Liegerad – ein modernes und ungewöhnliches Fahrrad

Das Liegerad – die komfortable Art Rad zu fahren

Das Liegefahrrad verspricht eine schonende Körperhaltung.

Das Liegefahrrad verspricht eine schonende Körperhaltung.

Der Anblick eines Liegerades im heutigen Straßenverkehr ist keine Seltenheit mehr. Dennoch erregt diese eher ungewöhnliche Art des Radfahrens immer noch die Aufmerksamkeit der meisten Verkehrsteilnehmer.

In Deutschland sind etwa rund 50 Millionen herkömmliche Fahrräder unterwegs, das Liegerad bringt es hingegen auf etwa 30.000 Exemplare. Technische Neuerungen und Weiterentwicklungen von alten Fahrradmodellen haben dem Liegerad seit den späten 1990er Jahren zu einer neuen Popularität verholfen.

Modern auch oft als Liegebike bezeichnet, kann man das Liegefahrrad heute in vielen Formen finden. Es gibt das zweirädrige Liegerad, dann das Liegedreirad oder sogar das Liegerad als Tandem. Auch die Unterstützung durch einen Elektromotor beim Elektro-Liegerad wird immer beliebter.

Liegerad: Vorteile und Nachteile durch die Sitzposition

Als Liegerad wird im Allgemeinen ein Fahrrad mit nach hinten geneigter Sitzposition oder Liegeposition bezeichnet. Das Liegerad besitzt auch keinen Sattel, sondern ist üblicherweise mit einem Netzsitz oder Schalensitz ausgestattet. Das Tretlager und die Pedale befinden sich vorn.

Der Lenker befindet sich, je nach Radtyp, vor dem Fahrer oder unterhalb des Sitzes. Der Oberlenker befindet sich vor der Brust des Fahrers und ist die verbreitetste Form des Lenkers bei Liegerädern. Der Unterlenker ist unter dem Sitz befestigt. Hier befinden sich die Griffe meist seitlich und leicht oberhalb der Sitzfläche.

Die häufigste Variante ist das Liegerad als Dreirad – das Liegerad-Trike – mit zwei Rädern vorn und einem hinten. Das Trike hat sich als standfester und stabiler erwiesen, so dass viele Hersteller dieses Modell bevorzugen.

Die Sitzposition beziehungsweise Liegeposition beim Fahren eines Liegerades wird von vielen als sehr entspannt und komfortabel angesehen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Fahrrad ist ein Abstützen des Oberkörpers nicht notwendig. Die Körperhaltung beim Liegefahrrad ermöglicht eine Entlastung der Handgelenke und Arme. Auch Rücken und Nacken werden so gut wie nicht belastet.

Durch die relativ niedrige Sitzposition ergeben sich noch weitere Vorteile: Aufgrund der niedrigen Fallhöhe, der Sitzposition mit den Füßen voran und der geänderten Kopfhaltung beim Fahren eines Liegerades kommt es bei Unfällen im Straßenverkehr weniger häufig zu schweren Verletzungen.

Liegeräder im Straßenverkehr

Über die Sichtbarkeit der Liegeräder herrscht noch Uneinigkeit. Autofahrer geben oft an, dass Sie die Räder hinter parkenden Fahrzeugen nicht sehen können, da die niedrige Fahrposition den Fahrer nicht über andere Verkehrsteilnehmer hinausragen lässt. Liegeradfahrer hingegen sagen, dass sie aufgrund der Aufmerksamkeit, die Ihr Fahrzeug erzeugt, besser gesehen werden.

Für die Teilnahme am Straßenverkehr und die Straßenbenutzung gelten für Liegeräder, wie für alle anderen Fahrradtypen, die Straßenverkehrsordnung sowie die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Für die Nutzung eines Liegerads ist keine gesonderte Genehmigung oder Versicherung notwendig.

Auch mit dem Liegerad besteht keine Helmpflicht.

Auch mit dem Liegerad besteht keine Helmpflicht.

Auch eine Helmpflicht besteht bei Liegerädern nicht.

Darüber hinaus müssen die Räder jedoch verkehrssicher ausgestattet sein. Das heißt, es müssen zwei unabhängige Bremsen sowie ein Frontstrahler und ein Rückstrahler vorhanden sein. Außerdem gehören auch eine helltönende Klingel und Reflektoren an den Rädern zur verkehrssicheren Ausstattung. Ist ein Liegerad nicht verkehrssicher, drohen Bußgelder. Auch bei Fahrten unter Alkoholeinfluss muss mit Bußgeldern gerechnet werden, da für Liegeradfahrer die gleichen Promillegrenzen wie für Radfahrer gelten.

