Unfallfreiheit beim Gebrauchtwagen – Wertsteigerung für ein unfallfreies Fahrzeug

Wodurch zeichnet sich ein unfallfreies Auto aus?

Wann darf von einer Unfallfreiheit gesprochen werden?

Wann darf von einer Unfallfreiheit gesprochen werden?

Um für ein Fahrzeug einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erreichen, können Autoverkäufer auf unterschiedliche wertsteigernde Mittel setzen. So wirken sich beispielsweise eine Lederausstattung, eine Klimaanlage oder ein Automatikgetriebe positiv auf den Wert eines Pkw aus.

Als weiteres oft unschlagbar geltendes Verkaufsargument gilt außerdem die sogenannte Unfallfreiheit. Doch was bedeutet der Begriff „unfallfrei“ überhaupt?

Wie können Sie sicherstellen, dass es sich tatsächlich um ein unfallfreies Auto handelt? Und was besagt das Recht, wenn Sie bezüglich der Unfallfreiheit getäuscht wurden, diese aber im Kaufvertrag vom Verkäufer zugesichert wurde?

Diese und weitere Fragen werden im folgenden Ratgeber beantwortet, damit Sie sowohl beim Autokauf als auch -verkauf auf der sicheren Seite sind.

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Unfallfrei – Eine Definition

Viele Gebrauchtwagen werden von Verkäufern als unfallfrei ausgezeichnet. Welche Bedeutung verbirgt sich aber hinter diesem Begriff, der oftmals Fragen aufwirft?

Die Definition des Begriffs „unfallfrei“ findet sich in einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Köln vom 11.06.1975 (Az.: 2 U 31/74). Auch wenn dieses Urteil schon vor einigen Jahrzehnten gefällt wurde, berufen sich viele Gerichte immer noch darauf. Der amtliche Leitsatz besagt Folgendes:

Der Begriff „Unfallfreiheit“ oder „unfallfrei“ wird im Kraftfahrzeughandel einheitlich verwendet und besagt, dass ein Fahrzeug keinen Schaden erlitten hat, der als erheblich anzusehen ist. Die Erheblichkeit eines Schadens bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung, die nur geringfügige, ausgebesserte Blechschäden und „Schönheitsfehler“ aus dem Begriff der Unfallfreiheit ausklammert.

Eine Unfallfreiheit liegt also nicht vor, wenn ein Auto einen erheblichen Schaden erlitten hat. Wo liegt nun aber der Unterschied zwischen einem Bagatell- und einem Unfallschaden? Leider ist eine Abgrenzung hier häufig nur schwer zu treffen.

Ein Pkw wird nicht automatisch zu einem Unfallwagen, wenn dieser einen Unfall hatte. Diese Bezeichnung ist erst dann gerechtfertigt, wenn mehr als ein bloßer Bagatellschaden entstanden ist.
Liegt mehr als ein Bagatellschaden vor, darf das Auto nicht mehr als unfallfrei bezeichnet werden.

Liegt mehr als ein Bagatellschaden vor, darf das Auto nicht mehr als unfallfrei bezeichnet werden.

Allgemein gesprochen handelt es sich nach der Definition des Bundesgerichtshofs (BGH) nur dann um einen Bagatellschaden, wenn geringfügige äußere Schäden, vor allem am Lack, vorliegen. Sind jedoch Blechschäden zu beanstanden, sind diese als Unfallschaden zu werten.

Dies ist auch dann der Fall, wenn der Reparaturaufwand gering war und diese Schäden keine weiteren Folgen nach sich zogen. In anderen Urteilen wurden hingegen auch Blechschäden, die durch „Kleinstkollisionen“ ausgelöst wurden, als Bagatellschäden eingeordnet.

In vielen Gerichtsurteilen werden also auch weitere Faktoren in die Entscheidung mit einbezogen, ob wirklich eine Unfallfreiheit bei einem Gebrauchtwagen vorliegt oder ob es sich doch um einen erheblichen Schaden handelt. Hierzu gehören unter anderem die folgenden Kriterien:

  • Laufleistung des Fahrzeugs
  • Alter des Fahrzeugs
  • Art des Schadens
  • Verkaufspreis
  • Reparaturkosten
Ob es sich um Bagatell- oder erheblichen Unfallschäden handelt, muss immer von Fall zu Fall entschieden werden. Allgemeine Aussagen lassen sich hier nur schwer treffen.

