Bärlauch sammeln: Bußgeld von bis zu 50.000 Euro möglich!

News von Dr. Philipp Hammerich

Veröffentlichungsdatum: 12. März 2026

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Bärlauch ist ein Lauchgewächs und punktet mit seinem milden Geschmack, der an Knoblauch erinnert. Beliebt ist etwa die Verarbeitung zu Bärlauch-Pesto oder Dips. Die Pflanze wächst hervorragend in Buchenwäldern und die Erntezeit läuft in der Regel von Anfang März bis Juni. Doch Vorsicht: Auch wenn das Lauchgewächs in vielen Wäldern wächst, bedeutet dies nicht, dass Sie so viel pflücken dürfen, wie Sie möchten. In bestimmten Fällen kann, wenn Sie Bärlauch sammeln, ein Bußgeld drohen. Wir erklären, an welche Regeln Sie sich halten müssen.

Für das Sammeln von Bärlauch gilt die Handstraußregel

Bärlauch sammeln: Ein Bußgeld droht, wenn Sie zu viel oder am falschen Ort pflücken.
Bärlauch sammeln: Ein Bußgeld droht, wenn Sie zu viel oder am falschen Ort pflücken.

Grundsätzlich dürfen Sie Bärlauch sammeln. Dabei sind allerdings einige wichtige Regeln zu beachten. Zunächst müssen Sie die sogenannte Handstraußregel berücksichtigen. Laut § 39 Abs. 3 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) gilt nämlich Folgendes:

Jeder darf abweichend von Absatz 1 Nummer 2 wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.

Das bedeutet also: Sie dürfen nur geringe Mengen Bärlauch sammeln. Ein Bußgeld droht, wenn Sie unerlaubterweise mehr als eine Handvoll pflücken. Dafür ist nämlich die Zustimmung der Naturschutzbehörde bzw. des Waldeigentümers vonnöten. Das gewerbliche Pflücken ist sogar gänzlich verboten, wenn keine entsprechende offizielle Genehmigung der zuständigen Behörde vorliegt.

Wenn Sie unerlaubterweise zu große Mengen Bärlauch sammeln, droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Wie hoch die Geldbuße genau ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Einflussfaktoren sind unter anderem,

  • ob das Pflücken in einem Naturschutzgebiet stattfand,
  • in welchem Bundesland sich der Verstoß ereignete,
  • wie groß die gesammelte Menge war und
  • ob dabei ganze Knollen ausgegraben wurden.

In Naturschutzgebieten ist das Sammeln gänzlich untersagt

In Naturschutzgebieten ist das Pflücken von Bärlauch und anderen Pflanzen streng verboten. Die Handstraußregel findet hier keine Anwendung. Hier müssen Sie in jedem Fall, wenn Sie in einem Naturschutzgebiet Bärlauch sammeln, mit einem Bußgeld rechnen.

Zu erkennen sind diese Gebiete an speziellen Schildern:

Naturschutzgebiet: An diesen Zeichen ist es zu erkennen.
Naturschutzgebiet: An diesen Zeichen ist es zu erkennen.

Im folgenden finden Sie eine Übersicht von bekannten Gebieten, in denen das Sammeln von Bärlauch strikt verboten ist:

Region bzw. StadtNaturschutzgebiete (NSG) - BeispieleBesonderheiten
LeipzigNSG Luppeaue, NSG Burgaue, NSG Elster- und Pleiße-Auwald, NSG Lehmlache LauerDer Leipziger Auwald ist eines der größten Bärlauch-Vorkommen; Verstöße werden hier konsequent mit bis zu 2.500 € geahndet.
Halle (Saale)NSG Rabeninsel und Saaleaue bei BöllbergSehr beliebtes Gebiet, aber das Sammeln ist komplett untersagt.
HeilbronnNSG KöpfertalDie Stadt warnt explizit vor Bußgeldern bei Entnahme im NSG.
GöttingenNSG Göttinger Wald (Teilbereiche)Hier ist das Verlassen der Wege oft verboten, was das Sammeln faktisch unmöglich macht.
MünchenIsarauen (innerhalb der NSG-Grenzen)In vielen Bereichen der Isarauen ist die Entnahme zum Schutz der Bodenflora verboten.

Achtung, Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen!

Sie müssen allerdings nicht nur auf die Handstraußregel achten, wenn Sie Bärlauch pflücken. Zusätzlich müssen Sie beim Sammeln besonders vorsichtig sein, da Laien das Lauchgewächs leicht mit anderen Pflanzen verwechseln können, die giftig sind. Dazu gehören Maiglöckchen und Herbstzeitlose.

Der Verzehr der Pflanzen kann unter anderem zu Durchfall und Erbrechen führen. Bei Maiglöckchen können Herzrhythmusstörungen hinzukommen, auch ein Herzstillstand ist möglich. Die Herbstzeitlose zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas, sogar das Berühren kann zu einer Vergiftung führen. Es drohen zusätzlich Atemlähmung und Kreislaufversagen.

Unsere Infografik zeigt, wie Sie Bärlauch von den giftigen Maiglöckchen und den Herbstzeitlosen unterscheiden können:

Über den Autor

Dr. Philipp Hammerich (Rechtsanwalt)
Dr. Philipp Hammerich

Dr. Philipp Hammerich bekam seine Zulassung als Rechtsanwalt in Deutschland 2007. Er studierte zuvor an der Universität Hamburg und promovierte beim damaligen Richter am BVerfG, Prof. Dr. Hoffmann-Riem. Für bussgeldkatalog.org beantwortet er verschiedene Verbraucherfragen rund um das Verkehrsrecht.

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