Haftung eines Fußgängers – Bei Überquerung einer Straße besteht Sorgfaltspflicht

News vom 08.10.2018 um 11:39 Uhr

Wie ist es um die Haftung eines Fußgängers bei einem Unfall bestellt?

Wie ist es um die Haftung eines Fußgängers bei einem Unfall bestellt?

Fußgänger sind die schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr: Ohne schützende Knautschzone ist die Gefahr groß, dass sie schwer verletzt werden, wenn sie in einen Unfall geraten. Allein in Berlin starben laut Angaben der örtlichen Polizei im vergangenen Jahr 13 Fußgänger bei Unfällen im Straßenverkehr. Grundsätzlich gilt laut § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass alle Straßenverkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen und ständig Vorsicht walten lassen müssen. Das gilt natürlich auch, wenn Personen eine Straße überqueren. Ein wichtiges Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf zur Haftung eines Fußgängers bei einem Unfall zeigt, dass Personen beim Überqueren einer Straße eine Sorgfaltspflicht zukommt.

Auch Fußgänger kann die Schuld an einem Unfall treffen

Im verhandelten Fall ging es um einen Mann, welcher in der Dämmerung eine Straße überqueren wollte. Er trug zu diesem Zeitpunkt dunkle Kleidung. Auf der Straße erfasste ihn dann ein Auto, welches von links kam. In einem ersten Urteil befand der Richter, dass der Fahrer den Schaden zu 40 Prozent übernehmen müsse, da er ohne Abblendlicht unterwegs war.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf überprüfte den Fall im Anschluss. Ob der Autofahrer tatsächlich ohne Abblendlicht gefahren war, konnte laut OLG nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Stattdessen entschied das Gericht, dass die Haftung des Fußgängers bei 80 Prozent liege. Er sei ohne die nötige Sorgfalt einfach auf die Straße getreten.

Doch warum liegt die Schuld auch zu 20 Prozent beim Autofahrer? Dies lässt sich laut Gericht durch die Betriebsgefahr des Autos erklären. Dabei handelt es sich um die Gefahr, die von einer Sache ausgeht, die in Betrieb genommen wird. Mit dem Fahren eines Kraftfahrzeugs geht also immer eine gewisse Gefahr einher.

Was bedeuten die Haftungsquoten bei einem Verkehrsunfall?

Haftung eines Fußgängers: Die Haftungsquote wird vom Gericht festgelegt.

Haftung eines Fußgängers: Die Haftungsquote wird vom Gericht festgelegt.

Die Haftung eines Fußgängers lag im oben genannten also bei 80 Prozent, die des Autofahrer bei 20 Prozent. Diese Anteile werden auch Haftungsquoten genannt. Doch welche Bedeutung haben diese? In vielen Fällen liegt die Schuld an einem Verkehrsunfall nicht nur bei einem der Beteiligten. Haben beispielsweise beide Parteien gleich viel Schuld, wird eine Haftungsquote von 50 zu 50 festgelegt. Die Betroffenen können dann von der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung die Hälfte des entstandenen Schadens verlangen.

Wenn die Haftungsquoten gebildet werden, sind zwei Komponenten zu beachten:

  1. Verschuldenshaftung: Derjenige, der einen Fehler macht, muss dafür die Verantwortung tragen.
  2. Betriebsgefahr: Diese wird erst dann außer acht gelassen, wenn es auch bei einem idealen Fahrverhalten zu einem Unfall gekommen wäre.

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