Windschutzscheibe mit Paketband beklebt: Autofahrer auf A7 angehalten

News vom 12.01.2018 um 14:15 Uhr

Autofahren bei nur freier Sicht: Wer seine Windschutzscheibe beklebt, verstößt mitunter gegen § 23 StVO.

Autofahren nur bei freier Sicht: Wer seine Windschutzscheibe beklebt, verstößt mitunter gegen § 23 StVO.

Als die Autobahnpolizei Günzburg am Wochenende auf der A7 bei Neu-Ulm Streife fuhr, stach ihr der Wagen eines 73-jährigen Autofahrers ins Auge: Er hatte das Sichtfeld der Windschutzscheibe mit Paketband beklebt, und zwar auf eine Breite von 40 cm. Weil sich zwischen der Scheibe und dem Klebeband Lufteinschlüsse gebildet hatten, war die Sicht auf die Straße sehr stark eingeschränkt. Nun droht ihm ein Bußgeld.

Autofahren nur bei freier, uneingeschränkter Sicht

Der Rentner begründete dies damit, dass sein Wagen bei der Hauptuntersuchung aufgrund verschiedener Steinschlägen keine Plakette zugeteilt bekommen habe. Daraufhin habe er die im Anschluss neu eingebaute Windschutzscheibe „zum Schutz“ beklebt, weil er vor der erneuten TÜV-Prüfung nicht wieder das Risiko eines Steinschlags eingehen wollte. Trotz dieser gut gemeinten Absicht muss der 73-jährige wohl mit einem Bußgeld rechnen.

Das Straßenverkehrsrecht, genau genommen die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) schreibt genau vor, wie Kraftfahrzeuge beschaffen sein müssen. In § 40 Abs. 1 StVZO heißt es:

Sämtliche Scheiben […] müssen aus Sicherheitsglas bestehen. […] Scheiben aus Sicherheitsglas, die für die Sicht des Fahrzeugführers von Bedeutung sind, müssen klar, lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein.“

Im geschilderten Fall war diese klare und verzerrungsfreie Sicht nicht mehr gegeben, weil der Betroffene seine Windschutzscheibe mit Paketband beklebt hatte.

Außerdem müssen diese Scheiben ebenso wie auf ihnen angebrachte Folien gemäß § 22a Abs. 1 Nr. 3 StVZO „in einer amtlich genehmigten Bauart ausgeführt sein“. Daraus folgt, dass derjenige, der seine Windschutzscheibe beklebt, dies zuvor genehmigen lassen muss.

Windschutzscheibe mit Autofolie beklebt – Was Tuning-Fans beachten müssen

Wer seine Windschutzscheibe mit Folie beklebt, muss diese unter Umständen wieder entfernen.

Wer seine Windschutzscheibe mit Folie beklebt, muss diese unter Umständen wieder entfernen.

Besonders wichtig ist die Kenntnis dieser Vorschriften für Autobastler und Tuning-Freunde, die ihre Autoscheiben tönen möchten. Denn auch das Anbringen getönter Folien führt in der Regel dazu, dass sich das Fahrzeug danach nicht mehr als vorschriftsmäßig im Sinne der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung erweist. Wer dies dennoch tut, kann von der zuständigen Behörde aufgefordert werden, diese Folien wieder zu entfernen.

Nach § 5 Abs. 1 Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) kann die Zulassungsbehörde den Eigentümer oder Halter auffordern, den Mangel innerhalb einer bestimmten Frist zu beseitigen. Sie kann aber auch den Betrieb des Fahrzeugs beschränken oder untersagen.

Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen (Urteil vom 30.09.2009, Az. 1 A 322/07) seien übrigens getönte Scheibenfolien nicht mit Aufklebern oder Vignetten vergleichbar, die an den Scheiben angebracht sind, ohne dadurch die Sicht zu beschränken. Kleinflächige Autoaufkleber würden nicht der Bauartgenehmigungspflicht unterliegen.

Ob das Anbringen von kleinen Aufklebern eine Ordnungswidrigkeit darstellt, hängt allein von folgenden Faktoren ab:

  • In welchem Bereich und wieviel Aufkleber sind auf den Scheiben angebracht?
  • Ist trotz dieser Beklebung unter allen Betriebs- und Witterungsbedingungen ein ausreichendes Sichtfeld gewährleistet?

Nach § 23 StVO ist der Fahrzeugführer dafür verantwortlich, dass seine Sicht nicht durch den Zustand des Fahrzeugs, also auch nicht durch eine Beklebung beeinträchtigt wird. Wer die Windschutzscheibe seines Autos beklebt oder nicht genehmigte Folien auf den Scheiben anbringt und anschließend mit dem Wagen fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Er riskiert damit einen Bußgeldbescheid und muss unter Umständen mit folgenden Bußgeldern rechnen:

OrdnungswidrigkeitBußgeldPunkte
Fahren trotz eingeschränkter Sicht10 Euro
Bauartgenehmigung nicht mitgeführt10 Euro
Fahren mit einem nicht vorschriftsmäßigen Fahrzeug 25 Euro
… wesentliche Beeinträchtigung des Verkehrssicherheit 80 Euro1
… wesentliche Beeinträchtigung des Verkehrssicherheit und Unfall120 Euro1

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