Ein Nachteil kann bei unverkleideten Varianten der Wetterschutz sein. Der Körper wird in der Fahrposition sowohl von Wind als auch von Regen und Schnee auf voller Länge getroffen. Durch die zusätzliche Montage eines durchsichtigen Frontschutzes und spezieller Regencapes kann ein guter Regenschutz erzeugt werden. Neben der Nachrüstung für den Regenschutz können viele Liegefahrräder auch mit Transportboxen und Fahrradtaschen ausgestattet werden.

Das Unterstellen von einem Liegerad kann sich aufgrund der Maße schwierig gestalten, so kann auch die Mitnahme in manchen Zugtypen zu einem Problem werden.

Welche Typen gibt es?

Moderne Liegefahrräder werden auch oft als Kurzlieger bezeichnet. Hier ist der Radabstand geringer als bei den älteren Langliegermodellen, was sie wendiger macht und für den Alltag sowie für Reisen geeignet. Diese Bauart des Liegerades ist die derzeit am weitesten verbreitete.

Diese folgenden Liegerad-Typen werden heute noch produziert:

  1. Kurzlieger mit kurzem Radabstand
    • die Tiefliegervarianten sind für den sportlichen Einsatz ausgestattet
    • die Knicklenker werden durch Gewichtsverlagerung gelenkt
  2. Langlieger mit langem Radabstand
    • Sesselräder mit hoher Sitzposition
  3. Liegerad-Dreirad: gibt es auch in der Variante mit zwei Vorderrädern
    • Velomobil ist eine spezielle Form, vollverkleidet
  4. Liegetandem ist für zwei Fahrer konzipiert, gibt es mit zwei oder drei Rädern
  5. Ruderräder werden mit der Kraft der Arme angetrieben
  6. Bauchlieger bei denen der Fahrer auf dem Bauch liegt, hier ist oftmals die Übersicht eingeschränkt

Liegerad-Sonderfall: Das Velomobil

Das Velomobil ist ein Liegedreirad, welches voll verkleidet ist und oft für sportliche Zwecke verwendet wird. Die Velomobile werden in Leichtbauweise gefertigt und teilweise auch von einem Elektromotor unterstützt. Diese Variante des Liegerades hat meist zwei Vorderräder und ein Hinterrad. Die Lenkung wird als Panzerlenkung bezeichnet.

Manche Velomobile werden vollverschalt hergestellt, können jedoch auch ohne Verschalung gefahren werden. Bei anderen Velomobilen gehört die Verschalung zur Konstruktion und kann nicht abgenommen werden. Je nach Konstruktionsart gibt es ein Velomobil in komplett geschlossener oder halboffener Form. Die Belüftung des Fahrzeugs erfolgt über den Fahrtwind.

Das Velomobil wird wegen der Verschalung und dem daraus entstehenden Wetterschutz auch als allwettertaugliches Ganzjahresfahrrad bezeichnet. Auch bieten diese Liegeräder Stauraum für Reisegepäck oder Einkäufe, so dass ein Velomobil im Alltag gut eingesetzt werden kann.

Auch beim Velomobil bedarf es keiner besonderen Genehmigung zur Nutzung im Straßenverkehr, jedoch muss die Verkehrssicherheit gegeben sein sowie die Straßenverkehrsordnung befolgt werden, ansonsten ist mit Bußgeldern zu rechnen.

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1 Kommentar

  1. Astrid S. sagt:

    Ich habe noch nie so etwas gefährliches erlebt! Denken die Velomobilfahrer eigentlich mal daran,
    dass sie im Außen- und Innenspiegel eines PKW’s, wegen der geringen Höhe des Velomobil, garnicht oder sehr sehr spät zu sehen sind. Gleiches gilt, wenn das Velomobil die Spur wechselt und nahe neben dem PKW fährt. Oh mein Gott sage ich da nur. Wenn dann dürfte so ein Velo nur mit Straßenzulassung, Versicherungsschutz gefahren werden und technisch nachgerüstet damit es besser auffällt. Das Velomobil hat ja nicht mal Licht. Von mir aus kann das gerne abgeschafft werden. Fahrt doch einfach normal Radl!

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