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Fahrradschutzstreifen: Gemäß StVO hat der Radverkehr hier Vorrang

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 10. September 2021

Schutzstreifen für Radfahrer sollen für mehr Sicherheit sorgen

Schutzstreifen für Radfahrer: Das Befahren ist dem Radverkehr vorbehalten.
Schutzstreifen für Radfahrer: Das Befahren ist dem Radverkehr vorbehalten.

Nicht nur das Thema „Umwelt“ führt dazu, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer aufs Rad steigen, auch der Fakt, dass Radverkehrsanlagen angelegt werden, trägt dazu bei. Neben Radwegen und Radfahrstreifen gehören auch Schutzstreifen bzw. Fahrradschutzstreifen zu diesen Anlagen. Vielen ist in diesem Zusammenhang allerdings auch oft nicht bewusst, welche dieser Varianten sie beim Radfahren überhaupt nutzen und welche Verkehrsregeln Radfahrer hier beachten müssen.

Was ein Schutzstreifen gemäß StVO ist, ob eine Benutzungspflicht im Zuge der Straßenbenutzung mit dem Rad besteht und ob andere Verkehrsteilnehmer einen Fahrradschutzstreifen befahren dürfen, erläutert der nachfolgende Ratgeber näher.

FAQ: Fahrradschutzstreifen

Was ist ein Fahrradschutzstreifen?

Unter einem Fahrradschutzstreifen ist ein Bereich der Fahrbahn zu verstehen, der durch gestrichelte Linien abgetrennt ist und vorrangig dem Radverkehr zur Verfügung steht. Er wird durch das Verkehrszeichen 340 (Markierungen und Piktogramm) ausgewiesen.

Besteht eine Benutzungspflicht für den Schutzstreifen?

Nein. Da es sich nicht um einem amtlich ausgewiesenen Radweg handelt, besteht keine Benutzungspflicht für Radfahrer. Entsprechend gibt es keine Bußgelder in diesem Zusammenhang. Allerdings gilt das Rechtsfahrgebot, was die Nutzung in der Regel einschließt.

Darf auf dem Fahrradschutzstreifen gehalten oder geparkt werden?

Das kurzeitige Halten und Parken ist nicht gestattet. Der Schutzstreifen kann allerdings überfahren werden, wenn in Parkbuchten, Einfahrten oder Straßen abgebogen wird. Auch für das Umfahren eines Hindernisses ist das Überfahren zulässig.

StVO: Fahrradschutzstreifen werden durch Verkehrszeichen ausgewiesen

Auf einem Schutzstreifen für Radfahrer ist das Parken untersagt.
Auf einem Schutzstreifen für Radfahrer ist das Parken untersagt.

Schutzstreifen fürs Fahrrad sind, anders als amtlich ausgewiesene Radwege, nicht baulich von Fahrbahn und Gehweg getrennt. In der Regel befinden sie sich auf der gleichen Höhe wie die restliche Fahrbahn, können jedoch unter Umständen durch einen farbigen Belag verdeutlicht sein.

In der Regel werden sie jedoch auf der Fahrbahn durch weiße gestrichelte Linien und ein weißes Piktogramm eines Fahrrads gekennzeichnet.

Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) definiert nicht direkt, was ein Fahrradschutzstreifen ist. Eine solche Definition ist allerdings in den Regelungen zu § 2 StVO in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) zu finden. Schutzstreifen werden demnach wie folgt bestimmt:

5. Ein Schutzstreifen ist ein durch Zeichen 340 gekennzeichneter und zusätzlich in regelmäßigen Abständen mit dem Sinnbild „Fahrräder” markierter Teil der Fahrbahn […]

Gemäß diesen Vorgaben und nach Anlage 2 zur StVO wird der Schutzstreifen nicht durch ein Verkehrsschild gekennzeichnet, sondern durch Linien und Markierungen, welche als Zeichen 340 definiert sind. Der Fahrradschutzstreifen ist dem Radverkehr vorbehalten und darf von anderen Fahrzeugen nur in Ausnahmen überfahren werden. Einen Schutzstreifen durchgängig zu befahren, ist nicht zulässig.

In Anlage 3 der StVO ist diesbezüglich Folgendes bestimmt:

Wer ein Fahrzeug führt, darf auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren. Der Radverkehr darf dabei nicht gefährdet werden.

