozent günstiger sein.

Reimport aus der EU kaufen: Ein Neuwagen kann 30 bis 40 Prozent günstiger sein.

Ein EU-Reimport-Neuwagen wird also in Deutschland gebaut, dann ins Ausland gebracht und danach zurück ins Land der Herstellung transportiert. Laien mögen nun vielleicht davon ausgehen, dass für den doppelten Transport hohe Kosten anfallen, die auf den Anschaffungspreis aufgeschlagen werden und die Kosten dadurch erhöhen. Dem ist jedoch nicht so. Wenn Personen einen Neuwagen als EU-Reimport kaufen, liegen die Preise teilweise bis zu 30 Prozent, manchmal sogar bis zu 40 Prozent unter dem deutschen Niveau für das gleiche Modell.

Doch wodurch lässt sich der Neuwagen-Rabatt erklären? Warum ist ein in einem anderen Land der EU gekauftes Auto als Reimport so viel günstiger? Sind diese Fahrzeuge etwa von einer schlechteren Qualität? Nein, durch die Herstellung lässt sich der Preisunterschied nicht erklären. Ein EU-Reimport wird in der gleichen Fabrik hergestellt wie das Modell, welches von Vornherein für den Verkauf in Deutschland gebaut wird. Es werden auch die gleichen Materialien verwendet.

Wie kommt also der günstigere Preis für ein EU-Reimport-Auto zustande? Hierbei sind zwei wichtige Faktoren zu beachten. Zunächst lässt sich feststellen, dass das Preisniveau in vielen anderen Ländern weit unter dem deutschen liegt. Nur, wenn die Autobauer ihre Fahrzeuge zu einem niedrigeren Preis anbieten, können sie diese in Ländern, in denen die Menschen im Durchschnitt weniger Geld zur Verfügung haben, auch verkaufen. Auf Grund der dortigen geringeren Kaufkraft ist also ein Neuwagenmodell beispielsweise in Polen um einiges günstiger als in Deutschland.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt, welcher für den niedrigeren Anschaffungspreis von EU-Reimport-Autos sorgt, liegt in steuerlichen Unterschieden begründet. Kaufen Sie in Deutschland einen Neuwagen, müssen Sie die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent entrichten. In vielen anderen Ländern der EU liegt der Prozentsatz jedoch um einiges höher. Die folgende Auflistung zeigt beispielhaft einige Länder und die dort zu entrichtende Mehrwertsteuer:

  • Belgien, Lettland, Litauen, Niederlande, Spanien, Tschechische Republik: 21 Prozent
  • Italien, Slowenien: 22 Prozent
  • Polen, Portugal: 23 Prozent
  • Finnland, Griechenland: 24 Prozent
  • Dänemark, Kroatien, Schweden: 25 Prozent
  • Ungarn: 27 Prozent
Wenn Sie einen Neuwagen als EU-Reimport kaufen, müssen Sie die Mehrwertsteuer in Deutschland entrichten.

Wenn Sie einen Neuwagen als EU-Reimport kaufen, müssen Sie die Mehrwertsteuer in Deutschland entrichten.

Viele Laien mögen sich nun fragen, wieso ihnen dies beim Sparen helfen soll. Die Erklärung ist einfach: Kaufen sie ein EU-Reimport-Auto, müssen deutsche Abnehmer die anfallenden Steuern nicht im Land des Erwerbs, sondern in Deutschland entrichten. Es fällt also nur die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent an.

Neben der Mehrwertsteuer trägt noch eine andere Art der steuerlichen Belastung zum Sparpotenzial von EU-Reimport-Fahrzeugen bei. In vielen Ländern wird zusätzlich eine sogenannte Zulassungssteuer erhoben. Wie sich diese bemisst, variiert je nach Staat. In Dänemark liegt diese etwa bei 105 bzw. 180 Prozent, in Kroatien ist sie beispielsweise vom Kaufpreis und dem CO2-Ausstoß des Fahrzeuges abhängig. In Belgien wiederum sind Hubraum und Alter des Fahrzeugs die maßgeblichen Einflussgrößen.

Damit sich die Käufer trotz dieser teilweise äußerst hohen steuerlichen Belastung den Erwerb eines neuen Autos leisten können, werden die Nettopreise dementsprechend gesenkt und liegen teilweise stark unter dem deutschen Niveau.

Wussten Sie schon? Es gibt nur wenige Länder innerhalb der EU, in welcher ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz als in Deutschland angesetzt wird. Hierzu gehören Luxemburg (17 Prozent) sowie Malta (18 Prozent).

EU-Fahrzeuge als Reimport: Achten Sie auf die Ausstattung!

Wenn es ein EU-Reimport-Auto in Ihre engere Auswahl schafft, ist einiges zu beachten. Zwar sind die Fahrzeuge, wie bereits erwähnt, nicht qualitativ minderwertig, jedoch können sich die Ausstattungsmerkmale voneinander unterscheiden. Nicht in jedem Land haben die Käufer nämlich die gleichen Ansprüche an ein Auto wie in Deutschland.

Wenn Sie ein Auto als EU-Reimport beim deutschen Händler kaufen, entfällt der Aufwand für Überführung & Co.

Wenn Sie ein Auto als EU-Reimport beim deutschen Händler kaufen, entfällt der Aufwand für Überführung & Co.

