Motorrad kaufen – die Fallstricke beim Erwerb eines Kraftrads

Ein Motorrad kaufen – was sind die wichtigsten Punkte?

Motorrad kaufen: Gerade gebraucht lauern zahlreiche zu umschiffende Klippen.

Motorrad kaufen: Gerade gebraucht lauern zahlreiche zu umschiffende Klippen.

Den Motorradführerschein in der Tasche, denken viele Fahranfänger über einen Motorradkauf nach. Schließlich haben sie die Prüfung ja nicht abgelegt, um die Fahrerlaubnis im Schrank oder Portemonnaie verstauben zu lassen.

Und auch, wer schon lange ausschließlich mit dem Auto unterwegs war und erst später seine Passion für das zweirädrige Fahren entdeckt hat und sich ein Motorrad neu kaufen will, sollte sich vor der Entscheidung für ein bestimmtes Exemplar genauesten informieren, um Fehlinvestitionen zu verhindern und möglichst lange Freude am Bike zu haben.

Begeben Sie sich deshalb schon rechtzeitig vorab auf die Suche und machen Sie sich mit allem Notwendigen vertraut.


In Deutschland stellen sich zahlreiche Anbieter wie Honda, Piaggio, Triumph, KTM und BMW regelmäßig auf Messen vor. Hier präsentieren sie nicht nur Produkte und Dienstleistungen rund ums Motorrad, Interessenten haben hier ebenso die Möglichkeit sich von Roller über Quad bis hin zum richtigen Zubehör kundig zu machen und auch zu kaufen. Zu den wohl bekanntesten gehören die Berliner Motorrad Tage (BMT) in Berlin (24.-26.3.2017), die Internationale Motorrad Ausstellung (IMOT) in München (17.-19.2.2017) und die Motorräder Dortmund (2.-5.3.2017).

Motorräder kaufen – darauf ist besonders zu achten

Bevor es daran geht ein Motorrad eventuell mit Beiwagen zu kaufen, steht an allererster Stelle die Überlegung: Was für eine Art von Zweirad kommt in Frage? Das ist eng verknüpft damit, welche Anforderungen Sie an das Bike stellen. Welchen Zweck soll es erfüllen? Möchten Sie zukünftig lange Tourenfahrten mit dem Gerät unternehmen, eventuell auch mit Sozius, oder geht es darum, sich unter der Woche flink durch Berufsverkehr zu schlängeln, ohne ständig im Stau zu stehen? Greifen Sie daher zum richtigen Motorradtyp.

  • Allrounder: Wer ein solches Motorrad kaufen möchte, der entscheidet sich für ein Modell, das ein Mix aus Tourenrad und Sportmotorrad darstellt. Es ist häufig keinem anderen Motorradtyp zuordbar.
  • Chopper und Cruiser: Motorräder dieser Art verfügen über nur wenige Extras. Ihr hohes Gewicht, der niedrige Schwerpunkt und die langen Federgabeln sind charakteristisch. Bekanntester Vertreter sind wohl die Modelle von Harley Davidson.
  • Custombike: Käufer dieses Motorradtyps lassen sich ihr Exemplar nach den eigenen Wünschen anfertigen oder umbauen, um sich selbst zu verwirklichen und ein Unikat ihr Eigen zu nennen. Die Betriebserlaubnis ist nach dem Kaufen in den meisten Fällen extra zu beantragen.
  • Motocross: Ein Motocross-Motorrad kaufen jene, die vorhaben, im Gelände unterwegs zu sein. Durch ihr geringes Gewicht, gute Federung, verstärke Hinterradschwingen und grobstollige Reifen sind sie optimal ans den Geländeeinsatz angepasst. Da sie häufig ausschließlich im sportlichen Wettbewerb eingesetzt werden, weisen die meisten Modelle dieses Typs keine Straßenzulassung vor.
  • Pocket Bike: Schon mal einem viel zu groß für sein Motorrad erscheinenden Fahrer begegnet? Dann handelte es sich höchstwahrscheinlich um ein Pocket Bike – den Miniatur-Nachbau eines „richtigen“ Motorrads. Es ist höchstens 1,10 m lang, 50 cm breit und ebenso hoch. Wollen Sie ein Motorrad kaufen, um auf der Straße unterwegs zu sein, nehmen Sie von diesem Motorradtyp lieber Abstand. Über eine Straßenzulassung verfügen sie nicht.
  • Streetfighter: Zu den Naked Bikes gehörend, sind Streetfighter sehr leistungsstark und sehen eher martialisch aus. Für das Mitführen eines Sozius ist dieses Bike nicht geeignet.
  • Tourer: Wer mit seinem Motorrad lange Reisen unternehmen will, greift zu einem Tourer. Sitzposition und Technik sind für ausgiebige Fahrten ausgelegt. Dieser Motorradtyp ist eher robust.
  • Trike: Ein Trike eignet sich insbesondere für jene, die zu zweit unterwegs sein wollen. In der Regel verfügt das Motorrad über ein Vorder- und zwei Hinterräder.


