Unfall in Großbritannien: Aufs Verhalten kommt es an

Von Dörte, letzte Aktualisierung am: 13. September 2019

Ob Wales, Schottland oder England: Ein Autounfall kann auch im Urlaub passieren

Ein Unfall kann in Großbritannien aufgrund des ungewohnten Linksverkehrs durchaus vorkommen.
Ein Unfall kann in Großbritannien aufgrund des ungewohnten Linksverkehrs durchaus vorkommen.

Ein Urlaub in einem fremden Land kann an sich schon als Ausnahmesituation gelten. Das trifft ganz besonders auch dann zu, wenn sich Reisende auf Linksverkehr einstellen müssen. Ortsunkenntnis, Vorfreude, Ablenkung durch Sehenswürdigkeiten und der Stress einer ungewohnten Verkehrsführung – all das kann dazu beitragen, dass das Unfallrisiko steigt. Kommt es dann tatsächlich dazu, kann es die Situation entspannen, wenn Urlauber wissen, wie sie sich bei einem Unfall in Großbritannien verhalten sollten.

Was bei einem Auto- oder Motorradunfall in England, Nordirland, Schottland oder Wales zu beachten ist, welche Maßnahmen bei einem Unfall im Ausland wichtig sind und welche Informationen in Bezug auf die Schadensregulierung vorhanden sein müssen, erläutert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Unfall in Großbritannien

Wie sind Rettungskräfte oder Polizei nach einem Unfall erreichbar?

In Großbritannien können die Notrufnummern 112 und 999 genutzt werden, um nach einem Unfall Hilfe zu holen.

Muss die Unfallstelle in Großbritannien abgesichert werden?

Ja, der Unfallort muss auch in Großbritannien durch Warnblinklicht am Fahrzeug und ein Warndreieck abgesichert werden.

Wie geht die Schadensregulierung vonstatten?

Betroffene haben die Möglichkeit, einen Schadensregulierung vor Ort über die britische Versicherung vornehmen zu lassen oder sich in Deutschland an einen Regulierungsbeauftragten zu wenden.

Unfallvermeidung durch das richtige Wissen

Eine gute Reisevorbereitung kann einem Unfall in England bzw. in UK vorbeugen.
Eine gute Reisevorbereitung kann einem Unfall in England bzw. in UK vorbeugen.

Um es erst gar nicht zu einem Unfall in Großbritannien kommen zu lassen, ist es ratsam, das Unterfangen Autofahren im Linksverkehr mit Vorsicht und vorausschauend anzugehen, vor allem, wenn es sich um die erste Fahrt handelt. Egal, ob Urlauber mit dem eigenen Wagen reisen oder sich ein Fahrzeug mieten, die örtlichen Verkehrsregeln sind in beiden Fällen zu beachten.

Ohne die richtige Vorbereitung können Urlauber mit ihrem eigenen Fahrzeug eine Gefahrenquelle darstellen, und zwar dann, wenn sie ihr Auto nicht auf den Linksverkehr einstellen. Sind die Scheinwerfer beispielsweise nicht angepasst, blenden sie eventuell andere Verkehrsteilnehmer. Das kann dann durchaus einen Unfall provozieren. In England oder den anderen Nationen im Vereinten Königreich unterwegs zu sein, bedeutet also auch sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen, welche Anforderungen der Linksverkehr stellt.

Bei einem Mietwagen kann es dann wichtig sein, sich zu nächst an die Veränderungen im Fahrzeug zu gewöhnen, bevor es auf die Straße geht. Meist kann eine kurze Eingewöhnung auf dem Parkplatz der Vermieter bzw. am Flughafen erfolgen. Wissen Fahrer wo sich was im Fahrzeug befindet, kann das in ungewohnten Verkehrssituationen dabei helfen, richtig zu reagieren und eventuell einen Unfall in Großbritannien verhindern.

Sind Urlauber dann unterwegs, sollte die Aufmerksamkeit nur beim Verkehr liegen. Besonders in den ersten Tagen ist es wichtig, dass sich Fahrer von den neuen Eindrücken und ungewohnten Situationen ablenken oder aus der Ruhe bringen lassen. Generell sollte immer ein gewisses Maß an Vorsicht und ein vorausschauende Fahrweise vorhanden sein.

