Fehmarnbeltquerung: Per Tunnel nach Dänemark

News vom 10.04.2019 um 13:17 Uhr
Mit der Fehmarnbeltquerung soll eine feste Verbindung zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der Insel Lolland in Dänemark geschaffen werden.

Mit der Fehmarnbeltquerung soll eine feste Verbindung zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der Insel Lolland in Dänemark entstehen.

Wenn Sie mit dem Auto nach Dänemark wollen, haben Sie bislang zwei Möglichkeiten: Sie überqueren die Landgrenze im Norden Schleswig-Holsteins oder Sie benutzen eine der beiden Fährstrecken, die von Deutschland aus ins benachbarte Königreich führen. In einigen Jahren soll es jedoch noch eine wesentlich einfachere Möglichkeit geben, um nach Dänemark zu fahren: die Fehmarnbeltquerung.

Dänemark und Deutschland vereinbaren 2008 ehrgeiziges Projekt

Am 3. September 2008 wurde in Kopenhagen ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark unterzeichnet. Dieser sieht den Bau einer festen Querung zwischen der deutschen Insel Fehmarn (Schleswig-Holstein) und der dänischen Insel Lolland vor. Sie ist sowohl für den Straßen- als auch den Schienenverkehr vorgesehen. Diese Verbindung soll den etwa 18 Kilometer breiten Fehmarnbelt, die Wasserstraße zwischen den beiden genannten Inseln, überwinden, weshalb das Bauprojekt offiziell als „Feste Fehmarnbeltquerung“ betitelt wird.

Der Vertrag, der im Jahr 2009 von den Gesetzgebern beider Länder ratifiziert wurde, sieht folgende Vereinbarungen vor:

  • Dänemark hat die alleinige Zuständigkeit für die Finanzierung, die Planung, den Bau und den Betrieb der Festen Fehmarnbeltquerung inne.
  • Des Weiteren muss sich das Königreich eigenständig um den Ausbau des Anbindungsnetzes auf dänischer Seite kümmern.
  • Deutschland wird dazu verpflichtet, die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite auszubauen und dies auch selbst zu finanzieren.

Für die Umsetzung der eigentlichen Fehmarnbeltquerung ist somit allein Dänemark verantwortlich. Das betrifft sogar die Baumaßnahmen, die auf deutscher Seite durchgeführt werden müssen, wie z. B. den Bau von Rampen. Dafür stehen dem dänischen Königreich nach Fertigstellung des Projekts die Einnahmen aus den Maut-Gebühren alleine zu.

Bislang ist die Insel Lolland von Deutschland aus nur per Fähre zu erreichen. Diese legt vom Hafen Puttgarden auf Fehmarn ab. Es ist eine von nur zwei Fährverbindungen zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich. Die andere verkehrt zwischen Rostock in Mecklenburg-Vorpommern und Gedser auf der dänischen Insel Falster.

Mit dem Bau der neuen Verbindung soll sich die Reisezeit zwischen Skandinavien und Kontinentaleuropa deutlich verkürzen, was den grenzüberschreitenden Austausch begünstigt – nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern auch in Hinblick auf Kultur, Wissenschaft, Bildung und Tourismus.

Diese Baumaßnahmen umfasst das Projekt „Fehmarnbeltquerung“

Die Fehmarnbeltquerung soll als Tunnel unter der Ostsee verlaufen.

Die Fehmarnbeltquerung soll als Tunnel unter der Ostsee verlaufen.

Die eigentliche Fehmarnbeltquerung ist ein 17,6 Kilometer langer, vierröhriger Absenktunnel, der unter der Wasserstraße verlaufen wird. Damit wäre er der bisher längste Tunnel für den kombinierten Schienen- und Straßenverkehr und soll zudem einer der sichersten und fortschrittlichsten Tunnel seiner Art werden.

Des Weiteren umfasst das Projekt den Ausbau der Schienen- und Straßenanbindung sowohl auf dänischer als auch auf deutscher Seite. Konkret handelt es sich dabei um folgende Maßnahmen:

In Deutschland:

  • Ausbau der Bundesstraße 207 zwischen Heiligenhafen (Ost) und Puttgarden auf vier Fahrstreifen (Ausnahme bildet die Fehmarnsuntbrücke, die die Insel Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet. Diese bleibt weiterhin zweistreifig.)
  • Elektrifizierung der Schienenstrecke zwischen Puttgarden und Lübeck
  • Elektrifizierung und Ausbau der Schienenstrecke zwischen Bad Schwartau und Puttgarden auf zwei Gleise (Auch hier besteht eine Ausnahme für die Fehmarnsuntbrücke, welche weiterhin eingleisig bleibt.)

In Dänemark:

  • Ausbau der Autobahn E 47 zwischen Sakskøbing und Rødbyhavn auf vier Fahrstreifen – wurde bereits umgesetzt
  • Elektrifizierung der Schienenstrecke zwischen Ringsted und Rødbyhavn
  • Elektrifizierung und Ausbau der Schienenstrecke zwischen Vordingborg und der Storstrømsbroen auf zwei Gleise
  • Elektrifizierung und Ausbau der Schienenstrecke zwischen Orehoved und Rødbyhavn auf zwei Gleise

Ist das Projekt schon beschlossene Sache?

Das dänische Parlament hat den Bau der Fehmarnbeltquerung bereits am 28. April 2015 beschlossen. Am 31. Januar 2019 wiederum geschah dies mit dem Erlass des Planfeststellungsbeschlusses auch von deutscher Seite aus. Jener lag vom 26. März bis 8. April öffentlich aus und konnte auch im Internet eingesehen werden.

Fehmarnbeltquerung: Noch kann Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht werden.

Fehmarnbeltquerung: Noch kann Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht werden.

Seit Beginn der öffentlichen Auslegung läuft bis zum 15. April eine Frist, in der potentielle Gegner des Projekts die Möglichkeit haben, eine Anfechtungsklage gegen den Planfeststellungsbeschluss beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen. Danach haben sie wiederum zehn Wochen lang Zeit, Begründungen für ihre Klage anzuführen.

Das „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung“ hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass es gegen den Bau eines Tunnels klagen würde. Als Argumente bringt es u. a. eine Gefährdung der marinen Ökologie und Sicherheitsbedenken z. B. hinsichtlich des Brandschutzes vor. Auch der NABU sowie diverse Gemeinden in Schleswig-Holstein haben Klagen angekündigt.

Bislang ist noch nicht bekannt, welche Stellen tatsächlich eine Anfechtungsklage einreichen werden und mit welcher Begründung. Des Weiteren muss als Nächstes die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hinsichtlich dieser Klagen abgewartet werden. Dr. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Verkehrsministerium Schleswig-Holsteins, äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass auch diese Hürde genommen werden könnte.

In Dänemark soll der Bau der Fehmarnbeltquerung bereits in diesem Herbst beginnen. Sollte es aber tatsächlich zu Anfechtungsklagen auf deutscher Seite kommen, könnte sich der Baustart bis mindestens 2021 verzögern. Bislang ist geplant, die neue Verbindung 2028 in Betrieb zu nehmen.

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