Nur das Überfahren ist auf dem Fahrradschutzstreifen gestattet. Auf dem Schutzstreifen zu halten oder zu parken, ist jedoch nicht zulässig. Da der Fahrradschutzstreifen zudem keinen Sonderwegs darstellt, sondern Teil der Fahrbahn ist, müssen Kfz beim Überholen einen Seitenabstand von mindestens 1,50 m einhalten.

Wo können Schutzstreifen fürs Fahrrad eingerichtet werden?

Nach den Vorgaben der Verwaltungsvorschrift zur StVO können Fahrradschutzstreifen dort angelegt werden, wo ein Radweg oder ein Radfahrstreifen nicht möglich sind. Allerdings ist dies nur dann vorgesehen, wenn der Gehweg eine gemeinsame Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer nicht zulässt. (VwV StVO zu § 2, Absatz 4).

Radfahrschutzstreifen: Die StVO schreibt keine Benutzungspflicht wie beim Radweg vor.
Radfahrschutzstreifen: Die StVO schreibt keine Benutzungspflicht wie beim Radweg vor.

Üblicherweise werden Fahrradschutzstreifen nur innerorts angelegt und das meist auf Straßen, auf denen eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 50 km/h erlaubt ist. Außerorts sind bisher keine Schutzstreifen zugelassen, auch wenn es diesbezüglich bereits einige Modellversuche gab. In einem Kreisverkehr sind Schutzstreifen nicht gestattet.

Grundsätzlich muss die Fahrbahnbreite eine Anlegung eines solchen Schutzstreifens zulassen. Ist kein ausreichender Platz vorhanden, kann ein solcher Schonraum für Radfahrer nicht eingerichtet werden. Wie breit ein Fahrradschutzstreifen sein muss, ist allerdings gesetzlich nicht bestimmt. Empfohlen sind mindestens 125 cm, üblicherweise werden 150 cm angelegt. Die verbleibende Fahrbahn muss so breit sein, dass zwei PKW ohne Gefahr aneinander vorbei fahren können.

Müssen Radfahrer den Schutzstreifen benutzen?

Ist ein Fahrradschutzstreifen vorhanden, stellt er einen besonderen Raum für Radfahrer dar. Er ist jedoch, wie bereits erwähnt, kein Sonderweg, für welchen eine gesetzliche Benutzungspflicht besteht. Es ist also gesetzlich nicht bestimmt, dass ein solcher Schutzstreifen benutzt werden muss. Allerdings gilt auch für Radfahrer das Rechtsfahrgebot, was eine Nutzung des Schutzstreifens fast unausweichlich macht.

Die Regelungen bezüglich des Zeichens 340 richten sich an Kfz-Fahrer, welche den Fahrradschutzstreifen nur in bestimmten Fällen überfahren dürfen. Für Radfahrer sind diesbezüglich keine Vorschriften vorhanden, sodass keine Pflicht besteht, nur innerhalb der Linien das Schutzstreifens zu fahren. Dies wurde durch einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes in Lüneburg 2018 bestätigt (OVG Lüneburg, Beschl. v. 25.07.2018 – 12 LC 150/16).

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13 Kommentare

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  1. Peter sagt:

    Darf man nun auf “Fahrradschutzstreifen” kurz mit dem PKW halten?
    Hier lese ich “nein”, an anderen Stellen “ja”.

    Ich kenne Bushaltestellen bei denen der Bus auf dem Schutzstreifen hält, darf er das nicht mehr?

  2. Jürgen sagt:

    Also darf ich als Autofahrer bei starkem Verkehr den Radfahrer auf dem Schutzstreifen nicht überholen, wenn der Mindestabstand von 1,50 m nicht eingehalten werden kann.
    Was ist wenn die Autos mit 20 km/h schleichen und der Radfahrer mit 25 km/h rechts auf dem Schutzstreifen am Auto vorbeifährt und den Sicherheitsabstand nicht einhält?

