Den Führerschein im Alter abgeben: Alterdiskriminierung vs. Verkehrssicherheit

Senioren den Führerschein entziehen – Ist das nötig?

Müssen Senioren ihren Führerschein im Alter abgeben?

Müssen Senioren ihren Führerschein im Alter abgeben?

Busse, Bahnen, Autos, Menschen – all das bewegt sich im typischen Großstadttrubel unermüdlich hin und her. Während diese Dynamik für junge Menschen spannend und anziehend ist, fühlen sich Senioren häufig schlichtweg überfordert von all den Eindrücken. Sie sehnen sich dann nach ruhigeren Gegenden und ziehen in ländliche Gebiete.

Doch diese Beschaulichkeit geht oft auch mit einem schlechteren Verkehrsnetz einher. Ohne eigenes Auto können Supermarkt oder Arzt nicht ohne weiteres aufgesucht werden. Das Stückchen mobile Freiheit soll zudem auch im Alter nicht verloren gehen. Solange die Anforderungen des Straßenverkehrs bewältigt werden können, spricht auch nichts dagegen. Aber was ist, wenn ein sicheres Navigieren nicht mehr möglich ist? Müssen die Besitzer ihren Führerschein im Alter dann abgeben?

Im folgenden Ratgeber informieren wir Sie über den Führerscheinentzug im Alter. Gibt es vielleicht eine Vorschrift, wonach Senioren den Führerschein abgeben müssen wegen ihrem Alter? Warum stellen ältere Menschen überhaupt eine Gefahr im Straßenverkehr dar? Wir klären auf!

Immer wiederkehrendes Streitthema: Fahrverbot für Senioren

In der Vergangenheit wurden wiederholt Stimmen laut, die sich dafür aussprechen, dass betagte Verkehrsteilnehmer den Führerschein im Alter abgeben sollen. Es wird dann lautstark ein pauschales Fahr- oder Autoverbot für Senioren gefordert. Doch gemeint ist damit in aller Regel tatsächlich die Entziehung der Fahrerlaubnis.

Bei dem Fahrverbot handelt es sich um eine temporäre Maßnahme. Der Autofahrer gibt sein Ausweisdokument für einen gewissen Zeitraum ab und erhält es nach Ablauf dieser Frist automatisch zurück. Beim Führerscheinentzug geht nicht nur das Dokument, sondern die Berechtigung, ein Auto zu führen, als solche verloren. Hier muss gegebenenfalls der Führerschein neu beantragt werden, wenn der Betreffende wieder hinter dem Steuer sitzen möchte.

Wann ist der Lappen weg?

Die Behörde kann den Führerschein abnehmen, wenn alte Menschen nicht mehr geeignet sind, ein Fahrzeug sicher zu führen.

Die Behörde kann den Führerschein abnehmen, wenn alte Menschen nicht mehr geeignet sind, ein Fahrzeug sicher zu führen.

Ein Führerscheinentzug – ob altersbedingt oder nicht – ist typischerweise Folge begründeter Zweifel an der Fahreignung einer Person. Gerade wenn Alkohol oder Drogen am Steuer festgestellt wurden, kann diese Sanktion erfolgen.

Prinzipiell rechtfertigen körperliche, geistige, aber auch charakterliche Mängel einen Führerscheinentzug. Senioren sind davon unter Umständen ebenso betroffen wie jüngere Autofahrer. Muss ein Verkehrsteilnehmer seinen Führerschein im Alter abgeben, sind oft körperliche Defizite, beispielsweise bedingt durch Krankheiten, ausschlaggebend.

Doch nicht jeder Mensch altert gleich. Auch die gesundheitlichen Einschränkungen sind stets individuell. Ein universelles Verbot, wonach Senioren ihren Führerschein altersbedingt abgeben müssen, existiert daher nicht. Damit würden sonst automatisch Personen diskriminiert, die durchaus noch fahrtauglich sind. Nichtsdestotrotz stellen betagte Autofahrer eine Gefahr im Straßenverkehr dar. Laut der Deutschen Verkehrswacht trugen im Jahr 2015 zwei Drittel der über 64-jährigen Unfallbeteiligten die Hauptschuld an dem Kfz-Schadensfall.