Wichtige Dinge für eine Reise auf die britischen Inseln

Nehmen sich Urlauber einen Mietwagen, ist es in der Regel ratsam, ein Model zu wählen, mit dem sie vertraut sind. Fahren sie zu Hause einen Kleinwagen und mieten sich im Urlaub einen SUV, hat dies eventuell Einfluss auf das Unfallrisiko. Neben dem ungewohnten Linksverkehr kommt dann auch noch ein unbekanntes Fahrzeug dazu. Das ist dann nicht nur auf die andere Anordnung bezogen, sondern auch auf das Fahrverhalten des Wagens.

Ob PKW- oder LKW-Unfall: In England gelten die gleichen Verhaltensweisen wie in Deutschland.
Ob PKW- oder LKW-Unfall: In England gelten die gleichen Verhaltensweisen wie in Deutschland.

Unterschätzen Fahrer die Leistung des Autos und überschätzen dabei vielleicht auch ihre eigenen Fähigkeiten, ist ein Unfall in Großbritannien leider nicht ganz auszuschließen. Denn es ist nicht selten, dass Fahrer dann eher mit dem Fahrzeug an sich und dem Beherrschen von diesem beschäftigt sind und sich nicht mehr richtig auf die Anforderungen im Linksverkehr konzentrieren.

Zur Urlaubsvorbereitung sollten auch gehören, die wichtigsten Dokumente und Informationen für die Fall der Fälle zur Hand zu haben. Es ist zwar nicht vorgeschrieben, denn ist das Mitführen der Grünen Versicherungskarte ratsam. Darüber hinaus sollte auch ein europäischer Unfallbericht in deutsche rund englischer Fassung zu den Reiseunterlagen gehören. Auch wenn noch nicht fest steht, wie die Regelungen nach dem Brexit aussehen werden, schadet es nicht diese Dokumente vorsorglich mitzuführen.

Im Fall, dass ein Unfall in Großbritannien mit dem eigenen Auto geschieht, kann es wichtig sein, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung eine bestimmte Police enthält. Die Mallorca-Police ist dazu gedacht, höhere Schadenssummen im Ausland abzudecken.

Wer reguliert eigentlich Schäden nach einem Unfall?

Kommt es im Urlaub zu einem Unfall, stellt sich irgendwann dann auch die Frage, wer entstandene Schäden ausgleicht. Betroffene können sich diesbezüglich derzeit zwischen zwei Varianten zur Schadensregulierung entscheiden. Egal ob Motorrad-, PKW- oder LKW-Unfall, auch in Großbritannien muss die Option der Regulierung vor Ort vorhanden sein. Geschädigte müssen sich dazu an die Versicherung des Unfallgegners wenden. In diesem Fall ist ein vorhandener europäischer Unfallbericht von Vorteil.

England: Nach einem Autounfall bestehen zwei Optionen zur Schadensregulierung.
England: Nach einem Autounfall bestehen zwei Optionen zur Schadensregulierung.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich an einen sogenannten Regulierungsbeauftragten zu wenden. Das kann dann auch von Deutschland aus erfolgen, denn alle Versicherungen innerhalb der Europäischen Union müssen einen solchen benennen und mit diesem die Regulierung abwickeln, falls dies von den Geschädigten gewünscht wird. Der Vorteil hier ist, dass sich Betroffene nicht selbst kümmern müssen, sondern die Vorgänge vom Beauftragten betreut werden. Ob dies auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU so gehandhabt wird, ist derzeit nicht geklärt.

Welcher Regulierungsbeauftragte nach einem Unfall in Großbritannien für sie zuständig ist, erfahren Betroffene über den Zentralruf der Autoversicherer. Wichtig ist, dass für die Regulierung britisches Recht gilt. Es wird also aufgrund der gesetzlichen Regelungen im Land des Unfallgeschehens entschieden, was durchaus die Summen für diese Regulierung und auch in Bezug auf ein mögliches Schmerzensgeld beeinflussen können.

