Autofahren nach einem Herzinfarkt: Risiken und Nebenwirkungen

Gilt ein Fahrverbot nach einem Herzinfarkt?

Ist das Autofahren nach einem Herzinfarkt erlaubt?

Ist das Autofahren nach einem Herzinfarkt erlaubt?

Der Herzinfarkt ist das Schreckgespenst vieler. Nicht selten erfolgt er unangekündigt und wirft das Leben des Betroffenen aus den gewohnten Bahnen. Tätigkeiten, welche zuvor zum Alltag gehörten, sind mitunter (vorerst) nicht mehr möglich – dazu gehört auch das Fahren mit dem Auto.

Ist das Autofahren nach einem Herzinfarkt grundsätzlich erlaubt? Müssen Betroffene eine gewisse Zeit verstreichen lassen, bevor sie sich wieder hinter das Steuer setzen?

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Richtlinien gelten, wie sich Betroffene nach einem Herzinfarkt in Sachen Autofahren richtig verhalten und welche Strafen bei Fehlern drohen.

Nach einem Herzinfarkt ist das Autofahren nicht immer erlaubt

Bei einem Herzinfarkt wird das Herz schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mindestens eine Woche lang müssen Betroffene im Krankenhaus verweilen, bis das Organ soweit gestärkt und erholt ist, dass sie den Alltag wieder bestreiten können.

Doch eine Entlassung aus der Klinik bedeutet mitnichten, dass die Patienten wieder vollkommen fit sind. Nicht immer sind sie in der Lage, ein Auto gefahrlos zu führen.

§ 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) hält fest:

(2) Werden Tatsachen bekannt, die Bedenken gegen die körperliche oder geistige Eignung des Fahrerlaubnisbewerbers begründen, kann die Fahrerlaubnisbehörde zur Vorbereitung von Entscheidungen über die Erteilung oder Verlängerung der Fahrerlaubnis oder über die Anordnung von Beschränkungen oder Auflagen die Beibringung eines ärztlichen Gutachtens durch den Bewerber anordnen.“

Herzinfarkte sind in der Anlage 4 der FeV gelistet und sind somit explizit von obigem Passus betroffen. Die Anlage regelt, welche Auflagen nach einer Erkrankung bestehen und wann die Fahreignung in der Regel wieder gegeben ist.

Zwischen den rechtlichen Bestimmungen und ärztlichen Empfehlungen bestehen mitunter erhebliche Unterschiede.

Ärztliche Richtlinien und verkehrsrechtliche Bestimmungen zum Autofahren nach einem Herzinfarkt im Überblick

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Vorgaben gemäß Anlage 4 FeV (Der EF-Wert – Ejektionsfraktions-Wert – ist das gängige Maß zur Einschätzung der Herzfunktion):

 Führerscheinklassen A, A1, A2, B, BE, AM, L, TFührerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1,DE, D1E, P-Schein
DiagnoseFahreignungAuflagenFahreignungAuflagen
- Erster Infarkt
- EF-Wert über 35 %
Ja, ab Entlassung aus der Klinik,
wenn keine Komplikationen auftreten
Kardiologische UntersuchungFrühestens nach sechs WochenKardiologische Untersuchung
- Zweiter Infarkt
- EF-Wert unter 35 %
Frühestens nach vier Wochen, sofern
keine Herzinsuffizienz oder Rhythmusstörungen
vorliegen
Kardiologische UntersuchungNein-

Demgegenüber stehen unterschiedliche Empfehlungen seitens von Kardiologen (Quelle: Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Kardiologie):

DiagnoseFahreignung
Ärzte-Empfehlungen für Privatfahrer
EF-Wert über 30 %Ja, nach zwei Wochen
EF-Wert unter 30 %Frühestens nach vier Wochen
Ärzte-Empfehlungen für Besitzer des P-Scheins
EF-Wert über 50 %Frühestens nach vier Wochen
EF-Wert über 40 % und HerzinsuffizienzFrühestens nach drei Monaten
EF-Wert zwischen 30 und 40 %Frühestens nach sechs Monaten
EF-Wert unter 30 %Ggf. nach zwölf Monaten
Ärzte-Empfehlungen für Bus- und LKW-Fahrer
EF-Wert über 50 %Frühestens nach drei Monaten
EF-Wert zwischen 40 und 50 %Frühestens nach sechs Monaten
EF-Wert über 40 % und HerzinsuffizienzNein
EF-Wert unter 40 %Nein

Wird das Autofahren nach einem Herzinfarkt bestraft?

Vorsicht beim Autofahren nach einem Herzinfarkt: Laut Gesetz müssen Sie fahrtüchtig sein, um Auto zu fahren.

Vorsicht beim Autofahren nach einem Herzinfarkt: Laut Gesetz müssen Sie fahrtüchtig sein, um Auto zu fahren.

In Deutschland besteht für Ärzte keine Pflicht, den Herzinfarkt eines Patienten den Behörden zu melden. Dennoch ist jeder Autofahrer grundsätzlich in der Pflicht, das Autofahren zu unterlassen, wenn er nicht mehr fahrtüchtig ist.

Das bedeutet: Auch wenn Sie nach einem Herzinfarkt keine Post der Fahrerlaubnisbehörde auf automatisiertem Wege erhalten, dürfen Sie nicht zwingend wieder Auto fahren.

Gefährden Sie durch die Fahrt den restlichen Verkehr, begehen Sie sogar eine Straftat! § 315c des Strafgesetzbuches (StGB) bestimmt:

(1) Wer im Straßenverkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er […] infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen […] und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Es ist daher sinnvoll, die Empfehlungen der Kardiologen zu befolgen und Ihren Arzt explizit nach Ihrer Fahreignung zu fragen. Sind Sie sich unsicher, können Sie Ihren Herzinfarkt bei der Behörde melden und sich einer kardiologischen Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner unterziehen.

Es besteht aber auch Ihrerseits keine Pflicht, Erkrankungen zu melden. Widmen Sie sich allerdings zu früh dem Autofahren nach einem Herzinfarkt und verursachen dabei einen Unfall, kann Ihre Autoversicherung die Zahlung verweigern.

Autofahren nach einem Herzinfarkt: Kann sich die Versicherung querstellen?

Versicherungen können in der Regel die Begleichung der entstandenen Schäden verweigern, wenn der Fahrer grob fahrlässig agierte. Das Autofahren nach einem Herzinfarkt kann als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden, wenn Sie sich nicht an die Richtlinien halten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Ihr Arzt Ihnen vom Autofahren abgeraten hat.

In der Regel begleicht die Haftpflichtversicherung zunächst den Schaden Ihres Unfallgegners, nimmt Sie aber anschließend in Regress.

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