Wertsteigerung durch Unfallfreiheit

Ist ein Auto als unfallfrei ausgezeichnet, trägt dies – wie beispielsweise auch eine Klimaanlage – zu einer Wertsteigerung bei. Werden also zwei identische Gebrauchtwagen angeboten, erzielt das unfallfreie Auto meist einen weitaus höheren Verkaufspreis als der Pkw, der schon einer Reparatur unterzogen wurde.

Ist das Fahrzeug außerdem gut gepflegt, weil vor dem Verkauf einer Autoaufbereitung vorgenommen wurde, kann sich dies – wie auch eine gerade durchgeführte Hauptuntersuchung – auch wertsteigernd auswirken.

Achten Sie außerdem darauf, dass alle Dokumente und Belege vorhanden sind. Können Sie das Fahrzeughandbuch, Reparatur- und Servicebelege inklusive Rechnungen und Prüfberichte vorlegen, spricht dies für einen seriösen und vertrauenswürdigen Verkäufer bzw. Händler und ein gut gewartetes Auto.

Wird die Unfallfreiheit für einen Gebrauchtwagen in einer privaten Kleinanzeige versichert, handelt es sich um keine verbindliche Zusicherung. Nach einem Urteil des Kammergerichts Berlin gilt hier nur der Inhalt des Kaufvertrages und nicht der Kleinanzeige.

Die Angabe „unfallfrei“ im Kaufvertrag – Was ist hier zu beachten?

Die Angabe "unfallfrei" im Kaufvertrag ist verbindlich.

Die Angabe „unfallfrei“ im Kaufvertrag ist verbindlich.

Wird ein Gebrauchtwagen verkauft, ist es juristisch vorgeschrieben, dass der Verkäufer den Käufer über sämtliche ihm bekannten Vorschäden informiert. Auf kleinere Schäden, wie etwa leichte Kratzer, muss hingegen nicht hingewiesen werden. Sollte ein potentieller Käufer jedoch nach solchen Schäden fragen, ist auch in diesem Fall wahrheitsgemäß Auskunft zu geben.

Wird das betreffende Fahrzeug vom Händler als unfallfreies Auto beschrieben, sollte dies explizit im Kaufvertrag aufgeführt werden. So wird vertraglich festgelegt, dass der Pkw in keinen Unfall verwickelt war, bei dem dieser mehr als einen leichten Bagatellschaden davongetragen hat.

Doch was geschieht, wenn sich nach dem Gebrauchtwagenkauf herausstellt, dass der Wagen gar nicht unfallfrei ist? Kann dem Händler bzw. Verkäufer eine arglistige Täuschung nachgewiesen werden – hat er Sie also nicht über Schäden informiert, obwohl er über diese Bescheid wusste – haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Rückabwicklung des Kaufvertrags
  • Schadenersatz
  • Minderung des Kaufpreises

Eine Nacherfüllung durch Beseitigung des Mangels von Seiten des Verkäufers kommt hier nicht in Frage, da es sich bei dem Pkw dann immer noch um einen Unfallwagen handelt.

Ein Käufer hat auch dann das Recht, Ansprüche zu stellen, wenn die Gewährleistung im Kaufvertrag ausgeschlossen wurde. Als Grund hierfür wird angeführt, dass eine Vereinbarung über die Beschaffenheit eines Fahrzeugs – also in diesem Fall die Unfallfreiheit – Vorrang hat.

Unfallfreiheit beim Kauf von privat

Bei einem Kauf von privat wird das Fahrzeug im Kaufvertrag meist nur „laut Vorbesitzer“ als unfallfrei bezeichnet. Der Verkäufer kann nicht für Unfallschäden des Vorbesitzers haftbar gemacht werden, die ihm unter Umständen verschwiegen wurden.

Die Garantie für die Unfallfreiheit gilt also nur für die Zeit, in der der Privatverkäufer Besitzer des Kfz war. Die Gewährleistung kann in diesem Fall ausgeschlossen werden.

Verkaufen Sie als Privatperson ein gebrauchtes Auto, sollten Sie darauf achten, dass der Kaufvertrag die Formulierung „unfallfrei laut Vorbesitzer“ enthält. Geben Sie eine Unfallfreiheit nur dann explizit im Vertrag an, wenn Sie diese auch wirklich belegen können. Möchten Sie einen Unfallwagen verkaufen, müssen Sie explizit darauf hinweisen.

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