Im Zuge der Regulierung sollten Betroffene auch darauf achten, dass Ansprüche nach einem Unfall in Großbritannien in der Regel nach sechs Jahren verjähren, in Schottland bereits nach fünf Jahren, wenn es sich um reine Sachschäden handelt. Kamen Personen zu Schaden, tritt die Verjährung nach drei Jahren ein. Bei Unsicherheiten ist eine rechtliche Beratung zu empfehlen, sodass alle gesetzlichen Regelungen und Möglichkeiten abgeklärt werden können.

Das Verhalten spielt eine große Rolle

Durch kleine Unaufmerksamkeiten oder das Verhalten anderer, lässt sich ein Unfall, ob in Großbritannien oder Deutschland, manchmal nicht verhindern. In einem solchen Fall ist das Wissen zum richtigen Verhalten durchaus wichtig. Um Autofahrern die wichtigsten Informationen zur Verfügung stellen zu können, hat die britische Regierung einen Leitfaden zum Autofahren in Großbritannien erstellt.

Dieser kann auf der offiziellen Webseite der Tourismusbehörde im englischen Original eingesehen werden: www.visitbritainshop.com


Auch bei einem Unfall in England darf der Unfallort nicht unerlaubt verlassen werden.
Auch bei einem Unfall in England darf der Unfallort nicht unerlaubt verlassen werden.

In diesem Leitfaden finden sich auch Tipps und Hinweise zum richtigen Verhalten bei einem Unfalls sowie weiterführende Links zu den Information des britischen Automobilclubs „The Automobile Association“ (theAA). Diese finden sich beim oben genannten Link unter dem Punkt „Accidents“ (Unfälle).

Grundsätzlich unterscheidet sich die Verhaltensweise bei einem Unfall in Großbritannien nicht von der vorgeschriebenen in Deutschland. Gemäß den gesetzlichen Regelungen ist es auch im Königreich strafbar, sich unerlaubt vom Unfallort zu entfernen oder einen Unfall nicht zu melden. Zudem kann eine unterlassene Hilfeleistung ebenfalls zu hohen Sanktionen bis hin zu einer Freiheitsstrafe führen.

Um bei einem Unfall in Großbritannien richtig vorgehen zu können, sollten Urlauber den Hinweisen der theAA folgen. Diese lauten wie folgt:

  • Nach einen Unfall ist anzuhalten und am Unfallort zu verbleiben bis die Unfallaufnahme abgeschlossen ist bzw. eine angemessene Zeit („reasonable period“) vergangen ist.
  • Absichern der Unfallstelle durch Warnblinkanlage, Warndreiecke etc. Eine Warnweste ist nicht vorgeschrieben, wird jedoch empfohlen und sollte getragen werden.
  • Bei Sachschäden: Austausch der wichtigsten Daten (Name, Versicherungsinformationen, Anschrift, Informationen zum Fahrzeughalter falls notwendig). Können die Daten nicht vor Ort getauscht werden, muss der Unfall innerhalb von 24 Stunden der Polizei persönlich gemeldet werden.
  • Bei Personenschäden: Erste Hilfe, Verständigung der Rettungskräfte sowie der Polizei (112 oder 999), danach Austausch der Daten bzw. Angabe diese Informationen bei der Polizei.

Für die Schadensregulierung können das detaillierte Ausfüllen des europäischen Unfallberichts sowie das Anfertigen von Fotos und Skizzen durchaus nützlich sein. Besteht also die Möglichkeit dazu, sofern Beteiligte nicht selbst verletzt sind, sollte die Unfallaufnahme durch diese Angaben ergänzt werden.

Ein Unfall in Großbritannien sollte dann auch umgehend entweder der eigenen Versicherung oder dem Mietwagenverleiher gemeldet werden. Ist die Ermittlung andere Unfallbeteiligten bzw. der Austausch von Daten nicht möglich, sollte die Polizei in jedem Fall, auch bei kleinen Blechschäden informiert werden. Eine private Abfrage von Haltern, falls das Kennzeichen bekannt ist, kann in Großbritannien nur per Post und gegen eine Gebühr bei der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle in Swansea erfolgen.
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