Da ein Auto als Reimport aus der EU für den jeweiligen ausländischen Markt hergestellt wird, kommt es zur Anpassung der Ausstattung anhand der Kundenwünsche des jeweiligen Landes. In den wärmeren südeuropäischen Staaten, beispielsweise Spanien oder Portugal, gehört eine Klimaanlage in der Regel zur Grundausstattung. Kaufen Sie ein EU-Reimport-Fahrzeug aus einem solchen Land, können Sie also davon ausgehen, dass es über ein solches Extra verfügt. In den nordeuropäischen Ländern, etwa Finnland und Schweden, werden Klimaanlagen hingegen weniger nachgefragt. Dafür gehören spezielle Winterpakete hier zur Basisausstattung.

Des Weiteren ist zu beachten, dass sich die Sicherheitsbestimmungen in vielen Ländern von den deutschen unterscheiden. Während das Antiblockiersystem (ABS) oder das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP)in Deutschland zum Standard gehört, ist es in der Basisausstattung in anderen Ländern nicht enthalten. Auch die elektronische Wegfahrsperre, die von vielen deutschen Versicherungen gefordert wird, ist nicht in jedem Land Teil der Standardausstattung.

Beachten Sie: Bei EU-Reimport-Autos kann es außerdem der Fall sein, dass eingebaute Navigationssysteme oder Bordcomputer nicht über eine deutsche Menüführung bzw. Sprachausgabe verfügen. Hierüber sollten Sie sich vor dem Kauf erkundigen.

Günstiger Pkw aus der EU: Hat ein Reimport-Auto auch Nachteile?

Auch wenn Sie auf den ersten Blick viele Euro bei einem Reimport-Auto sparen können, so hat der Kauf eines solchen Fahrzeugs nicht nur Vorteile. Sie können einen EU-Reimport-Wagen entweder direkt im Ausland oder aber in Deutschland über einen entsprechenden Händler kaufen. Entscheiden Sie sich für die erste Variante, geht dies mit einem hohen Aufwand einher.

Beim Kaufvertrag ist zu beachten, dass diesem das im Kaufland geltende Recht zugrunde liegt. Außerdem müssen Sie damit rechnen, dass Sie keine Ausführung in deutscher Sprache erhalten. Es empfiehlt sich also, wenn Sie der Sprache nicht mächtig sind, den Vertrag von einer anderen Person übersetzen zu lassen.

Bei der Übergabe ist darauf zu achten, dass Ihnen alle nötigen Papiere überreicht werden. Anschließend ist die Überführung nach Deutschland zu organisieren. Hierzu benötigen Sie in der Regel ein Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des jeweiligen Landes. Ein deutsches Kennzeichen dieser Art wird im Ausland nicht anerkannt. Die Überführung auf einem Autotrailer ist hingegen problemlos möglich.

Auto aus der EU: Ein Pkw-Reimport hat nicht nur Vorteile.

Auto aus der EU: Ein Pkw-Reimport hat nicht nur Vorteile.

In Deutschland angekommen muss dann die Zulassung in Angriff genommen werden. Hierzu müssen alle nötigen Dokumente vorlegen. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Kaufvertrag oder Rechnung im Original
  • COC-Papiere
  • Ausländische Fahrzeugpapiere
  • Mitteilung für Umsatzsteuerzwecke
  • Des Weiteren müssen Sie Sie sich an das Finanzamt wenden und dort die deutsche Mehrwertsteuer bezahlen. Möchten Sie diesen Aufwand umgehen, ist es ratsam, einen deutschen Händler, der auf EU-Reimport-Autos spezialisiert ist, mit dem Kauf zu beauftragen. Dieser sollte nicht nur als Vermittler auftreten. Das hat den Vorteil, dass dann für Sie das deutsche Kaufrecht gilt.

    Kaufen Sie ein Auto als EU-Reimport, sind weitere Nachteile zu beachten. Diese betreffen unter anderem die Garantie für das Fahrzeug. Innerhalb der EU sind die Garantieleistungen zwar meist gleich und Vertragswerkstätten eines Herstellers sind innerhalb der EU dazu verpflichtet, Garantieleistungen zu erbringen. Jedoch müssen die Garantieunterlagen dafür abgestempelt sein und mit der Fahrgestellnummer sowie dem Übergabedatum versehen sein. Hinsichtlich der Sachmängelhaftung sollte Sie im Hinterkopf behalten, dass Sie Ihre Rechte in der Regel im Ausland geltend machen müssen, was einen großen Aufwand bedeuten kann.

    Gibt es ein EU-Reimport-Auto als Gebrauchtwagen?

    Nicht nur Neuwagen, auch Gebrauchtwagen sind als Reimport erhältlich. Das Sparpotenzial ist auch hier gegeben. Beim Kauf sind die gleichen Dinge zu beachten wie bei einem Neuwagen. Erwerben Sie ein solches Fahrzeug im europäischen Ausland, geht dies mit einem hohen Aufwand hinsichtlich Überführung, Formalitäten und Co einher. Es empfiehlt sich deshalb, einen deutschen Händler mit entsprechender Erfahrung zu beauftragen.

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2 Kommentare

  1. Dr.Jan R. sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte einen neuen PKW als Reimport kaufen (z.B. Audi, Skoda, Mercedes, VW ). Können Sie mir einen günstigen und
    seriösen Importeur empfehlen ? Es geht um MwSt – Nachlass , Gebühren ,Provision und andere Ausgaben ).

    Freundlichen Dank und Gruß

    j.r.

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Dr. Jan R.,

      wir können Ihnen hier leider keine Kaufberatung anbieten. Erkundigen Sie sich am besten bei einem Autohändler nach seriösen Importeuren.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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