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Die Sperrfrist: Wenn der Führerschein weg ist

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 24. März 2021

Die Sperrfrist im Detail: Informationen, Grundlagen, Ratschläge

Während der Sperrfrist bleibt das Auto in der Garage stehen.
Während der Sperrfrist bleibt das Auto in der Garage stehen.

Der Bußgeldkatalog beruht auf einer Staffelung der Strafmaßnahmen für Verkehrssünder. Je schwerer das Vergehen, desto strenger die Folgen – auf diesem Prinzip ist das Verkehrsrecht aufgebaut.

Kleine Delikte werden lediglich mit einem Bußgeld belegt, mit steigender Schwere kommen Punkte in Flensburg, Fahrverbote und schließlich der Entzug der Fahrerlaubnis hinzu.

Bei letzterem legt ein Gericht eine sogenannte Sperrfrist fest, in welcher die Fahrerlaubnis für den Fahrer entzogen wird. Erst nach Ablauf einer gewissen Zeit kann eine Neuerteilung erfolgen.

Für viele Betroffene ist die führerscheinlose Zeit eine harte Geduldsprobe. Einige hoffen auf eine Verkürzung der Sperrfrist, um sich schnell wieder hinter das Steuer begeben zu können.

Doch unter welchen Umständen kommt es zur Sperrfristverkürzung? Wie viele Monate können Sie dadurch sparen? Und welche Maßnahmen können Verkehrssünder noch in der Sperrfrist ergreifen, um ihren Führerschein so schnell und einfach wie möglich zurückzubekommen? Im folgenden Artikel finden Sie allgemeine Informationen sowie spezifische Tipps rund um den Ablauf der Sperrfrist.

FAQ: Sperrfrist nach der Entziehung der Fahrerlaubnis

Was ist die Sperrfrist?

Nach der Entziehung der Fahrerlaubnis beginnt die Sperrfrist. In dieser Zeit kann der Betroffene keine neue Fahrerlaubnis erwerben. Auch eine im Ausland erworbene Fahrerlaubnis ist bis zum Ablauf der Sperrfrist in Deutschland nicht gültig. Ein Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ist sechs Monate vor Ablauf der Sperrfrist möglich.

Wie lange dauert die Sperrfrist beim Führerschein?

Die Sperrfrist wird für mindestens 6 Monate, maximal jedoch 5 Jahre verhängt. Die genaue Dauer legt die Behörde für den jeweiligen Einzelfall fest.

Können Sie die Sperrfrist verkürzen?

Die Sperrfrist kann unter Umständen durch die Teilnahme an Schulungsmaßnahmen (z. B. verkehrspsychologische Beratung) verkürzt werden. Eine Garantie gibt es jedoch nicht, das Gericht entscheidet auf Grundlage des jeweiligen Einzelfalls.

Spezifische Informationen zur Sperrfrist

Die Sperrfrist folgt dem Führerscheinentzug

Manche Verkehrsdelikte führen direkt zum Entzug der Fahrerlaubnis. Dazu gehört zum Beispiel das Führen eines Kfz mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut. Eine Sperrfrist der Fahrerlaubnis folgt auch, wenn Sie acht oder mehr Punkte auf dem Flensburger Konto angesammelt haben.

Die rechtlichen Grundlagen zu Sperrfrist sind in § 69 des Strafgesetzbuches (StGB) vermerkt:

(1) Entzieht das Gericht die Fahrerlaubnis, so bestimmt es zugleich, daß für die Dauer von sechs Monaten bis zu fünf Jahren keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf (Sperre). Die Sperre kann für immer angeordnet werden, wenn zu erwarten ist, daß die gesetzliche Höchstfrist zur Abwehr der von dem Täter drohenden Gefahr nicht ausreicht. Hat der Täter keine Fahrerlaubnis, so wird nur die Sperre angeordnet.

