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Temporäres Tempolimit für Spritersparnis: Machbar oder nicht?

News von bussgeldkatalog.org, veröffentlicht am: 21. April 2022

Ließe sich ein temporäres Tempolimit auf der Autobahn von z. B. 130 km/h umsetzen?
Ließe sich ein temporäres Tempolimit auf der Autobahn von z. B. 130 km/h umsetzen?

Deutschland muss unabhängig von russischen Rohöllieferungen werden. Das hat der Ukraine-Krieg deutlich gemacht. Eine Möglichkeit, das zu erreichen, ist, Sprit einzusparen. Doch wie soll das gehen? Ein temporäres Tempolimit auf deutschen Autobahnen könnte die Lösung sein. So zumindest schlugen es die Grünen in Bayern Anfang April vor. Doch wäre sowas tatsächlich umsetzbar?

Was würde ein temporäres Tempolimit bringen?

Im Jahr 2021 kamen etwa 28 Millionen Tonnen der deutschen Rohölimporte aus Russland. Viel davon wurde zur Herstellung von Diesel oder Benzin verwendet. Um nicht mehr auf das russische Öl angewiesen zu sein – und um damit nicht indirekt Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren –, wäre das Einsparen von Sprit eine wirkungsvolle Maßnahme.

Da ein Kraftfahrzeug umso mehr Sprit verbraucht, je schneller es fährt, könnte eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn hier durchaus helfen. Das Umweltbundesamt berechnete kürzlich, dass durch die Einführung eines Tempolimits von 130 km/h eine Spritersparnis von 600 Millionen Liter im Jahr möglich wäre. Das würde gleichzeitig 1,5 Millionen Tonnen weniger an CO2-Emissionen jährlich bedeuten und somit auch dem Klimaschutz zugutekommen.

Doch die FDP lehnt ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen weiterhin ab – sehr zum Leidwesen ihrer Koalitionspartner SPD und Grüne. Anfang April schlug die Co-Vorsitzende der bayrischen Grünen, Ricarda Lang, deshalb eine Art Kompromiss vor: ein temporäres Tempolimit. Dieses könnte beispielsweise nur drei Monate lang gelten, um so zumindest eine zeitweise Entlastung für die begrenzten Öl-Ressourcen zu bewirken. Sobald eine größere Unabhängigkeit von den russischen Lieferungen erreicht wäre, könnte das temporäre Tempolimit wieder aufgehoben werden.

Die Diskussion um ein Tempolimit von max. 130 km/h auf der Autobahn reißt nicht ab: Sollten unbeschränkte Autobahnabschnitte abgeschafft werden?

Scheitert ein temporäres Tempolimit an zu wenig Schildern?

Ein temporäres Tempolimit würde eine Änderung der StVO erfordern.
Ein temporäres Tempolimit würde eine Änderung der StVO erfordern.

Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass zeitlich begrenzte Verbote ihre Berechtigung haben können, um angemessen auf eine Ausnahmesituation zu reagieren. Die plötzliche Dringlichkeit, von Russlands Öl abhängig zu werden, stellt zweifellos eine solche Ausnahmesituation dar. Warum also kein temporäres Tempolimit von 130 km/h einführen, um die Lage zu entspannen?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) erteilte dem Vorschlag eine Absage und begründete das mit dem erheblichen Aufwand, der angeblich für die Umsetzung eines temporären Tempolimits erforderlich sei. Ein Argument erschien dabei besonders kurios: Man müsste entlang der Autobahn neue Temposchilder aufstellen, die in der erforderlichen Anzahl nicht auf Lager wären. Zudem müssten diese nach Ablauf des temporären Tempolimits wieder abgebaut werden, was zu viel Aufwand wäre.

Dabei wären neue Temposchilder in der Praxis gar nicht erforderlich. Alles, was es für ein temporäres Tempolimit bräuchte, wäre eine Änderung der StVO, welche sich binnen weniger Wochen umsetzen ließe, sofern sich die Ampelkoalition einigt. Dort könnte festgelegt werden, dass Pkw auf der Autobahn eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h einhalten müssen und dass diese Vorschrift zeitlich begrenzt bis zu einem bestimmten Datum gelte.

