Parkraumbewirtschaftung: Sinnvoll oder Abzocke?

Stadtplanung mittels Parkraumbewirtschaftungszone

Die Parkraumbewirtschaftung kann im Sinne der Stadtplanung sinnvoll sein.

Die Parkraumbewirtschaftung kann im Sinne der Stadtplanung sinnvoll sein.

Parkraum ist insbesondere in urbanen Regionen sehr knapp. Dort besteht in der Regel eine größere Nachfrage nach Parkplätzen als vorhanden sind.

Dadurch steigt der Parkplatzsuchverkehr enorm an, was im Sinne von Umwelt- und Lärmschutz einige Nachteile bringt. Dies belastet Bewohner und Händler.

Den parkplatzsuchenden Kraftfahrer schlägt es obendrein aufs Gemüt, ewig im Kreis zu fahren, bis ein geeigneter Stellplatz gefunden wird.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie über das Thema „Parkraumbewirtschaftung“, klären, warum es für die Städte sowie für die Verkehrssicherheit sinnvoll sein kann, eine Parkzone einzurichten und beschreiben, wie die Gebührenerhebung in einer Parkraumbewirtschaftungszone gemäß Straßenverkehrsordnung (StVO) erfolgen kann.


In der Parkzone kann die Verwendung einer Parkscheibe vorgeschrieben sein.

In der Parkzone kann die Verwendung einer Parkscheibe vorgeschrieben sein.

Ziele der Parkraumbewirtschaftung

Überall, wo das Parken nicht verboten wurde, da ist es erlaubt. Wer die Regelungen der StVO zum Parkverbot kennt, weiß, dass es eine Vielzahl von Vorschriften zum Halten und Parken gibt.

Allein dies macht es schon schwierig, eine geeignete Stelle für das eigene Fahrzeug zu finden. In Städten wird es zudem oft schnell teuer, denn Parkgebühren gehören zu Alltag.

Zur Kasse bitten allerdings nicht nur Parkhäuser und private Parkplätze. Der Parkautomat gehört in Städten mit Parkzonen wie Berlin, Aachen oder München zum Erscheinungsbild.

Kraftfahrern stößt das sauer auf, denn schnell wird der Vorwurf von „Abzocke“ laut. Und tatsächlich können Städte mittels Parkraumbewirtschaftung ein paar Euro einnehmen.

Im Sinne der Stadtplanung und -entwicklung ist sie aber von weit höherer Bedeutung. Parkplätze stehen im urbanen Raum stets in Konkurrenz zu anderen Flächen mit entsprechender Nutzungsmöglichkeit. Überall wo ein Spielplatz, ein Fahrradweg oder ein Park ist, könnte auch ein Parkplatz sein. Dies würde aber eine Stadt wesentlich unattraktiver machen und die Lebensqualität verschlechtern, selbst dann, wenn das Parkplatzproblem gelöst wäre.

Insbesondere in sehr großen Städten mit sehr hohem Verkehrsaufkommen wie in Berlin sind Parkzonen daher unverzichtbar. Ziel ist es nämlich mittels Gebührenerhebung für das Parken, das Autofahren unattraktiver zu machen.

Wird für die Nutzung eines Parkplatzes Geld verlangt, bewegt dies nicht wenige Kraftfahrer dazu, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Dadurch nimmt der Verkehr insgesamt ab und die Zahl der Fahrzeuge auf Parkplatzsuche verringert sich. Weniger Lärm und Schmutz belasten entsprechend den Bereich, welcher im Sinne der Parkplatzbewirtschaftung umstrukturiert wurde.

Weitere Ziele der Parkraumbewirtschaftung

  • Parkraumangebot und Parkraumnachfrage so beeinflussen, dass ein ausgeglichenes Verhältnis entsteht (effizientes Parken)
  • Verringern von Lärm- und Abgasbelastung
  • Minderung der Anzahl von Dauerparkern (z. B. Beschäftigte)
  • Steigerung der Zufriedenheit von Anwohnern, Lieferanten, Kunden und Besuchern
  • Rückgang bei den Parkverstößen

Parkuhr, Parkscheinautomat und Parkscheibe

In manchen Städten gibt es am Parkscheinautomat eine "Brötchentaste".

In manchen Städten gibt es am Parkscheinautomat eine „Brötchentaste“.

Im urbanen Umfeld gibt es stets einen Mangel an Parkraum. Berlin, Hamburg, München und andere Großstädte können nicht unendlich viele Parkplätze zur Verfügung stellen, wodurch die Nachfrage gestillt werden könnte.

Wird eine Parkzone eingerichtet, steht in der Regel auch die weitere Verringerung des Angebots im Fokus. Ein Teil der verbleibenden Stellflächen werden zu Bewohner- oder Sonderparkplätzen (z. B. für Behinderte) umgebaut. Die übrigen werden im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung gebührenpflichtig oder in ihrer Nutzungsdauer zeitlich begrenzt.

Zur Erhebung der Gebühr können verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen. Festgeschrieben ist dies im § 13 StVO. Die Überwachung der Parkzeit kann folglich mittels Parkscheinautomaten, Parkuhr oder Parkscheibe gewährleistet werden. Vorgesehen sind auch Taschenparkuhren sowie Mobiltelefone, mit denen die Parkgebühr entrichtet werden kann.

Wer keinen Parkschein löst oder die Gebühr auf anderem Weg bezahlt, wird von den Behörden als Falschparker angesehen und muss mit einem Strafzettel rechnen. In der Regel ist die Gebührenpflicht zeitlich begrenzt. Meist muss für die Parkplätze nur tagsüber gezahlt werden – nachts ist eine kostenfreie Nutzung möglich.