Der Fahrerlaubnisentzug ist nicht mit einem Fahrverbot zu verwechseln. Zwar müssen Sie in beiden Fällen den Führerschein abgeben, doch die Entziehung der allgemeinen Fahrerlaubnis ist ungleich schwerwiegender.

Nach Ablauf des Fahrverbots bekommen Sie Ihren Führerschein einfach wieder und können sich wieder hinter das Steuer setzen. Mit der Fahrerlaubnisentziehung verlieren Sie Ihre Berechtigung, ein Kfz im Straßenverkehr zu führen.

Diese Entscheidung ist vorerst endgültig und nicht temporär begrenzt. Ist die Sperrfrist vorbei, müssen Sie die Fahrerlaubnis neu beantragen, wenn Sie wieder fahren möchten.

Auch nach Ablauf der Sperrzeit bleibt der Führerschein so lange weg, bis Sie über eine neue Fahrerlaubnis verfügen.

Wie lange dauern Sperrfristen?

Nach der Sperrfrist müssen Sie eine neue Fahrerlaubnis beantragen.
Nach der Sperrfrist müssen Sie eine neue Fahrerlaubnis beantragen.

Laut Gesetz liegt die Dauer der Sperrfrist zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. In Ausnahmefällen kann sie auch lebenslänglich andauern. In der Regel liegen die Sperrfristen jedoch zwischen sechs und elf Monaten.

Sechs Monate vor Fristende können Sie bereits eine Neuerteilung der Fahrerlaubnis beantragen. Achtung: Auch Besitzer einer ausländischen Fahrerlaubnis müssen einen Antrag stellen!

Durch die Entziehung verlieren sie das Recht, Fahrzeuge auf deutschem Boden zu führen. Nach Ablauf der Sperrfrist wird die Erlaubnis nicht automatisch wiedererteilt. Stellen Sie keinen Antrag und setzen sich wieder hinter das Steuer, liegt der Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor.

Folgt eine MPU auf die Sperrfrist?

Gerade bei Alkoholdelikten kann eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) Voraussetzung sein, um Ihre Fahrerlaubnis wieder zu bekommen. Dies erfahren Sie, wenn Sie den entsprechenden Antrag stellen. Sie können allerdings auch schon vorab bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde nachfragen, ob eine MPU fällig wird und sich entsprechend vorbereiten.

Dauerte die Sperrfrist länger als zwei Jahre an, können weitere Bedingungen anfallen. Unter Umständen müssen Sie eine erneute Fahrprüfung komplett oder teilweise ablegen. So stellt das Gericht fest, ob Sie sich sicher im Straßenverkehr bewegen können und ob eine Neuerteilung des Führerscheins möglich ist. Dies wird jedoch im Einzelfall entschieden.

Die Sperrzeitverkürzung: Führerschein zurück durch einen Antrag auf Sperrfristverkürzung?

Manche Verkehrssünder benötigen zur täglichen Arbeit einen Führerschein. Die Sperrfrist zu verkürzen scheint einen Ausweg aus der führerscheinlosen Zeit zu bieten. Allerdings ist eine Verkürzung der Sperrfrist bei einem Führerscheinentzug nicht einfach zu erlangen.

§ 69a des StGB bestimmt, dass die Sperrfrist nachträglich aufgehoben werden kann,

(7) Ergibt sich Grund zu der Annahme, daß der Täter zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht mehr ungeeignet ist

Dieser Absatz ist auf eine Weise formuliert, welche dem Richter bzw. der Behörde einen großen Entscheidungsspielraum gewährt. Es liegt also im Ermessen des Gerichts oder der Fahrerlaubnisbehörde, die Entziehung des Führerscheins zu verkürzen. Experten sind sich einig, dass nur jene Gründe vorgelegt werden sollten, die zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung noch nicht bekannt waren.

