Reißverschlussverfahren bei Fahrbahnverengung

Reißverschlussverfahren auf deutschen Straßen

Das Reißverschlussverfahren wird an Fahrbahnverengungen angewendet.

Das Reißverschlussverfahren wird an Fahrbahnverengungen angewendet.

Im Straßenverkehr kommt es häufig zu Staus. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Ein Unfall, der eine Straße unbefahrbar macht oder eine Baustelle, aufgrund derer eine Spur nicht mehr genutzt werden kann. Dann sind gegenseitige Rücksichtnahme und das Einhalten der Verkehrsregeln gefragt.

Kommt es zu einer Fahrbahnverengung, gilt in Deutschland das sogenannte Reißverschlussverfahren (in Österreich auch Reißverschlusssystem genannt). Schon in der Fahrschule soll dieses Fahrverhalten geschult werden, um Staus vorzubeugen und einen „rollenden“ Verkehr zu garantieren. Dies funktioniert allerdings nur, wenn sich alle beteiligten Verkehrsteilnehmer daran halten.

Doch was hat es damit auf sich? Wie wird laut Straßenverkehrsordnung (StVO) das Reißverschlussverfahren definiert? Die Antworten auf diese Fragen und eine Analyse, warum ohne dieses Verfahren immer wieder Staus entstehen, lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Reißverschlussverfahren laut StVO

Wie bereits erwähnt, wird das Reißverschlussverfahren dann notwendig, wenn es zu einer Verengung der Fahrbahn kommt. Diese kann zum Beispiel aufgrund von Bauarbeiten an einer Spur entstehen. Auch auf Autobahnen sind solche Verengungen aufgrund von Baustellen häufig anzutreffen.

Um einen reibungslosen Verkehrsfluss zu garantieren, definiert die StVO in § 7 Absatz 4 zur Benutzung von Fahrstreifen durch Kraftfahrzeuge das richtige Verhalten:

Ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, ist den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen in der Weise zu ermöglichen, dass sich diese Fahrzeuge unmittelbar vor Beginn der Verengung jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können (Reißverschlussverfahren).

Hier wird explizit der Begriff „Reißverschlussverfahren“ verwendet. Dieser ist auf die Verwendung bzw. das Funktionsprinzip eines herkömmlichen Reißverschlusses zurückzuführen:

Der Aufbau eines solchen Verschlussmittels ist durch zwei Seitenteile (Krampen) und einen Schieber gekennzeichnet. Wird dieser betätigt, werden die Verbindungselemente ineinander verhakt. Dabei greifen immer zwei Teilchen ineinander, sodass von beiden Seiten jeweils ein Stück einen Abschluss bildet.


Nach diesem Prinzip soll auch das Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr funktionieren. Kommt es zu einer Fahrbahnverengung, so sollen die Fahrzeuge, deren Spur endet, diese bis zu ihrem Ende befahren. Am Schlusspunkt angekommen, sollen die Fahrer sich auf die befahrbare Spur einordnen.

Die Kfz-Fahrer auf der freien Spur sind wiederum verpflichtet, den Fahrzeugen aus der endenden Spur die Einfahrt zu ermöglichen – dabei soll die freie Strecke im Wechsel befahren werden. So kann der Verkehrsfluss sichergestellt werden und jeder Verkehrsteilnehmer weiß, wie er sich zu verhalten hat.

Das Reißverschlussverfahren laut § 7 StVO soll vor allem Staus verhindern und einen fließenden Verkehr sicherstellen.

Reißverschlussverfahren wird nicht immer beachtet

Wird das Reißverschlussverfahren missachtet, können lange Staus entstehen.

Wird das Reißverschlussverfahren missachtet, können lange Staus entstehen.

Immer wieder kommt es an Fahrbahnverengungen doch zu einer Staubildung, weil sich einige Verkehrsteilnehmer nicht an das Verfahren halten. Wichtig ist, die endende Spur wirklich bis zu deren Ende zu befahren und dann erst zu wechseln.

Ordnen sich Fahrer schon vorher in die andere Fahrspur ein, entstehen schon vor der Fahrbahnverengung Wartezeiten und der Verkehr wird verlangsamt.

Daher existieren unterschiedliche Zusatzzeichen, die darauf hinweisen, wann das Reißverschlussverfahren beginnt. Ein Beispiel wäre das Zeichen 1005-30.

