Führerscheinentzug nach einem Unfall: Wann ist der Lappen weg?

Unter welchen Bedingungen droht ein Führerscheinentzug nach einem Unfall?

Unter welchen Bedingungen droht ein Führerscheinentzug nach einem Unfall?

Wenn der Führerschein neu beantragt werden muss

Trotz aller Annehmlichkeiten und technischer Fortschritte ist das Autofahren immer noch mit Gefahren verbunden. Lässt das Verhalten eines Fahrers an dessen Fähigkeiten hinterm Steuer zweifeln, kann ihm oder ihr deshalb die erteilte Fahrerlaubnis wieder entzogen werden.

Im Gegensatz zu einem bloßen Fahrverbot für einige Monate ist der Entzug dauerhaft und der Führerschein muss erneut beantragt werden.

Sehr häufig geht solch einem Führerscheinentzug ein Unfall voraus, welcher ein Fahrer durch unvorsichtiges oder schlechtes Fahren verursacht hat. Was Sie dazu wissen sollten, ist hier zusammengefasst.

Die Entziehung der Fahrerlaubnis – das steht im Gesetz!

Als Mittel der Bestrafung ist der Führerscheinentzug, nach einem Unfall oder Auffälligkeiten allgemein, gesetzlich definiert. Im § 69 Abs. 1 Satz 1 des Strafgesetzbuches steht deshalb Folgendes:

Wird jemand wegen einer rechtswidrigen Tat, die er bei oder im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs oder unter Verletzung der Pflichten eines Kraftfahrzeugführers begangen hat, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil seine Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so entzieht ihm das Gericht die Fahrerlaubnis, wenn sich aus der Tat ergibt, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. Einer weiteren Prüfung nach § 62 bedarf es nicht.

In § 3 StVG ist außerdem zu lesen:

Erweist sich jemand als ungeeignet oder nicht befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen, so hat ihm die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Ein Führerscheinentzug kann nach einem Unfall angeordnet werden, wenn ein Fahrer diesen durch eigenes Verschulden oder fehlende Eignung herbeigeführt hat. Der Unfall war dann nicht das Resultat höherer Gewalt (Unwetter etc.) oder Ähnlichem.

Nach diesen Delikten wird der Führerschein eingezogen

Laut dem StGB wird in folgenden Fällen standardmäßig der Führerschein bzw. die Fahrerlaubnis entzogen:

Gefährdung des Verkehrs

Dies ist zum Beispiel durch wiederholte Geschwindigkeitsüberschreitungen der Fall – dazu muss nicht zwangsläufig ein Unfall verursacht worden sein. Fällt ein Fahrer mehrmals durch einen Bleifuß auf, kann dies als Anlass für den Führerscheinentzug gelten. Dies betrifft häufig Fahranfänger, denen bei dreimaligen Geschwindigkeitsverstößen mit min 21 km/h zu viel unweigerlich die Fahrerlaubnis entzogen wird.

In diese Kategorie fällt auch der Sekundenschlaf. Denn: Ein Fahrer ist angehalten, ein Auto nur ausgeruht und in vollem Besitze seiner geistigen Fähigkeiten zu bedienen. Somit ist auch der Führerscheinentzug nach einem Unfall, der nachweisbar durch Sekundenschlaf verursacht wurde, durchaus möglich.

Trunkenheit im Verkehr

Verursachte der Konsum von Alkohol einen Unfall, ist ein Führerscheinentzug möglich.

Verursachte der Konsum von Alkohol einen Unfall, ist ein Führerscheinentzug möglich.

In vielen Fällen ist dann von einem Führerscheinentzug auszugehen, wenn der Konsum von Alkohol den Unfall verursacht hat. War ein Fahrer alkoholisiert, wird dies streng geahndet – schließlich gefährdet er nicht nur sich selbst, sondern vor allem andere Verkehrsteilnehmer. Dies ist jedoch nicht erst ab 1,6 Promille der Fall, auch wenn dies in vielen Bundesländern die MPU-Grenze ist. Auch bei weniger Alkohol im Blut wird der Führerschein bzw. die Fahrerlaubnis regelmäßig entzogen.

Ziemlich sicher ist der Führerscheinentzug, wenn statt Alkohol Drogen einen Unfall herbeiführten. Nicht nur ist das Fahren im Rausch allgemein strafbar, auch die Beschaffung und der Konsum vieler Substanzen sind in Deutschland illegal.

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Die meisten Fälle von Fahrerflucht umfassen eher kleine Sachschäden, etwa beim Ausparken oder Rangieren auf einem Parkplatz. Kommt es jedoch zu einem Personenschaden, sieht die Sache anders aus. Wer dann Fahrerflucht begeht, nimmt wissentlich die Verletzung oder gar Tötung einer Person durch das eigene Fahrverhalten in Kauf und ist damit nicht tüchtig für den Verkehr.

Welche anderen Sanktionen sind möglich?

Mit dem bloßen Führerscheinentzug nach dem Unfall ist es meistens nicht getan. Zeugenbefragungen, die Analyse des Unfallortes und mögliche Drogentests benötigen Zeit und können das Verfahren in die Länge ziehen. Die Sanktionen erfolgen deshalb schrittweise, wobei der Entzug vom Führerschein meist die unmittelbarste ist. Bußgelder, Punkte oder auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) sind ebenso mögliche Ahndungen.

Wenn Sie Ihren Führerscheinentzug nach einem Unfall als zu streng erachten oder auf den Führerschein angewiesen sind, konsultieren Sie einen Anwalt für Verkehrsrecht. Dieser steht Ihnen beratend zur Seite und prüft Ihre Möglichkeiten.

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