  • Der Besuch einer Nachschulung bzw. einer verkehrspsychologischen Beratung kann einen entsprechenden Grund für das Gericht liefern, bei der Sperrfrist eine Verkürzung zu erlassen.
  • Persönliche oder wirtschaftliche Umstände hingegen sind nicht geeignet: Auch wenn Ihr Arbeitgeber mit Kündigung aufgrund der Sperrfrist droht, wird dies in der Regel nicht berücksichtigt.
Beachten Sie jedoch: Die Sperrfrist muss auch im Falle eine nachträglichen Minderung mindestens drei Monate betragen. Für Wiederholungstäter, welche in den vorangehenden drei Jahren bereits ihre Fahrerlaubnis verloren haben, liegt die Mindestdauer bei einem Jahr.

Es empfiehlt sich, einen Verkehrsanwalt zu Hilfe zu nehmen, um den Antrag an das Gericht zu formulieren. Eine Abkürzung der Sperrfrist scheint vielen Verkehrssündern verlockend – Experten stellen jedoch fest, dass selten mehr als drei Monate Verkürzung gewährt werden.

Verkürzung der Sperrfrist nach einer Trunkenheitsfahrt

Fällt nach der Sperrfrist eine MPU an?
Fällt nach der Sperrfrist eine MPU an?

Ein Großteil der Führerscheinentziehungen wird wegen Alkoholdelikte verhängt. Gerade bei Wiederholungstaten in diesem Bereich versteht das Recht keinen Spaß. Entsprechend stichhaltige Gründe müssen Alkoholsünder vorweisen, um die Sperrfrist beim Führerscheinentzug zu verkürzen.

Einige Anbieter haben sich auf entsprechende Schulungen spezialisiert. Sie sollten die Angebote jedoch ausgiebig prüfen: Auf diesem Weg kann die Sperrfristverkürzung mit hohen Kosten einhergehen.

Tipp: Nehmen Sie Kontakt zu  einem Anwalt auf. Dieser kann Ihre Aussichten, die Sperrfrist zu verkürzen und den Führerschein früher wiederzuerlangen genau einschätzen. Unter Umständen bewahrt er Sie vor unnötigen Ausgaben.

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185 Kommentare

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  1. Alexander sagt:

    Hallo, ich habe meine Fürerschein 1999 wegen Alkohol verloren, seit 2011 habe Therapie Gemach und seit 2015 orin Kontrolle bestanden, meine Frage: ” müss ich nach MPU test neuen fahr und theoretischen Prüfung ablegen?”

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Alexander,

      es ist in jedem Fall eine Einzelfallentscheidung der Behörden, ob nach einer MPU zusätzliche Prüfungen verlangt werden. Da Ihr Führerscheinverlust mehr als 10 Jahre zurück liegt, ist eine Zusatzprüfung wahrscheinliche.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Alex sagt:

    Hallo
    Ich wurde vor 10 Jahren mit dem Fahrrad unter Alkohol einfluss angehalten und habe eine Sperrfrist vom Führerschein bekommen. Den ich damals aber noch nicht bessen habe jetzt wollte ich meine Führerschein machen wo mir aber die zulassung zur prüfung verweigert wurde. Weil ich wohl eine 10 Jährige Sperrzeit habe. Ich sollte also eine MPU machen was ich auch tat nur wie üblich ist diese negativ ausgefallen ich habe diese auch nicht abgegeben da ich ja nicht dazu Verpflichtet bin. Im Dezember wären die 10 Jahre Sperre rum kann ich trotzdem den Führerschein machen oder kann mir die Führerschein Stelle dort ein Strich durch die rechnung machen. Da diese sich jetzt quer stellt und sagt sie haben die Info das ich die MPU gemacht habe aber diese nicht abgebe. Ich kann doch den Antrag auf führerschein zurück ziehen und nach der sperrfrist neu stellen ohne probleme zu bekommen oder?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Alex,

