Firmenwagen für Angestellte: Versicherung, Steuer & Regeln zu Dienstfahrten

Von Clarissa, letzte Aktualisierung am: 1. Juli 2019

Firmenwagen für Mitarbeiter gelten als Bonus – können jedoch auch Nachteile mit sich bringen

Regeln auf der Dienstfahrt: Wer zahlt den Bußgeldbescheid, wenn der Firmenwagen geblitzt wurde?

Regeln auf der Dienstfahrt: Wer zahlt den Bußgeldbescheid, wenn der Firmenwagen geblitzt wurde?

Sie denken darüber nach, den Arbeitgeber im nächsten Mitarbeitergespräch um einen Dienstwagen zu bitten? Oder er bietet es Ihnen von selbst an und Sie sind unsicher, welche Auswirkungen dieses Angebot haben könnte? Generell scheint es ein toller Bonus zu sein, der die meisten erst einmal begeistern dürfte. Allerdings sollten Sie zunächst einmal abklären, ob der Firmenwagen mit einer Privatnutzung einhergeht, oder ob eine solche untersagt bleibt.

Darüber hinaus sollten Sie bedenken, dass auch ein Dienstauto nicht komplett kostenfrei für den Arbeitnehmer bleibt. Stattdessen gilt es, sich Gedanken über die Steuer zu machen, denn diese entscheidet über den Nutzen vom Firmenwagen: Lohnt sich dieser oder stellt er eine neue (finanzielle) Belastung dar? Wir wollen im Folgenden auf die Einzelheiten eines Dienstwagens eingehen und welche Gesetze gelten, wenn Sie mit diesem unterwegs sind.

Firmenwagen: Voraussetzungen für die rechtliche Einordnung

Eine grenzscharfe gesetzliche Definition für die Bezeichnung „Dienstauto“ bzw. „Firmenwagen“ gibt es nicht. Jedoch muss für die Einordnung feststehen, dass das Kfz zum steuerlichen Betriebsvermögen gehört. Dabei gilt:

  • Es besteht die Möglichkeit, ein Auto als Firmenwagen zu registrieren, wenn es zu mindestens 10 Prozent betrieblich genutzt wird.
  • Es besteht die Verpflichtung, ein Auto als Firmenwagen zu registrieren, wenn es zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird.

Den Firmenwagen nur privat zu nutzen, das geht nicht. In diesem Fall kann er nicht als Dienstauto gemeldet werden.

Den Firmenwagen nur privat zu nutzen, das geht nicht. In diesem Fall kann er nicht als Dienstauto gemeldet werden.

Dient der Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit, zählt dies ebenfalls zur betrieblichen und nicht zur privaten Firmenwagennutzung. Wie Sie diese Nutzungsanteile in Prozent vorweisen, ist in der Regel Ihnen überlassen, ein Fahrtenbuch ist dazu nicht zwangsläufig notwendig.

Stattdessen genügt es oftmals, solche Daten anhand Terminkalendern, repräsentativen Aufzeichnungen (in etwa über einen Zeitraum von drei Monaten) oder Abrechnungen gegenüber Auftraggebern nachzuweisen.

Dabei kommt es jedoch auch auf die Branche an: Bei manchen Jobs, wo viel gefahren wird (dazu zählen bspw. Handwerker oder Taxifahrer), geht das Finanzamt grundsätzlich von einem Nutzungsanteil von mehr als 50 Prozent aus.

Wichtige vertragliche Vereinbarungen

Ein Firmenwagen sieht zunächst wie ein Vorteil für den Angestellten aus, bei der Verwendung desselben treten jedoch häufig viele Fragen auf. Im Idealfall ist für solche Fälle bereits im Arbeitsvertrag bereits eine Klausel enthalten, welche das Vorgehen in der fraglichen Situation regelt. Zu den wichtigsten vertraglichen Vereinbarungen gehören die folgenden:

  • Darf der Firmenwagen privat genutzt werden? Normalerweise geht das Finanzamt sowieso davon aus, dass ein Dienstauto vom Arbeitnehmer auch privat genutzt wird, was bedeutet, dass dieser auch einen steuerlichen Anteil zahlen muss. Sollte dies nicht der Fall sein, sollte der Arbeitgeber die private Nutzung vertraglich ausschließen. Sollte diese gestattet sein, ist abzuklären, wer genau am Steuer sitzen darf (nur der Mitarbeiter? Auch seine Familienmitglieder mit Fahrerlaubnis?) und inwieweit die private Nutzung gestattet ist (Sind Urlaubsfahrten ins Ausland in Ordnung oder nicht? Werden nur Kosten im Inland übernommen?).
  • Werden Extra-Wünsche vom Arbeitgeber bezahlt? Gibt es mehrere Firmenwagen in der Firma, ist es oftmals wichtig, eine einheitliche Regelung für alle zu schaffen. Muss ein Mitarbeiter seine Extra-Wünsche beim Auto selbst bezahlen (Klimaanlage, Navi etc.), ein anderer aber nicht (wenn diese vergleichbare Kosten verursachen), könnte dies für Unmut im Unternehmen sorgen.
  • Wer übernimmt welche Kosten? Sollte der Angestellte seinen Pflichten bzgl. des Dienstwagens nachkommen (bspw. pflegliche Behandlung, Wahrnehmung von TÜV-Terminen), wird häufig vereinbart, dass der Arbeitgeber für Dinge wie Wartungen, Reparaturen und Inspektionen aufkommt. Auch Öl- bzw. Benzinkosten gehen in aller Regel von dessen Konto ab. Für diese kann jedoch im Voraus ein fester Rahmen festgelegt werden (auch zum Beispiel, wie viele Kilometer privat gefahren werden dürfen).
  • Was geschieht mit dem Firmenwagen nach einer Kündigung o. Ä.? Sollte der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, in einem anderen Aufgabenbereich eingesetzt werden, in Elternzeit gehen oder ein Sabbatjahr nehmen, sollte vorher geklärt werden, wie mit dem Auto in diesem Fall verfahren wird. Meist wird vereinbart, dass das Gefährt an die Firma zurückgegeben werden muss.

Was gilt bei Fahrten mit dem Firmenauto?

Wie gerade beschrieben, sollten zumindest die Rahmenbedingungen für die Nutzung eines solchen Autos vertraglich definiert sein. Hinzu kommen auch grundsätzliche Regelnungen: Wer haftet, wenn der Firmenwagen beschädigt wurde? Was, wenn ich geblitzt wurde mit dem Firmenwagen?

Begehen Sie einen Verkehrsverstoß mit dem Firmenwagen, führt sein Kennzeichen die Behörden zunächst zu Ihrem Arbeitgeber.

Begehen Sie einen Verkehrsverstoß mit dem Firmenwagen, führt sein Kennzeichen die Behörden zunächst zu Ihrem Arbeitgeber.

Mit dem Firmenwagen geblitzt – was folgt?

In der Regel gilt in Deutschland – auch beim Firmenwagen – dass der Halter nicht für Verstöße gegen die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) belangt werden kann, die er nicht begangen hat, auch wenn sein Auto als Tatfahrzeug identifiziert wurde. Sollte der Mitarbeiter jedoch bspw. zu schnell gefahren sein oder eine rote Ampel ignoriert haben, ist dieser als Fahrer für die Verkehrsbehörde häufig nicht leicht auszumachen. Diese wendet sich daher zunächst an das Unternehmen für mehr Informationen per Anhörungsbogen – wer den Firmenwagen zum fraglichen Zeitpunkt gefahren hat zum Beispiel, oder ob der Täter auf dem Blitzerfoto erkennbar ist.

Der Vorgesetzte ist in der Regel geneigt, dies zu tun, da er bei einer Verweigerung oftmals ein Fahrtenbuch droht, welche für das Unternehmen erhöhten Aufwand bedeutet. Hinzu kommt, dass ein anschließend ein Bußgeld für den Firmenwagen droht, wenn das auferlegte Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß geführt wird (die Behörde hat das Recht, dieses regelmäßig zu überprüfen).

Der Bußgeldbescheid wird nach Antwort des Vorgesetzten dann direkt an den Fahrer adressiert, welcher die üblichen Sanktionen wie Bußgelder, Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot antreten muss. Daher haben wir Ihnen im Folgenden einige nützliche Links zum Thema aufgelistet:

Regelungen bei einem Unfall mit dem Firmenwagen

Wer haftet, wenn Sie in einem Unfall mit Ihrem Firmenwagen verwickelt sind?

Wer haftet, wenn Sie in einem Unfall mit Ihrem Firmenwagen verwickelt sind?

Sind Sie mit Ihrem Firmenwagen in einen Unfall verwickelt, stellt sich die Frage, wer in einem solchen Fall haftet. Hierbei kommt es immer darauf an, wer der Schuldige ist und wodurch der Unfall verursacht wurde. Ist der Unfallgegner Schuld an dem Zusammenstoß mit Ihrem Firmenwagen, übernimmt seine Kfz-Versicherung natürlich den Schaden.