So schnittig das Motorrad der Träume sein mag, ganz entscheidend ist, bevor Sie zum Beispiel ein Rennmotorrad kaufen, dass auf die eigene Körpergröße Rücksicht nehmen. Denn nicht jede Marke ist auch für jeden Fahrer geeignet, variieren doch Arm und Beinlängen mitunter erheblich. Wählen Sie ein zu hohes Bike, fällt das Stabilisieren beim Halten schwer. Ist das Motorrad zu klein, könnten auf Dauer andere Unbequemlichkeiten auftreten.

Beim richtigen Motorrad berührt der Fahrer ohne Schwierigkeiten mit beiden Füßen den Boden. Darüber hinaus gelangt er problemlos an die Lenkerenden und das auch, wenn der Lenker voll eingeschlagen ist. Wer ein Moped kaufen oder sich ein Motorrad zulegen möchte, der sollte darauf achten, dass er sowohl in der Lage ist, das Zweirad mühelos zu rangieren als auch aufzubocken. Eine Probefahrt ist deshalb unerlässlich.
Beim Motorrad-Kaufen gilt es, wachsam zu sein.

Beim Motorrad-Kaufen gilt es, wachsam zu sein.

Und auch die Motorisierung sollte beim Motorrad kaufen berücksichtigt werden.

Denn: Je mehr Pferdestärken das Bike vorweisen soll, desto größer ist in der Regel auch der Motor und desto schwerer also auch das motorisierte Zweirad. Ebenfalls schießt der Preis schnell in die Höhe.

Angesichts zum Teil erheblicher Kosten für die Anschaffung eines neuen Motorrads und des hohen Wertverlustes in den ersten beiden Jahren entscheiden sich viele Bike-Liebhaber dafür, ein gebrauchtes Motorrad zu kaufen.

Welche Klippen Käufer hier zu umschiffen haben, zeigen wir im Folgenden.

Motorrad gebraucht kaufen – wichtige Tipps vorab

Egal, ob Sie ein Motorrad oder einen Motorroller kaufen wollen, als Faustregel gilt: Der beste Zeitpunkt zum Kauf eines Zweirads ist der Winter. Hier sind in der Regel nur wenige Fahrer unterwegs; der Preis ist deshalb häufig niedriger als in der Saison.

Der Motorrad-Gebrauchtmarkt ist riesig und in seiner Gänze nur schwer zu überblicken. Wichtig ist deshalb, sich bereits vorab klar zu machen, wonach man Ausschau hält. So kann das Angebot eingegrenzt und relevante Offerten ausgemacht werden.

Die wichtigste Empfehlung beim Motorräder gebraucht kaufen lautet: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit! Durchforsten Sie die Angebote sorgsam und ausgiebig. Lassen Sie sich auch später bei der Inaugenscheinnahme nicht drängen, sondern prüfen Sie alles akribisch.

Ist der Besichtigungstermin mit dem Verkäufer vereinbart, empfiehlt es sich das Motorrad genau unter die Lupe zu nehmen. Hierbei können Checklisten helfen alle wichtigen Punkte im Blick zu behalten. Auf ebenjene Teile und ihren Zustand sollte besonders geachtet werden:

  • Schlösser
  • Elektrik
  • Instrumente
  • Bremsen
  • Kette
  • Räder sowie Reifen
  • Schleifspuren
  • austretende Flüssigkeit
  • Rostbefall

Prüfen Sie egal, ob Sie ein Motorrad, ein Mokick oder Motorroller kaufen wollen, vorab in welchem Zustand es sich befindet.

Auch die Griffheizung ist beim Motorrad-Kaufen zu testen.

Auch die Griffheizung ist beim Motorrad-Kaufen zu testen.