Zu beachten ist auch, dass gebührenpflichtige Parkplätze häufig eine Höchstparkzeitdauer aufweisen. Diese darf nicht überschritten werden, selbst wenn dafür bezahlt wurde. Dadurch soll das Langzeitparken unterbunden werden und einer höheren Zahl von Kraftfahrern ein Parken ermöglicht werden.

Mittlerweile gibt es Parkscheinautomaten, welche ein „Echtzeit-Parken“ ermöglichen. Auch das „Handy-Parken oder die Taschenparkuhr sind entsprechend nutzbar. Dadurch kann minutengenau abgerechnet und eine Überzahlung verhindert werden.

Ist immer ein Parkschein zu lösen?

Zum Aus- und Einsteigen sowie zum Be- und Entladen ist es nicht notwendig, einen Parkschein aus dem Automaten ausdrucken zu lassen. Wie beim klassischen Parkverbot müssen solche Aktionen aber zügig erfolgen.

In der Kurzparkzone darf der PKW nicht dauerhaft abgestellt werden.

In der Kurzparkzone darf der PKW nicht dauerhaft abgestellt werden.

„Brötchentaste“ und Kurzparkzone

Kurzzeitparken gilt als besonderer Service einer Stadt. Wird dieser angeboten, können Kraftfahrer kurze Wege erledigen, ohne dass diese dafür eine Gebühr bezahlen müssen. Damit kontrolliert werden kann, ob ein Fahrzeug tatsächlich nur kurz abgestellt wurde, müssen die Fahrzeugführer die Parkscheibe entsprechend platzieren.

Eine weitere Möglichkeit des Nachweises bieten einige Parkscheinautomaten. Mittels sogenannter „Brötchentaste“ kann ein gebührenfreier Parkschein ausgedruckt werden. Den Namen hat diese Funktion erhalten, weil sie sich perfekt eignet, um schnell beim Bäcker Brötchen zu holen.

Die Taste ist im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung nicht unumstritten. Immerhin mindert das kostenfreie Kurzzeitparken die Einnahmen.

Nicht wenige Städte erhöhen daher die Gebühren für die Parkplätze. Außerdem wird häufig argumentiert, dass das Ziel, den Parkplatzsuchverkehr zu verringern, dadurch verfehlt wird. Außerdem könne die „Brötchentaste“ missbräuchlich verwendet werden.

Blaue Parkzone

Blaue Zonen sind vor allem in Österreich und der Schweiz als Teil der Parkraumbewirtschaftung bekannt. Bei den Eidgenossen gibt die blaue Markierung an, dass zu bestimmten Zeiten eine Parkscheibe benutzt werden muss. Bei den Österreichern kennzeichnet eine blaue Parkzone Kurzparkplätze.

In Deutschland gibt es Gemeinden, in denen Parkmöglichkeiten statt mit Verkehrsschildern durch blaue Fahrbahnmarkierungen ausgewiesen werden. Ein Parken außerhalb dieser Fläche ist entsprechend unzulässig, da ein eingeschränktes Halteverbot gilt. Sonderparkplätze (z. B. Taxi, Behinderten- oder Bewohnerparkplätze) sind extra gekennzeichnet.

Die blaue Parkzone gilt als umstritten, da die blaue Markierung nicht durch die StVO abgedeckt ist. Diese sieht lediglich eine weiße Fahrbahnmarkierung vor.

Wer die Höchstdauer überschreitet oder Parkgebühren nicht zahlt, muss mit einem Knöllchen rechnen.

Wer die Höchstdauer überschreitet oder Parkgebühren nicht zahlt, muss mit einem Knöllchen rechnen.

Park + Ride: Wenn das Auto in der Peripherie bleibt

Zur Parkraumbewirtschaftung in München, Berlin und Co. gehört auch, Pendlern und Touristen die Möglichkeit zu geben, mit dem Fahrzeug anreisen zu können. Damit deren Fahrzeuge aber nicht die Innenstädte verstopfen, werden in Randgebieten Parkplätze ausgewiesen. Diese sind gut mit dem öffentlichen Nahverkehr vernetzt. In der Regel erhalten die Nutzer solcher P+R-Plätze (P+R) vergünstigte Bahn-Tickets. Zwar sind nicht alle P+R-Stellflächen kostenlos, aber in der Regel ist das Parken aber günstiger als im Innenstadtbereich.

P+R-Anlagen und Parkraumzonen in Berlin

Berlin hat seine Parkraumbewirtschaftung mit 44 P+R-Anlagen im Stadtbereich und über 116 Plätzen im Umland recht strategisch ausgerichtet, denn gerade innerhalb des S-Bahn-Rings ist der Parkraum von Berlin Mangelware. Durch die Anlagen wird täglich eine Vielzahl von Fahrten im Innenstadtbereich vermieden und der Verkehr insgesamt entlastet.

Obwohl in Berlin viele Parkraumzonen eingerichtet worden sind, beklagen Umweltverbände wie der BUND die oftmals nicht konsequent durchgezogene Parkraumbewirtschaftung. Häufig gibt es nämlich Nebenstraßen, in denen weiterhin kostenlos geparkt werden kann. Dadurch werde das eigentlich Ziel, die Verringerung des Parkplatzsuchverkehrs, nicht erreicht.

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2 Kommentare

  1. Grantz-Hild sagt:

    Bitte um die Datei als PDF – danke!

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