Gehörlos und Autofahren – Passt das zusammen?

Von Nicole, letzte Aktualisierung am: 5. April 2019

Dürfen Gehörlose das Autofahren erlernen?

Darf jemand, der gehörlos ist, das Autofahren erlernen?

Darf jemand, der gehörlos ist, das Autofahren erlernen?

Die Fahrerlaubnis-Verordnung (kurz FeV) legt fest, dass Bewerber für eine Fahrerlaubnis die hierfür notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllen müssen. Dies ist wichtig, da die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Aufmerksamkeit, Konzentration und Wachsamkeit erfordert. Nur so kann die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – sei es im Auto, auf dem Fahrrad oder zu Fuß – gewährleistet werden.

Dass der Sehsinn in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung ist, versteht sich von selbst. Das Autofahren mit einer Sehbehinderung ist deshalb nur unter gewissen Voraussetzungen erlaubt. Wie sieht es aber mit der auditiven Wahrnehmung, also dem Hören, aus?

Darf jemand, der gehörlos ist, das Autofahren erlernen und am Straßenverkehr teilnehmen? Welche Besonderheiten gibt es beim Führerschein für Gehörlose? Welche Kenntnisse muss der Fahrlehrer haben, wenn gehörlose Menschen lernen möchten, Auto zu fahren? Diese und weitere Fragen werden im folgenden Ratgeber beantwortet, damit Sie trotz Behinderung mobil bleiben.

Gesetzliche Regelungen

Autofahrer müssen bei der Teilnahme im Straßenverkehr auf viele visuelle Reize reagieren können. Gut sehen zu können, ist damit also von großer Bedeutung. Das Hören ist hingegen weniger wichtig. Hier werden weniger strenge Anforderungen an die Fahrer gestellt. So ist es möglich, dass in einigen Fällen auch eine Person, die taub ist, das Autofahren lernen darf.

Näheres wird in Anlage 4 zu den Paragraphen 11, 13 und 14 der FeV geregelt, in der genauere Angaben zur Eignung und bedingten Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen gemacht werden.

Diese besagt, dass Menschen, bei denen ein Hörverlust von über 60 Prozent vorliegt oder die gehörlos sind, unter gewissen Umständen den Führerschein machen dürfen. Sie müssen jedoch nachweisen, dass keine anderen schweren Mängel vorliegen. Zu diesen Beeinträchtigungen können unter anderem Störungen des Gleichgewichts- oder des Sehsinns gehören. Daraus folgt, dass eine taube Person das Autofahren unterlassen muss, wenn bei ihr Mängel dieser Art festgestellt werden.

Um ihre Fahreignung zu belegen, müssen gehörlose Menschen ein spezielles Gutachten, welches von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt erstellt wird, vorlegen. Der Arzt vermerkt darin unter anderem, welcher Grad der Schwerhörigkeit festzustellen oder ob der Betroffene gehörlos ist. Sollte der Patient schwerhörig sein, kann es sein, dass er ein Hörgerät verwenden muss, wenn er Auto fährt. Auch dies wird im Gutachten vermerkt.

Gehörlos und Autofahren – Auflagen bei bedingter Eignung

Taub: Ist das Autofahren erlaubt?

Taub: Ist das Autofahren erlaubt?

Für folgende Führerscheinklassen gibt es Beschränkungen bezüglich der Fahreignung: C, C1, D, D1, DE und D1E.

Des Weiteren müssen besondere Regeln beachtet werden, was die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (FzF) betrifft.

Hier werden eine fachärztliche Eignungsuntersuchung sowie regelmäßige ärztliche Kontrollen nötig.

Außerdem muss die Person, die schwerhörig oder taub ist, den Führerschein der Klasse B bereits seit drei Jahren besitzen und somit ihre Fahrpraxis nachweisen.

Liegt eine hochgradige Hörstörung vor, ist, soweit möglich, das Tragen einer adäquaten Hörhilfe vonnöten, die den aktuellen medizintechnischen Maßstäben entspricht.

Gehörlos den Führerschein machen – Das ist zu beachten

Möchte eine Person, die gehörlos ist, das Autofahren lernen, sollte diese sich an eine Fahrschule wenden, die auf die Schulung von Gehörlosen spezialisiert ist.

So ist gewährleistet, dass die Kommunikation zwischen dem Fahrlehrer und dem gehörlosen Schüler im Auto und bei den Schulungen problemlos vonstattengeht und das Lernmaterial genau auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Dann sollte dem Lernerfolg nichts mehr im Wege stehen. Denn auch gehörlos ist das Autofahren sicher möglich.

Laut dem Weltverband der Gehörlosen (WFD) stellt es keine größere Gefahr dar, gehörlos Auto zu fahren. Hörbehinderte sind demnach nicht öfter in Unfälle – zum Beispiel einen Unfall auf der Autobahn – verwickelt als Fahrer, die hören können.
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