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Lärm-Radar „Méduse” wird in Frankreich getestet: Kampf dem Verkehrslärm!

News von bussgeldkatalog.org, veröffentlicht am: 24. August 2021

In Frankreich soll der Lärm-Radar "Méduse" bald zu laute Motorräder und Autos überführen.
In Frankreich soll der Lärm-Radar “Méduse” bald zu laute Motorräder und Autos überführen.

„Bei der Benutzung von Fahrzeugen [ist] unnötiger Lärm […] verboten.” So heißt es in § 30 Absatz 1 unserer Straßenverkehrs-Ordnung. Dennoch kommt es immer wieder zu Lärmbelästigungen durch zu laute Motorräder und Autos – insbesondere weil die Verursacher oft gar nicht erwischt werden. Unser Nachbarland Frankreich ist uns in dieser Hinsicht bereits einen Schritt voraus, denn dort wird ab November der Lärm-Radar „Méduse” getestet. Dieser soll dabei helfen, die lärmenden Fahrer zu überführen.

Wie funktioniert die „Méduse”?

Der Lärm-Radar „Méduse” verdankt seinen Namen seiner Form: Von einer Aufhängung gehen vier Mikrofone in unterschiedliche Richtungen ab und bilden ein Tetraeder. Mit etwas Fantasie lässt sich hier aber auch die Gestalt einer Qualle erkennen – und die heißt auf Französisch eben „méduse”.

Die unterschiedliche Ausrichtung der Mikrofone hat natürlich auch einen praktischen Zweck: Dank ihr kann das Gerät eine eintreffende Schallwelle von verschiedenen Positionen aus erfassen und so zeitliche Verschiebungen beim Eintreffen des Schalls erkennen. Auf diese Weise gelingt es dem Lärm-Radar „Méduse” nicht nur, ein bestimmtes Geräusch aus dem Umgebungslärm herauszufiltern, er kann auch ermitteln, aus welcher Richtung dieses Geräusch innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls ertönt.

Solche Messungen finden mehrmals pro Sekunde statt, weshalb selbst ein kurz anhaltender Lärm erfasst werden kann, wie z. B. ein zu lautes Fahrzeug. Darum wird das patentierte Radargerät bald dazu eingesetzt, Lärmbelästigungen durch Autos und Motorräder in Frankreich festzuhalten.

Geht es nach dem französischen Lärmschutzverband Bruitparif, soll dies zukünftig auch in Bußgeldern für die Lärmverursacher enden: Ein Prototyp der „Méduse”, welcher mit einer Kamera und einem Kennzeichenlesegerät gekoppelt sein soll, sei bereits in der Entwicklung. Auf diese Weise könne das Gerät bald nicht nur den Motorenlärm erfassen, sondern auch die Fahrzeughalter identifizieren.

Infografik: Wie wirkt sich Lärm auf uns Menschen aus?
Infografik: Wie wirkt sich Lärm auf uns Menschen aus?

Frankreich will Verkehrslärm reduzieren – und das nicht nur in den Städten

Kann der Lärm-Radar "Méduse" dabei helfen, die Lärmbelästigung zu reduzieren?
Kann der Lärm-Radar “Méduse” dabei helfen, die Lärmbelästigung zu reduzieren?

Der Lärm-Radar „Méduse” soll ab November in insgesamt acht französischen Städten zum Einsatz kommen, darunter die Metropolen Paris und Nizza. Doch auch in den ländlichen Regionen Frankreichs gibt es ein Lärmproblem, weil diese oft beliebte Ausflugsziele für Motorradfahrer darstellen.

Dazu zählt z. B. der Col de la Schlucht in den Vogesen. Hier wird die erlaubte Lärmgrenze von 80 Dezibel regelmäßig überschritten – sehr zum Leidwesen der Bewohner der umliegenden Dörfer. Ein Tempolimit von 60 km/h, welches derzeit an Wochenenden und Feiertagen auf dem Pass gilt, soll klären, ob der Lärmpegel allein durch die Geschwindigkeit begründet ist. Noch bis Ende August führt „Méduse” hier regelmäßig Messungen durch, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Nach Ansicht des französischen Lärmschutzverbands Bruitparif könnte ein landesweiter Einsatz des Lärm-Radars bereits im Jahr 2023 Realität werden, sofern die Zulassung wie geplant erfolgt. Auch in der Schweiz und in Großbritannien werden bereits vergleichbare Tests durchgeführt. Ob und wann auch Deutschland den Lärmverursachern den Kampf per Lärm-Radar ansagt, ist hingegen nicht abzusehen.

Lärmbelästigung in Deutschland: Bußgelder

VerstoßBußgeld
unnötigen Lärm bei der Fahrzeugbenutzung verursachtaktuell: 10 €

ab Inkrafttreten der StVO-Novelle: 80 €*
* Derzeit ist nicht bekannt, wann die StVO-Novelle in Kraft tritt. Laut Ankündigung soll dies jedoch noch vor der Bundestagswahl im September geschehen.

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Lärm-Radar „Méduse” wird in Frankreich getestet: Kampf dem Verkehrslärm!
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1 Kommentar

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  1. Wolfgang W sagt:

    Der Lärm, ausgehend von Krankenwagen oder Feuerwehren im Noteinsatz, ist zum Teil unerträglich; ein auf- und abschwellender Ton der Matinshörner, wie z. B. in Mailand, ist erträglicher und genauso durchdringend hörbar.

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