  3. Hugo sagt:

    Aus einer zweispurigen Einbahnstraße wurde bei uns ein Schutzstreifen angebracht. D. h. jetzt ist es eine einspurige Einbahnstraße für z.B. Autofahrer und ein Schutzstreifen für Radfahrer.
    Darf man als langsamer (schwach motorisierter) Autofahrer (die Staße ist sehr steil) kurz auf den Schutzstreifen fahren um schnellere Autofahrer vorbeizulassen, solange kein Radfahrer da ist?
    Im Winter bleiben öfters Autos an der Steigung stecken, dürfen diese Autos auf den Schutzstreifen abgestellt werden, oder wo soll man die Autos am besten abstellen bis Hilfe kommt?

  4. Jo sagt:

    Seit der StVO Novelle Anfang des Jahres ist die Antwort: “Nein”. Auf Schutzstreifen & Radwegen darf nicht gehalten oder gar geparkt werden.

  5. Elmar sagt:

    Früher war das Halten auf Schutzstreifen bis 3 Minuten erlaubt. Seit der StVO Novelle vom Mai 2020 ist dies nicht mehr erlaubt. Genau das deckt der (aktualisierte) Artikel oben ab.

  6. Achim sagt:

    NEIN… manche Fragen sind überflüssig, weil zuvor in einem roten Kasten schon beantwortet. Das trifft übrigens auf viele Regeln beim Thema Fahrrad zu. Auch hier ist der, der lesen kann klar im Vorteil. Wenn er sich dann auch noch an die Regeln hält, wie sie geschrieben sind und nicht, wie bei vielen Radfahrern üblich geworden, zu seinem Vorteil und Nutzen auflegt, dann ist der Radfahrer im Zweifel sogar im Recht. Viel Spaß beim Lesen..

  7. Harald B sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    leider konnte ich zu folgender Situation keine eindeutige Vorfahrtsregelung finden:
    Ich befinde mich auf einer gerade aus führenden Hauptstraße, will aber in eine Seitenstraße nach rechts abbiegen. Die Hauptstraße besitzt neben meinem Fahrzeug noch einen Fahrradschutzstreifen. Auf diesem Schutzstreifen nähern sich von hinten Fahrräder, die gerade aus fahren wollen und genau in dem Moment neben meinem Fahrzeug auftauchen, als ich abbiegen will.
    Wie ist hier die Vorfahrtsregelung?

  8. Manfred B sagt:

    Es hat geschneit und nun wird der von der Straße geräumte Schnee auf dem Fahrradschutzstreifeb “geparkt”!

  9. Oskar sagt:

    Ja, genau. Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, muss auf das Überholen verzichtet werden. Dasselbe gilt übrigens auch, wenn Sie an einem baulich getrennten Fahrradweg vorbeifahren.
    Wenn die Autos mit 20 km/h fahren darf der Radfahrer dennoch mit höherer Geschwindigkeit überholen. Beim Überholen hat er weder rechts noch links den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Das darf er übrigens auch an Ampeln.

  10. Matthias sagt:

    Das wäre auch nicht zulässig, weil das “rechts überholen” von Fahrzeugen für Fahrräder nur bei stehendem Verkehr erlaubt ist und das mit gemäßigtem Tempo und aussreichend Platz.

  11. delube sagt:

    Hallo,

    Muss der Abstand von 1,5 m zum Bordstein sein oder zum Radfahrer. Wenn zum Radfahrer dann wurde ich aber den Radfahrer auch in die Pflicht nehmen und ihm die Nutzung des Sicherheitsstreifens wenn vorhanden vorschreiben. Ich habe schon die schärfsten Klamotten gesehen wie der Sicherheitsstreifen genutzt wird. Dabei wurde bei uns auf der Voerderstr. extra einer für mich eingerichtet, nachdem mir mal der Führerschein entzogen wurde.

    :-)

  12. Ralf sagt:

    Muß ich als Autofahrer blinken wenn ich einen Radfahrer am Schutzstreifen parallel überhole?
    Die 1,50 m muß ich auch beim Überholen einhalten?

  13. Holger sagt:

    @ Jürgen: Die 1,5m bzw. 2m Überholabstand müssen Autofahrer von Radfahrern einhalten, da ein eng überholender Autofahrer den Radfahrer massiv gefährdet.

    Da umgekehrt ein Radfahrer für Autofahrer keine Lebensgefahr darstellt, ist es angemessen, dass der Gesetzgeber von Radfahrenden einen wesentlich geringeren Sicherheitsabstand beim Überholen fordert.

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