Liegt die Schuld am Unglück (zumindest teilweise) bei Ihnen , kommt es auf den Grad der Fahrlässigkeit an. Wird Ihnen grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen – etwa wenn Sie unter dem Einfluss von Alkohol unterwegs waren – , dann müssen Sie selbst zahlen.

Hier wird aber auch die Verhältnismäßigkeit zum Einkommen berücksichtigt. Sollten die Kosten für den Unfall das Einkommen deutlich übersteigen, werden diese in der Regel nur anteilig berechnet.

Generell anteilig werden die Reparaturkosten für den Mitarbeiter auch berechnet, wenn eine mittelschwere Fahrlässigkeit vorliegt. Dazu zählt bspw. eine leichte Übertretung des Tempolimits. Bei leichter Fahrlässigkeit – etwa, wenn das Fahrverhalten nicht ausreichend an schwere Witterungsbedingungen angepasst wurde – übernimmt der Arbeitgeber die Zahlungen.

Den Firmenwagen versteuern: Worauf ist zu achten?

Bekommen Sie einen Dienstwagen gestellt, der für die Privatnutzung freigegeben ist, sollten Sie die Kosten bedenken, die mit der Versteuerung desselben einhergehen. Die private Nutzung des Kfz stellt nämlich einen geldwerten Vorteil dar, der versteuert werden muss. Hierbei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, am prominentesten sind die 1-Prozent-Regelung und das Fahrtenbuch. Je nachdem, wie häufig Sie den Firmenwagen nutzen, könnten Nachteile für Sie entstehen, wenn Sie eine für Sie ungünstige Variante wählen.

Haben Sie sich für eine Variante entschieden, müssen Sie auch für den Rest des Jahres dabei bleiben. Ausnahme: Das Fahrzeug wird gewechselt.

Die 1-Prozent-Regelung

Diese Regelung ist mit weniger Aufwand verbunden, allerdings könnte es hier unter Umständen auch dazu kommen, dass Sie mehr Steuern als nötig zahlen. Es handelt sich hierbei um eine pauschale Versteuerung, es wird daher jeden Monat derselbe Betrag versteuert, unabhängig davon, wie oft Sie das Auto wirklich genutzt haben. Sollte Sie damit recht häufig fahren, ist dies demnach in der Regel die geeignetere Methode.

Hierbei müssen Sie pro Monat mit einem Prozent des Bruttolistenpreises des Pkws rechnen, der versteuert wird. Dabei ist es unerheblich, wie viel das Gefährt den Arbeitgeber wirklich kostete, es zählt der Listenpreis.

Ein Beispiel: Der Arbeitgeber erwirbt den Firmenwagen für 17.000 Euro. Der Listenpreis für dieses Modell ist jedoch auf 25.000 Euro beziffert. Ein Prozent davon sind 250 Euro, diese Summe macht den geldwerten Vorteil aus der privaten Nutzung aus, die monatlich mit der Lohnsteuer versteuert wird. Sollten Sie Firmenwagen für Ihren Arbeitsweg nutzen, wird außerdem dafür noch ein pauschaler Wert berechnet. Auf die 1-Prozent-Regelung kommen dann noch einmal 0,03 Prozent des Listenpreises pro Kilometer drauf, welche zur der Summe, die letzten Endes versteuert wird, hinzugerechnet wird.

Firmenwagen mit Fahrtenbuch versteuern

Den Firmenwagen mit einem Fahrtenbuch zu versteuern, lohnt isch vor allem, wenn Sie es gar nicht so oft privat nutzen.

Den Firmenwagen mit einem Fahrtenbuch zu versteuern, lohnt isch vor allem, wenn Sie es gar nicht so oft privat nutzen.

Sind Sie sich sicher, dass sie das Auto eher selten nutzen werden, ist für Sie die Nachweismethode per Fahrtenbuch vermutlich passender. Sie geht jedoch auch mit einem größerem Aufwand einher, da es für das Fahrtenbuch feste Vorschriften gibt. Für jede Fahrt müssen Daten wie

  • Datum
  • Kilometerstand
  • Zweck der Fahrt
  • Ziel der Fahrt

notiert werden. Sollten Sie das Fahrtenbuch nicht vorschriftsgemäß führen, kann es zum Verlust des steuerlichen Vorteils für Ihren Firmenwagen kommen.

Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (36 Bewertungen, Durchschnitt: 4,31 von 5)
Loading...

Verfasse einen neuen Kommentar


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2019 vom VFR Verlag zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.