Zunächst ist die Elektrik einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Funktioniert die Beleuchtung einwandfrei? Gehen Sie hierfür sowohl Stand-, Abblend- und Fernlicht durch. Ferner sind auch Rück- und Bremslicht sowie Blinker und die Instrumentenbeleuchtung zu inspizieren, bevor es zum Kauf kommt. Arbeitet die Griffheizung einwandfrei? Funktionieren Hupe, Lichthupe, Killschalter etc.? Und schließlich sollten auch die Kontrollleuchten und sonstige Schalter Ihrem kritischen Blick nicht entgehen, damit Sie einen vollständigen Eindruck erhalten.

Wie ist es um die Bowdenzüge bestellt? Kupplung, Gas und Choke sollten ohne Probleme funktionieren. Vergessen Sie den Tachometer nicht. Schlackert der Zeiger? Dann prüfen Sie Tachowelle genauer, sie ist eventuell kaputt.

Die Bremsen sind die Lebensversicherung eines jedes Motorradfahrers. Vor dem Kauf ist eine Überprüfung deshalb das A und O. Sind die Bremsscheiben mit Riefen versehen oder gar eingelaufen? Weisen die Bremsbeläge Verschleißspuren vor?

Die Bremsbeläge sollten im Minimum vier Millimeter dick sein, um ihre Funktion zu erfüllen. Sind sie unterschiedlich stark beansprucht? Dann ist das verdächtig. Schließlich ist auch die Trommelbremse auf Abnutzungsspuren hin zu untersuchen.

Wie ist es um die Kette bestellt? Versuchen Sie die Kette in rückwärtiger Bewegung vom Rad zu lösen. Klappt dies und weisen die Zähne eine sehr spitze Form vor („Haifischzähne“, „Sägezähne“), weist das auf eine mangelhafte Qualität beider Bestandteile hin. Der Austausch des gesamten Kettensatzes steht bevor.

Die Bereifung ist beim Motorrad besonders wichtig für die Sicherheit des Fahrers. Da im Gegensatz zum Auto nur zwei Exemplare vorhanden sind, sollten sie gründlich untersucht werden, bevor es auf die Piste geht. Bewegen Sie sie dazu sowohl nach vorne als auch hinten. Vernehmen Sie Schleifgeräusche oder sonstige Blockierungen? Ist das Reifenprofil mindestens drei Millimeter tief? Entsprechen Typ und Dimension den Informationen im Fahrzeugschein?

Und schließlich ist die gesamte Karosserie auf Schleifspuren – Zeugen etwaiger Unfälle – hin zu analysieren. Auch Aufkleber sind notfalls zu entfernen, um sich einen umfassenden Eindruck zu verschaffen. Vergessen Sie auch die Fußrasten, Endschalldichter, Lenkerenden. Scheinwerfer und Rahmen nicht.

Ebenfalls ist auf eventuell austretende Flüssigkeiten zu achten, insbesondere rund um den Motor, an der Vorderradgabel, dem Kardan-Winkeltrieb, am Vergaser sowie Tank. Hier bestehende Lecks können mit hohen Kosten bei der Beseitigung einhergehen und den Kaufpreis nachträglich in die Höhe schnellen lassen.

Und schließlich kann auch Rost den Wert eines motorisierten Zweirads erheblich mindern. Deshalb sollten diejenigen, die ein Motorrad kaufen möchten, Korrosionsstellen genauestens im Blick haben. Zeigen sich braune Stellen am Auspuff, am Rahmen, Speichen oder Felgen bzw. rund um den Tank? Oder gibt es Beulen in der Karosserie respektive Kratzer im Lack?

Motorräder gebraucht kaufen – besser nicht auf eine Probefahrt verzichten

Wer sich ein bereits genutztes Bike zulegen möchte, sollte wie auch beim Autokauf unbedingt eine Probefahrt unternehmen. Sie gibt Aufschluss über Fahrverhalten, Funktionstüchtigkeit, die richtige Größe und das Fahrgefühl.

Selbst in der Wintersaison ist eine Probefahrt ratsam, sofern die Straßen nicht von Schnee und Eis bedeckt sind. Dies könnte schlimmstenfalls zu einem Sturz und schweren Verletzungen führen. Beachtet werden sollte: Ist das zu kaufende Motorrad nicht ganzjährig zugelassen, darf das Verkaufsobjekt auch nur in dem Zeitraum gefahren werden, in dem das Saisonkennzeichen gilt.
Auch auf die Probefahrt ist beim Motorrad kaufen nicht zu verzichten.

Auch auf die Probefahrt ist beim Motorrad kaufen nicht zu verzichten.