      es ist unwahrscheinlich, dass Sie eine Sperrfrist von zehn Jahren haben. Diese beträgt maximal fünf Jahre oder ist lebenslänglich. In Ihrem Fall geht es vermutlich eher um die Tilgungsfrist Ihres Verstoßes. Diese Beträgt zehn Jahre, sollte diese nicht unterbrochen werden. Nach der Tilgung kann Ihnen keine MPU verordnet werden. In der Regel müssen Betroffene aber 15 Jahre die Füße still halten, also keine Verkehrsvergehen und kein Antrag auf Neuerteilung. Wenn Sie aber nicht so lange warten wollen, kommen Sie vermutlich nicht um die MPU herum. Eine nicht abgegebene MPU kann Ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  3. Relz sagt:

    Hallo,

    Angenommen man bekommt ein fahrverbot von einem Monat und einige Wochen später den Entzug der fahrerlaubnis.
    Muss man dann den Führerschein für einen Monat abgeben bevor die sperrfrist beginnt oder ist der Führerscheinentzug dann irrelevant weil man seine fahrerlaubnis sowieso nicht mehr besitzt?

    Mit freundlichen Grüßen

    Relu

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hall Relz,

      für gewöhnlich macht eine Strafe die andere nicht ungeschehen. Erkundigen Sie sich bei der zuständigen Führerscheinstelle oder der Polizei darüber, wie genau der Ablauf bei Ihnen ist. Es liegt nahe, dass Sie, nachdem Sie den Führerschein zurück erhalten haben, noch das Fahrverbot absitzen müssen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  4. Petra sagt:

    Mein Kind (Führerschein erst eine Woche)hat sich mein Auto geliehen und aus Blödsinn seinen Freund fahren lassen. Dieser hat mit 0,4 Alk einen Unfall gebaut. Mit welchen Konsequenzen muß sie jetzt rechnen ?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Petra,

      bei einem Unfall mit einem geliehenen Wagen, tritt die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters ein. In diesem Fall wäre das Ihre Versicherung. Der Fahrer muss mit Konsequenzen bezüglich des Alkohols am Steuer rechnen. Ihrem Kind kann eine Mitschuld eingeräumt werden, wenn er sich vorab nicht über die Fahrtüchtigkeit des Fahrers erkundigt hat. Mit welchen Konsequenzen hier genau zu rechnen ist, hängt vom Einzelfall ab. Sie sollten sich diesbezüglich mit einem Anwalt besprechen. Dieser kann Ihnen beim weiteren Vorgehen zur Seite stehen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  5. Dustin sagt:

    Moin bin in der probezeit öfter aufgefallen und habe auch eine nachschulung gemacht etc. Wurde danach wieder auffalig nicht wegen alkohol oder so mir wurde die fahrerlaubnis entzogen und eine sperrrfrist fuer 3 monate bis neuererteillung gesetzt antrag ist raus aber keiner kann mir sagen ob ich den einfach so bekomme oder ob ich eine mpu machen muss? Die von der stadt können mir auch nichts sagen.. bin nicht vorbestraft oder ähnliches. zur info das ist kein fahrverbot sondern ein Entzug

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Dustin,

      ob Sie für die Neuerteilung Ihrer Fahrerlaubnis eine MPU machen müssen, kann Ihnen die zuständige Fahrerlaubnisbehörde mitteilen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

      • Dustin sagt:

        Mal sagen die ja mal sagen die nein was ist jetzt richtig??

        • bussgeldkatalog.org sagt:

          Hallo Dustin,

          tatsächlich liegt das im Ermessen der Fahrerlaubnisbehörde. Nach Antragstellung entscheidet Sie unter welchen Auflagen Ihnen der Führerschein wieder ausgehändigt werden kann. Da Sie nicht wegen Alkohol aufgefallen sind und vermutlich keine 8 Punkte in Flensburg gesammelt haben bzw. straffällig geworden sind, könnte vermutlich auf eine MPU verzichtet werden. Ein definitive Antwort erhalten Sie allerdings nur nach Bearbeitung Ihres Antrags.

          Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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