Medikamente im Straßenverkehr

Nicht selten sind ältere Menschen auf Tabletten angewiesen – das bringt der natürliche Alterungsprozess in der Regel so mit sich. Gerade dieser Punkt kann im Straßenverkehr kritisch werden, da sich manche Medikamente auf das Autofahren negativ auswirken können. Müdigkeitserscheinungen oder andere Nebenwirkungen führen zu einer Fahruntüchtigkeit, welche die eigene und die Verkehrssicherheit der anderen Autofahrer gefährdet.

Wer permanent auf die Einnahme starker Medikamente angewiesen ist, sollte mit seinem Arzt besprechen, ob er seinen Führerschein im Alter besser abgeben solle.

Der Einzelfall entscheidet

Grundsätzlich muss kein Autofahrer ohne Grund seinen Führerschein abgeben. Im Alter können aber körperliche oder geistige Ausfallerscheinungen eine solche Entziehung rechtfertigen. Zweifelt die Behörde aufgrund eines Auffahrunfalls oder Ähnlichem die Fahreignung eines Rentners gemäß § 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) an, kann eine medizinische Untersuchung angeordnet werden. Dabei wird besonderes Augenmerkt auf diese Aspekte gelegt:

  • Sehvermögen
  • Hörfähigkeiten
  • psychische und nervliche Gesundheit

Werden in einem dieser Punkte Defizite festgestellt, muss der Betreffende unter Umständen seinen Führerschein im Alter abgeben. Der Gefahr, welcher sich nicht mehr fahrtüchtige Personen auf der Straße aussetzen, sind sie sich häufig nicht bewusst. Dabei kann ein körperlicher oder geistiger Mangel schnell zu Verstößen der Vorfahrt führen. Lenk-, Abbiege- oder Abstandsfehler treten teilweise vermehrt auf und münden im Ernstfall in einen Unfall.

Auch im hohen Alter noch sicher hinterm Steuer

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente, fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie Ihren Führerschein im Alter abgeben sollten.

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente, fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie Ihren Führerschein im Alter abgeben sollten.

Grundsätzlich sollte jeder Verkehrsteilnehmer, egal in welchem Alter, selbstkritisch sein und seine Fahrweise reflektieren. Geschehen vermehrt kleine Fehler und kritische Situationen, sollte der Betreffende erwägen, das Auto künftig stehen zu lassen oder gar aus eigenem Wunsch den Führerschein abzugeben. Hilfreich kann es auch sein, mit Freunden oder Verwandten eine Runde zu fahren und diese die eigene Fahrtüchtigkeit beurteilen zu lassen.

Einige Fahrschulen oder Institute wie der TÜV oder der ADAC bieten spezielle Kurse und Trainings für Senioren an. Dort finden Sie heraus, ob es besser wäre, wenn Sie Ihren Führerschein im Alter freiwillig abgeben, oder ob Sie noch problemlos selbst mit dem Auto fahren können.

Über technische Hilfsmittel wie Einparkhilfen oder ein Automatikgetriebe kann für mehr Fahrsicherheit gesorgt werden. Jedoch vermag es auch die raffinierteste Technik nicht, Konzentrations-, Orientierungs- oder Reaktionsprobleme auszugleichen.

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4 Kommentare

  1. kitty sagt:

    Der Artikel hilft mir überhaupt nicht weiter. Welche Behörde kann einen medizinischen Test anordnen? Kann ich darum bitten oder muss ich warten, bis mein Vater einén schweren Unfall verursacht hat? Den Arzt interessiert es auch herzlich wenig. Warum hilft uns eigentlich keiner?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo kitty,

      solche Tests werden in der Regel von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet, diese können Sie auch bei weiteren Fragen konsultieren. Sie sollten solch einen Test auch auf freiwilliger Basis durchführen können.

      Das Team von bussgeldkatalog.org

  2. G.W.h sagt:

    Bussgeld für Nichtbeachtung Fahrverbot 05.01.
    Konsequenzen?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo G.W.,

      wenn Ihnen ein Bußgeld auferlegt wurde, können Sie die damit verbundenen Konsequenzen dem Bußgeldbescheid entnehmen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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