Wichtig ist, bevor Sie loslegen: Der Motor des Fahrzeugs sollte unbedingt kalt sein. Nur dann ist gewährleistet, dass wirklich alle durch Schäden verursachte Geräusche an Lager und Steuerkette hörbar werden. Auch können Sie so detektieren, ob eventuell Zündungsschwierigkeiten auftreten. Kontrollieren Sie das Standgas. Erklingt ein Knattern oder Rasseln? Dann weist das auf eine verschlissene Steuerkette hin. Wenn gleichzeitig blauer Rauch aus dem Auspuff tritt, sind vermutlich die Ventilschaftdichtungen porös. Ebenso sind alle Gänge zu testen und auch die Drehzahlen zu begutachten. Meckert der Motor? Das ist kein gutes Zeichen.

Achten Sie auch auf die Funktionsweise der Bremsen. Wenn Sie diese häufiger nacheinander betätigen, variiert dann der Bremspunkt? Ergibt sich ein Widerstand an den Bremshebeln beim leichten Anziehen? In diesen Fällen sollten Sie sehr vorsichtig sein und den Motorradkauf gegebenenfalls überdenken.

Wie das Motorrad läuft, ist am besten auf einer ebenen und wenig befahrenen Strecke zu überprüfen. Beschleunigen Sie auf 60 bis 80 km/h und halten Sie den Lenker entspannt. Bestenfalls verhält sich das Bike ruhig und fährt gerade aus ohne zu verziehen. Tut sie das nicht, kann dies auf eine verbogene Telegabel oder – noch schlimmer – einen schiefen Rahmen hinweisen.

Ist das Motorrad ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft, geht es in die Preisverhandlung. Geben Sie nicht der Versuchung nach, schon direkt im Anschluss den Kauf festzumachen. Besser ist es, einige Tage verstreichen zu lassen und ausgiebig Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Die Motorrad-Versteigerung

Wer günstig ein Motorrad kaufen will, sollte auch Versteigerungen und Auktionen in Betracht ziehen. Nicht nur auf eBay Kleinanzeigen können so mit etwas Glück und Sachverstand echte Schnäppchen erzielt werden. Darüber hinaus verkaufen auch der Zoll sowie die Justiz- und Finanzministerien der Länder ab und an motorisierte Zweiräder, die zum Beispiel als Behördenfahrzeuge ausgedient haben oder Fundstücke sind, dessen Besitzer nicht mehr auszumachen ist.

Doch beim Motorrad kaufen im Internet lauern einige Tücken. Wer ein Gebot abgibt, geht einen rechtsverbindlichen Vertrag ein. Das bedeutet: Sind Sie der Bieter mit dem höchsten Gebot, müssen Sie den entsprechenden Betrag auch zahlen. Doch jetzt die gute Nachricht: Ihnen steht ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu, sofern Sie das Motorrad von einem Händler kaufen. Es beginnt ab der Übergabe der Maschine zu laufen. Entscheiden Sie sich zum Widerruf, ist dieser dem Händler gegenüber zu erklären. Hierfür reicht ein formloses Schreiben, in dem der Grund nicht aufzuführen ist, aus.

Erwerben Sie ein motorisiertes Zweirad von privat, können Sie sich nicht auf ein Widerrufsrecht berufen.

Unfall-Motorrad kaufen

Das Angebot an bereits mindestens einmal verunglückten Zweirädern im Internet ist groß. Zahlreiche Verkäufer bieten ihre Ware zum Kauf an, da sich gerade bei alten Bikes der Austausch teurer Teile nicht mehr lohnt und häufig den Restwert übersteigt. In diesem Zusammenhang wird auch vom wirtschaftlichen Totalschaden gesprochen.

Gerade für Hobby-Bastler bietet sich beim Unfall-Motorräder kaufen eine günstige Gelegenheit, Ersatzteile zu beschaffen, denn neu und einzeln erworben, geben sie meist ein Vielfaches aus. Außerdem geht der Spaß auch noch verloren.

Vorsicht bei zu günstig erscheinenden Angeboten. Es könnte sich beim Verkäufer um ein schwarzes Schaf handeln. Vor Betrug schützen sich Käufer, durch die Überprüfung der Kontaktdaten. Ist der Anbieter erreichbar? Kann das Motorrad besichtigt werden? Und wie sehen die Zahlungsmodalitäten aus? Sicher gehen Sie beim Motorrad kaufen, wenn Sie auf eine Anzahlung oder Vorkasse verzichten. Auch Bargeld-Transfers via Western Union oder MoneyGram sind mit Vorsicht zu genießen und besser zu vermeiden.

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