Dann müssten nur noch entsprechende Hinweise an den Autobahn-Grenzübergängen zu Deutschlands Nachbarländern errichtet werden, z. B. durch das Aufstellen oder Überkleben entsprechender Schilder. Von solchen Grenzübergängen gibt es etwa 30 – eine überschauliche Anzahl, die das Verkehrsschild-Lager bestimmt nicht überfordern dürfte. Die Behauptung, ein temporäres Tempolimit scheitere am Schildermangel, wirkt also wenig überzeugend.

Quellen und weiterführende Links

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Temporäres Tempolimit für Spritersparnis: Machbar oder nicht?
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4 Kommentare

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  1. Monica sagt:

    Das hört sich so an, als ob Sie für das temporäre Tempolimit wären! Auch temporär ist das eine Entmündigung des Bürgers. Jeder soll mit dem eigenen Verstand entscheiden: Ich fahre z.B. eher weniger, aber wenn ich fahre, will ich mich nur nach Wetterbedingungen, Verkehrssituation u.ä. richten
    M.

    • Wolfgang K sagt:

      Mündige Bürger fahren in einem Zeitraum, in dem die fossilen Energien knapp sind, 130 km/h maximal. Da die Zahl der mündigen Bürger aber begrenzt ist, was man auf den Autobahnen jederzeit erkennen kann, muss ein zeitlich begrenztes Tempolimit her.
      Wolfgang

  2. Manfred sagt:

    Herr Wissing scheint nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Was in anderen europäischen Ländern möglich ist soll in Deutschland ausgerechnet an fehlenden Schildern scheitern? Die Schilderdichte auf den Straßen ist bereits unglaublich: 1. Schild auf einem Autobahnabschnitt 120 kmh. Hundert Meter weiter 2. Schild 100 kmh. Nach weiteren hundert Metern 3. Schild 80 kmh. Dann plötzlich wieder 130 kmh und folgend nach hundert Metern das Schild Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben. Aber nur für die nächsten 3 km. Dann geht der Schildbürgerstreich von Neuem los. Schilderhersteller und Aufsteller profitieren von diesem Wahnsinn sicher bis zum Abwinken und daß Lobbyisten, Behörden und Politiker dabei leer ausgehen kann man sich nur schlecht vorstellen. Vielleicht hat Herr Wissing ja nur noch nicht den richtigen Draht gefunden. Er ist ja noch nicht lange Verkehrsminister. Seine Vorgänger haben ganz andere Dinge vorgelegt (Maut).

  3. Franz sagt:

    Bereits vor den aktuellen Spritpreiserhöhungen und besonders jetzt nach den Erhöhungen findet sich doch ohnehin schon fast keiner mehr, der schneller als 120 fährt. Das hätte ich nicht geglaubt, wenn ich es nicht selbst dauernd erleben würde. Die paar Fahrzeuge, von denen man derzeit noch überholt wird, wenn man z.B. 130 fährt, machen nun wirklich keinen messbaren Unterschied im Rohölverbrauch. Und wenn man überholt wird, dann nur mit geringer Geschwindigkeitsdifferenz. Da würde auch ein Tempolimit nichts dran ändern. Aber Hauptsache, man kann Auto- und Motorradfahrer mit weiteren Einschränkungen gängeln. Und weil es bisher dank FDP als einzig verbliebener Partei, die dagegen ist, nicht klappte, kommt diese Gelegenheit gerade recht, um das ersehnte Tempolimit doch noch durch die Hintertür einzuführen. Wenn aber ohnehin nahezu keiner schneller als 130 fährt, stimmen die Einsparungsannahmen nicht. Die u. A. von der Umwelthilfe angeführten Einsparpotentiale setzen nämlich zwingend voraus, dass vor Einführung des Tempolimits eine große Anzahl von Fahrzeugen signifikant schneller fährt. Diese Voraussetzung ist definitiv nicht gegeben, die Zahlen sind nicht zutreffend!

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