Es handelt sich um ein Rechteck mit weißem Hintergrund und schwarzer Beschriftung. Die Aufschrift „Reißverschluss erst in 200 m“ gibt an, dass die Fahrzeuge sich erst in 200 Metern auf die andere Spur einordnen sollen.

Übrigens: Diese Regel wurde erst 2001 eingeführt und ist seitdem Bestandteil des Theorieunterrichts. Auch in der Praxis kann es im besten Fall mit dem Fahrlehrer geübt werden.

Folgende Fehler sollten Sie beim Reißverschlussverfahren an einer Engstelle vermeiden:

  • Ordnen Sie sich nicht zu früh ein! Das behindert den Verkehrsfluss auf der befahrbaren Spur. Also: Immer bis zur Engstelle vorfahren!
  • Sind Sie auf der freien Fahrbahn, müssen Sie ein Auto vor der Fahrbahnverengung auf Ihre Fahrspur einfädeln zu lassen. Fahren Sie nicht einfach weiter, ohne ein anderes Fahrzeug reinzulassen!
  • Lassen Sie allerdings auch nicht mehr als ein Fahrzeug auf Ihre Spur. Auch dadurch würde das Reißverschlussprinzip nicht mehr greifen und es käme zu vermeidbaren Staus und Wartezeiten für alle Beteiligten

Reißverschlussverfahren: Auf der Autobahn besonders wichtig

Das Verfahren mit dem Reißverschluss auf der Autobahn ist besonders häufig anzutreffen. Eine Engstelle wird hier meist durch eine Verkehrseinrichtung angezeigt. Auch Leuchttafeln können darauf hinweisen.

Auch hier gilt es, sich an das Reißverschlussverfahren zu halten. Da auf Autobahnen meist hohe Geschwindigkeiten gefahren werden, müssen diese entsprechend angepasst werden. Staut es sich an einer Engstelle, ist es wichtig, dass Sie mit geminderter Geschwindigkeit an diesen Stau heranfahren.

Gut zu wissen: In Deutschland ist es üblich, durch das Betätigen der Warnblinkanlage den nachfolgenden Verkehr auf den Beginn eines Staus hinzuweisen.

Sonderfall: Hindernis auf der Fahrbahn

Muss das Reißverschlussverfahren auch bei einem Hindernis aktiviert werden? Die Urteile sind unterschiedlich.

Muss das Reißverschlussverfahren auch bei einem Hindernis aktiviert werden? Die Urteile sind unterschiedlich.

Ein Sonderfall bezüglich des Reißverschlussverfahrens ist gegeben, wenn ein Hindernis die Weiterfahrt auf einer Spur behindert. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Auto in zweiter Spur parkt und somit diesen Abschnitt der Spur unbefahrbar macht.

In der Rechtsprechung ist ein solcher Fall umstritten. Kommt es zu einem Unfall beim Spurwechsel, trifft in der Regel den Fahrer die Schuld, der die Spur gewechselt hat. Wäre in dieser Situation allerdings das Reißverschlussverfahren angemessen gewesen, so kann die Schuld auch bei dem Fahrer liegen, der die Einfahrt auf die Fahrbahn nicht ordnungsgemäß ermöglicht hat.

Zu diesem Sachverhalt lassen sich unterschiedliche Urteile mit unterschiedlichen Ergebnissen finden. So kam das Amtsgericht München im Jahr 2012 zu dem Entschluss, dass der Autofahrer, der die freie Fahrspur benutzt, einen anderen Fahrer nicht einfach einfahren lassen muss, wenn ein Hindernis die Fahrbahn blockiert.

Grund für die Verhandlung war folgender Vorfall: Eine Dame fuhr auf einer Spur, die durch ein parkendes Auto blockiert wurde. Sie setzte zum Spurwechsel an, dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug.

Im Urteil machte das Gericht deutlich, dass das Reißverschlussprinzip nur beim Wegfall einer Spur gelte und die Schuld an dem Unfall daher bei der Spurwechslerin liege.

Ein Urteil des Kammergerichts Berlin bejahte in einem Urteil hingegen, dass ein Hindernis auf einer Fahrbahn die Aktivierung des Reißverschlussverfahrens rechtfertige.

Reißverschlussverfahren im Video – so geht´s

Wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an das Reißverschlussverfahren halten, kann dadurch viel Zeit gespart werden. Diese These wird im nachfolgenden Video überprüft und verifiziert. Außerdem wird das Verfahren noch einmal erklärt:

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